@playerred
Genau deshalb würde ich personalisierte Tickets auch nicht als alleinige Lösung sehen. Sie könnten aber zumindest erschweren, dass sich größere Gruppen anderweitig Karten besorgen und anschließend geschlossen in bestimmte Fanblöcke bewegen.
Das eigentliche Problem entsteht meiner Meinung nach allerdings schon deutlich früher als an der letzten Zugangskontrolle. Wenn sich im Stadion eine größere Gruppe sammelt und nach Öffnung eines Blockeingangs geschlossen in Bewegung setzt (so wie im Carl-Benz-Stadion geschehen), kann man kaum erwarten, dass einzelne Ordner diese Masse am Blockaufgang noch wirksam aufhalten. Entscheidend wäre daher die Frage, an welcher Stelle diese Gruppenbildung überhaupt ermöglicht wird und warum vorherige Kontrollmöglichkeiten nicht greifen.
Eine Möglichkeit wären beispielsweise Vereinzelungsanlagen an den Blockzugängen, bei denen das Ticket zusätzlich zum Stadioneinlass am jeweiligen Block gescannt werden muss. Ein Drehkreuz lässt immer nur eine Person passieren und verhindert zumindest das einfache gemeinsame Durchrennen durch einen offenen Zugang. Gerade bei Hochrisikospielen könnte man außerdem stärker darauf achten, dass Zuschauer mit Tickets für andere Bereiche nicht ohne Weiteres in bestimmte Fanblöcke gelangen – etwa durch räumlich getrennte Zugänge oder stichprobenartige Kontrollen.
Auch Konsequenzen bei chronischer Überfüllung eines Blocks könnten eine Wirkung haben, ohne gleich den Charakter einer Kollektivstrafe anzunehmen. Wenn beispielsweise die Kapazität eines Blocks aus Sicherheitsgründen vorübergehend reduziert werden müsste, dürfte das durchaus dazu führen, dass innerhalb des Blocks selbst mehr darauf geachtet wird, wer dort eigentlich steht.
Natürlich bedeuten solche Maßnahmen Einschränkungen und teilweise auch bauliche Veränderungen. Aber auch Dinge wie der gesperrte Stadionrundlauf oder der „Löwengang“ auf dem Betze waren zunächst höchst umstritten und sind inzwischen zumindest weitgehend akzeptiert. Das zeigt, dass sich solche Maßnahmen mit der Zeit etablieren können, wenn sie nachvollziehbar sind und tatsächlich für mehr Sicherheit sorgen.
Die Personalisierung der Tickets könnte dabei ihren eigentlichen Zweck erfüllen: den Erwerb und die Weitergabe nachvollziehbarer und missbrauchsfester zu machen. Wichtig wäre dann allerdings eine unkomplizierte Umschreibung bis zum Spieltag, damit nicht am Ende der normale Fan die Nachteile trägt.
Letztlich glaube ich nicht, dass es die eine Maßnahme gibt, die solche Gruppenbildung vollständig verhindert. Man kann es aber an mehreren Stellen schwieriger machen: beim Ticketkauf, bei der Weitergabe, beim Zugang zu bestimmten Bereichen, durch Kontrollen und gegebenenfalls durch Konsequenzen bei nachweislichem Missbrauch. Und wenn man sich auf einen funktionierenden Selbstreinigungsprozess innerhalb der Kurve nicht verlassen kann, muss der Verein sein Sicherheitskonzept eben so gestalten, dass es darauf nicht angewiesen ist.
Natürlich bleibt dabei möglicherweise ein Stück Stadionerlebnis auf der Strecke. Aber ganz ehrlich: Spätestens nach den Vorfällen in Mannheim haben diese Gruppen aus meiner Sicht auch ein Stück weit das Recht auf einen gemeinsamen Diskurs verspielt. Wer bewusst und wiederholt(!) Grenzen überschreitet und damit die Sicherheit anderer gefährdet, kann nicht gleichzeitig erwarten, dass sein bisheriger Freiraum rund ums und im Stadion selbst um jeden Preis erhalten bleibt.
Irgendetwas muss sich deshalb ändern – und wenn dafür an manchen Stellen Einschränkungen notwendig sind, halte ich das für eine Abwägung, der man sich stellen muss.