Endlich wieder „normaler“ Fußball, endlich wieder zweite Liga!
Ich bin extrem gespannt auf das heutige Spiel auf dem Schlossberg, weil es für mich durchaus richtungsweisenden Charakter hat. Auch wenn wir erst am bzw. vor dem 7. Spieltag stehen, dürfte sich nach dem Fußballmonat Oktober mit den Partien gegen Heidenheim, Bochum, Nürnberg und der Hertha jedenfalls schon eine klarere Tendenz abzeichnen, wohin die Reise für uns in dieser Saison gehen kann - oder wohin eben nicht.
Auch wenn rund um den FCK während der Länderspielpause schon wieder eine kleines Pflänzchen Euphorie aufgekeimt ist, was ich angesichts unserer durchaus guten Punkteausbeute in der ersten Phase der Saison aber auch irgendwo nachvollziehen konnte, würde ich vor dem heutigen Spiel etwas konservative Vorsicht walten lassen. Heidenheim war schließlich noch nie unser Lieblingsgegner (*Fünf-Euro-ins-Phrasenschwein*). Hinzu kommt, dass wir es mit einem aktuellen Bundesligaabsteiger zu tun haben, der sich zuvor drei Jahre in der deutschen Beletage behauptet hat. Das scheint man aufgrund der überschaubaren Größe und vermeintlich kleinen Strahlkraft des Vereins von der Ostalb gerne mal zu vergessen.
Unsere guten Auftritte gegen Wolfsburg und insbesondere am Hamburger Millerntor würde ich deshalb auch nicht unbedingt als Blaupause für das heutige Spiel betrachten. Dafür sind die Voraussetzungen und die Spielweise des Gegners zu unterschiedlich. Gerade mit Blick auf unsere bisherige Bilanz in den Partien an der Brenz ist für mich der FCH heute der klare Favorit – und das ist ausdrücklich als nüchterne sportliche Einschätzung gemeint.
Was ich an unserem heutigen Gegner dabei besonders beeindruckend finde, ist die Kombination aus Intensität, Physis und einer über Jahre gewachsenen kollektiven Spielidee. Frank Schmidt hat dort seit 2007(!) eine Vereins-DNA entwickelt, die zahlreiche Umbrüche sowie Auf- und Abstiege überstanden hat. Dass die Abläufe, die Laufbereitschaft und die mannschaftliche Geschlossenheit dabei offenbar auch heute noch nichts von ihrer Wirkung eingebüßt haben, verdient Respekt und ist in erster Linie sicherlich einer der Hauptverdienste ihres aktuellen Übungsleiters.
Gerade bei den grundlegenden Abläufen auf dem Platz, der Abstimmung zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen und der kollektiven Spielweise sehe ich Heidenheim aktuell noch ein bis zwei Stufen vor dem FCK. Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass auch die individuelle Qualität der Spieler höher einzuschätzen ist. Entscheidend ist für mich vielmehr, wie gut die einzelnen Akteure in eine funktionierende Mannschaftsstruktur eingebunden sind. Und genau darin liefert unser heutiger Gegner seit vielen Jahren konstant auf einem bemerkenswert hohen Niveau ab.
Natürlich lassen sich beide Vereine aufgrund ihrer unterschiedlichen Größe und Strukturen nicht eins zu eins miteinander vergleichen. Dennoch finde ich es bemerkenswert, mit welcher Konsequenz in Heidenheim über Jahre hinweg an einer gemeinsamen Idee und Spielphilosophie gearbeitet wurde. Dort ist etwas gesund und organisch gewachsen, dessen Fundament inzwischen entsprechend gefestigt erscheint. Das ist für mich die besondere Stärke des FCH und zugleich ein Ansatz, von dem ich mir perspektivisch auch beim FCK mehr Kontinuität und einen klaren Wiedererkennungswert wünschen würde.
Aber genug der Lobpreisung und Glorifizierung: Am Ende spielt Heidenheim in dieser Saison schließlich genauso wie wir in der zweiten Liga.
Betrachtet man das heutige Spiel in der Voith-Arena aus sportlicher Sicht, zeigt sich beim Gastgeber durchaus eine mögliche Schwachstelle in der Defensive. Sechs Gegentore in den bisherigen drei Heimspielen, darunter jeweils drei gegen Osnabrück und Dynamo Dresden, verdeutlichen, dass auch der FCH defensiv verwundbar ist. Um diese Anfälligkeiten auszunutzen, werden wir allerdings selbst die Initiative ergreifen und offensiv mutig auftreten müssen.
Sollten wir heute Abend erneut die „Bielefeld-Taktik“ aus dem letzten Jahr auspacken und uns mit zehn Mann in der eigenen Hälfte verschanzen wollen, um die berühmte Null so lange wie möglich zu halten, dürfte es schwierig werden, Heidenheim ernsthaft unter Druck zu setzen. Auch die Mannschaft von Frank Schmidt ist schließlich nicht unverwundbar – sie muss allerdings entsprechend bespielt werden. Ich hoffe deshalb, dass wir heute Abend den nötigen Mut mitbringen, selbst Akzente zu setzen, anstatt uns ausschließlich auf die Defensivarbeit zu konzentrieren.
Personell bin ich zunächst einmal froh, dass sich ein Großteil der rot-weiß-roten Fragezeichen, die noch in der vergangenen Woche rund um das Testspiel gegen Großaspach bestanden, inzwischen wieder in Luft aufgelöst haben. Gerade in der Defensive sieht die Situation mit den voraussichtlichen Rückkehrern Elvedi, Rasmussen und Haas mittlerweile deutlich entspannter aus.
Spannend wird vor allem die Besetzung der linken Schiene. Sehen wir dort wie üblich Mika Haas, oder schenkt Lieberknecht doch Murphy das Vertrauen, der zuletzt mit starken Leistungen für die irische U21 auf sich aufmerksam machen konnte? Ich gehe davon aus, dass man sich aus Gründen der Belastungssteuerung für Haas entscheiden wird. Schließlich dürfte es heute Abend vom Anpfiff an Weg vor allem auch darauf ankommen, über die gesamte Spielzeit hinweg die nötigen Körner zu haben.
Offen bleibt außerdem die Frage, ob Prtajin bereits wieder eine Option für den Spieltagskader ist. Die endgültige Entscheidung liegt natürlich beim Trainer. Persönlich wäre ich allerdings eher dafür, ihm lieber eine Woche mehr als eine Woche zu wenig Zeit für seine vollständige Genesung zu geben. Nach dem Testspiel in der vergangenen Woche hatte er schließlich selbst eingeräumt, den einen oder anderen Zweikampf noch gescheut zu haben. Gerade auf dem Schlossberg dürfte er heute Abend jedoch in zahlreiche intensive Duelle verwickelt werden, in denen wenig Raum für Zurückhaltung bleiben dürfte.
Zumal wir mit Berisha, Yardimci, Luković und Tazemeta – sofern Letzterer nicht aufgrund seiner Rückenverletzung ausfällt – inzwischen auch ohne Prtajin über mehrere Alternativen für die vorderste Reihe verfügen. Dass dessen Qualitäten über jeden Zweifel erhaben sind, steht dabei natürlich aber dennoch außer Frage. In der Breite sind wir dort also durchaus ordentlich aufgestellt.
Ob die vorhandenen Alternativen allerdings auch für einen Platz in der Startelf infrage kommen oder zunächst eher als Joker interessant sind, ist eine andere Frage. Ich persönlich würde mit Yardimci beginnen. Nicht nur wegen seines Siegtreffers gegen Braunschweig nach seiner Einwechslung, sondern auch, weil mir sein Auftritt insgesamt ausgesprochen gut gefallen hat. Allerdings hoffe ich, dass nach seiner überstandenen Grippe genügend Kraft im Tank ist, um mehr als die üblichen 20 bis 30 Minuten Einsatzzeit absolvieren zu können.
Alternativ würde ich gerne einmal Luković von Beginn an sehen. Mich würde einfach interessieren, wie er sich unter echten Wettkampfbedingungen von Anfang an präsentiert. Berisha sehe ich dagegen ehrlich gesagt eher nicht in der Startelf. Zumindest seine Körpersprache lässt mich daran zweifeln, ob er gegen einen physisch starken Gegner wie Heidenheim die passende Wahl wäre. Das ist natürlich meine persönliche Einschätzung, aber gerade in einem Spiel, in dem uns vermutlich zahlreiche intensive Zweikämpfe erwarten, würde ich hier eine andere Lösung bevorzugen.
Ein langes taktisches Abtasten erwarte ich heute Abend nicht. Dafür treffen zwei Mannschaften aufeinander, die sich gegenseitig einiges abverlangen dürften. Ich rechne mit einem intensiven Spiel, vielen Zweikämpfen und wenigen geschenkten Metern. Frank Schmidt hat auf der Pressekonferenz selbst betont, dass die Duelle mit seinem langjährigen Freund und Wegbegleiter Torsten Lieberknecht gerne von einer gesunden Rivalität geprägt sind. Beide Mannschaften und ihre Trainer schenken sich über die gesamten 90 Minuten normalerweise nichts – ergo dürfte es auch heute Abend ordentlich „knallen“.
Genau so ein Spiel erwarte ich heute Abend allerdings auch. Männerfußball, Reifeprüfung oder einfach ein echter Härtetest – nennt es, wie ihr wollt. Entscheidend wird sein, dass wir uns dieser Herausforderung stellen, in den Zweikämpfen dagegenhalten und gleichzeitig den Mut bewahren, unser eigenes Spiel auf den Platz zu bringen. Nur wenn wir mit der nötigen Leidenschaft, Konsequenz und Überzeugung auftreten, werden wir eine Chance haben, aus Heidenheim etwas Zählbares mitzunehmen.
Forza FCK!
