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58 Menschen leben wie im Zwinger

Mathias

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58 Menschen leben wie im Zwinger

VON NICOLE STÖTZEL, 28.01.07, 22:05h



Der Anblick ist selbst für die Polizisten erschreckend. „Da hat ein Schäferhund im Tierheim in seinem Zwinger mehr Platz“, so ein Beamter. 58 Rumänen hocken eng aneinander auf rund 50 Quadratmetern. Nur zufällig entdecken Vertreter des Ordnungsdienstes der Stadt Köln und Polizisten, die gemeinsam unterwegs sind, die verheerenden Zustände in einer Kalker Dachwohnung. Eigentlich wollen sie an diesem Abend Gaststätten und Vereinslokale kontrollieren auf der Suche nach Verstößen gegen das Jugendschutzgesetz oder nach illegalem Glücksspiel. Doch die Räumlichkeiten abseits der Kneipe kommen ihnen merkwürdig vor. Sie gehen die Treppe hinauf und ihnen schlägt ein Ekel erregender Geruch entgegen. Erst einmal wird durchgelüftet, dann überprüfen sie die Papiere der Bewohner.



Die Rumänen hocken auf Matratzen oder Betten in fünf winzigen Zimmern. Wände und Böden sind verschmutzt. Keiner von den Anwesenden ist vorbestraft. Doch bekannt sind sie schon. Ein Großteil wird täglich in der Stadt beim Betteln beobachtet. Doch gegen sie vorgehen können die Beamten nur, wenn sie aggressiv werden oder jemanden belästigen. Dafür wird der Vermieter noch was zu hören bekommen. Die Brandschutzbestimmungen werden in der Wohnung nicht eingehalten und „das Ganze ist auch für die Steuer interessant“, so ein Vertreter des Ordnungsdienstes. Jetzt wird überprüft, wer wie viel Miete zahlt und was davon abgerechnet wird. Zudem ist das Haus als Beherbergungsstätte nur auf eine bestimmte Personenzahl zugelassen. Die wird deutlich überschritten.



Seit zwei Jahren begleitet Stephanie Kreuter vom Ordnungsdienst solche nächtlichen Aktionen. Doch das, was sie in der Dachgeschosswohnung mit ansehen muss, findet auch die 24-Jährige „erschreckend“. Nicht immer kann sie nach Dienstschluss direkt abschalten. „Man ist ein bisschen im Zwiespalt. Einerseits ist man für die Stadt im Dienst, andererseits gibt es dann die menschliche Seite, man hört die Geschichten, die dahinter stecken.“ Und so weiß niemand, ob die Rumänen in ihrer Heimat noch ärmer dran sind. Kaum vorstellbar.



Doch mit der Überprüfung der Personalien ist es für die Ordnungshüter in diesem Haus noch lange nicht getan. Eine Etage tiefer öffnen sie die Zwischentür zu einem Nebenhaus. Dort überprüfen sie weitere Zimmer. Sie klopfen an jede Tür, kontrollieren die Papiere der Frauen, die sich dort aufhalten. Verstöße gegen das Gesetz liegen hier nicht vor.



Verstöße gegen das



Jugendschutzgesetz



Und so geht es weiter zur nächsten Lokalität. Insgesamt schaffen die Beamten nur drei Objekte in dieser Nacht. Sie stellen Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz und gegen das Gaststättengesetz fest und gehen einem Verdacht auf illegales Glücksspiel nach. Die Zivilbeamten fahren jedes Mal vor. Erst wenn sie grünes Licht geben, folgen die Polizisten in Uniform und die Ordnungsdienstler der Stadt. Auf dem Weg zu den Kollegen geht plötzlich das Blaulicht an, der Wagen wendet und die Polizisten umstellen ein Taxi auf einem dunklen Tankstellengelände. „Alles klar?“, fragt einer der Beamten. Die Frau hinter dem Steuer ist ganz verdutzt. „Ja“, antwortet sie, „wir haben nur den Luftdruck der Reifen überprüft.“ Die Polizisten hatten einen Taxidiebstahl vermutet, erklären dies der Frau, die dann auch dankbar ist für so viel Aufmerksamkeit.



Die Fahrt zum geplanten Einsatz in Poll wird fortgesetzt. In einer Gaststätte, die einen gutbürgerlichen Eindruck macht, verschaffen sich die Beamten einen Überblick. 15 Minuten später führen sie einen kroatischen Mann ab. Der Mann kann keine Arbeitserlaubnis vorlegen, hat aber für die Gäste gekocht. Seine Ausrede: „Das habe ich für mich selbst gemacht.“ Doch Stephanie Kreuter und ihre Kollegen haben ihn dabei beobachtet, wie er Bratkartoffeln in einer großen Pfanne schwenkt. So viel kann er kaum auf einmal essen. Auch eine Küchenhilfe soll noch kontrolliert werden, ist aber plötzlich verschwunden. Das ärgert das Einsatzteam.



Die Ordnungspartnerschaft läuft ansonsten sehr gut. Einmal im Monat gehen Polizei und Ordnungsdienst gemeinsam auf Tour. Dabei müssen sie sehr konzentriert sein. „Man weiß ja nie, was hinter der Tür ist“, so einer der Beamten. Bei ihrem Gang durch die Kneipen haben sie schon oft unhygienische Zustände in Küchen gesehen. „Wir können nicht zulassen, dass die Gesundheit der Gäste gefährdet ist“, erklärt Kreuter. Tipps bekommen sie von anderen Behörden oder unzufriedenen Gästen. Und manchmal stechen sie auch in ein „Wespennest“, so wie bei ihrer ersten Station an diesem Abend.



Quelle: http://www.koelnische-rundschau.de/html/artikel/1169970084690.shtmlhttp://www.koelnische-rundschau.de/html/artikel/1169970084690.shtml



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