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BERLIN: 34 Millionen Euro Verbindlichkeiten – Vorgriffe auf die Zukunft
DER SCHMALE GRAT
Sie stemmen sich gegen die Negativ- Schlagzeilen. „ Die Lizenz war und ist nicht in Gefahr“, sagt Dieter Hoeneß, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hertha BSC KGaA ( Kommanditgesellschaft auf Aktien). „ Diese Diskussion schadet uns.“ Weil sie zum ungünstigsten Zeitpunkt kommt. Hertha sucht einen neuen Trikotsponsor ( der Vertrag mit Arcor endet 2006), seit einiger Zeit einen strategischen Partner – und die Verhandlungen mit Finanzmakler Stephen Schechter wegen einer Anleihe über 30 bis 35 Millionen Euro ( Laufzeit zwischen 13 und 17 Jahren) dauern an.
„ Eine mögliche Pleite gehört ins Reich der Fabel“, sagt Aufsichtsrats- Chef Prof. Rupert Scholz. Hertha am Abgrund? Oder alles nur halb so schlimm? Es stellt sich die Frage nach. . .
. . . den Verbindlichkeiten: Insgesamt etwa 34 Millionen Euro: 18,95 Mio.
Euro bei drei Bankinstituten, 4,3 Mio. aus Lieferungen/ Leistungen, 10,8 Mio. sonstige Verbindlichkeiten. Nach negativen Abschlüssen in den letzten drei Geschäftsjahren ( 2001/ 02: 5,0 Mio.
Fehlbetrag; 2002/ 03: 5,9 Mio.;
2003/ 04: 5,6 Mio.) hat Finanzchef Schiller der Mitgliederversammlung am Montag erstmals wieder positive Zahlen in Aussicht gestellt.
. . . den Gründen der Misere: Die Stadion- Sanierung ( 15 Mio. Euro Mindereinnahmen), die Kirch- Krise ( 12 Mio. Mindereinnahmen) und Investitionen in die Infrastruktur ( 8 Mio.) brachten Hertha in die Bredouille. Dazu kamen hohe Gehälter ( u. a. für Bobic, Rehmer, Luizao) und Ablösen ( u. a. für Alves).
. . . Herthas Finanzpolitik: Der Klub versucht sich zu konsolidieren und muss dennoch unentwegt neue Löcher stopfen. Seit Jahren sinken die Personalkosten: von 33,3 Mio. Euro ( 2002/ 03) über 28,8 Mio. ( 2003/ 04), 25,0 Mio. ( 2004/ 05) auf 23,0 Mio. in dieser Saison. Aber in der Vergangenheit getätigte Vorgriffe auf die Zukunft zeigen, wie schmal der Grat ist. Dank Signing Fees wurden immer wieder Liquiditäts* Engpässe überstanden. Für einen Sechs* Jahres- Vertrag mit Ausrüster Nike kassierte Hertha im Sommer 2003 zehn Millionen Euro, bis Vertragsende 2009 gibt's pro Jahr nur noch 1,3 Mio.Euro. Im Oktober 2004 verlängerte Hertha im Stillen den noch bis 2009 laufenden Vertrag mit Vermarktungspartner Sportfive bis 2014 – und erlöste 7,5 Mio. Euro frisches Geld. Finanzchef Ingo Schiller über die Signing Fees: „ Das sind branchenübliche Instrumente.“ Zudem wurden etwaige Transfererlöse einiger Spieler ( Marcelinho, Friedrich, Simunic) als Sicherheiten an Banken abgetreten. Auch die Sale- and- lease- back- Geschäfte sind problematisch: Hertha veräußerte 2003 die Rechte an Logen, Sky- Boxen und Business- Seats im Stadion für 15 Mio. Euro und zahlt zwischen 2004/ 05 und 2008/ 09 pro Saison 4,1 Mio. Euro Leasinggebühr für die Logennutzung.
. . . dem Stadion: Die Arena ist ein Millionen- Grab. Aufsichtsrats* Chef Scholz: „ Das Olympiastadion kann man nicht mit schwaren Zahlen führen.“ Jetzt steigt Hertha aus der Betreiber- Gesellschaft aus – das Land Berlin wird alleiniger Gesellschafter. Hertha erhält seine als Gesellschafter gezahlte Einlage und ein geleistetes Darlehen zurück ( insgesamt etwa 2,8 Mio.). Zudem soll die Pacht, die Hertha als Hauptmieter zahlt, um etwa eine Million Euro pro Saison reduziert werden. Berlins Sportsenator Böger: „ Eine Kuh, die ich melken will, kann ich nicht schlachten.“
. . . der Opposition: Eine kleine Gruppe um Hertha- Mitglied Otto Schulz kritisiert seit Jahren das Finanzgebaren und die mangelnde Transparenz. Für die Mitgliederversammlung am Montag fordert der Wirtschaftsprüfer („ Wir haben die Sorge, dass etwas schief läuft“), den Mitgliedern einen Konzernabschluss vorzulegen, also auch die Zahlen der Tochtergesellschaften der KG. Hoeneß und Schiller müssen sich auf viele Fragen einrichten, sitzen aber fest im Sattel: Der Aufsichtsrat verlängerte die Verträge der beiden unlängst bis 2010.
. . . der Zukunft: „ Die nächsten zwei, drei Jahre müssen wir sparsam wirtschaften und weiter den Kurs der Vernunft fahren“, sagt Hoeneß.
„ Für die Zeit danach bin ich zuversichtlich.“ Klar ist: Hertha braucht einen Befreiungsschlag. Sportlich ( Einzug in die Champions League) oder wirtschaftlich ( etwa den Abschluss einer Anleihe, die zur Umschuldung genutzt wird). Sonst bleibt das Eis, auf dem sich der Hauptstadt- Klub bewegt, ausgesprochen dünn. STEFFEN ROHR
Quelle Kicker
DER SCHMALE GRAT
Sie stemmen sich gegen die Negativ- Schlagzeilen. „ Die Lizenz war und ist nicht in Gefahr“, sagt Dieter Hoeneß, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hertha BSC KGaA ( Kommanditgesellschaft auf Aktien). „ Diese Diskussion schadet uns.“ Weil sie zum ungünstigsten Zeitpunkt kommt. Hertha sucht einen neuen Trikotsponsor ( der Vertrag mit Arcor endet 2006), seit einiger Zeit einen strategischen Partner – und die Verhandlungen mit Finanzmakler Stephen Schechter wegen einer Anleihe über 30 bis 35 Millionen Euro ( Laufzeit zwischen 13 und 17 Jahren) dauern an.
„ Eine mögliche Pleite gehört ins Reich der Fabel“, sagt Aufsichtsrats- Chef Prof. Rupert Scholz. Hertha am Abgrund? Oder alles nur halb so schlimm? Es stellt sich die Frage nach. . .
. . . den Verbindlichkeiten: Insgesamt etwa 34 Millionen Euro: 18,95 Mio.
Euro bei drei Bankinstituten, 4,3 Mio. aus Lieferungen/ Leistungen, 10,8 Mio. sonstige Verbindlichkeiten. Nach negativen Abschlüssen in den letzten drei Geschäftsjahren ( 2001/ 02: 5,0 Mio.
Fehlbetrag; 2002/ 03: 5,9 Mio.;
2003/ 04: 5,6 Mio.) hat Finanzchef Schiller der Mitgliederversammlung am Montag erstmals wieder positive Zahlen in Aussicht gestellt.
. . . den Gründen der Misere: Die Stadion- Sanierung ( 15 Mio. Euro Mindereinnahmen), die Kirch- Krise ( 12 Mio. Mindereinnahmen) und Investitionen in die Infrastruktur ( 8 Mio.) brachten Hertha in die Bredouille. Dazu kamen hohe Gehälter ( u. a. für Bobic, Rehmer, Luizao) und Ablösen ( u. a. für Alves).
. . . Herthas Finanzpolitik: Der Klub versucht sich zu konsolidieren und muss dennoch unentwegt neue Löcher stopfen. Seit Jahren sinken die Personalkosten: von 33,3 Mio. Euro ( 2002/ 03) über 28,8 Mio. ( 2003/ 04), 25,0 Mio. ( 2004/ 05) auf 23,0 Mio. in dieser Saison. Aber in der Vergangenheit getätigte Vorgriffe auf die Zukunft zeigen, wie schmal der Grat ist. Dank Signing Fees wurden immer wieder Liquiditäts* Engpässe überstanden. Für einen Sechs* Jahres- Vertrag mit Ausrüster Nike kassierte Hertha im Sommer 2003 zehn Millionen Euro, bis Vertragsende 2009 gibt's pro Jahr nur noch 1,3 Mio.Euro. Im Oktober 2004 verlängerte Hertha im Stillen den noch bis 2009 laufenden Vertrag mit Vermarktungspartner Sportfive bis 2014 – und erlöste 7,5 Mio. Euro frisches Geld. Finanzchef Ingo Schiller über die Signing Fees: „ Das sind branchenübliche Instrumente.“ Zudem wurden etwaige Transfererlöse einiger Spieler ( Marcelinho, Friedrich, Simunic) als Sicherheiten an Banken abgetreten. Auch die Sale- and- lease- back- Geschäfte sind problematisch: Hertha veräußerte 2003 die Rechte an Logen, Sky- Boxen und Business- Seats im Stadion für 15 Mio. Euro und zahlt zwischen 2004/ 05 und 2008/ 09 pro Saison 4,1 Mio. Euro Leasinggebühr für die Logennutzung.
. . . dem Stadion: Die Arena ist ein Millionen- Grab. Aufsichtsrats* Chef Scholz: „ Das Olympiastadion kann man nicht mit schwaren Zahlen führen.“ Jetzt steigt Hertha aus der Betreiber- Gesellschaft aus – das Land Berlin wird alleiniger Gesellschafter. Hertha erhält seine als Gesellschafter gezahlte Einlage und ein geleistetes Darlehen zurück ( insgesamt etwa 2,8 Mio.). Zudem soll die Pacht, die Hertha als Hauptmieter zahlt, um etwa eine Million Euro pro Saison reduziert werden. Berlins Sportsenator Böger: „ Eine Kuh, die ich melken will, kann ich nicht schlachten.“
. . . der Opposition: Eine kleine Gruppe um Hertha- Mitglied Otto Schulz kritisiert seit Jahren das Finanzgebaren und die mangelnde Transparenz. Für die Mitgliederversammlung am Montag fordert der Wirtschaftsprüfer („ Wir haben die Sorge, dass etwas schief läuft“), den Mitgliedern einen Konzernabschluss vorzulegen, also auch die Zahlen der Tochtergesellschaften der KG. Hoeneß und Schiller müssen sich auf viele Fragen einrichten, sitzen aber fest im Sattel: Der Aufsichtsrat verlängerte die Verträge der beiden unlängst bis 2010.
. . . der Zukunft: „ Die nächsten zwei, drei Jahre müssen wir sparsam wirtschaften und weiter den Kurs der Vernunft fahren“, sagt Hoeneß.
„ Für die Zeit danach bin ich zuversichtlich.“ Klar ist: Hertha braucht einen Befreiungsschlag. Sportlich ( Einzug in die Champions League) oder wirtschaftlich ( etwa den Abschluss einer Anleihe, die zur Umschuldung genutzt wird). Sonst bleibt das Eis, auf dem sich der Hauptstadt- Klub bewegt, ausgesprochen dünn. STEFFEN ROHR
Quelle Kicker