HINTERGRUND: Der frühere Fußballprofi Hannes Riedl wurde am Samstag 60 Jahre alt. Er hat in seinem Leben einige Höhen und Tiefen erlebt.Nach seinem kometenhaften Aufstieg zum gestandenen Bundesligaspieler des 1. FC Kaiserslautern erlebte der Pirmasenser, dass es im Leben auch abwärts gehen kann - bis zur Arbeitslosigkeit. Heute arbeitet Riedl mit viel Freude im Pirmasenser Mitmachmuseum Dynamikum
Von Marianne Teuscher
Wer das Pirmasenser Mitmachmuseum Dynamikum betritt, den erwarten vielerlei Überraschungen. Dazu gehören vor allem die interessanten Animationen, die das Museum bietet. Dazu gehört aber auch die Begegnung mit einem Mann, den man dort eher nicht vermutet hätte. „Den kenn" ich doch. Ist das nicht Hannes Riedl?", fragen sich nicht wenige Besucher und spitzeln möglichst unbemerkt auf das Namensschildchen. Richtig. Der ehemalige Profifußballer Riedl hat ein neues Wirkungsfeld. Er ist Angestellter des Dynamikums.
Das Leben des Hannes Riedl ist ein Auf und Ab. Er ist Jahrgang 1950, wurde am vergangenen Samstag 60 Jahre alt, ist geschieden, hat drei erwachsene Kinder und ist Opa. Und er hat einen viereinhalbjährigen Sohn: Luca. Mit zwei Jahren verschlug es seine Eltern nach Pirmasens. Hier besuchte er die Husterhöhschule. Vom neunten bis zum 18. Lebensjahr schnürte der Pirmasenser („als solcher fühle ich mich") seine Kinder-und Jugendfußballstiefel für den FK Pirmasens. Er besuchte das damalige Naturwissenschaftliche Gymnasium. Ein Jahr vor dem Abitur stieg er aus der Schule aus und ins Fußball-Profigeschäft ein. Es schloss sich eine grandiose Fußballerkarriere mit 441 Bundesligaspielen für den MSV Duisburg, Hertha BSC Berlin, den 1. FC Kaiserslautern und Arminia Bielefeld an, aber auch private Irrwege.
Heute hat er wieder festen Boden unter den Füßen, aber das war nicht immer so. Hannes Riedel hat eine schwere Zeit hinter sich. „Ich war lange Zeit arbeitslos. Meine letzte Station war Fanbeauftragter beim 1. FCK. Nach Unstimmigkeiten mit der damaligen Führung rutschte ich in die Arbeitslosigkeit ab; für eine längere Phase', gewährt Riedl Einblick in eine eher dunkle Zeit seines Lebens. Es sei schlichtweg schwierig gewesen, in seinem Alter noch einen Job zu finden. „Ich habe unzählige Bewerbungen geschrieben.' Dann sah er das Stellenangebot des Dynamikums und bewarb sich. Im Mai vor zwei Jahren hatte Hannes Riedl dann wieder einen festen Job: Er wurde im Dynamikum unter Vertrag genommen.
„Ich hatte sechs Monate Probezeit. An der Arbeit hatte ich direkt Gefallen gefunden. Es passte einfach. Ich wollte immer mit Menschen zu tun haben. Deshalb ist das hier auch eine sehr angenehme Sache, täglich kommt Publikum. Zudem ist die Arbeit sehr interessant und erlebnisreich. Das macht dann einfach Spaß", freut er sich über seine positive Lebensentwicklung. Durch die Arbeit mit den Exponaten im Dynamikum fühlte er sich zurück erinnert an alte Schulzeiten. „Da ist wieder etwas aus dem Hinterstübchen gekommen. Das war nicht schlecht."
Kommt es vor, dass Leute ihn gleich erkennen als ehemaligen Fußballprofi? „Ja. Ich bin hier schon öfters auf meine Fußballervergangenheit angesprochen worden. Von Leuten, die ich persönlich kenne aus Fußballzeiten. Die wollen dann natürlich fachsimpeln und fragen, wieso ich hier bin." Natürlich sprechen ihn auch Leute an, meistens Familien, an die er sich nicht mehr erinnern kann. „Dann frage ich mal gleich: Was macht der Sohn?"
Riedl freut sich, wenn ihn jemand anspricht. Er freut sich überhaupt über jeden Kontakt zu den Besuchern im Dynamikum und über das, was er dort erlebt. Beispielsweise mit einem älteren Ehepaar, beide mit Stock und schon über 80 Jahre. Sie setzten sich in das „drehende Haus". „Ich versicherte mich, ob sie schwindelfrei sind und setzte sie gleich neben die Eingangstür in der Hoffnung, wenn ihnen schlecht wird, dann ist der Weg nach draußen nicht weit. Als der Dreh vorbei, war fragte ich: ,Alles ok?" Und was sagte der Senior: Können wir noch einmal fahren? Das hätte ich wirklich nicht erwartet. Auch so etwas begeistert und macht den Job zur Freude.'
Auch wenn Fußball einmal sein Lebensmittelpunkt war, ist der Ex-Profi heute froh, einen klaren (Berufs-)Weg eingeschlagen zu haben. Sicher, er würde - im Nebenjob - auch als Jugendtrainer sofort bereit stehen, aber sein jetziger fester Arbeitsplatz bedeutet ihm sehr viel: „Hier arbeite ich auch mit Menschen, und das generationenübergreifend. Das ist erlebnisreich. Wir haben ein gutes Kollegium mit gutem Arbeitsklima.'
Und welche Animationen gefallen ihm im Dynamikum am besten? Zunächst nennt Riedl das Luftkissenfahrrad; wegen der Optik und weil es unheimlich interessant ist. „Man sieht, was die Aktivität bewirkt." Und dann das Laufen gegen die Tiere, wo man sehr erstaunt ist über die von Tieren erreichte Geschwindigkeit. Irgendwie üben die auf sportliche Betätigung angelegten Exponate auf den Ex-Fußballprofi immer noch den größten Anreiz aus. Der Kreis schließt sich. „Es macht Spaß und Freude. Man muss sich einfach wieder finden." Wieder gefunden hat sich Riedl auch in seiner „alten Heimat" in Pirmasens, wo er wieder lebt.
Quelle :
Publikation: Pfälzische Volkszeitung