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[Irak] Erneute Hinrichtungspanne

Jonny

Well-Known Member
Achtung...nichts für sanfte Gemüter...









NEUE HINRICHTUNGSPANNE



<span>Saddams Halbbruder riss der Kopf ab</span>



Diesmal sollte es keinen Grund für Vorwürfe geben. Nach der chaotischen Hinrichtung von Saddam Hussein wollten die Behörden bei der Exekution seines Halbbruders Barsan al-Tikriti und des Ex-Richters Awad al-Bandar besonders akkurat vorgehen - doch das misslang.



Bagdad - Der Kopf habe sich vom Rumpf getrennt, während Barsan al-Tikriti am frühen Morgen gehängt worden sei, sagte ein Sprecher der irakischen Regierung bei einer Pressekonferenz. Neben al-Tikriti wurde auch der ehemalige Vorsitzende des Revolutionsgerichts Awad al-Bandar hingerichtet.



Ministerpräsident Nuri al-Maliki habe nach der Kritik an den Umständen von Saddams Hinrichtung den Informationsfluss besser kontrollieren wollen, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter. Deshalb hätten die Behörden die Exekution zunächst nicht bestätigt. Ein Video von Saddams Tötung hatte internationale Kritik und einen Aufruhr unter der sunnitischen Minderheit im Irak ausgelöst. In dem Film war zu sehen, wie der sunnitische Ex-Präsident noch auf dem Schafott von Schiiten beschimpft wurde.



Al-Tikriti soll dem Gouverneur von Saddams Heimatprovinz Salahaddin zufolge im Geburtsort des Ex-Präsidenten, Audscha, beigesetzt werden. Auch Saddam war dort vor zwei Wochen beerdigt worden. Der Halbbruder des früheren irakischen Diktators werde aber nicht in Saddams Mausoleum liegen. Al-Tikriti und Bandar waren Anfang November im Zusammenhang mit einem Massaker an Schiiten in dem Dorf Dudschail zusammen mit Saddam zum Tode verurteilt worden. Der Ex-Machthaber selbst wurde am 30. Dezember wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit hingerichtet.



Auch US-Präsident George W. Bush hat inzwischen die Umstände der Hinrichtung Saddams kritisiert. Er habe Auszüge aus dem im Internet verbreiteten Video der Hinrichtung gesehen, sagte Bush. Die Hinrichtung hätte viel besser abgewickelt werden können, kritisierte er im Fernsehsender CBS. Er habe persönlich keine besondere Befriedigung über die Vollstreckung der Todesstrafe verspürt. "Ich bin kein rachsüchtiger Mensch", sagte Bush.



Bush bekräftigte in dem Interview weiter, dass er trotz aller Kritik im Kongress an seinem Irak-Kurs festhalten will. Er sei sich darüber im Klaren, dass die Demokraten ihn stoppen wollten, sagte Bush. "Aber ich habe mich entschieden und wir gehen voran." Er unterstrich erneut die strategische Bedeutung des Konflikts: "Wenn wir im Irak nicht gewinnen, werden wir einen Nahen Osten hinterlassen, der Amerika gefährden wird." Auf die Frage, ob er sich nicht für Fehler in der Kriegsführung beim irakischen Volk entschuldigen müsste, antwortete der Präsident: "Überhaupt nicht."



Die US-Regierung begrüßte die Hinrichtung von Saddams Mitangeklagten: Die irakische Regierung lasse "Gerechtigkeit" gegen die wegen "brutaler Verbrechen gegen die Menschlichkeit" Verurteilten walten, erklärte das Weiße Haus.



EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der italienische Regierungschef Romano Prodi verurteilten dagegen die Hinrichtung der Saddam-Vertrauten. "Wir sind prinzipiell gegen die Todesstrafe", sagte Barroso heute nach einem Treffen mit Prodi in Rom. "Ein Mensch hat nicht das Recht, einem anderen das Leben zu nehmen." Ähnlich äußerte sich Prodi. Er habe bereits die Hinrichtung des früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein verurteilt, sagte Prodi.



Auch Russland kritisierte die Hinrichtung der beiden Saddam-Gefolgsleute. Die Vollstreckung der Strafe helfe ebenso wenig wie die Hinrichtung Saddams, die Lage im Irak zu stabilisieren, sagte der Sprecher des russischen Außenministeriums, Michail Kamynin, in Moskau. Nur ein Dialog unter Beteiligung aller politischer und ethnischer Gruppen könne zu einer Normalisierung führen. Daran müssten auch Syrien und der Iran beteiligt werden, sagte Kamynin.



hen/AP/Reuters/dpa







www.spiegel.de



Die Spiegel Titel werden auch immer reißerischer.
 
Die US-Regierung begrüßte die Hinrichtung von Saddams Mitangeklagten: Die irakische Regierung lasse "Gerechtigkeit" gegen die wegen "brutaler Verbrechen gegen die Menschlichkeit" Verurteilten walten, erklärte das Weiße Haus.


Als ich heute im Radio gehört habe, dass 2 Mitangeklagte Saddams wegen "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" hingerichtet wurden, hab ich mich beim Rasieren geschnitten...



Diese Ironie hätte kein Komiker erreichen können!



Ich hoffe, dass ich nicht auch irgendwann einmal so zynisch werde und der Formel Unrecht + Unrecht = Recht zustimme!
 
EXEKUTION DES SADDAM-HALBBRUDERS



<span>Welche Fehler der Henker gemacht haben muss</span>



Bei der Hinrichtung am Galgen trennte der Strick Saddam Husseins Halbbruder den Kopf ab. Wie konnte das passieren? Rechtsmediziner sagen: Je mehr der Delinquent wiegt, je tiefer er fällt und je dünner das Seil ist, desto größer ist die Gefahr der Enthauptung.




Es ist ein barbarischer Akt, der seit Jahrhunderten zum Instrumentarium der Rechtsgeschichte gehört. Menschen zu hängen, gehört zu den ältesten Hinrichtungsarten.



Es geht alles blitzschnell: Die Falltür öffnet sich, der Körper stürzt hinab, das Seil hält ihn auf. Dabei bricht die Halswirbelsäule. Gleichzeitig versiegt die Blutzufuhr zum Gehirn.



So auch bei Barsan al-Tikriti, Saddam Husseins Halbbruder. Er wurde heute Morgen gemeinsam mit dem Ex-Richter Award al-Banda hingerichtet. Doch der Strick durchtrennte sogar den Hals von al-Tikriti - sein Körper fiel zu Boden, der Kopf daneben.



Wie konnte das passieren? Laut der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin kommt es darauf an, wie tief der Erhängte fällt, wie schwer er ist und aus welchem Material das Seil besteht, das ihn tötet. Bei einer Fallhöhe von 10 bis 15 Metern reißt der Kopf ab. Das liegt an den enormen Kräften, die auf die Halswirbelsäule einwirken. Wenn sich die Schlinge nach einem Sturz aus großer Höhe zusammenzieht, entsteht ein riesiger Druck auf den Hals. Diese sogenannten zirkulären Seilkräfte wirken gemeinsam mit den senkrechten Zugkräften: Das plötzlich gespannte Seil hält den Kopf im Fall zurück, der Körper hingegen folgt der Schwerkraft. Übersteigen diese Kräfte eine gewisse Grenze, reißt der Kopf ab.



Bei der Hinrichtung von al-Tikriti muss dies oder Ähnliches passiert sein. Die Deutsche Gesellschaft für Rechtsmedizin vermutet, dass Henker beim Erhängen "auf Nummer sicher gehen" wollen: Der Strick solle zum einen die Blutzufuhr abschneiden, zum anderen die Halswirbelsäule brechen. Aus diesem Grund wählen Henker oft eine größere Höhe als nötig. "Ein solcher Verrenkungsbruch ist immer tödlich, wenn der Mensch nicht sofort medizinische Hilfe bekommt", sagt ein Gerichtsmediziner von der Universität Freiburg.



Bei Selbstmorden ist die Höhe meist geringer; der Mensch stirbt dann an abgeschnürten Arterien und Venen - er ist aber noch zu retten, weil das Gehirn noch fünf bis sieben Minuten weiter arbeitet. Der Genickbruch soll das bei einer Exekution verhindern.



Dabei entscheidet auch das Gewicht des Delinquenten, wie stark die Kräfte sind, die auf seinen Hals wirken. Selbst bei geringer Fallhöhe könne der Kopf schon abgetrennt werden, wenn der Körper nur schwer genug ist, sagen Experten.



Ein wesentlicher Faktor ist auch das Seil. Wenn es dünn ist, wirkt es wie ein Draht, der Haut, Muskeln und Bänder durchtrennt.



hei






Quelle: spiegel
 
PANNE BEI EXEKUTION


<span>
Empörung über Enthauptung von Saddams Halbbruder</span>



Die irakische Regierung hat Journalisten einen Film vorgeführt, der zeigt, wie Saddams Halbbruder Barsan al-Tikriti gehängt wird - und ihm dabei der Strick den Kopf abtrennt. Viele Iraker reagieren empört. Die Behörden nennen den Ablauf der Exekution ordnungsgemäß.



Bagdad - Die Henker kamen im Morgengrauen. Zeitgleich legten sie dem ehemaligen Richter Awad al-Bandar und Saddams Halbbruder Barsan al-Tikriti die Stricke um den Hals. Die Delinquenten trugen Kapuzen. Auf dem Film, den die irakische Regierung heute Journalisten zeigte, der jedoch nicht veröffentlicht werden soll, ist zu sehen, wie die Männer vor Angst zittern. Dann öffnen sich die Falltüren - und es kam zur grausigen Panne: Die Aufnahmen zeigen, wie Saddams Halbbruder Barsan Ibrahim al-Tikriti durch den Strang enthauptet wird.



Während der ehemalige Richter tot am Strick hing, lag der Körper von Saddams Halbbruder auf dem Boden. Er habe zunächst nur den baumelnden Strick gesehen, sagte Oberstaatsanwalt Dschafar al-Mussawi dem britischen Rundfunksender BBC. "Ich dachte, al-Tikriti sei der Schlinge entkommen. Ich rief, er sei der Schlinge entkommen, geht runter und schaut nach." Dann sei er selbst einige Stufen nach unten gegangen und habe den Kopf gesehen, der mehr als einen Meter vom Körper entfernt lag.



Die blutige Hinrichtungspanne sorgt in der arabischen Welt für Empörung. Issam al-Ghazzawi, ein Anwalt der heute gehängten Saddam-Gefolgsleute, kritisierte die Art und Weise, wie al-Bandar exekutiert wurde. Es sei "beschämend", sagte al-Ghazzawi. Wenn ein Mensch gehängt werde, verliere er nicht seinen Kopf, fügte er hinzu.



Barsans Schwiegersohn Assam Salih Abdullah bezichtigte die schiitische Regierung eines Racheakts. "Möge Gott diese Demokratie verfluchen", sagte er dem Sender al-Dschasira. Salim al-Dschiburi, ein hochrangiger sunnitischer Abgeordneter im Bagdader Parlament schloss nicht aus, dass Barsans Körper wegen eines Krebsleidens geschwächt gewesen und sein Kopf deswegen abgerissen sei: "Aber wir haben unsere Zweifel und wir wollen uns bei Experten und Ärzten erkundigen, ob so etwas möglich ist."



Der Zug, der am Strang entsteht, hängt vom Körpergewicht des Verurteilten, der Höhe des Galgens und der Falltiefe ab. Die Länge des Seils muss entsprechend berechnet werden, um einen Genickbruch und damit einen schnellen Tod zu verursachen. Ist der Strang zu kurz, droht ein qualvoller Tod durch Erwürgen. Ist er zu lang, kann es zu einer Enthauptung kommen.



Auch in anderen arabischen Ländern reagierten Muslime entsetzt und verärgert: "Ich bin heute sehr traurig, genau wie viele andere Muslime", sagte Zaid al-Boudani, ein Ladenbesitzer in Jemens Hauptstadt Sana'a. "Diese Exekution ist Teil eines Rachefeldzuges im Irak", fügte er hinzu. Der Präsident von Marokkos Menschenrechtszentrum nannte die Hinrichtung einen barbarischen Akt, der möglicherweise unter dem Druck Irans oder der Vereinigten Staaten durchgeführt worden sei. Er habe noch nie davon gehört, dass ein Kopf bei einer Hinrichtung vom Körper abgetrennt worden sei. "Nur in diesem Fall, der den Hass und die Gewalt widerspiegelt."



Dabei wollten die irakischen Behörden nach der chaotischen Hinrichtung von Saddam Hussein Pannen bei der Exekution seiner zwei Gefolgsleute vermeiden. So waren sie bemüht, den ordnungsgemäßen Ablauf der Exekution zu betonen. Die Rechte der zum Tode verurteilten Männer seien nicht verletzt worden, sagte Regierungssprecher Ali al-Dabbagh. "Es war kein schöner Anblick", sagte ein anderer Zeuge der Hinrichtung. Der Regierungsberater Bassam al-Husseini nannte den Vorfall bei der Exekution al-Tikritis jedoch "einen Akt Gottes".



Die Leichname der zwei gehängten Gefolgsleute des früheren irakischen Diktators sind inzwischen nach Tikrit gebracht worden. Dort sollen Saddams Halbbruder und der frühere Richter beerdigt werden.



Die US-Regierung begrüßte die Hinrichtung von Saddams Mitangeklagten: Die irakische Regierung lasse "Gerechtigkeit" gegen die wegen "brutaler Verbrechen gegen die Menschlichkeit" Verurteilten walten, erklärte das Weiße Haus.



EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der italienische Regierungschef Romano Prodi verurteilten dagegen die Hinrichtung der Saddam-Vertrauten. "Wir sind prinzipiell gegen die Todesstrafe", sagte Barroso heute nach einem Treffen mit Prodi in Rom. "Ein Mensch hat nicht das Recht, einem anderen das Leben zu nehmen." Ähnlich äußerte sich Prodi. Er habe bereits die Hinrichtung des früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein verurteilt, sagte Prodi.



Auch Russland kritisierte die Hinrichtung der beiden Saddam-Gefolgsleute. Die Vollstreckung der Strafe helfe ebenso wenig wie die Hinrichtung Saddams, die Lage im Irak zu stabilisieren, sagte der Sprecher des russischen Außenministeriums, Michail Kamynin, in Moskau. Nur ein Dialog unter Beteiligung aller politischer und ethnischer Gruppen könne zu einer Normalisierung führen. Daran müssten auch Syrien und der Iran beteiligt werden, sagte Kamynin.



hen/AP/Reuters/dpa






Quelle: spiegel
 
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