St. Gallen mit guter Leistung und noch besserer Moral
Ein ausverkauftes Espenmoos, also 11'300 Zuschauer, konnte Speaker Richard Fischbacher endlich wieder einmal vermelden. Seit dem 30. November 2003, damals ebenfalls gegen den FC Basel, ist dies nicht mehr vorgekommen. Und die Anwesenden brauchten ihr Kommen trotz des schlechten Wetters nicht zu bereuen.
Beim Einmarsch der Spieler enthüllten die Fans der Südkurve ein gigantisches Bild mit einem Zauberer, links und rechts davon sich drehende Regenschirme mit aufgemalten Spiralen, und auf einem Transparent stand „Ralf Loose, setz üs under Hypnose“. Es ist zu hoffen, dass dies auch bei den Reportern des „Blick“ zur Kenntnis genommen wurde, welche anfangs Saison die Fans des FCSG in einer Kreativitätsrangliste nur auf Rang 6 gesetzt hatten, unverständlicherweise noch hinter YB und Thun. Doch mit solch tollen Aktionen können die Espenfans durchaus auch den Zürchern und Baslern Paroli bieten! Dies war natürlich auch das erklärte Ziel der Espen auf dem Platz.
Danach sah es allerdings zuerst gar nicht aus. Nach dem Spiel meinte Trainer Ralf Loose an der Pressekonferenz, dass Basel dort angefangen hat, wo es am Mittwoch Abend aufgehört hat, nämlich auf demselben hohen Niveau wie gegen Bremen. Die Mannschaft von Geburtstagskind Christian Gross (51) legte in der ersten Viertelstunde in der Tat ein forsches Tempo vor. Sie liess den FCSG nie richtig ins Spiel kommen, gewann praktisch sämtliche Luftduelle und nach zehn Minuten hatten die Basler schon vier Eckbälle auf ihrem Konto. Keine drei Minuten später stand es bereits 0:2 für die Gäste. Petric hatte nach viereinhalb Minuten getroffen, Gimenez doppelte in der 13. Minute nach.
Erst in der 24. Minute machten sich die Grünweissen das erste Mal so richtig bemerkbar – und wie! Marazzi zog ab, der Ball knallte ans Lattenkreuz. Es war der Weckruf für seine Mitspieler. St. Gallen kam besser in Fahrt, Basel baute etwas ab, war nicht mehr ganz so unwiderstehlich wie zu Beginn. Vielleicht der Tribut, den es für die englische Woche mit der CL-Quali bezahlen musste. Das Spiel war nun ausgeglichener, St. Gallen fing an sich zu wehren. Sinnbildlich dafür das Anschlusstor in der 35. Minute. Marc Zellweger setzte einem Ball im Strafraum der Basler nach, und der Ball gelangte zu Alex, der rechts an der Grundlinie stand. Seine Flanke in den Rücken der Abwehr nahm Hassli volley und traf via Pfosten zum 1:2. Auch heute wieder harmonierten die beiden Sturmspitzen gut miteinander und waren stete Unruheherde. Mit dieser neu gewonnenen und erkämpften Zuversicht gingen die Espen dann auch in die Kabine.
Nach dem Seitenwechsel präsentierte sich das Geschehen unverändert: Ein hochklassiges und schnelles Spiel, mitunter aber auch mit vielen Fehlpässen auf dem glitschigen Terrain. St. Gallen drückte weiter auf den Ausgleich, doch es war erneut Gimenez, der eher etwas überraschend den zwei Tore Abstand wieder herstellte. Zunächst hob Garat das Abseits auf, indem er zu spät herausrückte, der Ball gelangte via Rossi und Degen zu Gimenez, den Garat nicht genügend stören konnte. In typischer Manier erzielte der Argentier im Gewühl seinen zweiten Treffer. Und wie schon bei den ersten beiden Toren präsentierte sich die Innenverteidigung nicht sonderlich sattelfest.
Nur eine Minute später zirkelte Calla einen Freistoss in den Strafraum von Zuberbühler, Garat und Koubsky stiegen beide mehr oder weniger ungedeckt hoch, und während Garat noch verpasste, liess sich der Tscheche nicht bitten und köpfte wunderschön ein. Zu Recht war Ralf Loose nach dem Spiel stolz auf seine Mannschaft, welche Moral bewiesen und nie aufgesteckt hatte.
Nach 65 Minuten hallte dann erneut Jubel durchs Espenmoos. Alex traf zum 3:3 Ausgleich – doch er stand klar im Abseits, was das Schiedsrichtertrio auch korrekt erkannt und deshalb den Treffer aberkannt hatte. Kurz darauf nahm Basels Trainer Gross seinen Spielmacher Delgado vom Feld, der nach ansprechendem Beginn zunehmend schwächer wurde und keine Akzente mehr setzen konnte. Nach dem Spiel monierte Gross die zu vielen Ballverluste im zentralen Mittelfeld in der zweiten Halbzeit. Für ihn kam der eher defensiv agierende Baykal, womit der Coach der Basler wohl auch den knappen Vorsprung über die Zeit retten wollte. Erst drei Minuten auf dem Feld sah Baykal in der 71. Minute bereits die gelbe Karte. Überhaupt wurde die Gangart des Spiels etwas härter. Während Schiedsrichter Laperrière in der ersten Halbzeit die Karten stecken liess, so zog er nach der Pause gleich sechsmal Gelb, unter anderem in der 78. (Maric), 79. (Degen), 81. (Rossi) und 82. Minute (Baykal). Und diese letzte gelbe Karte hatte es in sich.
Erneut trat Calla einen Freistoss in Richtung Koubsky. Dieser wurde von Smiljanic, deutlich zu sehen, am Trikot gezupft, und der tschechische Innenverteidiger wehrte sich nicht gross gegen die Schwerkraft. Ein Pfiff, ein Penalty – und ein verdutzter Baykal, der für das Vergehen von Smiljanic die zweite gelbe Karte sah und frühzeitig unter die Dusche musste. Die Dusche von oben war mittlerweile vorbei, der Dauerregen und mitunter die sintflutartigen Regenfälle dauerten just bis zum Penaltypfiff. Die Sonne kam zum Vorschein und hinter der Südkurve leuchtete ein schöner Regenbogen. Doch für die St. Galler sollte die Szenerie noch schöner werden. Eric Hassli trat wie schon gegen Thun erneut zum Penalty an und traf sicher zum 3:3-Ausgleich.
Ralf Loose strebte nun unbedingt den Sieg an, brachte Merenda für Marazzi (87.), während sein Antipode Gross mit der Einwechslung Ergic' anstelle von Gimenez (85.) weiter die Defensive verstärkte. Es blieb schliesslich beim gerechten Unentschieden, welches Basel aufgrund der spielerischen, und St. Gallen aufgrund der kämpferischen Vorteile sich verdient hatten.
So richtig unzufrieden war dann nach dem Spiel auch keiner, weder auf Basler noch auf St. Galler Seite. An der Pressekonferenz sagte Christian Gross voraus, dass gegen diesen FCSG noch viele Mannschaften die Punkte hier lassen würden, dass St. Gallen durchaus die Überraschungsmannschaft der Saison werden könne. Spiel entscheidend sei das postwendende 2:3 gewesen, welchem wie schon beim ersten Treffer ein Stellungsfehler voraus ging. Aber insgesamt sei es ein gute Partie gewesen, nicht zuletzt auch dank des FC Basel.
Ralf Loose war wie schon erwähnt stolz auf seine Mannschaft, wie sie sich zurückgekämpft hatte, nach dem sie in der ersten halben Stunde unten durch musste. Aber man sei noch lange nicht da, wo man hin möchte, wenn man zuhause vier Tore schiessen müsse, um zu gewinnen. Doch dem Spielverlauf entsprechend war auch er zufrieden mit dem einen Punkt.