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Mein Lieblingsbericht aus der taz, ist zum Wechsel von Mario Basler nach Kaiserslautern erschienen. Ist schon ziemlich alt, aber so viel hat sich ja nicht getan:
TAZ, 17.11.1999, S. 18
ZackZack vom Simpel ins Lido
Kaiserslautern bietet Fussballprofis, die woanders mit Alkohol- und Zockerexzessen anecken, sicheres Asyl.
Der taz-Goal-Millau: Eine brandaktuelle Wirtshausrecherche für Mario Basler.
Mario Basler (30 Jahre/30 Laenderspiele), Weissbierfreund und
Gelegenheitsfussballer, wechselt fuenf Wochen nach der Regensburger
Pizzeria-Affaere (Suff, Zocken, Handgemenge) vom FC Bayern nach
Kaiserslautern. Hier schnupperte der gebuertige Neustaedter 1988/89 mit
einem Einsatz erstmals Bundesligaluft. "Ich bin wieder zu Hause", sagte
Basler gestern, "und da gehoere ich auch hin."
Die Rueckkehr ist nicht wirklich ueberraschend. Passenderweise nahm sie
ihren Anfang ebenfalls in einer italienischen Gastlichkeit: Schon am 23.
Oktober, beim Gastspiel der Bayern in der Pfalz, plauderte der Wirt der
Pizzeria Rosario aus dem benachbarten Hochspeyer damals fahrlaessig
wenig beachtet aus, Basler habe sich am Abend zuvor bei ihm eingefunden
und den Vollzug des Wechsels vermeldet. Das Rosario ist im uebrigen
Stammkneipe der Lauterer Mannschaft bei Meisterschaftsfeiern.
Was bietet Kaiserslautern einem Basler? Kenner wissen, der Pfaelzer Wein
hat gerade in den letzten Jahren qualitativ enorm zugelegt und erreicht
mit bis zu 14,5 Volumenprozent Alkohol eine bedenkliche Wucht. Der
soeben gekelterte 99er Jahrgang ist so reich ausgefallen, dass auch nach
Baslers Zuzug kaum Engpaesse entstehen duerften. Erlesene Obstbraende
mit teilweise exotischen Abfuellungen (Vogelbeeren) runden das
vielfaeltige Angebot ab.
Bei Verletzungen, tragisch haeufig bei Mario Basler, draengt sich die
beruehmte Bad Duerkheimer Traubenkur auf, bei der auch vergorener
Rebsaft in therapeutisch grossen Mengen das Leid heilt. Das Pfaelzer
Reizklima, leicht wie Sekt, ist fuer starke Raucher ein Quell
andauernder Gesundheit. Polizeibeamte gelten unter Trinkern als
nachsichtig; wenig verbreitet sind Denunziantentum unter Mitzechern und
die Neigung, Boulevardblaetter mit Sensationserlebnissen zu fuettern.
Ein Paradies? Umgehend haben wir ein Rechercheteam in die Pfalz
geschickt. Hier ist der Guide fuer Mario:
Kaiserslautern (taz) - Die Stadt hat nicht nur das lauteste
Fussballstadion, sondern auch eine der hoechsten Kneipendichten in
Deutschland. Das heisst: Der durchschnittliche Weg von einer Lokalitaet
zur naechsten ist kaum wo kuerzer als hier. Oder: In keiner anderen
Stadt kann man bei gleich geringer Laufarbeit so viele Kneipen besuchen
wie in Kaiserslautern.
Das bietet Chancen: Gleich nach dem Vormittagstraining, wenn der Koerper
schlapp und der Durst riesig ist, geht's zum Blitz (Pariser Strasse).
Eingeborene nehmen hier im Stehen und in uriger Atmosphaere vor dem
Kiosk ein "Lauterer Fruehstueck" (Schoppen Wein, Marlboro, Underberg)
und stellen in hitzigen Debatten die Mannschaft des FCK auf. Zum Mittag
trifft man sich im Cafe am Markt beim Stiftsplatz, sieht und wird
gesehen - allerdings auch von Koenig Otto, der hier Hof haelt und die
Hofpostille Rheinpfalz kontrolliert. Doch keine Panik: Gegen ein
passables Salaer reichert der einheimische Barkeeper den Kaffee diskret
mit hochwertigem Cognac an.
Im Bitburger (Pirmasenser Strasse) kann man den Tag gut buergerlich
ausklingen lassen. Was hier gemuetlich beginnt, kann durchaus erbaulich
werden, denn Wirt und Stammgaeste sind gegenueber einer Partie Poker
oder 17 und 4 aufgeschlossen (Hinterzimmer!).
Den Abend begruessen wir im Hannenfass (unsere Empfehlung: groesster
Bierumsatz der Stadt) in der Altstadt, dem neuesten Stadtviertel
Kaiserslauterns. Von hier aus empfiehlt es sich, nach einem alten Brauch
mit den Einheimischen "Indianer" zu spielen, ein beliebter pfaelzischer
Breitensport. Der Name des Spiels ist Programm: "Vunn aener Kneib in die
aner." Gleich nebenan - bei schnellem Antritt in ausgetestet sieben
Sekunden zu schaffen - warten im Papasote fette Caipirinhas und
Margaritas, in Strafraumnaehe befinden sich das Simpel (saufen und
labern), das St. Martin (fressen und saufen) und das Monokel
(herumsitzen und saufen). Im Zwockel (am Tresen herumhaengen und saufen)
klingt der Abend gemuetlich aus.
Nun sind wir breit genug, um uns dem Spitzensport zu widmen. Das
Nachtleben beginnt ab 1 Uhr im Gusto am Schillerplatz. Hier tummeln sich
die Schoenen und Reichen, die am Mittag noch im Cafe am Markt
herumsassen, hier reuessieren auch die Kollegen, die schon einmal mit
Ribbeck telefoniert haben, wie Marco Reich. Es ist an der Zeit, dass sie
den neuen Platzhirsch kennenlernen.
Sind die Revierfragen geklaert, kann's richtig losgehen. Top-Disco ist
das Riverside im PRE-Park, dort warten pfaelzische Weinkoeniginnen auf
Maenner von Welt. Dort wird getanzt, gesoffen und geflirtet, bis dass
der Morgen graut. Sind die Maedels im Riverside zickig, die Damen im
Lido (Moltkestrasse) oder der Brooklyn Bar gelten bei Insidern als
allzeit willig und sind fuer ein paar Flaschen Schampus (Hausmarke) zu
"jeder Schandtat bereit", wie ihr "Bekannter" versichert.
Des Morgens, wenn die Kollegen mit den ersten Dehnuebungen an ihrem
Hometrainer begonnen haben, chillen wir im legendaeren ZackZack (Richard-
Wagner-Strasse) bei ein paar Flaschen Bier, einer Pferdewurst und einem
Handgemenge mit einschlaegig vorbestraften Musterprolls aus der lokalen
Kickboxszene aus. So geht ein Werktag auch im beschaulichen
Kaiserslautern gut rum.
Sonntag aber gehoert Papi der Familie. Im Spielcasino im nahen Bad
Duerkheim soll es sehr familiaer zugehen. Nicht nur bei Rehabilitations-
Aufenthalten.
Joachim Frisch
TAZ, 17.11.1999, S. 18
ZackZack vom Simpel ins Lido
Kaiserslautern bietet Fussballprofis, die woanders mit Alkohol- und Zockerexzessen anecken, sicheres Asyl.
Der taz-Goal-Millau: Eine brandaktuelle Wirtshausrecherche für Mario Basler.
Mario Basler (30 Jahre/30 Laenderspiele), Weissbierfreund und
Gelegenheitsfussballer, wechselt fuenf Wochen nach der Regensburger
Pizzeria-Affaere (Suff, Zocken, Handgemenge) vom FC Bayern nach
Kaiserslautern. Hier schnupperte der gebuertige Neustaedter 1988/89 mit
einem Einsatz erstmals Bundesligaluft. "Ich bin wieder zu Hause", sagte
Basler gestern, "und da gehoere ich auch hin."
Die Rueckkehr ist nicht wirklich ueberraschend. Passenderweise nahm sie
ihren Anfang ebenfalls in einer italienischen Gastlichkeit: Schon am 23.
Oktober, beim Gastspiel der Bayern in der Pfalz, plauderte der Wirt der
Pizzeria Rosario aus dem benachbarten Hochspeyer damals fahrlaessig
wenig beachtet aus, Basler habe sich am Abend zuvor bei ihm eingefunden
und den Vollzug des Wechsels vermeldet. Das Rosario ist im uebrigen
Stammkneipe der Lauterer Mannschaft bei Meisterschaftsfeiern.
Was bietet Kaiserslautern einem Basler? Kenner wissen, der Pfaelzer Wein
hat gerade in den letzten Jahren qualitativ enorm zugelegt und erreicht
mit bis zu 14,5 Volumenprozent Alkohol eine bedenkliche Wucht. Der
soeben gekelterte 99er Jahrgang ist so reich ausgefallen, dass auch nach
Baslers Zuzug kaum Engpaesse entstehen duerften. Erlesene Obstbraende
mit teilweise exotischen Abfuellungen (Vogelbeeren) runden das
vielfaeltige Angebot ab.
Bei Verletzungen, tragisch haeufig bei Mario Basler, draengt sich die
beruehmte Bad Duerkheimer Traubenkur auf, bei der auch vergorener
Rebsaft in therapeutisch grossen Mengen das Leid heilt. Das Pfaelzer
Reizklima, leicht wie Sekt, ist fuer starke Raucher ein Quell
andauernder Gesundheit. Polizeibeamte gelten unter Trinkern als
nachsichtig; wenig verbreitet sind Denunziantentum unter Mitzechern und
die Neigung, Boulevardblaetter mit Sensationserlebnissen zu fuettern.
Ein Paradies? Umgehend haben wir ein Rechercheteam in die Pfalz
geschickt. Hier ist der Guide fuer Mario:
Kaiserslautern (taz) - Die Stadt hat nicht nur das lauteste
Fussballstadion, sondern auch eine der hoechsten Kneipendichten in
Deutschland. Das heisst: Der durchschnittliche Weg von einer Lokalitaet
zur naechsten ist kaum wo kuerzer als hier. Oder: In keiner anderen
Stadt kann man bei gleich geringer Laufarbeit so viele Kneipen besuchen
wie in Kaiserslautern.
Das bietet Chancen: Gleich nach dem Vormittagstraining, wenn der Koerper
schlapp und der Durst riesig ist, geht's zum Blitz (Pariser Strasse).
Eingeborene nehmen hier im Stehen und in uriger Atmosphaere vor dem
Kiosk ein "Lauterer Fruehstueck" (Schoppen Wein, Marlboro, Underberg)
und stellen in hitzigen Debatten die Mannschaft des FCK auf. Zum Mittag
trifft man sich im Cafe am Markt beim Stiftsplatz, sieht und wird
gesehen - allerdings auch von Koenig Otto, der hier Hof haelt und die
Hofpostille Rheinpfalz kontrolliert. Doch keine Panik: Gegen ein
passables Salaer reichert der einheimische Barkeeper den Kaffee diskret
mit hochwertigem Cognac an.
Im Bitburger (Pirmasenser Strasse) kann man den Tag gut buergerlich
ausklingen lassen. Was hier gemuetlich beginnt, kann durchaus erbaulich
werden, denn Wirt und Stammgaeste sind gegenueber einer Partie Poker
oder 17 und 4 aufgeschlossen (Hinterzimmer!).
Den Abend begruessen wir im Hannenfass (unsere Empfehlung: groesster
Bierumsatz der Stadt) in der Altstadt, dem neuesten Stadtviertel
Kaiserslauterns. Von hier aus empfiehlt es sich, nach einem alten Brauch
mit den Einheimischen "Indianer" zu spielen, ein beliebter pfaelzischer
Breitensport. Der Name des Spiels ist Programm: "Vunn aener Kneib in die
aner." Gleich nebenan - bei schnellem Antritt in ausgetestet sieben
Sekunden zu schaffen - warten im Papasote fette Caipirinhas und
Margaritas, in Strafraumnaehe befinden sich das Simpel (saufen und
labern), das St. Martin (fressen und saufen) und das Monokel
(herumsitzen und saufen). Im Zwockel (am Tresen herumhaengen und saufen)
klingt der Abend gemuetlich aus.
Nun sind wir breit genug, um uns dem Spitzensport zu widmen. Das
Nachtleben beginnt ab 1 Uhr im Gusto am Schillerplatz. Hier tummeln sich
die Schoenen und Reichen, die am Mittag noch im Cafe am Markt
herumsassen, hier reuessieren auch die Kollegen, die schon einmal mit
Ribbeck telefoniert haben, wie Marco Reich. Es ist an der Zeit, dass sie
den neuen Platzhirsch kennenlernen.
Sind die Revierfragen geklaert, kann's richtig losgehen. Top-Disco ist
das Riverside im PRE-Park, dort warten pfaelzische Weinkoeniginnen auf
Maenner von Welt. Dort wird getanzt, gesoffen und geflirtet, bis dass
der Morgen graut. Sind die Maedels im Riverside zickig, die Damen im
Lido (Moltkestrasse) oder der Brooklyn Bar gelten bei Insidern als
allzeit willig und sind fuer ein paar Flaschen Schampus (Hausmarke) zu
"jeder Schandtat bereit", wie ihr "Bekannter" versichert.
Des Morgens, wenn die Kollegen mit den ersten Dehnuebungen an ihrem
Hometrainer begonnen haben, chillen wir im legendaeren ZackZack (Richard-
Wagner-Strasse) bei ein paar Flaschen Bier, einer Pferdewurst und einem
Handgemenge mit einschlaegig vorbestraften Musterprolls aus der lokalen
Kickboxszene aus. So geht ein Werktag auch im beschaulichen
Kaiserslautern gut rum.
Sonntag aber gehoert Papi der Familie. Im Spielcasino im nahen Bad
Duerkheim soll es sehr familiaer zugehen. Nicht nur bei Rehabilitations-
Aufenthalten.
Joachim Frisch