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Pierre Littbarski
Nach japanischen Lehrjahren das australische Meisterstück
Von Alexander Hofmann, Sydney
06. März 2006 Pierre Littbarski stürmte aufs Feld und versank in einer Welle aus Blau. In seinem dunkelblauen Anzug, hellblauen Hemd und mit blauer Krawatte war er kaum von seinen Spielern zu unterscheiden, die dem Fußball-Weltmeister von 1990 gerade seinen ersten Titel als Trainer eingebracht hatten.
"Littis" australischer Verein Sydney FC hatte das "Grand Final" gegen die Central Coast Mariners im heimischen Aussie Stadium 1:0 gewonnen. Prominentester Spieler der neugegründeten A-League ist Dwight Yorke, der Steve Corica die Vorlage für das einzige Tor im Endspiel gab.
Littbarski hat nach harten Trainerlehrjahren in Japan, als Helfer von Berti Vogts in Leverkusen und als Chef in Duisburg endlich den erhofften Erfolg erzielt, wenn auch etwas abseits der großen Fußballwelt. Aber auch nach dem Triumph blieb offen, ob er auf dem fünften Kontinent bleibt. Sein Vertrag sieht zwar eine Option für ein Jahr vor, der ehemalige Spieler des 1. FC Köln will aber nur weitermachen, wenn ihm ein längerfristiger Kontrakt angeboten wird. Angeblich sollen Littbarski Angebote aus den Ölstaaten vorliegen.
Während des seit Tagen ausverkauften Finales hielt sich Littbarski für seine Verhältnisse stark zurück. In der regulären Saison hatte er mit seinen temperamentvollen und lautstarken Ausbrüchen an der Seitenlinie mehrfach für Aufsehen gesorgt und war auch verbalen Auseinandersetzungen mit Kollegen nicht aus dem Weg gegangen.
Diesmal war er zwar auch laut, betrug sich aber ansonsten mustergültig vor den 42.000 Fans - eine Traumkulisse für den Fußball in Australien, der lange ein Mauerblümchendasein im Schatten von Rugby und Kricket gefristet hatte. Die A-League mit nur acht Teams von Perth im Westen bis zum mehr als 7.000 Kilometer entfernten neuseeländischen Auckland hat das Spiel mit Fußball wiederbelebt. Sydney hatte in der Saison im Schnitt 16.000 Zuschauer, die gesamte Liga 11.000, ein gewaltiger Fortschritt zu den 4.000 Fans in der von ethnischen Spannungen zerrissenen alten Spielklasse. Daß sich die Nationalmannschaft erstmals seit 1974 wieder für eine Weltmeisterschafts-Endrunde qualifizierte, hat dem oft verspotteten Sport zusätzlichen Schwung verliehen.
Im Endspiel in Sydney standen sich die gegensätzlichsten Teams der Liga gegenüber: hier der Glamourklub mit Littbarski, dem ehemaligen Manchester-United-Spieler Yorke und Hollywoodstar Anthony LaPaglia als Vorstandsmitglied und Teileigner des Vereins aus der größten Stadt Australiens, in dessen Sponsorenlogen sich oft Wirtschaftsgrößen oder Sportler wie Schwimmstar Ian Thorpe tummeln. Dort die Mariners aus dem Städtchen Gosford, gut 50 Kilometer nördlich von Sydney, wo viele Menschen zu Hause sind, die es sich nicht mehr leisten können, im teuren Sydney zu leben. Einer der besten Spieler für die Mariners ist ebenfalls ein Deutscher, Fußball-Weltenbummler Andre Gumprecht, der schon in Italien, Singapur, und auch in Leverkusen, Jena und Halle gespielt hat.
Mit Sydneys japanischem Stürmer Kazu Miura
Littbarski hat jetzt das geschafft, was dem überaus populären ehemaligen DDR-Auswahltrainer Bernd Stange im 4500 Kilometer entfernten Perth versagt geblieben war, nämlich den Titel zu holen. Und wohl gefühlt hat er sich mit seiner japanischen Frau und seinen beiden Söhnen auch, nicht zuletzt, weil er sich fast unerkannt auf der Straße zeigen konnte. Das wird sich jetzt vielleicht ändern - wenn er denn bleibt.
Nach japanischen Lehrjahren das australische Meisterstück
Von Alexander Hofmann, Sydney
06. März 2006 Pierre Littbarski stürmte aufs Feld und versank in einer Welle aus Blau. In seinem dunkelblauen Anzug, hellblauen Hemd und mit blauer Krawatte war er kaum von seinen Spielern zu unterscheiden, die dem Fußball-Weltmeister von 1990 gerade seinen ersten Titel als Trainer eingebracht hatten.
"Littis" australischer Verein Sydney FC hatte das "Grand Final" gegen die Central Coast Mariners im heimischen Aussie Stadium 1:0 gewonnen. Prominentester Spieler der neugegründeten A-League ist Dwight Yorke, der Steve Corica die Vorlage für das einzige Tor im Endspiel gab.
Littbarski hat nach harten Trainerlehrjahren in Japan, als Helfer von Berti Vogts in Leverkusen und als Chef in Duisburg endlich den erhofften Erfolg erzielt, wenn auch etwas abseits der großen Fußballwelt. Aber auch nach dem Triumph blieb offen, ob er auf dem fünften Kontinent bleibt. Sein Vertrag sieht zwar eine Option für ein Jahr vor, der ehemalige Spieler des 1. FC Köln will aber nur weitermachen, wenn ihm ein längerfristiger Kontrakt angeboten wird. Angeblich sollen Littbarski Angebote aus den Ölstaaten vorliegen.
Während des seit Tagen ausverkauften Finales hielt sich Littbarski für seine Verhältnisse stark zurück. In der regulären Saison hatte er mit seinen temperamentvollen und lautstarken Ausbrüchen an der Seitenlinie mehrfach für Aufsehen gesorgt und war auch verbalen Auseinandersetzungen mit Kollegen nicht aus dem Weg gegangen.
Diesmal war er zwar auch laut, betrug sich aber ansonsten mustergültig vor den 42.000 Fans - eine Traumkulisse für den Fußball in Australien, der lange ein Mauerblümchendasein im Schatten von Rugby und Kricket gefristet hatte. Die A-League mit nur acht Teams von Perth im Westen bis zum mehr als 7.000 Kilometer entfernten neuseeländischen Auckland hat das Spiel mit Fußball wiederbelebt. Sydney hatte in der Saison im Schnitt 16.000 Zuschauer, die gesamte Liga 11.000, ein gewaltiger Fortschritt zu den 4.000 Fans in der von ethnischen Spannungen zerrissenen alten Spielklasse. Daß sich die Nationalmannschaft erstmals seit 1974 wieder für eine Weltmeisterschafts-Endrunde qualifizierte, hat dem oft verspotteten Sport zusätzlichen Schwung verliehen.
Im Endspiel in Sydney standen sich die gegensätzlichsten Teams der Liga gegenüber: hier der Glamourklub mit Littbarski, dem ehemaligen Manchester-United-Spieler Yorke und Hollywoodstar Anthony LaPaglia als Vorstandsmitglied und Teileigner des Vereins aus der größten Stadt Australiens, in dessen Sponsorenlogen sich oft Wirtschaftsgrößen oder Sportler wie Schwimmstar Ian Thorpe tummeln. Dort die Mariners aus dem Städtchen Gosford, gut 50 Kilometer nördlich von Sydney, wo viele Menschen zu Hause sind, die es sich nicht mehr leisten können, im teuren Sydney zu leben. Einer der besten Spieler für die Mariners ist ebenfalls ein Deutscher, Fußball-Weltenbummler Andre Gumprecht, der schon in Italien, Singapur, und auch in Leverkusen, Jena und Halle gespielt hat.
Mit Sydneys japanischem Stürmer Kazu Miura
Littbarski hat jetzt das geschafft, was dem überaus populären ehemaligen DDR-Auswahltrainer Bernd Stange im 4500 Kilometer entfernten Perth versagt geblieben war, nämlich den Titel zu holen. Und wohl gefühlt hat er sich mit seiner japanischen Frau und seinen beiden Söhnen auch, nicht zuletzt, weil er sich fast unerkannt auf der Straße zeigen konnte. Das wird sich jetzt vielleicht ändern - wenn er denn bleibt.