"Zickler ist ein Glücksgriff"
Wien - Mit extrem hohen Erwartungen war Red Bull Salzburg in die österreichische Meisterschaft gestartet.
Dank der Millionen-Investitionen des neuen Besitzers Dietrich Mateschitz wurden unter anderem die ehemaligen Bundesliga-Stars Alexander Zickler, Thomas Linke und Vratislav Lokvenc geholt, der neue Trainer Kurt Jara sollte den Titel an die Salzach holen.
Doch stattdessen liegt der Liga-Krösus nach dem ersten Saison-Viertel mit nur zehn Punkten nur auf dem neunten Tabellenplatz.
Im Gespräch mit Sport1 äußert sich Kurt Jara über die Gründe für den Fehlstart, die Ziele in der Mozart-Stadt, die deutschen "Legionäre" und sein Verhältnis zu Franz Beckenbauer.
Sport1: Wie sieht Ihre erste Bilanz aus?
Kurt Jara: Die Auswärtsbilanz ist schlecht. Nur ein Punkt und ein Tor nach fünf Spielen ist einfach viel zu wenig und total unbefriedigend. Im Gegensatz dazu waren die Heimspiele sehr gut.
Sport1: Was fehlt Red Bull in der Fremde, warum läuft es so schlecht?
Jara: Die Spieler müssen umdenken. Zu 80 Prozent haben alle in Mannschaften gespielt, die zuletzt nicht an der Spitze lagen. Schopp, Manninger usw., die haben mit ihren Vereinen in den hinteren Tabellenregionen gespielt und da geht eine Mannschaft mit ganz anderen Überlegungen in ein Auswärtsspiel. Genau das ist unser Problem. Die Mannschaft geht ins Spiel, um nicht zu verlieren und nicht um zu gewinnen. Es ist eine reine Kopfsache. Unsere Spieler wollen auswärts nur das Spiel kontrollieren, das ist für uns aber zu wenig. Zu Hause machen wir alles richtig, spielen mit hohem Tempo und sind klar nach vorne orientiert.
Sport1: Liegt es auch am Fehlen des verletzten Lokvenc?
Jara: Er würde uns sicher mit seiner Kopfballstärke und weil er vorne den Ball gut halten kann etwas bringen, aber auch das darf keine Ausrede sein. Wir haben mit Mayrleb und Mair Spieler im Kader, die ebenfalls ihre Leistungen bringen müssen und wir haben mit Zickler einen Stürmer verpflichtet, den nicht jeder Trainer geholt hätte, der aber meiner Meinung nach ein Glücksgriff ist.
Sport1: Hat sich nach dem schwachen Auftakt an der Zielsetzung etwas geändert?
Jara: Am Ziel darf sich nichts ändern. Wir haben gesagt, dass wir unter die ersten drei wollen und nächstes Jahr im Europacup spielen möchten, das passt und steht.
Sport1: Da hinkt die Mannschaft aber ganz schön hinterher...
Jara: Wir haben uns, was Punkte und Tabellenplatzierung betrifft, sicher wesentlich mehr erwartet, man muss aber berücksichtigen, dass uns vier absolute Stammspieler ausgefallen sind. Das sind Manninger, Linke, Lokvenc und Jezek. Dazu sind, wie jetzt Kirchler, immer wieder Spieler ausgefallen, die eigentlich Leistungsträger sein sollten. Wenn alle da sind, steckt in der Truppe ein sehr großes Leistungspotenzial.
Sport1: Die neue Hoffnung für die Zukunft als Führungsspieler heißt Thomas Linke, oder?
Jara: Thomas Linke ist der erfahrendste und erfolgreichste Spieler in unseren Reihen. Er ist jemand, der sehr ruhig ist, der sich international schon bewährt hat, der wird zwar auch Fehler machen wird, aber er bringt von seiner Art, wie er Fußball denkt, lebt und arbeitet, der Mannschaft absolut viel.
Sport1: Wie beurteilen Sie das Engagement von Red Bull-Boss Didi Mateschitz?
Kurt Jara: Mateschitz ist ein Mann mit Visionen, der diese auch durchsetzen will. Das merke ich im Fußball und da müssen wir ab sofort auch den nächsten Schritt im Jugendbereich setzen. Wir müssen schleunigst unsere Akademie auf die Schienen stellen. Was Mateschitz vorschwebt, sehen wir ja in der Formel 1. Er kauft Minardi, um seine jungen Fahrer ins Cockpit zu bringen. Genau so wird es auch im Fußball sein müssen. Wir werden etwas schaffen, damit wir die Jugend wieder vermehrt zum Fußball holen, gut ausbilden und daraus eine Elite hervorbringen.
Sport1: Wie häufig und intensiv ist Ihr Kontakt zu Mateschitz?
Jara: Ich treffe ihn bei den Heimspielen, wir sehen uns gelegentlich bei einem gemütlichen Essen und er hat immer ein offenes Ohr für mich. Er nimmt sich immer Zeit für ein Gespräch, hört sehr interessiert zu, er hat mit Franz Beckenbauer einen optimalen Berater und will von mir auch immer wieder wissen, was im Fußball läuft. Er mischt sich nie ins Tagesgeschäft ein, nennt uns aber ganz klar seine Vorstellungen, was den Jugendbereich und vieles mehr betrifft. Ich kann sagen, dass der Kontakt zu ihm perfekt ist.
Sport1: Und wie ist der Kontakt zu Franz Beckenbauer?
Jara: Franz war meine erste Kontaktperson zu Salzburg. Er hat mich angerufen und ich habe an einen Scherz eines Komödianten geglaubt. Er hat mir aber versprochen, sich in drei Wochen wieder zu melden. Erst da habe ich es dann wirklich geglaubt. Der Kontakt ist optimal. Er bringt sich oft ein, wir telefonieren viel zusammen, er will immer wissen, was Sache ist, aber er ist auch jemand, der sich ins Tagesgeschäft niemals einmischen würde. Er will nur wissen, was läuft und wie meine Gedanken zu den anstehenden Problemen sind. Wir diskutieren oft ein, zwei Stunden über Fußball und mit so einem Mann darüber zu diskutieren ist immer etwas Gutes.
Das Gespräch führte Peter Rietzler
quelle: www.sport1.de
Wien - Mit extrem hohen Erwartungen war Red Bull Salzburg in die österreichische Meisterschaft gestartet.
Dank der Millionen-Investitionen des neuen Besitzers Dietrich Mateschitz wurden unter anderem die ehemaligen Bundesliga-Stars Alexander Zickler, Thomas Linke und Vratislav Lokvenc geholt, der neue Trainer Kurt Jara sollte den Titel an die Salzach holen.
Doch stattdessen liegt der Liga-Krösus nach dem ersten Saison-Viertel mit nur zehn Punkten nur auf dem neunten Tabellenplatz.
Im Gespräch mit Sport1 äußert sich Kurt Jara über die Gründe für den Fehlstart, die Ziele in der Mozart-Stadt, die deutschen "Legionäre" und sein Verhältnis zu Franz Beckenbauer.
Sport1: Wie sieht Ihre erste Bilanz aus?
Kurt Jara: Die Auswärtsbilanz ist schlecht. Nur ein Punkt und ein Tor nach fünf Spielen ist einfach viel zu wenig und total unbefriedigend. Im Gegensatz dazu waren die Heimspiele sehr gut.
Sport1: Was fehlt Red Bull in der Fremde, warum läuft es so schlecht?
Jara: Die Spieler müssen umdenken. Zu 80 Prozent haben alle in Mannschaften gespielt, die zuletzt nicht an der Spitze lagen. Schopp, Manninger usw., die haben mit ihren Vereinen in den hinteren Tabellenregionen gespielt und da geht eine Mannschaft mit ganz anderen Überlegungen in ein Auswärtsspiel. Genau das ist unser Problem. Die Mannschaft geht ins Spiel, um nicht zu verlieren und nicht um zu gewinnen. Es ist eine reine Kopfsache. Unsere Spieler wollen auswärts nur das Spiel kontrollieren, das ist für uns aber zu wenig. Zu Hause machen wir alles richtig, spielen mit hohem Tempo und sind klar nach vorne orientiert.
Sport1: Liegt es auch am Fehlen des verletzten Lokvenc?
Jara: Er würde uns sicher mit seiner Kopfballstärke und weil er vorne den Ball gut halten kann etwas bringen, aber auch das darf keine Ausrede sein. Wir haben mit Mayrleb und Mair Spieler im Kader, die ebenfalls ihre Leistungen bringen müssen und wir haben mit Zickler einen Stürmer verpflichtet, den nicht jeder Trainer geholt hätte, der aber meiner Meinung nach ein Glücksgriff ist.
Sport1: Hat sich nach dem schwachen Auftakt an der Zielsetzung etwas geändert?
Jara: Am Ziel darf sich nichts ändern. Wir haben gesagt, dass wir unter die ersten drei wollen und nächstes Jahr im Europacup spielen möchten, das passt und steht.
Sport1: Da hinkt die Mannschaft aber ganz schön hinterher...
Jara: Wir haben uns, was Punkte und Tabellenplatzierung betrifft, sicher wesentlich mehr erwartet, man muss aber berücksichtigen, dass uns vier absolute Stammspieler ausgefallen sind. Das sind Manninger, Linke, Lokvenc und Jezek. Dazu sind, wie jetzt Kirchler, immer wieder Spieler ausgefallen, die eigentlich Leistungsträger sein sollten. Wenn alle da sind, steckt in der Truppe ein sehr großes Leistungspotenzial.
Sport1: Die neue Hoffnung für die Zukunft als Führungsspieler heißt Thomas Linke, oder?
Jara: Thomas Linke ist der erfahrendste und erfolgreichste Spieler in unseren Reihen. Er ist jemand, der sehr ruhig ist, der sich international schon bewährt hat, der wird zwar auch Fehler machen wird, aber er bringt von seiner Art, wie er Fußball denkt, lebt und arbeitet, der Mannschaft absolut viel.
Sport1: Wie beurteilen Sie das Engagement von Red Bull-Boss Didi Mateschitz?
Kurt Jara: Mateschitz ist ein Mann mit Visionen, der diese auch durchsetzen will. Das merke ich im Fußball und da müssen wir ab sofort auch den nächsten Schritt im Jugendbereich setzen. Wir müssen schleunigst unsere Akademie auf die Schienen stellen. Was Mateschitz vorschwebt, sehen wir ja in der Formel 1. Er kauft Minardi, um seine jungen Fahrer ins Cockpit zu bringen. Genau so wird es auch im Fußball sein müssen. Wir werden etwas schaffen, damit wir die Jugend wieder vermehrt zum Fußball holen, gut ausbilden und daraus eine Elite hervorbringen.
Sport1: Wie häufig und intensiv ist Ihr Kontakt zu Mateschitz?
Jara: Ich treffe ihn bei den Heimspielen, wir sehen uns gelegentlich bei einem gemütlichen Essen und er hat immer ein offenes Ohr für mich. Er nimmt sich immer Zeit für ein Gespräch, hört sehr interessiert zu, er hat mit Franz Beckenbauer einen optimalen Berater und will von mir auch immer wieder wissen, was im Fußball läuft. Er mischt sich nie ins Tagesgeschäft ein, nennt uns aber ganz klar seine Vorstellungen, was den Jugendbereich und vieles mehr betrifft. Ich kann sagen, dass der Kontakt zu ihm perfekt ist.
Sport1: Und wie ist der Kontakt zu Franz Beckenbauer?
Jara: Franz war meine erste Kontaktperson zu Salzburg. Er hat mich angerufen und ich habe an einen Scherz eines Komödianten geglaubt. Er hat mir aber versprochen, sich in drei Wochen wieder zu melden. Erst da habe ich es dann wirklich geglaubt. Der Kontakt ist optimal. Er bringt sich oft ein, wir telefonieren viel zusammen, er will immer wissen, was Sache ist, aber er ist auch jemand, der sich ins Tagesgeschäft niemals einmischen würde. Er will nur wissen, was läuft und wie meine Gedanken zu den anstehenden Problemen sind. Wir diskutieren oft ein, zwei Stunden über Fußball und mit so einem Mann darüber zu diskutieren ist immer etwas Gutes.
Das Gespräch führte Peter Rietzler
quelle: www.sport1.de