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Rheinpfalz-News WM-Berichterstattung DFB-TEAM

In der Verlängerung kommt der K.o.

Fabio Grosso und Alessandro Del Piero schießen Italien ins Finale - Das Ende des deutschen Sommertraums

DORTMUND (zkk). Gestern um 23.28 Uhr war der deutsche Sommertraum geplatzt: Deutschland verlor im WM-Halbfinale gegen die insgesamt bessere Mannschaft Italiens 0:2 (0:0, 0:0) nach Verlängerung. Die Tore erzielten Fabio Grosso (119.) und Alessandro Del Piero (120. + 1).



Die italienische Mannschaft agierte bis zur Pause zwingender als das deutsche Ensemble. In der 4. Minute die erste Prüfung für Jens Lehmann: Absender Totti aus 25 Meter Entfernung. Der deutsche Torwart packt sich die abgefälschte Kugel.





16. Minute: Befreiungsschlag des kopfballstarken Hünen Materazzi, Simone Perrotta kreuzt vor Lehmann auf, der sich den Ball im zweiten Nachgrabschen sichert.





24. Minute: Andrea Pirlo, der Denker der Lippi-Elf, serviert die Flanke, Tonis Kopfball streicht über das Tor.





31. Minute: Perrotta inszeniert den nächsten Konter, Christoph Metzelder, konsequent wie Per Mertesacker, stoppt Luca Toni, das stürmende Gebirge, in größter Notlage.





Das deutsche Spiel aber kommt nicht in Gang. Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat Sebastian Kehl in der Mittelfeldzentrale anstelle des gesperrten Frings nominiert. Das funktioniert - aber nur im Rückwärtsgang. Für den zuletzt schwächelnden Bastian Schweinsteiger agiert Tim Borowski über die linke Seite. Anfangs gut, dann mittelmäßig bis matt. Zambrotta ließ ihn abblitzen. Rasch wurde trotz des früh attackierenden Lukas Podolski deutlich, dass die deutsche Offensive bei der erstklassigen italienischen Abwehr auf Granit beißen würde. Mehrmals prallte Miroslav Klose bei Fabio Cannavaro ab wie an einem Felsbrocken. Der Kapitän der Italiener verkörpert Weltklasse in Reinkultur! Eine Kategorie, in die der deutsche Torjäger bei diesem Turnier stürmen möchte.





Dass der Bundesliga-Torschützenkönig dies können kann, deutete er gestern aber nur an. So legte er in der 15. Minute nach einem Flankenwechsel Borowskis für Podolski ab, der einen Tick zu spät kam. Nach Doppelpass mit Podolski brachte Klose Bernd Schneider gekonnt ins Spiel, doch der Leverkusener verzog. Klose, der sich heiße Luftkämpfe mit Materazzi lieferte, versuchte es fünf Minuten nach der Pause auf eigene Faust. Das tolle Solo aber fand seine Endstation beim resoluten Gianluigi Buffon.





In der ersten Halbzeit war Italien besser, nach dem Seitenwechsel legten die Deutschen zu. Aber nur 15, 18 Minuten waren sie wirklich am Drücker. Klasse, wie Schneider in der 63. Minute Podolski einsetzte, dessen markanten Drehschuss Buffon meisterte. Michael Ballack, der das Spiel nicht wie zuletzt zu bestimmen vermochte, war nun präsenter. Aber es war nicht Ballacks Abend. Er vermochte das Spiel nicht zu prägen.





Bernd Schneider, der in den ersten 30, 35 Orientierungshilfe brauchte, kam in der zweiten Hälfte besser im Rückwärtsgang gegen Perrotta zurande. Vorher hatte Schneider seinen spieltechnisch überforderten Hintermann Arne Friedrich doch einige Male in die Bredouille gebracht. Trotz aller Bedeutung der Partie, trotz aller Hektik und Härte: Als Gennaro Gattuso, der Rustikale, in der 72. Minute mit einem Krampf am Boden lag, gab „Miro" Klose den Rettungssanitäter.





Andrea Pirlo, bis zur Pause das Schwungrad im Spiel der Italiener, war nach der Halbzeit lange auf Tauchstation. Die Rückmeldung erreichte Jens Lehmann in der 78. Minute. Der krönte seine tadellose Leistung in der 85. Minute: Der schwache Referee hatte Perrottas Abseitsstellung ignoriert, Lehmann zu einer wagemutigen Faustabwehr gezwungen.





Unschön: die Schauspieleinlagen des Francesco Totti, auf den der Referee herein fiel. Längst hatte der Bundestrainer reagiert, versucht seiner Offensive Sommerfrische einzuverleiben: Schweinsteiger kam für Borowski, bewegte nichts. Lokalmatador David Odonkor löste den müden Schneider ab, hätte fast die Entscheidung gebracht...





Die Nachspielzeit: Und zweimal sind die „Klinsmänner" im Glück. Gilardino (91.) trifft den Pfosten, Zambrotta 60 Sekunden später die Latte. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit der Verlängerung dann gibt Podolski die beste Chance vom Scheitel, köpft nach Odonkors Maßflanke aus fünf Metern am Tor vorbei! In der 112. Minute bringt Kehl Podolski an den Drücker - Buffon pariert in Weltklasse-Manier. Zuvor waren Del Piero und Iaquinta an Lehmann gescheitert. Der parierte in der 117. Minute gegen Pirlo. Zwei Minuten später aber war er machtlos: Grosso nach Pirlo-Vorarbeit - 0:1. Die Zugabe Del Piero nach Gilardino-Vorlage - 0:2.





So spielten sie





Deutschland: Lehmann - Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm - Schneider (83. Odonkor), Ballack, Kehl, Borowski (72. Schweinsteiger) - Podolski, Klose (111. Neuville)





Italien: Buffon - Zambrotta, Cannavaro, Materazzi, Grosso - Camoranesi (91. Iaquinta), Pirlo, Gattuso, Perrotta (104. Del Piero) - Totti - Toni (74. Gilardino)





Tore: 0:1 Grosso (119.), 0;2 Del Pierro (120. + 1) - Gelbe Karten: Borowski, Kehl - Camoranesi - Beste Spieler: Lehmann, Metzelder, Mertesacker - Cannavaro, Pirlo, Buffon - Zuschauer: 65.000 (ausverkauft) - Schiedsrichter: Archundia (Mexiko).







WEHNERO / WEHNERO

Quelle:

Publikation: DIE RHEINPFALZ
 
KOMMENTAR

Pro Klinsmann

Von Horst Konzok



Italien, der Weltmeister von 1982, steht am Sonntag in Berlin im WM-Finale. Es war ein Krimi-Sieg gestern Abend kurz vor Toresschluss. Glücklich, aber nicht unverdient. Das belegen 8:12-Chancen, 4:10-Ecken. Fabio Grosso und Alessandro Del Piero schossen die Italiener nach einem hochklassigen Halbfinale nach Berlin.





Entscheidend, dass sich die deutsche Offensive an der Weltklasse-Abwehr der Italiener die Zähne ausbiss. Fabio Cannavaro ließ Miroslav Klose abblitzen. Und Lukas Podolski hatte bei zwei Riesenchancen zunächst nicht den Nerv, dann scheiterte er am famosen Buffon. Er war in einem Duell zweier Weltklasse-Torhüter der Glücklichere.





Betrüblich, dass Schiedsrichter Benito Archundia aus Mexiko sich dem Niveau der Partie nicht anzupassen vermochte. Er hatte keine klare Linie, benachteiligte die Deutschen mehrfach, aber nicht spielentscheidend.





Die deutsche Mannschaft, die ein großes Turnier gespielt hat, muss sich mit dem Trostpreis bescheiden: Sie spielt am Samstag in Stuttgart das „kleine Finale".





Überraschend anders, ganz anders als von aller Welt erwartet, präsentierte sich Deutschland in diesem Turnier. Die Mannschaft lebte die Spielphilosophie des Bundestrainers aus, begeisterte mit der stürmischen Abkehr vom Breitwand-Fußball. Die Deutschen haben ihr Spiel kultiviert. Sie haben die Fans mit „richtigem" Fußball begeistert. Klinsmanns Zäsur hat sich ausgezahlt. Die Langeweile wurde aus den Stadien geschossen, Fußball „Made in Germany" wieder zu einer Nobelmarke.





Klinsmann ist angeeckt. Klinsmann hat auch Fehler gemacht. Als Bundestrainer aber hat der Nachfolger Rudi Völlers in diesen zwei Jahren etwas bewirkt. Er hat der Nationalmannschaft nach dem EM-Waterloo von 2004 ein System gegeben. Und eine Zukunft. Jürgen Klinsmann hat sein erstes Ziel knapp verpasst, seine Mission aber ist noch nicht beendet. Diese Mannschaft hat verdient, diesen Trainer zu behalten. Aber seine Worte gestern nach dem Spiel klangen schon nach Abschied ...





Italien steht glücklich, aber nicht unverdient im WM-Finale. Jürgen Klinsmanns Mission ist noch nicht beendet.







WEHNERO / WEHNERO

Quelle:

Publikation: DIE RHEINPFALZ
 
WM-Magazin



Nach Sperre für Frings:





Blatter räumt Fehler ein





BERLIN (sid). Joseph S. Blatter hat im Fall des nachträglich gesperrten deutschen Fußball-Nationalspielers Torsten Frings Fehler im Ablauf eingeräumt. „Das nehme ich auf meine Kappe. Da haben wir Nachholbedarf", sagte der Präsident des Weltverbandes Fifa. Obwohl die Disziplinarkommission 72 Stunden Zeit hat, um auf Vorfälle in einem Spiel zu reagieren, habe die Auswertung der TV-Bilder zu lange gedauert. „Bei so einem wichtigen Spiel wie dem Halbfinale sollte eine Entscheidung früher als erst einen Tag vor dem Spiel ergehen", erklärte Blatter.





Die Ermittlungen gegen Frings waren erst am Sonntagnachmittag eingeleitet worden, mehr als als 40 Stunden nach dem Viertelfinale gegen Argentinien. Am Vormittag hatte die Fifa zudem noch erklärt, es werde gegen keinen deutschen Spieler ermittelt. Offensichtlich hatte die Disziplinarkommission die TV-Bilder des Tumultes nach dem Elfmeterschießen nicht gründlich genug analysiert.





Frings wurde wegen eines Faustschlags zu zwei Spielen Sperre verurteilt. Da der Bremer vorher provoziert worden war, wurde das zweite Spiel zur Bewährung ausgesetzt. Das Strafmaß der unabhängigen Disziplinarkommission wollte Blatter nicht kommentieren, meinte aber: „Grundsätzlich war das Verfahren richtig.





Ausschreitungen nach





der Niederlage in Dortmund





BERLIN (sid). Millionen von Fußball-Fans in ganz Deutschland fieberten gestern beim WM-Klassiker zwischen Deutschland und Italien.





Die größte Fanmeile der Republik in Berlin verzeichnete mit 900.000 Besuchern einen vorläufigen WM-Rekord. Im Spielort Dortmund ging die Stadt von 200.000 Fans aus dem ganzen Bundesgebiet aus - ein Rekord. Unmittelbar nach dem WM-Aus der Deutschen ist es dort zu Ausschreitungen gekommen. „Wir sind unterwegs zu vielen kleinen Auseinandersetzungen in der Innenstadt. Das Ausmaß der Ausschreitungen wie nach dem Gruppenspiel gegen Polen haben sie aber nicht", meinte Polizeisprecher Wolfgang Wieland.





In Frankfurt tummelten sich nach offiziellen Angaben in der Main-Arena 80.000 Zuschauer. Das WM-Stadion war mit 35.000 Fans gefüllt. In Köln waren die Public-Viewing-Gelände am Roncalli-Platz (6500) und am Heumarkt (5000) so überfüllt, dass man die Besucher auf die Deutzer Werft (30.000) umleitete. In München bevölkerten 13.000 Menschen die Theresien-Wiese und 22.000 das Olympiagelände.





In Berlin setzten Politiker mit ihrem Besuch der Fanmeile ein Zeichen für die Sicherheit des größten deutschen Fanfestes, nachdem am Sonntag bei einer Amokfahrt 25 Menschen verletzt worden waren.





wm-sprüche





„Wir hätten Deutschland schlagen müssen, wie wir es mit der Elfenbeinküste sowie Serbien und Montenegro gemacht haben. Deutschland ist nicht viel besser als die Elfenbeinküste."





Argentiniens Idol Diego Armando Maradona. (sid)





WM-Spiel im TV





Halbfinale in München: Portugal - Frankreich (21 Uhr, live, ARD).







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Quelle:

Publikation: DIE RHEINPFALZ
 
Stimmen und Stimmungen

„Wir sind unglaublich glücklich"

In der italienischen Nacht verebbt die deutsche Euphorie-Welle



Una notte italiana. Im Süden werden die Menschen gerne erst richtig nachts wach im Sommer. Gestern Abend war es im Dortmunder WM-Stadion fast 23.30 Uhr als alle Italiener auf dem Rasen und auf der Bank so schnell rannten wie zuvor in 90 Minuten samt halbstündiger Verlängerung kaum.





Fabio Grosso hatte Italien doch noch in Führung gebracht. Aber es blieb keine Zeit mehr, eine Minute vor Schluss, noch das zweite Elfmeterschießen in Folge zu erreichen. Alessandro del Piero, der Luxus-Joker setzte gleich noch einen drauf. Und Deutschland hatte fertig.





„Marcello Lippi ist ein Großmeister als Trainer, ich in meiner Anfangsphase", hatte Klinsmann vor dem 1:4 in Florenz über seinen Kollegen voller Respekt gesagt. Das stärkere Team hatte sich gestern durchgesetzt. Und trotzdem war die Enttäuschung Klinsmanns berechtigt. Denn eine Welle der Euphorie hatte Deutschland unter die letzten Vier gebracht. „Unsere Welle trägt euch ins Finale", hatte vor dem Anpfiff auf einem großen Transparent gestanden. Aber die DFB-Elf ist in Dortmund gestrandet.





„Wir sind unglaublich glücklich. Ich denke, dass wir den Sieg verdient haben. Wir haben keine großen goldenen Bälle gespielt, aber ich glaube, dass kein Deutscher sagen kann, dass wir den Sieg nicht verdient hätten", meinte Lippi, der froh war, dass seiner Mannschaft das Elfmeterschießen erspart worden ist. „Das Finale kann nicht schlimmer werden", meinte Italiens Torhüter Gianluigi Buffon.





„So spät zu verlieren, ist bitter. Wir haben aber ein sehr, sehr gutes Turnier gespielt, es nur leider nicht geschafft, ins Finale zu kommen", bedauerte Klinsmann. „Ich denke, jeder kann verstehen, dass die Enttäuschung riesengroß ist", meinte Abwehrspieler Christoph Metzelder. Kollege Philipp Lahm: „Wenn man im Halbfinale steht, dann will man auch alles. Wir waren gleichwertig, wenn nicht sogar besser. Es ist bitter, dass man so verliert mit zwei Toren kurz vor Schluss."





Klinsmann war mit dem Abschneiden seines Teams zufrieden. „Wir waren 50 Tage zusammen. Es war ein tolles Erlebnis", meinte der Schwabe, für den es am Samstag mit den Deutschen in Stuttgart um Platz drei geht. Glücklich war er, dass das Team einen sehr, sehr guten Fußball gezeigt, sehr offensiv gespielt habe. „Es war ein großer Erfolg für unser Team, das ganze Land. Wir haben der Welt ein ganz neues Gesicht von Deutschland gezeigt." (cka)







WEHNERO / WEHNERO

Quelle:

Publikation: DIE RHEINPFALZ
 
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