Entschuldige bitte vorab die Form meiner Antwort. Hab für diese schöne Diskussion eigentlich gar keine Zeit
-Afghanistan ist alles andere als politisch unabhängig
-die Angreifer des 11.09. stammten nicht überwiegen aus Afghanistan, aber sicher hast du Recht: das Taliban-Regime musste beseitigt werden...wurde es aber nur in bestimmten Gebieten. Zumal: Nach Afghanistan kamen durch die Invasion der Sowjets viele Menschen aus benachbarten Ländern (Pakistan, Jordanien, vor allem Saudi-Arabien), um die Luft des Krieges zu schnuppern. Es wird gemunkelt, dass sie keine richtigen Kämpfer waren. Ja selbst Bin Laden hat kaum wirklich gekämpft und wenn, dann hat er kleine Schlachten groß verloren. Die Menschen jedoch lernten den "Dschihad" kennen und trugen die Ideen des Dschihad in ihre Heimatländer, gründeten dort lokalen Büros. Der zweite Afghanistan-Krieg (...der zweite der "Neuzeit") hat ähnliches bewirkt, da die USA keinen Plan für einen Wiederaufbau hatten und sich haben benutzen lassen. -> Durch dieses Benutzen lassen, sind vielerorts wieder Taliban an die Macht gekommen, da sich die Bevölkerung nicht von den "fremden" Nordafghanen (Paschtunen) ausbeuten lassen wollte...
- erfolgreiche Dialoge: Zusammenkünfte und Versammlungen in Uganda, Ruanda. Dort sprachen die Völkermörder mit Opfern und Angehörigen und haben versucht sich auszusöhnen. Erfolgreich insofern, als das die Leute immerhin nebeneinander leben. Des Weiteren: Die Truth And Reconciliation Comission in Südafrika nach der Apartheid...fällt was auf? Alles Dialoge fast ohne den Westen!?
Frage: Kann sowas nach einem Angriff auf ein Land auch sinnvoll sein? Werde sogar ich kleiner "Idealist" verneinen
Aber es gibt sicher andere Wege als "Kriege ohne (Aufbau-)Perspektive". Stell dir vor, dass 10 Leute aus deiner Heimatstadt das Nachbardorf angreifen und dann kommen 100000 Leute aus deinem Nachbardorf und bringen deine Mutter, Schwester und zwei Cousin um...nennst du das Freiheit und schönes Leben?
Gut ist etwas polemisch von mir...
Wie gesagt: Der Krieg hat mehr neue Feinde erschaffen, als er alte vernichtet hat. Und wenn die Amerikaner die Lage besser analysiert hätten, dann wäre Afghanistan auch nicht so ein Hummelnest geblieben.
Zu Irak: Da sind wir sehr d´accord. Wobei ich hier nochmal die Dummheit der Amerikaner herausstellen will. Ich habe ein Pulverfass Afghanistan, habe dort keinerlei Ahnung wie es weitergehen soll und gehe gut 18 Monate später in ein anderes Land in der gleichen Region?! Kein Wunder, dass es nun eine Al-Qaida im Irak gibt, die den amerikanischen Soldaten wohl dutzendfach mehr Verluste beigebracht hat, als die Amerikaner sie am 11.09. hinnehmen mussten.
Zu deinem Statement über die USA:
Magst ja Recht haben.
Aber: Auf der anderen Seite gab es Politiker in den USA, die Deutschland bei einem Angriff der Sowjetunion ("diese wäre mit einem Blitzkrieg wohl in 4, 5 Tagen in Belgien und den Niederlanden gewesen"...so jedenfalls die Amis...wären die Kommis natürlich nicht, da sie totale Logistikprobleme bekommen hätten), per Nuklearschlag in die Steinzeit bomben wollten.
Zudem: Die USA hatten ein riesen Interesse an einem starken Deutschland. Eben als Bollwerk gg. den Kommunismus, als Handelspartner etc. pp.
Aber von diesen negativen Aspekten mal ganz ab: Ich bin nicht anti-Amerika eingestellt. Vielleicht Anti-Neocon. Und ich glaube mir auch anmaßen zu dürfen, dass meine Kritik nicht allzu polemisch und unwissend daherkommt.
Und glaube mir: Wenn du Freunde, Bekannte oder gar Familienangehörige verlierst, weil eine Gruppe wie Al-Quaida meint, sie müsse für eine bessere Welt eintreten, dann wirst du kein gesteigertes Interesse daran haben diese Organisation auf einem langwierigen und schwierigen Weg in irgendeiner Weise politisch in die Schranken zu Weisen, du wirst dich nach einer schnelleren Lösung sehnen und hoffen, dass ein Land wie Amerika dazu bereit ist diese Lösung, auch über den unbequemen Weg zu gehen.
Unterschreib ich dir sofort! Du hast absolut Recht.
Aber gerade deswegen fordere ich doch, dass die Amis und ihre Verbündeten (ja, auch Deutschland!) einen Weg finden sollten, um den Taliban ihren Nährboden zu entziehen. Ich kann den Wolf (Taliban, Osama, Saddam...) nicht vergiften, wenn meine Schafsherde (das irakische, afghanische Volk; Sympathisanten im Westen) dem gleichen Gift ausgesetzt ist und dadurch zum nächsten Wolf wird.
Es hätte auf jeden Fall ein Weg gefunden werden können, der die sozialen Folgen einer Intervention auffängt. Sowas geht eben nicht mit 50 Milliarden an Aufbauhilfe, sondern nur, wenn man die Menschen erreicht...passt perfekt zum "Ackerland Deutschland". Und das Argument (hab ich schon öfter gehört), dass die Afghanen nie etwas hatten bzw. nur Krieg kannten...ich finde das zieht nicht. Zeig ihnen deutlich, dass es ihnen besser gehen wird, gewinn ihre Stammesältesten, ihre (religiösen) Führer...
@ rmpa:
Aber West-Point wird doch auch nicht jeden nehmen? Sondern nur die besten Bewerber. Die könnten sich doch sicher auch für eine gute Uni bewerben und sich somit auch eine Perspektive auf einen guten Job sichern/aufbauen.
Naja...vielleicht seh ich das einfach zu negativ, da ich erst nur die Platitüden aus dem Video gesehen habe ("ich komm rum...lern neue Leute kennen...das Militär ist toll")...vielleicht machen diese jungen Menschen (das Alter hat mich auch etwas schockiert: 16, 17 Jahre sind die Kids...da hab ich nicht übers Töten nachgedacht und hatte keine festen Ansichten zum Vaterland etc.) sich in West-Point auch Gedanken über das politische hinter den Militäreinsätzen. Der Patraeus (schreibt sich der Mann so?) hat da ja schon ein paar Ansätze aufgezeigt.