Afrika ist nur für einen verschwindend kleinen Teil der Treibhausgase verantwortlich. Doch unter den Folgen der Erderwärmung leidet der labile Kontinent mehr als alle anderen - ein Skandal, der im Mittelpunkt des derzeit in Nairobi tagenden Klimagipfels steht. Wenn es mit der Erderwärmung so weiter geht, wird es den Prognosen der Wissenschaftler zufolge in zehn Jahren kein Eis mehr auf dem Kilimandscharo geben und in wenigen Jahrzehnten keine Kapstädter "Waterfront" mehr, wie das Einkaufsviertel am Hafen genannt wird. Zudem wird bis 2085 ein Drittel der Tier- und Pflanzenarten in Afrika verschwunden sein.
70 Millionen Menschen gefährdet
Nach mehreren, in jüngster Zeit veröffentlichten Studien wird Afrika - das ein Fünftel der Kontinentalmasse des Erdballs ausmacht - den Löwenanteil der negativen Wirkungen des Klimawandels tragen: Noch schlimmere Dürreperioden, heftigere Niederschläge in den feuchten Gegenden Westafrikas und einen Ertragsrückgang in der Landwirtschaft, die schon heute die rund 812 Millionen Afrikaner nur mit Mühe ernähren kann. Bis 2080 werde der Ertrag aus im Sudan, Äthiopien oder Eritrea angebautem Sorghum (Gattung der Hirsearten) sowie aus ghanaischem Mais um mindestens fünf Prozent zurückgehen, heißt es in einer von den UN in Auftrag gegebenen Studie.
In manchen Küstenregionen werden wegen des steigenden Meeresspiegels bis Ende des Jahrhunderts 70 Millionen Menschen und 30 Prozent der Infrastruktur gefährdet sein - neben Kapstadt werden auch große Teile von Lagos (Nigeria) und Dar-es-Salaam (Tansania) unter Wasser stehen. Gleichzeitig dehnen sich die Wüsten aus - schon heute wächst die ausgetrocknete Sahelzone allein in Nordnigeria jährlich um 2000 Quadratkilometer. Die Fläche der von regelmäßigen Dürren heimgesuchten Regionen Afrikas soll sich bis 2050 verfünffachen.
Nach einer Studie der Hilfsorganisation Christian Aid könnten in diesem Jahrhundert 184 Millionen Afrikaner an den Folgen der Erderwärmung sterben. Schon heute hat sich die Malaria nach Schätzungen der WHO wegen höherer Temperaturen um sechs Prozent ausgebreitet, weswegen Woche für Woche 1000 Afrikaner mehr sterben. "Die Klimaerwärmung macht viele Probleme, mit denen Afrikaner heute schon zu kämpfen haben, noch viel, viel schlimmer", sagt Andrew Simms von der britischen New Economics Foundation. Jüngste Errungenschaften im Kampf gegen die Armut drohen nach den Worten des kenianischen Umweltministers und Klimagipfel-Präsidenten, Kivutha Kibwana, von den Folgen der Erderwärmung vernichtet zu werden.
Dazu gehört zunächst, dass die maroden Einrichtungen zur Klimaüberwachung verbessert werden. Ein Viertel aller Wetterstationen im östlichen und südlichen Afrika funktioniere nicht, klagt Michel Jarraud, Generalsekretär der Weltorganisation für Meteorologie. Sodann müssten Wasserquellen erschlossen werden. Neue Arten trockenheitsresistenter Getreide- und Maispflanzen seien zu entwickeln, meinen Agrarexperten. In Küsten- und Flussregionen müssten Mangroven angepflanzt oder Dämme errichtet werden, um Überflutungen abzuwehren.
Bis zu 40 Milliarden Dollar jährlich seien nötig, um die Folgen der Erderwärmung in Afrika wirksam bekämpfen zu können, heißt es in einer Studie britischer Hilfsorganisationen. Die für die Katastrophe verantwortlichen Industrienationen hätten bisher nur ein einziges Prozent dieses Betrages zur Verfügung gestellt.
Beim Emissionshandel abgeschlagen
Einen Teil der nötigen Finanzen könnte sich der bettelarme Kontinent durch den im Kyoto-Vertrag vorgesehenen Emissionshandel sichern - doch der funktioniert mit Afrika nur schlecht.
Während sich China knapp Zweidrittel des inzwischen jährlich fast 30 Milliarden Dollar umfassenden Marktes sicherte, ist Afrika wieder einmal abgeschlagen: Von weltweit 210 Projekten, bei denen sich Industriestaaten durch umweltfreundliche Investitionen in Entwicklungsländern Bonuspunkte für ihren Ausstoß an Treibhausgasen sichern können, befinden sich nur fünf in Afrika.
Das liegt vor allem daran, dass Industrienationen durch die Säuberung großer Industrieanlagen die meisten Punkte ergattern: Solche gibt es kaum in Afrika. Dass die durch Kyoto geschaffenen Instrumente dort trotzdem genutzt werden können, beweist die Grüngürtel-Bewegung der kenianischen Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai. Ihre Organisation pflanzt am Mount Kenia zwei Millionen Bäume, die in zehn Jahren bis zu 800 000 Tonnen Kohlendioxid absorbieren sollen. Dafür werde die Weltbank nach dem Kyoto-Abkommen bis zu zwei Millionen Dollar zahlen, erklärt ein Sprecher des Projekts. Gemessen an den drohenden Gefahren ist das aber ein höchstens symbolischer Beitrag.
fr-aktuell.de
http://fr-aktuell.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/?em_cnt=1009019&http://fr-aktuell.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/?em_cnt=1009019&
70 Millionen Menschen gefährdet
Nach mehreren, in jüngster Zeit veröffentlichten Studien wird Afrika - das ein Fünftel der Kontinentalmasse des Erdballs ausmacht - den Löwenanteil der negativen Wirkungen des Klimawandels tragen: Noch schlimmere Dürreperioden, heftigere Niederschläge in den feuchten Gegenden Westafrikas und einen Ertragsrückgang in der Landwirtschaft, die schon heute die rund 812 Millionen Afrikaner nur mit Mühe ernähren kann. Bis 2080 werde der Ertrag aus im Sudan, Äthiopien oder Eritrea angebautem Sorghum (Gattung der Hirsearten) sowie aus ghanaischem Mais um mindestens fünf Prozent zurückgehen, heißt es in einer von den UN in Auftrag gegebenen Studie.
In manchen Küstenregionen werden wegen des steigenden Meeresspiegels bis Ende des Jahrhunderts 70 Millionen Menschen und 30 Prozent der Infrastruktur gefährdet sein - neben Kapstadt werden auch große Teile von Lagos (Nigeria) und Dar-es-Salaam (Tansania) unter Wasser stehen. Gleichzeitig dehnen sich die Wüsten aus - schon heute wächst die ausgetrocknete Sahelzone allein in Nordnigeria jährlich um 2000 Quadratkilometer. Die Fläche der von regelmäßigen Dürren heimgesuchten Regionen Afrikas soll sich bis 2050 verfünffachen.
Nach einer Studie der Hilfsorganisation Christian Aid könnten in diesem Jahrhundert 184 Millionen Afrikaner an den Folgen der Erderwärmung sterben. Schon heute hat sich die Malaria nach Schätzungen der WHO wegen höherer Temperaturen um sechs Prozent ausgebreitet, weswegen Woche für Woche 1000 Afrikaner mehr sterben. "Die Klimaerwärmung macht viele Probleme, mit denen Afrikaner heute schon zu kämpfen haben, noch viel, viel schlimmer", sagt Andrew Simms von der britischen New Economics Foundation. Jüngste Errungenschaften im Kampf gegen die Armut drohen nach den Worten des kenianischen Umweltministers und Klimagipfel-Präsidenten, Kivutha Kibwana, von den Folgen der Erderwärmung vernichtet zu werden.
Dazu gehört zunächst, dass die maroden Einrichtungen zur Klimaüberwachung verbessert werden. Ein Viertel aller Wetterstationen im östlichen und südlichen Afrika funktioniere nicht, klagt Michel Jarraud, Generalsekretär der Weltorganisation für Meteorologie. Sodann müssten Wasserquellen erschlossen werden. Neue Arten trockenheitsresistenter Getreide- und Maispflanzen seien zu entwickeln, meinen Agrarexperten. In Küsten- und Flussregionen müssten Mangroven angepflanzt oder Dämme errichtet werden, um Überflutungen abzuwehren.
Bis zu 40 Milliarden Dollar jährlich seien nötig, um die Folgen der Erderwärmung in Afrika wirksam bekämpfen zu können, heißt es in einer Studie britischer Hilfsorganisationen. Die für die Katastrophe verantwortlichen Industrienationen hätten bisher nur ein einziges Prozent dieses Betrages zur Verfügung gestellt.
Beim Emissionshandel abgeschlagen
Einen Teil der nötigen Finanzen könnte sich der bettelarme Kontinent durch den im Kyoto-Vertrag vorgesehenen Emissionshandel sichern - doch der funktioniert mit Afrika nur schlecht.
Während sich China knapp Zweidrittel des inzwischen jährlich fast 30 Milliarden Dollar umfassenden Marktes sicherte, ist Afrika wieder einmal abgeschlagen: Von weltweit 210 Projekten, bei denen sich Industriestaaten durch umweltfreundliche Investitionen in Entwicklungsländern Bonuspunkte für ihren Ausstoß an Treibhausgasen sichern können, befinden sich nur fünf in Afrika.
Das liegt vor allem daran, dass Industrienationen durch die Säuberung großer Industrieanlagen die meisten Punkte ergattern: Solche gibt es kaum in Afrika. Dass die durch Kyoto geschaffenen Instrumente dort trotzdem genutzt werden können, beweist die Grüngürtel-Bewegung der kenianischen Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai. Ihre Organisation pflanzt am Mount Kenia zwei Millionen Bäume, die in zehn Jahren bis zu 800 000 Tonnen Kohlendioxid absorbieren sollen. Dafür werde die Weltbank nach dem Kyoto-Abkommen bis zu zwei Millionen Dollar zahlen, erklärt ein Sprecher des Projekts. Gemessen an den drohenden Gefahren ist das aber ein höchstens symbolischer Beitrag.
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http://fr-aktuell.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/?em_cnt=1009019&http://fr-aktuell.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/?em_cnt=1009019&