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FCK gegen Bayern: Beim torlosen Klassiker regiert der Hass
Jagdszenen auf dem Betzenberg
Viel Hektik, aber keine Tore: Auf dem Betzenberg wurde reichlich getreten und diskutiert.
Kaiserslautern - Emotionen und Animositäten pur: Beim torlosen Bundesliga-Klassiker zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Bayern München, der beide Kontrahenten im Titelrennen auf der Stelle treten lässt, wurde der Betzenberg zur Bühne für die seit Jahren gepflegte pfälzisch-bayerische Hassliebe.
"Hier sind Neid und Hass in ihrer Reinkultur anzutreffen. Gegen uns werden immer Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt. Aber das haben wir uns hart erarbeitet", sagte Bayern-Torwart Oliver Kahn mit einem Anflug von Ironie. Ein paar Meter weiter musste Thorsten Fink eine Bierdusche über sich ergehen lassen.
Schweres Geschütz fuhr Münchens Manager Uli Hoeneß auf. "Es ist unerträglich, wie Kaiserslauterns Spieler und das Trainergespann permanent versuchten, Schieds- und Linienrichter zu beeinflussen und damit auch das Publikum aufzuwiegeln, das sich teilweise wie Tiere benommen hat. Wenn man das hier nicht in den Griff bekommt, führt das irgendwann zur Eskalation und sogar zum Spielabbruch", ereiferte sich Hoeneß über die aufgeheizte Atmosphäre im mit 40 600 Zuschauern ausverkauften Fritz-Walter-Stadion. Auf der nächsten Managertagung, so Hoeneß, wolle er "dagegen etwas unternehmen".
Sauer auf den Linienrichter: FCK-Stürmer Jörgen Pettersson wurde ein Treffer wegen Handspiels aberkannt.
Wortgefecht zwischen Hoeneß und Brehme
Hoeneß, der sich schon während des Spiels heftige Wortgefechte mit dem in der 85. Minute wegen Reklamierens auf die Tribüne verbannten FCK-Team-Manager Andreas Brehme geliefert hatte, gab selbst kein gutes Beispiel für Besonnenheit. Ebenso wie der an der Seitenlinie herumtanzende Co-Trainer Michael Henke, der Schiri-Assistent Markus Scheibel (Breitenhagen) zwecks besseren Durchblicks seine Brille andiente. Gleiches hätte auch Brehme gern getan, der die Entscheidung, ein Tor von Jörgen Pettersson (84.) wegen Handspiels zu annullieren, als "falsch" bezeichnete.
Beckenbauer: "Wie die Stiere"
Als Kommentator im "Premiere"-Studio hatte schon zur Pause Franz Beckenbauer reichlich Dampf über die "Jagdszenen" auf dem Betzenberg abgelassen. "Die gehen ja aufeinander los wie die Stiere. Es wird nicht der Ball getreten, sondern in die Beine. Das hat mit Fußball nichts zu tun", kritisierte der "Kaiser" die harte Gangart speziell der Lauterer.
Die Grätsche von Vratislav Lokvenc gegen Bixente Lizarazu (15.) war für Beckenbauer "dunkelrot". Lokvenc sah ebenso nur "Gelb" wie der in der 77. Minute mit Gelb-Rot vom Feld geschickte Dimitrios Grammozis nach rüder Attacke gegen Roque Santa Cruz (36.) oder Ratinho, der Stefan Effenberg von hinten umsäbelte (38.).
<strong>"Bayern sollen sich nicht so anstellen"</strong>
Selbst Mario Basler räumte ein, dass der stark geforderte Schiedsrichter Torsten Koop (Lüttenmark) in allen drei Fällen hätte "Rot" zeigen können. Für das Münchner Wehklagen brachte der Ex-Bayer jedoch kein Verständnis auf: "Die sollen nicht immer so tun, als ob sie aus Samt wären. Das war ein Fußballspiel mit ganz normaler Härte." Auch Schiedsrichter-Beobachter Manfred Amerell sah die Dinge nicht so dramatisch: "Vom Timing her war es richtig, dass Koop kein Rot zog. Die gelben Karten haben auch Wirkung gezeigt." Was Amerell "unerträglich" findet, ist dagegen die "Rudelbildung": "Es darf nicht sein, dass sich die Verantwortlichen bekriegen, Masseur und Ersatzspieler bei jeder Entscheidung lamentieren und protestieren. Dagegen müssen wir künftig härter vorgehen."
"Jetzt werden wir erst recht Meister"
Nicht nachvollziehen konnte FCK-Vorstandschef Jürgen Friedrich das Bayern-Lamento. "Es bewegte sich alles im Rahmen des körperlichen Engagements. Die Atmosphäre in Kaiserslautern ist Fußball pur und die lassen wir uns auch nicht nehmen. Dann können wir gleich ins Theater gehen", meinte Friedrich. Den Meisterschaftszug hält Basler, der zum Matchwinner hätte werden können, wäre er mit seinem Foulelfmeter (12.) nicht an Kahn gescheitert, für abgefahren: "Aber durch Bremens Niederlage sind unsere Chancen fürs internationale Geschäft gestiegen." Während Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld das zum 5-Punkte- Rückstand auf Spitzenreiter Leverkusen führende 0:0 als "Rückschlag" bezeichnete, prognostizierte Kahn strotzend vor Selbstbewusstsein: "Wir werden wieder Meister, da bin ich mir ganz sicher."
Von Reinhard Schwarz, dpa - Fotos: dpa, AP