Mich stört hier die Tendenz, die in meinen Augen bei vielen Beiträgen etwas zu offensichtlich durchscheint:
Hat eine Person X eine Geldsumme Y angesammelt, die einen gewissen Betrag Z übersteigt, dann muss dieser Betrag Z ja zwangsläufig durch folgende Gründe zusammengekommen sein:
a) Ausbeutung der Dritten Welt / Der Armen Bevölkerungsteile im eigenen Land
Kriminelle Machenschaften
c) Verantwortungsloses Handeln auf dem Rücken kommender Generationen
Diese Sichtweise stört mich. Es ist sehr einfach, bei "verdächtigen" Vermögenswerten gleich das moralische Maschinengewehr herauszuholen und Menschen mit viel Geld vorsichtshalber erst einmal zu unterstellen, ihr Vermögen sei auf unmoralische Weise zustande gekommen.
Damit ich hier nicht falsch verstanden werde: Diese Beispiele gibt es zuhauf. Es gibt genug Vermögen, die auf solche Weise zustande gekommen sind. Auch in Deutschland haben wir mit der Familie Quandt solche Vermögenswerte, um nur ein Beispiel zu nennen.
Aber was ist z.B. mit den Brüdern Albrecht?
Und da wären wir schon am Punkt. Meiner Meinung nach sollten solche Diskussionen ohne eine durchscheinende Neiddebatte und ohne Messer zwischen den Zähnen geführt werden. Denn genauso, wie es Vermögenswerte gibt, die auf unmoralische, kriminelle Weise zustande gekommen sind, gibt es Menschen, die einfach die richtige Geschäftsidee zur richtigen Zeit hatten und denen unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem die Möglichkeit geboten hat, damit reich zu werden. Und das z.B. auch aus dem Grund, weil diese Menschen z.B. etwas erfunden oder entwickelt haben, mit dem sie zwar viel Geld verdienen, der Gesellschaft aber auch großen Nutzen bringen, weil ihre Erfindung vielen das Leben erleichtert.
Wenn jemand wie Bill Gates ein Betriebssystem für PCs erfindet, das stabil läuft und mit dem Milliarden von Menschen auf der Welt zuverlässig arbeiten können, dann hat er es sich verdient, damit reich zu werden, eben weil niemand außer ihm auf diese Idee gekommen ist.
Mir ist vollkommen klar, dass gerade bei der Ausbeutung von Drittwelt-Ländern gerade im Bereich landwirtschaftlicher Rohstoffe durch westliche Protektionismus- und Subventionspolitik vieles im Argen liegt. Burkina-Faso etwa stellt die weltweit qualitativ beste Baumwolle her und wird dazu gezwungen, diese aufgrund der Subventionierung amerikanischer Baumwolle auf dem Weltmarkt zu Spottpreisen zu verkaufen.
Aber die Gründe für solche Fehlentwicklungen liegen zum großen Teil in Mechanismen der Politik und in Rahmenbedingungen, die auf internationaler politischer Ebene z.B. in Organisationen wie der WTO und der UNO ausgehandelt werden müssen. Sie sind per se erst einmal nicht die "Schuld der Reichen Leute".
Das so darzustellen ist meiner Meinung nach sehr verkürzt. Da macht man es sich einfach, weil Reichen-Schelte gerade bei uns in Deutschland ein beliebter Sport ist. Da sollte man sich mal etwas gelassener zeigen.