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Afrikanische Union vor dem Ende?

Jonny

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Hintergrund

Darfur-Krise lastet auf Gipfel

Beim Treffen der Afrikanischen Union in Addis Abeba könnte Sudans umstrittener Staatschef Vorsitzender des Staatenbunds werden. Das jedoch wäre das moralische Ende der Gemeinschaft.

VON JOHANNES DIETERICH



Die Vorsitz-Frage ist nicht das einzige schicksalhafte Thema, das die 53 Staatschefs der Afrikanischen (AU) bei ihrem heute startenden Treffen in Addis Abeba zu behandeln haben, aber es ist das augenfälligste Problem. Eigentlich wäre der Sudanese Omar al-Baschir bereits 2006 mit dem Vorsitz über den Staatenbund an der Reihe gewesen. Dieser wechselt nämlich laut AU-Verfassung alle zwölf Monate zwischen den fünf Regionen des Kontinents (Nord-, Süd-, Ost-, West- und Zentralafrika) - und Ostafrika hatte sich bereits vor Jahren auf Sudan als seinen ersten Repräsentanten verständigt. Dann aber kam der Völkermord in Darfur dazwischen. Al-Baschir wird beschuldigt, diesen angezettelt oder zu wenig dagegen getan zu haben.



Der Völkermord-Leugner ("Der so genannte Darfur-Konflikt ist eine Erfindung ausländischer Interessen") wurde so schon 2006 als AU-Chef übersprungen. Nun sei er jedoch endgültig an der Reihe, sagen seine Regierung und ihre Verbündeten, während internationale Hilfsorganisationen berichten, dass die Lage im Darfur nur immer schlimmer werde.



"Sudan den AU-Vorsitz einzuräumen, käme nicht nur einer Rechtfertigung der dort verübten Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleich", meint Peter Takirambudde, Afrika-Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch: "Es würde auch die AU auf irreparable Weise ins Gerede bringen." Eine Rebellentruppe im Darfur kündigte an, die 7000 dort stationierten Friedenssoldaten der AU als Feinde zu betrachten, falls al-Baschir tatsächlich zum Vorsitzenden des Staatenbunds bestimmt wird. Tschad drohte mit dem Austritt aus der AU.



Auch die von der AU geforderten Verhandlungen über eine personelle Verstärkung dieser bislang eher wirkungslosen Truppe, eine Veränderung ihres Mandats sowie ihre Unterstützung durch die UN würden mit einem AU-Vorsitzenden al- Baschir fast unmöglich werden, denn dieser hat sich bereits gegen eine Verstärkung dieser Truppe ausgesprochen. "Sudan verstößt andauernd gegen AU-Beschlüsse", meint Jakkie Cilliers, Chef des südafrikanischen Instituts für Sicherheitsstudien: "Wenn der dafür verantwortliche Präsident zum AU-Vorsitzenden bestimmt wird, würde das der Rest der Welt wohl kaum verstehen."



Ein entscheidendes Thema des Gipfels ist auch die Entsendung einer Friedenstruppe nach Somalia. Sich in interne Konflikte von Mitgliedsländern schlichtend einzumischen und nicht mehr auf dem überholten Prinzip der Souveränität oft korrumpierter Staaten zu beharren, war die entscheidende Motivation für die Gründung der AU aus den Trümmern der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU): Diese hatte sich den wenig schmeichelhaften Titel eines "Clubs der Diktatoren" eingehandelt. In ihrer fünfjährigen Geschichte entsandte die AU zweimal Friedenstruppen: Das erste Mal mit mäßigem Erfolg in Burundi, dann ohne Erfolg in den Darfur-Provinzen.Am weithin gepriesenen Einsatz von UN und EU im Kongo war die AU dagegen nicht beteiligt.



Nun drängt sich Somalia als neue Bewährungsprobe auf: Mindestens 8000 Soldaten sollen ans Horn von Afrika entsandt werden, um der schwachen Übergangsregierung bei der Etablierung zu helfen. Die unter der somalischen Bevölkerung unbeliebten äthiopischen Soldaten ziehen bereits ab, um nicht wie die US-Truppen in Bagdad in "irakische Verhältnisse" verwickelt zu werden: Soll nicht ein Machtvakuum entstehen, das das Ende der Übergangsregierung bedeuten könnte, müssten die AU-Blauhelme eigentlich bereits in Mogadischu sein. Doch noch immer haben nicht genügend Staaten Truppen angeboten.



Dieses Versäumnis ist freilich weniger der AU selbst als ihren Mitgliedsstaaten zuzuschreiben - wie auch die chronischen Finanzierungslücken, an denen die 534 in Addis Abeba stationierten AU-Beamten zu verzweifeln drohen. Der Staatenbund verfügt über ein Jahresbudget von 70 Millionen Dollar; sein europäisches Vorbild, die EU, kann jährlich 120 Milliarden Dollar ausgeben, 1700 mal so viel. Kein Wunder, dass auch die längerfristigen AU-Projekte - wie die soziale, politische und wirtschaftliche Integration der afrikanischen Staaten, die Gründung eines Gerichtshofs für Menschenrechte und einer Zentralbank mit einheitlicher Währung - nicht vom Fleck kommen.



www.fr-aktuell.de

http://fr-aktuell.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=1061070&http://fr-aktuell.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=1061070&
 
Afrikaner strafen Sudan ab

Staaten-Union wählt Präsident al-Baschir nicht zum Vorsitzenden

Die Afrikanische Union (AU) hat dem sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir erneut einen Korb erteilt. Wegen der Kämpfe in Darfur bestimmte sie nicht ihn, sondern John Kufuor, den Staatschef Ghanas, zum neuen AU-Vorsitzenden.



Johannesburg - Der Sudan habe die zum Auftakt des AU-Gipfels in Addis Abeba getroffene Entscheidung mitgetragen, teilte die AU mit. Der Sudan wäre turnusgemäß schon 2006 mit dem AU-Vorsitz an der Reihe gewesen, doch auch damals war der umstrittene Regent wegen der Vorgänge in den Darfur-Provinzen übergangen worden.



Da sich die Lage in den Unruheprovinzen seither eher verschlechtert hat, warnten zahllose Hilfsorganisationen davor, al-Baschir das einflussreiche Amt zu übertragen. Nach UN-Angaben starben bei den Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen im Darfur in den vergangenen drei Jahren weit mehr als 200 000 Menschen, fast 2,5 Millionen Menschen verloren ihr Zuhause.



Ban Ki-Moon, der seine erste Afrika-Reise als Generalsekretär der Vereinten Nationen mit einem Besuch des AU-Gipfels verband, kritisierte den sudanesischen Präsidenten am Montag in Addis Abeba scharf: Al-Baschir müsse unverzüglich "seine schrecklichen Bombardements" im Darfur einstellen, sagte Ban. Der Generalsekretär forderte die sudanesische Regierung auf, ihren Widerstand gegen eine Verstärkung der 7000 im Darfur stationierten AU-Blauhelme durch UN-Truppen aufzugeben.



Ban will sich am Rand des zweitägigen Gipfels in der äthiopischen Hauptstadt mit al-Baschir treffen, um Details einer gemeinsamen AU- und UN-Mission zu besprechen. Die Truppe, der mindestens 20 000 Soldaten angehören sollen, könne noch im Februar in die Krisenregion entsandt werden, wenn Khartum zustimme, hieß es in UN-Kreisen.



"Ärzte der Welt" verlassen Darfur



Die französische Hilfsorganisation "Ärzte der Welt" gab am Montag den Abzug ihrer Hilfskräfte aus der Darfur-Region bekannt, weil es dort " zu riskant" geworden sei. Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu rief die Staatschefs zu Wirtschaftssanktionen gegen den Sudan auf.



Beim Gipfel wollen die 53 Staatschefs auch über die Entsendung einer Friedenstruppe nach Somalia befinden. Bisher hätten sich einzelne Staaten, etwa Uganda und Nigeria, bereit erklärt, 4000 Soldaten ans Horn von Afrika zu schicken, gab AU-Kommissionspräsident Alpha Oumar Konare bekannt. Es seien jedoch 8000 Soldaten nötig, um das Land vor einem erneuten Sturz in die Anarchie zu bewahren. J. Dieterich





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Die französische Hilfsorganisation "Ärzte der Welt" gab am Montag den Abzug ihrer Hilfskräfte aus der Darfur-Region bekannt, weil es dort " zu riskant" geworden sei. Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu rief die Staatschefs zu Wirtschaftssanktionen gegen den Sudan auf.


Jawoll, und wieder trifft es genau die, die es verdienen!!!
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