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[Aktuelles] Schäubles Ansatz unseren Rechtsstaat zu retten

Klingenstädter

Well-Known Member
Das Thema wird von so ziemlich jedem Nachrichtenmagazin online angesprochen.



Ich hab mich mal dafür entschieden, die eher konservative FAZ als Eingangspost zu nehmen:



Antiterrorkampf



<span>Merkel: Schäubles „Denkanstöße“ sind keine konkrete Politik</span>



09. Juli 2007

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) zieht mit seinen neuen Plänen zur Terrorbekämpfung Kritik von allen Seiten auf sich. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck sagte, Schäubles Vorschläge für ein Handyverbot gegen Terrorverdächtige ließen sich nur in einem Überwachungsstaat durchsetzen.



Mehr...(FAZ)





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Meine Meinung:



<div style="margin-bottom:2px;"><b>Spoiler</b> <i>%2$s</i>:

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Ich verstehe nicht, wie eine solche Person Innenminister werden kann - seine Ansichten sind schließlich nicht neu.

Ich möchte hier keine parteipolitischen Aspekte einbringen, es gibt in der CDU bestimmt besser geeignete Kandidaten für diesen Posten.

Der Kerl ist untragbar, eine Schande für Deutschland und eine große Gefahr für unseren Rechtsstaat.

Es nimmt ihn zwar niemand Ernst, aber die Macht, die diese psychisch vermutlich nicht ganz gesunde Person hat, macht mir etwas Angst.


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</div>
 
So ein "Verdächtiger" ist man nach dem Weltbild eines CDU'lers recht schnell. Gab's da nicht 'ne Zeit wo's schon mal so war?
 
Wenn's nicht so geschmacklos wäre, würde ich sagen: "Der Mann hat einen Schuss..."


Ich glaube das ist Voraussetzung für diesen Job. Schily hatte doch auch nicht alle Tassen...



Anstatt das man die Probleme an der Wurzel löst und sich fragt, warum es scheinbar potentielle Terroristen in Deutschland gibt, werden immer mehr Verbote bzw. Gesetze erlassen.



Ich will damit nicht sagen, man solle vor den potentiellen Gewalttätern kuschen, wie es ein Broder den Menschen, die nicht 100% seiner Meinung sind, mir vorwerfen würde, aber Schäubles Weg geht auch in die falsche Richtung.
 
Daher der Hinweis auf die Geschmacklosigkeit der Formulierung. (Ist mir trotzdem rausgerutscht).


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:-) tztzzzz.... als gäbe es keinen Lösch- oder Edit-Button....
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Gut dass du es gesagt hast - muss ich mich nicht selbst auf dieses niedrige Niveau begeben...
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Für den Spruch wollte ich ihm gestern sogar schon ne positive Bewertung geben, ging aber nicht, fand vorher schon was anderes zu gut.
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Ich poste hier nochmal, was ich im Fun-Thread zum gleichen Thema geschrieben habe (war dort doch irgendwie fehl am Platz)



Zunächst einmal bin ich auch der Meinung, das Schäuble und Konsorten über das Ziel hinausschießen mit ihren Vorstellungen. Eine Umsetzung solcher Ideen würde gegen Grundrechte verstoßen. Außerdem haben wir eigentlich die nötigen Gesetze für das, was Schäuble gemeint hat. Verabredung zu einem Verbrechen (§ 30 StGB) und Bildung einer terroristischen Vereinigung (§129a StGB) sind zB auch schon jetzt strafbar.

Die Aussagen, die Schäuble getätigt hat, sind aus meiner Sicht aus zwei Gründen gefallen:

a) Provokation, um die Diskussion darüber am laufen zu halten

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Wählerstimmen bei den Prolls und am rechten Rand abzuschöpfen

Das war alles politische Taktik. Minimum-Maximum-Prinzip. Schäuble hat sein Ziel erreicht: Die Diskussion darüber geht kontrovers weiter, das Thema ist weiter am köcheln. Und seine Position bringt ihm unter Umständen Stimmen ein. So wollte er das.



Wer sich nämlich ein bißchen ein bißchen in der Materie auskennt, weiß, dass für das, was Schäuble angesprochen hat - wollte man es tatsächlich durchsetzen - umfangreiche Grundgesetzänderungen durchgesetzt werden müssten. Jeder weiß, wie viele Hürden schon formal dafür genommen werden müssten. Und beim GG sind nicht nur die Parlamentarier ganz sensibel. Es gibt kaum ein anderes Land, in dem die Grund- und Menschenrechte mehr geachtet und geschützt werden, als die BRD. Abhörmaßnahmen, die zB zu weit gehen oder etwa auch die Verwendung von Aussagen bzw. Geständnissen, die unter unlauteren Bedingungen von den Ermittlungsbehörden erworben wurden, sind verboten.



Gerade gestern hat der BGH in seinem aktuellsten Urteil den Schutz des Beschuldigten im Strafverfahren gestärkt: die Richter haben entschieden, dass ein Beschuldigter, der von seinem in der StPO festgeschriebenen Aussageverweigerungsrecht ausdrücklich Gebrauch gemacht hat, nicht im Gefängnis durch einen verdeckten Ermittler, der sich als Mithäftling ausgibt, zu einem Geständnis bewegt werden darf, welches dann hinterher verwendet wird. Die Verwertung dieses Geständnisses vor Gericht ist in so einem Fall nicht erlaubt, da der Beschuldigte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht hat, und seine Rechte geschützt werden müssen. Ein faires Verfahren MUSS garantiert werden.

Es ging in diesem Fall übrigens um den Mord an einem 15jährigen Mädchen.



Ein anderes Beispiel ist der Fall Daschner. Daschner war PolizeiVize in Frankfurt bei der von-Metzler-Entführung vor einigen Jahren und hatte dem Entführer, der den Ort, an dem sich das Opfer (vermeintlich lebend) befand, mit Folter gedroht, um das Leben des Jungen zu retten.

Das verstieß gegen die Menschenwürde des Beschuldigten, Daschner wurde bestraft.



Mehtin Kaplan, der Kalif von Köln, konnte - obwohl rechtskräftig verurteilt - jahrelang nicht in die Türkei abgeschoben werden, obwohl er offen die Abschaffung der Demokratie in der BRD propagierte. Grund: In der Türkei, so befürchteten die deutschen Behörden, würde Kaplan kein faires Gerichtsverfahren bekommen und vielleicht gefoltert werden. Dies hätte gegen seine Menschenrechte verstoßen. Kaplan wurde erst nach jahrelangem Hickhack abgeschoben, nachdem die Türkei ein faires Verfahren garantiert hatte.



Das waren nur 3 von vielen möglichen Beispielen. Und jetzt kommt mir keiner an und redet von rühmlichen Ausnahmefällen. Das ist so die Rechtspraxis in der Bundesrepublik. Der Schutz der Rechte des Beschuldigten - also auch des einzelnen Bürgers - geht in jedem Fall der Staatsräson vor. Wer sich als Angehöriger staatlicher Organe etwas zuschulden kommen lässt, wird bei uns bestraft bzw. rechtlich belangt (s.o.).

Wir sind kein Überwachungsstaat wie die DDR und werden es auch niemals sein. Und das ist keine naive Einschätzung der Lage, sondern das sind die Tatsachen.



Das perfide an der ganzen Diskussion ist, dass viele von denen, die jetzt "Überwachungsstaat" brüllen, sich beschweren, wenn so etwas wie bei Kaplan mit Fundamentalisten geschieht oder wenn der nächste Sexualverbrecher wieder auf freien Fuß gesetzt wird - dann sollen nämlich laut dem kleinen Mann auf der Strasse "rigide Maßnahmen" getroffen werden und am besten dazu noch "Rübe ab". Auch immer wieder beliebt "wieso kann man solche Leute nicht besser überwachen?!"

Die Antwort ist: Die Rechte gelten für alle gleich, und nicht für Verbrecher so und für unbescholtene Bürger so. Das ist aber genau die Schieflage, die sich bei vielen Leuten neben der Tatsache, dass sie wenig bis keine Ahnung haben, im Kopf befindet.



An die gleichen Leute würde ich übrigens gerne auch einmal folgende Frage stellen:

Sind sie sich eigentlich bewußt, dass sie mit Emails, Anmeldungen auf Internetseiten oder bei zweifelhaften Firmen jeden Tag im Internet ihre elektronischen Spuren hinterlassen? Das Branchenriesen wie Google sowieso unerlaubt ihre Adressen und Daten speichern, um sie zu Werbe oder Geheimdienstzwecken weiterzuverkaufen (denn in den USA gilt das deutsche Recht nicht)? Das es im Internet Programme zum Downloaden gibt, mit denen man bei Mißtrauen durch Einbau eines einfachen Chips das Handy seines Partners auf einer Landkarte mitverfolgen kann?

Fragen sie sich nicht, woher irgendwelche Firmen, die sie zu Hause anrufen und "nur eine kleine Umfrage" durchführen möchten, ihre Telefonnummer und Adresse haben?



Im Privaten und geschäftlichen Bereich besteht durch die technischen Möglichkeiten eine riesige rechtliche Grauzone. Glaubt mir: der Staat wäre manchmal froh, könnte er so unbehelligt und ohne rechtliche Fesseln Adressen Verdächtiger zurückverfolgen.

Die Wahrheit ist aber: Jeder von uns macht sich heutzutage schon alleine irgendwie zum gläsernen Menschen. Dazu braucht es den Staat und seine Organe am allerwenigsten.



Unsere Grundrechte werden vom GG und dem geltenden Recht geschützt. Auch und gerade gegen staatliche Eingriffe.

Und vielleicht sollten sich all diejenigen, die immer sofort laut "Überwachungsstaat" rufen und dann mit bunten Fahnen auf die Straße rennen, einfach mal besser informieren, bevor sie nachbrüllen, was andere ihnen vorsagen.
 
Nun ich glaube ganz einfach, dass wir uns hier einer ungeheuer schwierigen Situation befinden, die Dikussion über Sicherheit und Terrorbekämpfung ist in meinen Augen wichtig und richtig, ich begrüße auch sehr, dass Schäuble so in die Extreme verfällt, weil ich ähnlich wie Onkel Helmut der festen Überzeugung bin, dass es sich hier eher um politische Sensibilisierung und Wählerrekrutierung handelt als um konkrete Politik.

Die Rechtslage in Deutschland ist ja, wie Onkel Helmut eindrucksvoll aufgeführt hat, sehr deutlich. Eine Änderrung der Gesetze ist zwar möglich aber das erfordert erstens eine enorme Ausdauer und zweitens eine sehr starke politische Front, denn ohne ein geschlossenes Auftreten der Parteien ist eine Änderung des Grundgesetztes nicht möglich.



Um nochmal auf die Diskussion pro oder contra Überwachungsstaat einzugehen: Es ist eine schwierige Entscheidung und ich für meinen Teil behaupte es ist eine Entscheidung die jeder Bürger für sich selbst treffen muss. Die Entscheidung ein Stück individuelle Freiheit aufzugeben ist eine persönliche Entscheidung und sicherlich eine schwierige.

Ich für meinen Teil sehe kein Problem damit meine "persönliche Freiheit" in gewissen Teilen einzuschränken. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich derjenige, der sich in einem Rechtsstaat nichts zu schulden kommen lässt auch nicht vor den "Armen des Gesetzes" fürchten muss.

Heißt im Klartext für mich, "soll der Staat mein Telefon abhören, ich habe nichts zu verbergen" und die Wahrscheinlichkeit, dass die GSG9 bei mir vor der Haustür steht, weil ich meinem Nachbarn an den Gartenzaun gepinkelt habe ist sehr gering. Ich für meinen Teil hätte damit kein Problem, denn die Vermutung, dass da irgendjemand mithört habe ich zwar, ich sehe aber keinen Grund deswegen Schweißausbrüche zu bekommen.



Das der Datenschutz und auch der Schutz der Person und der Menschenwürde in Deutschland sehr hoch hängt ist eine gute Sache, in manchen Schritten übertreiben wir es jedoch in meinen Augen auch ein wenig.

Onkel Helmut hat hier den Mord an Jakob von Metzler durch Magnus Gäfgen angeführt. Wie sehr über diesen Fall diskutiert und gestritten wurde zeigt, wie sehr auch durch die Nation in solchen Fragen ein Riss geht. Und im Fall Gäfgen muss ich gestehen, ich hätte dem mutmaßlichen Täter wohl auch mit der Folter gedroht. Das mag für einige sehr hart rüber kommen aber ich kann die Situation des Polizisten nachvollziehen und verstehe daher auch, warum er sich so verhalten hat. Er hat versucht das Leben eines Menschen zu retten und die Beweislast gegen den Täter war so erdrückend, dass es auch ohne Folter zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe gereicht hätte..



Ein weiteres Feld ist der Datenschutz, auch hier ein "kritisches" Beispiel. Es geht dabei um den so genannten "Brummi-Mörder" aus dem hessischen Haiger. Er hatte insgesammt 4 Frauen sexuell missbraucht und drei von ihnen anschließend getötet. Lediglich eine Frau hat schwer verletzt überlebt. Da es durch die überlebende Frau bestätigt wurde, dass es sich bei ihm um einen LKW-Fahrer handelt wäre die Möglichkeit gegeben gewesen diese Person ausfindig zu machen. Durch das Maut-System in Deutschland kann überprüft werden welche Fahrer sich zu den fraglichen Zeitpunkten an besagtem Punkt aufgehalten haben, der Täterkreis liese sich auf einen minimalen Bruchteil einschränken. Dennoch besteht in Deutschland ein so hohes Ansehen des Datenschutzes, das eine Fahndung mittels dieser Daten nur äußerst schwer durchzuführen ist. Auch hier sind die formalen und juristischen Hürden so extrem hoch, dass eine Genehigung hierfür nicht zu Stande kommt.



Ich kann jeden verstehen der sagt, dass es keine Begründung für eine Veränderung der Rechtslage gibt. Ich kann auch verstehen, dass es Menschen gibt, die der festen Überzeugung sind, dass der "Überwachungstaat" kein probates Mittel ist. Auch hier ist Deutschland durch das SED-Regime "gebrandmarkt", die Hemmschwelle sich wieder der Überwachung hinzugeben, um damit die eigene Sicherheit zu erhöhen ist enorm hoch.

Das Problem der Terrorbekämpfung in Deutschland ist die Entfernung, der Terror ist hier in Deutschland nicht so präsent wie z.b. in England in den Vereinigten Staaten. Zwar hat auch Deutschland schon Terroranschläge erlebt (z.b Mykonos-Attentat, München oder die RAF-Anschläge), meistens werden diese jedoch als "Taten geistig Verwirrter" abgestempelt. Der Terrorismus in der heutigen Zeit ist weit entfernt von dem was Deutschland in den 70er und 80er Jahren erlebt hat. Die Tragweite ist deutlich gewachsen und auch die Gefahr. Wie aktuell die Bedrohung durch den Terrorismus ist kann man hier in Deutschland nicht einschätzen..London und Madrid sind noch immer weit entfernt, Bagdad und Afghanistan erst recht.



Ich für meinen Teil habe Bekanntschaft mit dem Terrorismus gemacht, gleich zwei Mal und das ist alles andere als ein schönes Gefühl, vielleicht auch daher meine "offenere" Haltung zu mehr Überwachung.



Ich mahne aber trotzdem an, dass es die absolute Sicherheit niemals geben wird, man kann sie erhöhen, eine Gefährdung auszuschließen oder komplett zu bekämpfen ist jedoch so gut wie unmöglich! Auch wenn man sich für mehr Überwachung entscheidet darf das nicht heißen, dass man seine bürgerlichen Rechte abgibt und man muss auch seine kritische Haltung gegenüber dem Rechtsstaat und seinen Kontrollsystem aufrecht erhalten. Man muss aber wie gesagt auch die aktuelle Situation erkennen.



Deutschland hat sich schon einmal vor dem Terrorismus in Sicherheit gewogen, das war 1972 beim Anschlag von München. Damals glaubte man an die "friedlichen Spiele von München" und es gab noch nicht einmal bewachte Sicherheitskräfte im Olympiapark..
 
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