Auf dem Ruhekissen Sympathien verspielt
FUSSBALL: FCK-Bilanz der relativen Zufriedenheit getrübt - Elf ohne System - Ein Torjäger fehlt
KAISERSLAUTERN (zkk). Das Jahr eins nach Klose, das Jahr eins, in dem bei den „Roten Teufeln" der Rotstift den Kader bestimmte: Platz 12, 42 Punkte, 43:52-Tore. Die Bilanz der relativen Zufriedenheit wurde am Ende empfindlich getrübt: Nach 25 Spielen hatte der FCK 36 Punkte auf dem Konto, nach 34 Spieltagen sind es 42 ...
„Die Tabelle lügt nicht. Wir sind nicht besser", formulierte Thomas Ernst. Der 37-Jährige war nach Tim Wieses Kreuzbandriss, am 15. Spieltag gegen den SC Freiburg erlitten, in die Verantwortung gerückt. Mit Ernst, der neuen Nummer 1, blieb der FCK in sieben Spielen in Folge ohne Niederlage. Das war die Basis für das 40-Punkte-Ziel. Es wurde erreicht, es wurde übertroffen. Aber durch erbärmliche Leistungen in den Spielen gegen Bayern München, im Derby beim FSV Mainz 05 und zum Abschluss gegen Werder Bremen wurde die eigentlich erfolgreiche Bilanz böse getrübt.
Daheim hatte sich der FCK nach dem Fehlstart mit einer Erfolgsserie von neun Spielen ohne Niederlage fast schon wieder als Hausmacht gezeigt. Nach dem 0:2 gegen Hannover 96, Auslöser des frühzeitigen Abschieds von Trainer Kurt Jara, aber wurde auf einmal alles ganz anders.
Thomas Ernst: „Das Verhältnis zu den Fans hatte sich gerade erst wieder entspannt. Jetzt ist vieles wieder kaputt gegangen." „Der Trainerwechsel hat seine Spuren hinterlassen", sagt Ingo Hertzsch. Er glaubte eine Hierarchie im Wachsen, er sah Disziplin und Teamgeist als Grundsteine der Erfolgsserie: „Da sind wir als Mannschaft aufgetreten, da hat einer dem anderen geholfen, das war zum Schluss nicht mehr der Fall. Bei uns fehlt es vielen auch an der Selbstkritik."
Als 36 Punkte erreicht waren, rief Kurt Jara die UI-Cup-Teilnahme als Ziel aus. Ciriaco Sforza legte die Meßlatte noch höher. „Mit dieser Mannschaft ist der UEFA-Cup möglich", sagte der 35-Jährige. Ende der Vorrunde war er zur entscheidenden Figur der Wende zum Guten geworden. Er ordnete das Spiel, er führte die Mannschaft. Auch in der guten Phase zu Beginn der Rückserie war der Routinier der Stabilisator. So lange seine Leistung stimmte, genoss er den Respekt der Kollegen. Der introvertierte Schweizer wird nicht geliebt, er gilt als Strippenzieher mit großem Einfluss in der Chefetage. Sforzas kritische Äußerungen über die Qualität der Arbeit der Bosse blieben ohne Konsequenzen. Die Spieler registrierten: Bei uns sind manche gleicher als gleich. „Ich strafe ,Ciri" mit Liebesentzug", gab René C. Jäggi süffisant zu Protokoll. Viele Profis registrierten auch, dass Carsten Jancker in Freiburg das Kommando von Interimstrainer Moser zum Einwechseln missachtete. „Mir hat das zu lange gedauert", verbot sich der Coach eine weitere Kommentierung. „Jancker hat"s angeblich nicht gehört", sagte Jäggi. Schwamm drüber. Statt Konsequenzen gab"s einen Platz in der Startformation beim Spiel in Mainz ...
Eine Haßliebe verband Cheftrainer Jara mit dem Strategen Sforza. Vor allem, seit ruchbar wurde, dass in der Herbstkrise in der Mannschaft Bestrebungen da waren, Sforza zum Nachfolger Jaras zu machen, sollte der beliebte, weil bequeme Österreicher stürzen. Ein Quälix Marke Lorant sollte so verhindert werden.
Jara wurmte, dass Sforza andere Ziele hinausposaunte als der Trainer vorgab. In Leverkusen, Sforza schoss einen spielentscheidenden Bock, der FCK verlor nach starker Leistung, schwieg der Coach noch. Nach dem 0:2 gegen Hannover 96, Jara reagierte auf Schmähungen von der Haupttribüne mit dem sogenannten Stinkefinger, aber ging der Trainer auf Sforza los: „Die Zuschauer sollen sich doch mal an die Spieler, oder besser den einen halten, der die hohen Ziele ausgibt, aber nicht die entsprechende Leistung bringt. Die Leistung von Sforza ist doch von Woche zu Woche schlechter geworden." Vier Tage nach dem desolaten Match gegen Hannover 96 bekam Kurt Jara die Papiere.
„Der Vorstand wollte mit dem Trainerwechsel einen neuen Reizpunkt setzen. Ich hätte an Kurt Jara festgehalten", sagte Ingo Hertzsch. Der Boss aber hatte Hans Werner Moser zum Sieben-Spiele-Trainer ausgerufen. Der Amateurtrainer hoffte - vor allem nach dem erfolgreichen Einstand, dem 2:0 bei Arminia Bielefeld - auf die dauerhafte Beförderung. Die Mannschaft aber spielte nicht für Moser: Zwei Siege, fünf Niederlagen stehen zu Buch, alle drei Heimspiele unter seiner Regie wurden verloren.
Der FCK 2005: Die Abwehrprobleme sind geblieben. Die Mannschaft hat speziell auf den Defensivpositionen Probleme im Antritt. In der Spielgestaltung hapert es, wenn Zandi nicht funktioniert. Dem FCK fehlt es an einem oder zwei Torjägern. Die Mannschaft beherrscht kein System richtig, selbst gestandene Nationalspieler wie Mettomo, Tchato oder Kosowski unterliegen riesigen Leistungsschwankungen. Der Elf ohne Hierarchie fehlte zuletzt der Teamgeist.
KONZOKH / KONZOKH
Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Wie für den FCK geboren
FUSSBALL: Blank zahlt mit barer Münze
KAISERSLAUTERN (zkk). Das 40-Punkte-Soll im Jahr des Umbruchs hat der 1. FC Kaiserslautern übertroffen. Die zweite Zäsur wurde in der Winterpause mit dem 500.000 Euro teuren Einkauf des Aacheners Stefan Blank eingeläutet.
Der Kauf war die Reaktion auf die nervenden Non-Stop-Abwanderungsgedanken von Bill Tchato. Er wurde in zweieinhalb Jahren beim FCK nur in den ersten fünf Monaten Anspruch, sprich Gehalt, und Wirklichkeit, sprich Leistung, gerecht. Blank zahlt mit barer Münze zurück.
Hart, unerschrocken, kampffreudig - ein Hüne mit unbeugsamem Willen. Wie für den FCK geboren: Vier Tore, zwei Vorlagen in 14 Spielen stehen in der Bilanz der linken Gefahr. Defizite: Schnelligkeit und Beweglichkeit. Notenschnitt: 3,39. 2,87 lautete zur Saison-Halbzeit noch der Notenschnitt von Ioannis Amanatidis, der die Serie mit einem Schnitt von 3,66 beendete.
Er blieb in der Rückserie den Beweis seiner Klasse schuldig. Wohl auch, weil ihm Sommer- und Wintervorbereitung fehlten.
Sechs Tore wie Amanatidis haben auch Halil Altintop, mit elf Vorlagen der beste Tor-Vorbereiter des FCK, und Ferydoon Zandi. Er verwandelte vier Elfmeter, Blank zwei - FCK-Quote: 100 Prozent. Zandi (Schnitt: 3,62) fehlte Konstanz, in der Rückrunde auch der Stammplatz und nach Mosers Amtsübernahme drei Wochen selbst ein Platz im Kader.
Marco Engelhardt - in der Rückrunde von 3.07 auf 3,4 abgefallen - enttäuschte in den letzten Wochen meist. Kämpferisch aber ist er eine Leitfigur! Er ist ebenso wie Ingo Hertzsch gesetzt. Der Abwehrspieler spielte 32 von 34 Spielen durch. Notenschnitt: 3,46. Von 3,46 auf 3,76 abgefallen ist Carsten Jancker, der nach einer Verletzungspause in der Rückserie nicht mehr Tritt fasste, wie ein Fremdkörper wirkt. Im Abseits steht Jochen Seitz (4,42). Nicht zu bewerten ist Dauer-Patient Christian Nerlinger. Talent beweist Jurgen Gjasula, das schlampige Genie. Lange auf der Tribüne, zuletzt mit guten Ansätzen: Mihael Mikic.
KONZOKH / KONZOKH
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Publikation: DIE RHEINPFALZ