schnokes
Active Member
Chirac droht mit Atomwaffen im Falle terroristischer Angriffe
Warnung an Staaten, die „vertragswidrig nach Nuklearwaffen streben"
PARIS (vex/rhp). Frankreichs Präsident Chirac hat Staaten, die mit terroristischen Mitteln gegen sein Land vorgingen, mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht. Wer den Griff zu terroristischen Mitteln oder den Einsatz von Massenvernichtungswaffen auch nur erwäge, müsse mit einer entschlossenen Antwort rechnen, so Chirac. Eine solche Antwort könne mit konventionellen Waffen erfolgen wie auch mit Waffen anderer Art.
Der Staatschef bestätigte gestern auf der bretonischen Insel Ile-Longue, wo französische Atom-U-Boote stationiert sind, dass Frankreich die Zahl der Atomsprengköpfe auf einigen Raketen reduziert habe, um flexibler reagieren zu können. „Gegen eine Regionalmacht können wir nicht nur die Wahl zwischen Untätigkeit und Vernichtung haben", sagte der Präsident zur Begründung. Ein französischer Vergeltungsschlag könne sich vielmehr direkt auf die „Machtzentren der Handlungsfähigkeit" eines solchen Staates richten. Bisher sieht die französische Strategie der Abschreckung vor, Atomwaffen „vollständig und endgültig" einzusetzen; es wird also mit einer totalen Vernichtung des gegnerischen Landes gedroht.
Nach Angaben von Militärexperten sind Frankreichs Atom-U-Boote mit 16 Raketen bestückt, die jeweils sechs Sprengköpfe tragen. Nun gibt es offenbar auch Raketen mit nur einem einzigen Sprengkopf. Frankreich ist nach den USA, Russland und China die viertgrößte Atommacht. Experten schätzen die Zahl der Sprengköpfe auf 200 bis 300. Ihren Einsatz kann nur der Präsident befehlen.
Aus dem Umfeld des Elyséepalasts verlautete, Chirac habe weniger die Doktrin für den Einsatz von Atomwaffen ändern wollen, als nach Nuklearwaffen strebenden Staaten wie Iran eine deutliche Warnung zukommen lassen. Chirac sprach - ohne Iran zu nennen - von „gewissen Staaten", die versucht seien, „sich unter Bruch der Verträge mit Atomwaffen auszustatten".
Schon bisher hatte sich Frankreich den Einsatz von Atomwaffen vorbehalten für den Fall, dass „vitale Interessen" des Landes bedroht seien. Was darunter falle, sei Entscheidung des Staatschefs, sagte Chirac. Zu den „vitalen Interessen" gehört nach seinen Worten auch die Gefährdung der Versorgung mit strategisch wichtigen Gütern oder ein Angriff auf verbündete Länder. Bisher wurde mit „vitalen Interessen" in Frankreich die Unversehrtheit des Staatsgebietes, der Schutz der Bevölkerung und die ungehinderte Ausübung der Souveränität verstanden. Kommentar Seite 2
REINHAH / REINHAH
Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Bad Dürkheimer Zeitung
Datum: Nr.17
Datum: Freitag, den 20. Januar 2006
Seite: Nr.1
Warnung an Staaten, die „vertragswidrig nach Nuklearwaffen streben"
PARIS (vex/rhp). Frankreichs Präsident Chirac hat Staaten, die mit terroristischen Mitteln gegen sein Land vorgingen, mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht. Wer den Griff zu terroristischen Mitteln oder den Einsatz von Massenvernichtungswaffen auch nur erwäge, müsse mit einer entschlossenen Antwort rechnen, so Chirac. Eine solche Antwort könne mit konventionellen Waffen erfolgen wie auch mit Waffen anderer Art.
Der Staatschef bestätigte gestern auf der bretonischen Insel Ile-Longue, wo französische Atom-U-Boote stationiert sind, dass Frankreich die Zahl der Atomsprengköpfe auf einigen Raketen reduziert habe, um flexibler reagieren zu können. „Gegen eine Regionalmacht können wir nicht nur die Wahl zwischen Untätigkeit und Vernichtung haben", sagte der Präsident zur Begründung. Ein französischer Vergeltungsschlag könne sich vielmehr direkt auf die „Machtzentren der Handlungsfähigkeit" eines solchen Staates richten. Bisher sieht die französische Strategie der Abschreckung vor, Atomwaffen „vollständig und endgültig" einzusetzen; es wird also mit einer totalen Vernichtung des gegnerischen Landes gedroht.
Nach Angaben von Militärexperten sind Frankreichs Atom-U-Boote mit 16 Raketen bestückt, die jeweils sechs Sprengköpfe tragen. Nun gibt es offenbar auch Raketen mit nur einem einzigen Sprengkopf. Frankreich ist nach den USA, Russland und China die viertgrößte Atommacht. Experten schätzen die Zahl der Sprengköpfe auf 200 bis 300. Ihren Einsatz kann nur der Präsident befehlen.
Aus dem Umfeld des Elyséepalasts verlautete, Chirac habe weniger die Doktrin für den Einsatz von Atomwaffen ändern wollen, als nach Nuklearwaffen strebenden Staaten wie Iran eine deutliche Warnung zukommen lassen. Chirac sprach - ohne Iran zu nennen - von „gewissen Staaten", die versucht seien, „sich unter Bruch der Verträge mit Atomwaffen auszustatten".
Schon bisher hatte sich Frankreich den Einsatz von Atomwaffen vorbehalten für den Fall, dass „vitale Interessen" des Landes bedroht seien. Was darunter falle, sei Entscheidung des Staatschefs, sagte Chirac. Zu den „vitalen Interessen" gehört nach seinen Worten auch die Gefährdung der Versorgung mit strategisch wichtigen Gütern oder ein Angriff auf verbündete Länder. Bisher wurde mit „vitalen Interessen" in Frankreich die Unversehrtheit des Staatsgebietes, der Schutz der Bevölkerung und die ungehinderte Ausübung der Souveränität verstanden. Kommentar Seite 2
REINHAH / REINHAH
Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Bad Dürkheimer Zeitung
Datum: Nr.17
Datum: Freitag, den 20. Januar 2006
Seite: Nr.1