München - Auf was sich Michael Henke da eingelassen hat, konnte er am 14. Mai am Mainzer Bruchweg begutachten.
Der 1. FC Kaiserslautern verlor nach desolater Leistung nicht nur mit 2:3 beim FSV Mainz 05, sondern gleichzeitig auch die Vormachtstellung in der Region an die Rheinhessen.
Mainz landete am Ende der Saison auf Platz 11, die Lauterer einen Rang dahinter - eine Katastrophe für jeden echten Pfälzer.
Die Reaktion der Fans war nach der sechsten Pleite aus acht Spielen ebenso eindeutig wie drastisch: Ein gnadenloses Pfeifkonzert begleitete eine blutleere Mannschaft in den letzten Spieltag.
Dort setzte es zu Hause ein 1:2 gegen Werder und die Stimmung in der Baustelle Fritz-Walter-Stadion erreichte den nächsten Tiefpunkt.
Einer vom FC Bayern...
Kein Ex-Lauterer, kein Bruno Labbadia, kein Klaus Toppmöller, auch nicht Wolfgang Wolf soll die Mannschaft wieder auf Touren bringen - "einer vom FC Bayern" übernimmt im größten Schlamassel den "Höllen-Job".
In drei Jahren kamen und gingen vier Trainer, das Finanz-Chaos bereitet Boss René C. Jäggi noch immer großes Kopfzerbrechen, ehemalige Vorstandmitglieder müssen sich vor Gericht verantworten.
Alles Nebenkriegsschauplätze, die dem eigentlichen Geschäft nicht unbedingt zuträglich sind.
Zehn Abgänge, zwei Neue
Dazu kehren die wenigen Leistungsträger dem FCK in schöner Regelmäßigkeit den Rücken. Letzte Saison Miro Klose, jetzt Torhüter-Hoffnung Tim Wiese - beide setzen ihre weitere Laufbahn bei Werder Bremen fort. Dazu noch Vratislav Lokvenc, Alexander Knavs, Marian Hristov, Lincoln und und und...
Heuer verließen noch neun weitere Spieler neben Wiese den FCK, alle ablösefrei. Mit Axel Bellinghausen von Fortuna Düsseldorf und Ervin Skela von Arminia Bielefeld konnten lediglich zwei Neue an den "Betze" gelockt werden. Der ausgeliehene Torsten Reuter kam aus Saarbrücken zurück in die Pfalz.
Kampf ums Überleben
Würde man im Duden unter "Mittelmaß" nachschlagen, der 1. FC Kaiserslautern des Jahres 2005 würde sicherlich als Paradebeispiel zitiert werden.
Sieben Jahre nach dem letzten großen Titel und der Teilnahme an der Champions League kämpfen die Pfälzer an allen Fronten ums Überleben.
Selbst der unerschütterliche Zuspruch der Fans ist nicht mehr garantiert. Nur noch 17.500 sicherten sich eine Dauerkarte, letzte Saison waren es noch rund 22.000. "Das hat uns die Mannschaft eingebrockt, es ist die Quittung für die letzten Wochen der vergangenen Saison", zürnte Jäggi.
Nur Bundesliga-Durchschnitt
Im 26-Mann-Kader stechen mit Skela, Jung-Nationalspieler Marco Engelhardt und dem 35-jährigen Ciriaco Sforza lediglich drei Spieler hervor - der Rest ist Bundesliga-Durchschnitt.
Dazu noch das Theater um Stürmer Ioannis Amanatidis - einer von lediglich drei Angreifern im Team - der nach zu heftigem Flirt mit Eintracht Frankfurt von Jäggi höchstselbst bis auf weiteres vom Spielbetrieb suspendiert wurde.
Und der Lizenzspieleretat liegt mit mageren 15 Millionen Euro sogar im unteren Drittel der Liga.
Schwere Aufgabe für Henke
Widrige Voraussetzungen für einen, der 15 Jahre lang zweiter Mann war und jetzt seine Feuertaufe in Deutschlands höchster Spielklasse bestehen soll.
Boss Jäggi allerdings stört das wenig: "Mit Michael Henke haben wir ein Stück deutsche Fußballgeschichte verpflichtet."
Doch auch der unbeugsame Schweizer muss zugeben, dass es "schwer ist in der Pfalz, jemanden zu präsentieren, der von Bayern München kommt".
"Ich bin die letzte Instanz"
Henke selbst lässt die vielen kleinen Störfeuer nicht an sich ran. Gelernt hat er das von Mentor Ottmar Hitzfeld.
"Aber da war ich als Co-Trainer mit involviert in Entscheidungen, so etwas wie ein Mitentscheidungsträger. Jetzt bin ich die letzte Instanz!"
Leidenschaft, nicht Pfiffe
Gelernt hat er auch: "Erfolg ist wichtig. Aber auch die Art und Weise, wie er zustande kommt, ist wichtig. Wir müssen aggressiv zu Werke gehen. Die Leute im Stadion müssen bei der Mannschaft zu jedem Zeitpunkt den Willen spüren, dass sie gewinnen und alles geben will!"
Beim FCK hört man das gerne. Kampf, Einsatzwillen und Leidenschaft haben Tradition beim Traditionsklub. Und nicht Pfiffe gegen die eigenen Spieler.
Sport1-Prognose:
Unruhe im Umfeld, ein allenfalls durchschnittliches Spielermaterial, ein Trainer, der als Chef gänzlich unerfahren ist - der FCK besitzt alle Zutaten, um eine der negativen Überraschungen der Saison zu werden. Allerdings sind die Pfälzer gestählt und routiniert im Kampf gegen den Abstieg. Das Auftaktprogramm ist jedoch nicht von Pappe, auch beim Derby-Auftritt im Pokal gegen Eintracht Trier kann der FCK nur verlieren.
Die Mannschaft muss schnell zu einer Einheit werden, den jüngst verspielten Kredit bei den Fans zurückgewinnen und den Selbstbedienungsladen Betzenberg wieder in eine Festung verwandeln. Andernfalls droht Henkes Engagement früher zu enden, als vertraglich fixiert. Ein Platz im unteren Mittelfeld scheint realistisch.
Stefan Rommel
Quelle: www.sport1.de
Der 1. FC Kaiserslautern verlor nach desolater Leistung nicht nur mit 2:3 beim FSV Mainz 05, sondern gleichzeitig auch die Vormachtstellung in der Region an die Rheinhessen.
Mainz landete am Ende der Saison auf Platz 11, die Lauterer einen Rang dahinter - eine Katastrophe für jeden echten Pfälzer.
Die Reaktion der Fans war nach der sechsten Pleite aus acht Spielen ebenso eindeutig wie drastisch: Ein gnadenloses Pfeifkonzert begleitete eine blutleere Mannschaft in den letzten Spieltag.
Dort setzte es zu Hause ein 1:2 gegen Werder und die Stimmung in der Baustelle Fritz-Walter-Stadion erreichte den nächsten Tiefpunkt.
Einer vom FC Bayern...
Kein Ex-Lauterer, kein Bruno Labbadia, kein Klaus Toppmöller, auch nicht Wolfgang Wolf soll die Mannschaft wieder auf Touren bringen - "einer vom FC Bayern" übernimmt im größten Schlamassel den "Höllen-Job".
In drei Jahren kamen und gingen vier Trainer, das Finanz-Chaos bereitet Boss René C. Jäggi noch immer großes Kopfzerbrechen, ehemalige Vorstandmitglieder müssen sich vor Gericht verantworten.
Alles Nebenkriegsschauplätze, die dem eigentlichen Geschäft nicht unbedingt zuträglich sind.
Zehn Abgänge, zwei Neue
Dazu kehren die wenigen Leistungsträger dem FCK in schöner Regelmäßigkeit den Rücken. Letzte Saison Miro Klose, jetzt Torhüter-Hoffnung Tim Wiese - beide setzen ihre weitere Laufbahn bei Werder Bremen fort. Dazu noch Vratislav Lokvenc, Alexander Knavs, Marian Hristov, Lincoln und und und...
Heuer verließen noch neun weitere Spieler neben Wiese den FCK, alle ablösefrei. Mit Axel Bellinghausen von Fortuna Düsseldorf und Ervin Skela von Arminia Bielefeld konnten lediglich zwei Neue an den "Betze" gelockt werden. Der ausgeliehene Torsten Reuter kam aus Saarbrücken zurück in die Pfalz.
Kampf ums Überleben
Würde man im Duden unter "Mittelmaß" nachschlagen, der 1. FC Kaiserslautern des Jahres 2005 würde sicherlich als Paradebeispiel zitiert werden.
Sieben Jahre nach dem letzten großen Titel und der Teilnahme an der Champions League kämpfen die Pfälzer an allen Fronten ums Überleben.
Selbst der unerschütterliche Zuspruch der Fans ist nicht mehr garantiert. Nur noch 17.500 sicherten sich eine Dauerkarte, letzte Saison waren es noch rund 22.000. "Das hat uns die Mannschaft eingebrockt, es ist die Quittung für die letzten Wochen der vergangenen Saison", zürnte Jäggi.
Nur Bundesliga-Durchschnitt
Im 26-Mann-Kader stechen mit Skela, Jung-Nationalspieler Marco Engelhardt und dem 35-jährigen Ciriaco Sforza lediglich drei Spieler hervor - der Rest ist Bundesliga-Durchschnitt.
Dazu noch das Theater um Stürmer Ioannis Amanatidis - einer von lediglich drei Angreifern im Team - der nach zu heftigem Flirt mit Eintracht Frankfurt von Jäggi höchstselbst bis auf weiteres vom Spielbetrieb suspendiert wurde.
Und der Lizenzspieleretat liegt mit mageren 15 Millionen Euro sogar im unteren Drittel der Liga.
Schwere Aufgabe für Henke
Widrige Voraussetzungen für einen, der 15 Jahre lang zweiter Mann war und jetzt seine Feuertaufe in Deutschlands höchster Spielklasse bestehen soll.
Boss Jäggi allerdings stört das wenig: "Mit Michael Henke haben wir ein Stück deutsche Fußballgeschichte verpflichtet."
Doch auch der unbeugsame Schweizer muss zugeben, dass es "schwer ist in der Pfalz, jemanden zu präsentieren, der von Bayern München kommt".
"Ich bin die letzte Instanz"
Henke selbst lässt die vielen kleinen Störfeuer nicht an sich ran. Gelernt hat er das von Mentor Ottmar Hitzfeld.
"Aber da war ich als Co-Trainer mit involviert in Entscheidungen, so etwas wie ein Mitentscheidungsträger. Jetzt bin ich die letzte Instanz!"
Leidenschaft, nicht Pfiffe
Gelernt hat er auch: "Erfolg ist wichtig. Aber auch die Art und Weise, wie er zustande kommt, ist wichtig. Wir müssen aggressiv zu Werke gehen. Die Leute im Stadion müssen bei der Mannschaft zu jedem Zeitpunkt den Willen spüren, dass sie gewinnen und alles geben will!"
Beim FCK hört man das gerne. Kampf, Einsatzwillen und Leidenschaft haben Tradition beim Traditionsklub. Und nicht Pfiffe gegen die eigenen Spieler.
Sport1-Prognose:
Unruhe im Umfeld, ein allenfalls durchschnittliches Spielermaterial, ein Trainer, der als Chef gänzlich unerfahren ist - der FCK besitzt alle Zutaten, um eine der negativen Überraschungen der Saison zu werden. Allerdings sind die Pfälzer gestählt und routiniert im Kampf gegen den Abstieg. Das Auftaktprogramm ist jedoch nicht von Pappe, auch beim Derby-Auftritt im Pokal gegen Eintracht Trier kann der FCK nur verlieren.
Die Mannschaft muss schnell zu einer Einheit werden, den jüngst verspielten Kredit bei den Fans zurückgewinnen und den Selbstbedienungsladen Betzenberg wieder in eine Festung verwandeln. Andernfalls droht Henkes Engagement früher zu enden, als vertraglich fixiert. Ein Platz im unteren Mittelfeld scheint realistisch.
Stefan Rommel
Quelle: www.sport1.de