DEL Eishockey
Ein Abend für die Geschichtsbücher
Adler Mannheim nach erneuter Aufholjagd im Finale – 5:3 in Wolfsburg – Fowler kritisiert Gross
(koep/olw). Das war viel mehr als der ganz normale Play-off-Wahnsinn: Die Adler Mannheim stehen ab nächsten Freitag in der Finalserie um die deutsche Eishockey-Meisterschaft. In einem abermals irrwitzigen Spiel setzten sie sich vorgestern mit 5:3 (0:0, 0:3, 5:0) bei den Grizzly Adams Wolfsburg durch, holten erneut ein 0:3 auf.
Viertes Spiel, vierter Sieg: Die Adler entschieden die Halbfinalserie glatt mit 4:0 für sich – der „Sweep“. Doch Trainer Geoff Ward stellte klar: „Es war enger, als das Endergebnis aussagt.“ Vorausgegangen war am Donnerstag ein Abend für die Geschichtsbücher: Zum dritten Mal im vierten Spiel lag Wards Mannschaft mit 0:3 gegen Wolfsburg zurück – und zum dritten Mal fanden die Mannheimer einen Weg, die Partie noch zu gewinnen. Und wie! „Wahnsinn“, sagte Klubchef Daniel Hopp, „so was hat es wohl noch nicht gegeben.“Als Kai Hospelt 32 Sekunden vor dem Ende der Treffer zum 4:3 gelang, musste der 29-Jährige selbst ungläubig den Kopf schütteln. Andrew Joudrey machte mit seinem Treffer ins verwaiste Grizzly-Tor den Deckel drauf. „Die Mannschaft hat heute wieder einen unglaublichen Charakter gezeigt“, befand Hospelt strahlend.
Dass es aber überhaupt zu einer Mannheimer Jubeltraube kam, mutete fast surreal an. Frank Mauer (2.) und Hospelt per Pfostenschuss (20.) hatten im ersten Drittel die Führung auf dem Schläger. Im Mittelabschnitt nahmen sich die Adler durch viele Strafen selbst aus dem Spiel. Während Matthew Dzieduszycki bei gleicher Anzahl von Spielern zur Wolfsburger Führung traf (31.), waren Norm Milley (33.) und Sebastian Furchner (39.) jeweils in Überzahl erfolgreich. „Jetzt geht’s los!“, sangen die 500 mitgereisten Adler-Fans mit Galgenhumor in Anlehnung an die vorherigen Spiele. Und sie behielten recht. Matthias Plachta schob in „doppelter“ Überzahl nach Metropolit-Pass ein – 1:3 (45.). Weltklasse der Treffer von Jochen Hecht, der sich, in Überzahl, von der verlängerten Torlinie aus gekonnt eindrehte und auf 2:3 (49.) verkürzte. Als Kurtis Foster ein erneutes Powerplay zum 3:3 nutzte, gab es kein Halten mehr (54.).
„Wir haben eine besondere Mannschaft, die nie aufgibt. Nach dem ersten Tor hat man die Unsicherheit bei Wolfsburg gesehen, die nach dem zweiten Treffer noch extremer wurde“, beschrieb Adler-Manager Teal Fowler die Aufholjagd. Jetzt, da die Serie zu Ende gegangen ist, äußerte sich der 44-Jährige auch zu Wolfsburgs Trainer Pavel Gross, ob seiner Provokationen Feindbild der Mannheimer Fans. „Beim Play-off-Eishockey sind sehr viele Emotionen im Spiel. Das gehört dazu. Aber diese Respektlosigkeit gegenüber den Schiedsrichtern, unserem Verein und unseren Fans geht weit über die sportliche Grenze hinaus“, ärgerte sich Fowler: „Der Coach sollte immer der Kopf einer Mannschaft sein. Wenn aber selbst der Trainer keinen Respekt hat, wird es schwer, Erfolg zu haben. Der Sport ist größer als Pavel Gross.“ Immerhin: Wolfsburgs Coach war am Donnerstag ein zwar geschockter, aber fairer Verlierer. „Vorbei, Mannheim war cleverer“, stellte er fest: „Sehr gute Coaches, sehr gute Mannschaft – Hut ab!“
SO SPIELTEN SIE
Adler Mannheim: Endras - Reul, Goc; Foster, Richmond; Akdag, Wagner; Raymond - Rheault, Hospelt, Plachta; Arendt, Joudrey, Buchwieser; Yip, Metropolit, Kink; Mauer, Ullmann, Hecht
Tore: 1:0 Dzieduszycki (Rosa) 30:32; 2:0 Milley (Dzieduszycki) 32:24; 3:0 Furchner (Milley) 38:13; 1:3 Plachta (Metropolit) 44:48; 2:3 Hecht (Hospelt) 48:24; 3:3 Foster (Yip) 53:42; 3:4 Hospelt (Rheault) 59:28; 3:5 Joudrey (Buchwieser) 59:44 - Strafminuten: 16 - 18 - Beste Spieler: Brückmann, Furchner, Dzieduszycki - Foster, Hospelt, Joudrey, Hecht, Rheault - Zuschauer: 3922 - Schiedsrichter: Brüggemann (Iserlohn)/Piechaczek (Landsberg).
Quelle
Ausgabe Die Rheinpfalz - Pfälzische Volkszeitung - Nr. 79
Datum Samstag, den 4. April 2015