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Hier mal ein etwas älterer Artikel aus der 11 Freunde. Auch wenn er überholt ist (war noch vor dem Abstieg) ist dieser Artikel sehr lesenswert. Es gibt einen kurzen Rückblick über Eigenarten im Management des FCK der letzten Jahre. Ich finde er ist sehr informativ, gut recherchiert und gerade für Leute, die diese Zeit beim FCK nicht direkt erlebt haben ein guter, weil doch sehr objektiver, Einblick in die Sache.
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)
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Der lange Abstieg
Der 1. FC Kaiserslautern durchleidet eine der schlimmsten Krisen seiner Geschichte. Zur rasanten sportlichen Talfahrt gesellen sich wirtschaftliche Nöte und erbitterte Kämpfe um die Macht im Verein.
Da stellt sich die drängende Frage:
Wie fing das an, was ist passiert, was hat dich bloß so ruiniert?
Text: Oliver Trust, Fotos: André Mailänder
Neulich lag Ottmar Walter im Krankenhaus. Der Weltmeister von 1954 war erschöpft. Irgendwie war alles zuviel gewesen. Am Ende kam noch der kleine Unfall dazu als er zur Lesung von Kaiserslauterns FIFA-Schiedsrichter Markus Merk fahren wollte, der aus seinem neuen Buch „beWEGEnd“ im Kulturzentrum Kammgarn vorlas. Nichts Ernstes. Geringer Blechschaden und Schuld hatte eindeutig der andere. Ottmar Walter aber fühlte sich immer müder in den Tagen vor dem Fest. Dem Bruder von Fritz Walter, dem Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft, Held und Führungsfi gur der 54er Elf von Sepp Herberger, hatten auch die Ergebnisse oben auf dem Berg Sorgen gemacht. Selbst jetzt und hier im Krankenhaus gab er Interviews und schimpfte. „Wenn wir gegen Wolfsburg nicht gewonnen hätten, dann, und das habe ich allen gesagt, dann hätte ich keine Hoffnung mehr gehabt“, sagte der Mann, den Herberger nur „Ottes“ nannte und der das erste deutsche Länderspiel nach dem zweiten Weltkrieg 1950 in Stuttgart gegen die Schweiz fast im Alleingang gewann. Es gäbe keine Typen mehr in der Mannschaft, klagt er, kaum einer identifiziere sich mit dem FCK.
Wenn Walter von Mannschaft redet, meint er die der „Roten Teufel“, die er, sein Bruder Fritz und Horst Eckel so berühmt gemacht hatten. Und bei ihnen war alles anders. Sie gewannen und sie „liebten“ ihren Klub. Heute leiden die Helden von einst, weil es den Mythos Betzenberg nicht mehr gibt. Keiner hat mehr Angst, wenn er hoch muss zum Berg. Es kam vor, dass die Helden vom „Betze“ mit den verdreckten Kickschuhen in der Hand vom Rasen fl üchten mussten, weil der gegnerische Anhang vor Zorn kochte. Nicht, weil die FCKler unfair gespielt und der Schiedsrichter zwei unberechtigte Elfmeter gepfiffen hätte. Sie waren oft turmhoch überlegen. Der überforderten Konkurrenz trieb es die blanke Wut in die Glieder. Damals in den Fünfzigern. Damals als sogar Fritz Walter Angebote aus Europas Fußball-Süden ablehnte, die sich nach einem Leben im Schlaraffenland anhörten. Aber sie blieben in der Pfalz. Sie wollten bleiben. Zwielichtige Berater gab es damals noch keine, die lernten die Pfälzer erst später kennen. Es war ihr Herz, das den Walters und Co. befahl zu bleiben. Seine Fußballkunst, so wird erzählt, hatte Fritz nach Kriegsendevor dem Transport nach Sibirien bewahrt, er durfte in der Mannschaft des Wachpersonals spielen und konnte seinen anderen Bruder Ludwig retten und mit nach Hause nehmen. Im Buch „Fritz Walter – Die Geschichte eines Sportmannes“ von Bernhard Gnegel von 1953 heißt es: „An einem Oktobertag 1945 sahen Fritz und Ludwig endlich wieder die Heimatstadt vor sich liegen. Der erste Anblick trieb dem Fritz die Tränenin die Augen.“ Und: „Es gab keinen 1. FC Kaiserslautern mehr und nur eine Handvoll der alten Kameraden.“
Nichts ist mehr übrig vom Mythos des Berges
Ottmar Walter und Horst Eckel müssen oft Interviews geben seit dem Sommer 1996, als der FCK zum ersten Mal aus der Bundesliga abstieg und seitdem mit erschreckender Konstanz durch einzigartige Streitereien seiner Führung sowie vieler Figuren aus dem Umfeld des Vereins auffi el. Jetzt – im Winter2006 – ist nichts mehr übrig geblieben vom Mythos, die Klub und Berg einst ausstrahlten. Paul Breitner riet den Bayern aus München, die Punkte doch lieber gleich per Post in die Pfalz zu schicken, man könne sich die Reisekosten sparen. Heute, nach zehn Jahren Theater kommen immer weniger Zuschauer, und etwas macht sich in und um Kaiserslautern breit, was in dieser Region unbekannt war wie eine exotische Krankheit– Lethargie und Gleichgültigkeit, wenn es um Fußball geht.
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Der lange Abstieg
Der 1. FC Kaiserslautern durchleidet eine der schlimmsten Krisen seiner Geschichte. Zur rasanten sportlichen Talfahrt gesellen sich wirtschaftliche Nöte und erbitterte Kämpfe um die Macht im Verein.
Da stellt sich die drängende Frage:
Wie fing das an, was ist passiert, was hat dich bloß so ruiniert?
Text: Oliver Trust, Fotos: André Mailänder
Neulich lag Ottmar Walter im Krankenhaus. Der Weltmeister von 1954 war erschöpft. Irgendwie war alles zuviel gewesen. Am Ende kam noch der kleine Unfall dazu als er zur Lesung von Kaiserslauterns FIFA-Schiedsrichter Markus Merk fahren wollte, der aus seinem neuen Buch „beWEGEnd“ im Kulturzentrum Kammgarn vorlas. Nichts Ernstes. Geringer Blechschaden und Schuld hatte eindeutig der andere. Ottmar Walter aber fühlte sich immer müder in den Tagen vor dem Fest. Dem Bruder von Fritz Walter, dem Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft, Held und Führungsfi gur der 54er Elf von Sepp Herberger, hatten auch die Ergebnisse oben auf dem Berg Sorgen gemacht. Selbst jetzt und hier im Krankenhaus gab er Interviews und schimpfte. „Wenn wir gegen Wolfsburg nicht gewonnen hätten, dann, und das habe ich allen gesagt, dann hätte ich keine Hoffnung mehr gehabt“, sagte der Mann, den Herberger nur „Ottes“ nannte und der das erste deutsche Länderspiel nach dem zweiten Weltkrieg 1950 in Stuttgart gegen die Schweiz fast im Alleingang gewann. Es gäbe keine Typen mehr in der Mannschaft, klagt er, kaum einer identifiziere sich mit dem FCK.
Wenn Walter von Mannschaft redet, meint er die der „Roten Teufel“, die er, sein Bruder Fritz und Horst Eckel so berühmt gemacht hatten. Und bei ihnen war alles anders. Sie gewannen und sie „liebten“ ihren Klub. Heute leiden die Helden von einst, weil es den Mythos Betzenberg nicht mehr gibt. Keiner hat mehr Angst, wenn er hoch muss zum Berg. Es kam vor, dass die Helden vom „Betze“ mit den verdreckten Kickschuhen in der Hand vom Rasen fl üchten mussten, weil der gegnerische Anhang vor Zorn kochte. Nicht, weil die FCKler unfair gespielt und der Schiedsrichter zwei unberechtigte Elfmeter gepfiffen hätte. Sie waren oft turmhoch überlegen. Der überforderten Konkurrenz trieb es die blanke Wut in die Glieder. Damals in den Fünfzigern. Damals als sogar Fritz Walter Angebote aus Europas Fußball-Süden ablehnte, die sich nach einem Leben im Schlaraffenland anhörten. Aber sie blieben in der Pfalz. Sie wollten bleiben. Zwielichtige Berater gab es damals noch keine, die lernten die Pfälzer erst später kennen. Es war ihr Herz, das den Walters und Co. befahl zu bleiben. Seine Fußballkunst, so wird erzählt, hatte Fritz nach Kriegsendevor dem Transport nach Sibirien bewahrt, er durfte in der Mannschaft des Wachpersonals spielen und konnte seinen anderen Bruder Ludwig retten und mit nach Hause nehmen. Im Buch „Fritz Walter – Die Geschichte eines Sportmannes“ von Bernhard Gnegel von 1953 heißt es: „An einem Oktobertag 1945 sahen Fritz und Ludwig endlich wieder die Heimatstadt vor sich liegen. Der erste Anblick trieb dem Fritz die Tränenin die Augen.“ Und: „Es gab keinen 1. FC Kaiserslautern mehr und nur eine Handvoll der alten Kameraden.“
Nichts ist mehr übrig vom Mythos des Berges
Ottmar Walter und Horst Eckel müssen oft Interviews geben seit dem Sommer 1996, als der FCK zum ersten Mal aus der Bundesliga abstieg und seitdem mit erschreckender Konstanz durch einzigartige Streitereien seiner Führung sowie vieler Figuren aus dem Umfeld des Vereins auffi el. Jetzt – im Winter2006 – ist nichts mehr übrig geblieben vom Mythos, die Klub und Berg einst ausstrahlten. Paul Breitner riet den Bayern aus München, die Punkte doch lieber gleich per Post in die Pfalz zu schicken, man könne sich die Reisekosten sparen. Heute, nach zehn Jahren Theater kommen immer weniger Zuschauer, und etwas macht sich in und um Kaiserslautern breit, was in dieser Region unbekannt war wie eine exotische Krankheit– Lethargie und Gleichgültigkeit, wenn es um Fußball geht.