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Der rote Teppich ist vollgepinkelt
Das DFB-Pokalfinale vom Wochenende war die Generalprobe für die Fußball-WM. Bis zum ersten Spiel im Juni gibt es noch viel zu tun
Von Hartmut Augustin, Michael Kölmel und Ulrich Paul
Wir rollen für Sie den roten Teppich aus!" Mit dem Spruch wird international bei den Fans für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 geworben. Sechs Wochen vor Beginn des Turniers war das DFB-Pokalfinale am Wochenende die Generalprobe für das Olympiastadion. Doch vieles hat nicht funktioniert. Besonders problematisch ist die Toiletten-Situation, die Einlasskontrolle und die An- und Abreise. Fazit eines Rundgangs auf dem Stadiongelände: Berlin ist noch nicht WM-tauglich.
----TICKETKONTROLLE: Erhebliche Probleme gab es mit den elektronisch lesbaren Eintrittskarten. Als Besucher am Südeingang ihre Tickets in den Kartenschlitz des neuen elektronischen Kontrollsystems steckten, bewegten sich die Drehkreuze keinen Millimeter. Die Fußballfans wurden von den Kontrolleuren weggeschickt und aufgefordert, sich neue Tickets an zwei extra eingerichteten Schaltern zu besorgen. Dort mussten sie sich erneut in eine Warteschlange einreihen. "Ihr Hinterwäldler, so was gibt's doch gar nicht", waren die freundlichsten Unmutsbekundungen. Die neuen Tickets wurden handschriftlich auf die Plätze umgeschrieben, die die Besucher erworben hatten. Mit diesen Karten mussten sich die Fans ein drittes Mal anstellen, um ins Stadion zu gelangen. Später wurde die umständliche Prozedur eingestellt: Trotz Fehleranzeige durften die Fans ins Stadion. Die Kontrolleure haben die Karten einfach eingerissen.
BAUARBEITEN: Der Weg vom und zum Stadion geriet für viele Fußballfans zum Hindernislauf. Grund dafür waren mehrere Baustellen. So konnte am U-Bahnhof Olympiastadion nur einer von zwei Bahnsteigen genutzt werden, weil die Sanierungsarbeiten erst zur WM fertig werden sollen. Der Bahnhof erhält zwei Aufzüge und wird dadurch künftig auch von Rollstuhlfahrern benutzt werden können. Der Platz vor dem U-Bahnhof präsentierte sich zum Pokalfinale noch wenig einladend: hinter Absperrgittern türmten sich Steinplatten, ein früheres Fahrkartenhäuschen war mit Holzplatten verbarrikadiert und am Hinweisschild zum Olympiastadion blätterte die weiße Farbe ab. Am Stadion selbst standen neben einem neu gebauten Parkplatz am Südtorweg noch mehrere Baumaschinen. Ebenfalls wenig einladend: ein vom Rost zerfressenes Geländer an der Trakehner Allee. Zuschauer, die an der Informationssäule auf dem Olympischen Platz etwas über die Geschichte der Arena erfahren wollten, wurden enttäuscht. Das System funktionierte nicht.
TOILETTEN: Zur WM wäre es am besten, wenn keine Getränke mehr verkauft würden. Denn es gibt vor und im Stadion viel zu wenig Toiletten. Schon vor dem Anpfiff des Spiels gab es Warteschlangen. Und um sich in der Halbzeitpause erleichtern zu können, musste man noch vor dem Pausenpfiff seinen Sitzplatz verlassen. Riesige Trauben bildeten sich an den Eingängen zu den Toiletten. Hunderte kapitulierten und pinkelten an eine der zahlreiche Mauern auf dem Stadiongelände. Vor dem Stadion ist die Situation nicht besser. Auch dort gibt es fast keine Toiletten. Auf dem Weg von U- und S-Bahn zum Stadion blieb deshalb kein Fleckchen Grün verschont. Seit Jahren ist diese Situation bekannt und Anwohner haben sich beschwert. Passiert ist bisher nichts.
PRESSEZENTRUM: Der Empfang könnte nicht unfreundlicher sein. "Wo der Pressebereich ist?", schnauzte der Ordner. "Woher soll ich das denn wissen?" Auch der Ober-Ordner wusste nicht Bescheid und weigerte sich, sein Funkgerät zu benutzen: "Das dauert zu lange! Ich würde mal am Haupteingang schauen." Dass es in Strömen regnete, interessierte ihn nicht. Wie 2005 war der Pressebereich nahe Marathontor, in der unterirdischen Leichtathletik-Aufwärmhalle. Dort sollen auch nach den WM-Spielen die Pressekonferenzen und die Einzelgespräche mit Fußballern stattfinden. Der Bereich, wenn man ihn überhaupt findet, ist schwer zu erreichen. Von den Tribünenplätzen muss man auf dem Oberring eine Viertel-Stadionrunde zurücklegen. Gegen den Zuschauerstrom, durch die Massen, durch Schlangen vor Verkaufsständen oder aus den öffentlichen Toiletten hindurch. Nach dem Frauenfinale dauerte der Weg fünf Minuten, nach dem Männerfinale zwölf. Für alle, die aktuell arbeiten müssen, verlorene Zeit. Wer die Berliner Art nicht kennt, wer nur englisch spricht, oder portugiesisch, den möchte man kaum in einer solchen Situation erleben.
AN- UND ABREISE: Da es am Sonnabend zwei Fußballspiele gab - am Nachmittag das Frauenfinale, am Abend das der Männer - war die Anreise mit U- und S-Bahn entspannt. Der Zuschauerstrom verteilte sich über den ganzen Nachmittag bis zum Abend. Doch wenn man die Bahnhöfe verlassen hatte, wussten viele Fans nicht mehr weiter. Die Wege zu den beiden Stadiontoren sind immer noch schlecht ausgeschildert. Nach Spielende gab es zwar genug Züge für die Rückfahrt, doch es mangelte an Servicepersonal, das Auskunft geben konnte. Viele eilten ziellos umher und wussten zum Beispiel nicht, in welchen S-Bahn-Zug sie einsteigen sollten. Zum Glück war die Bundespolizei sehr präsent und erledigte den Job der S-Bahner. Als sich Fußballfans in einem Zug nach Ahrensfelde beschwerten, dass es nach 40 Minuten Wartezeit immer noch nicht losging antwortete der Zugführer mit Berliner Freundlichkeit: "Bleibt ma janz ruhig. Keene Panik. Jeht glei los."
-Fazit des Geschäftsführers der Olympiastadion GmbH, Peter von Löbbecke: "Bis zur WM müssen die Baustellen weg sein." Auch soll daran gearbeitet werden, dass die Beschäftigten freundlicher werden und dass auf dem S-Bahnhof genügend Personal bereitsteht. Im Stadion gibt es nach Ansicht von Löbbecke genug Toiletten, davor sollen zur WM weitere aufgestellt werden. Das Problem sei, dass es trotz zusätzlicher Toiletten Menschen gebe, die im Freien pinkeln würden. Es gebe sogar Personen, die von außen gegen Toilettenhäuser urinieren, so der Hausherr des Stadions. Mit zusätzlichem Personal - so genannten Pinkelstreifen - soll das zur WM verhindert werden. Löbbecke ist mit dem Testlauf zum Pokalfinale trotz der Kritik zufrieden: "Das Stadion hat die Generalprobe bestanden."
Das DFB-Pokalfinale vom Wochenende war die Generalprobe für die Fußball-WM. Bis zum ersten Spiel im Juni gibt es noch viel zu tun
Von Hartmut Augustin, Michael Kölmel und Ulrich Paul
Wir rollen für Sie den roten Teppich aus!" Mit dem Spruch wird international bei den Fans für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 geworben. Sechs Wochen vor Beginn des Turniers war das DFB-Pokalfinale am Wochenende die Generalprobe für das Olympiastadion. Doch vieles hat nicht funktioniert. Besonders problematisch ist die Toiletten-Situation, die Einlasskontrolle und die An- und Abreise. Fazit eines Rundgangs auf dem Stadiongelände: Berlin ist noch nicht WM-tauglich.
----TICKETKONTROLLE: Erhebliche Probleme gab es mit den elektronisch lesbaren Eintrittskarten. Als Besucher am Südeingang ihre Tickets in den Kartenschlitz des neuen elektronischen Kontrollsystems steckten, bewegten sich die Drehkreuze keinen Millimeter. Die Fußballfans wurden von den Kontrolleuren weggeschickt und aufgefordert, sich neue Tickets an zwei extra eingerichteten Schaltern zu besorgen. Dort mussten sie sich erneut in eine Warteschlange einreihen. "Ihr Hinterwäldler, so was gibt's doch gar nicht", waren die freundlichsten Unmutsbekundungen. Die neuen Tickets wurden handschriftlich auf die Plätze umgeschrieben, die die Besucher erworben hatten. Mit diesen Karten mussten sich die Fans ein drittes Mal anstellen, um ins Stadion zu gelangen. Später wurde die umständliche Prozedur eingestellt: Trotz Fehleranzeige durften die Fans ins Stadion. Die Kontrolleure haben die Karten einfach eingerissen.
BAUARBEITEN: Der Weg vom und zum Stadion geriet für viele Fußballfans zum Hindernislauf. Grund dafür waren mehrere Baustellen. So konnte am U-Bahnhof Olympiastadion nur einer von zwei Bahnsteigen genutzt werden, weil die Sanierungsarbeiten erst zur WM fertig werden sollen. Der Bahnhof erhält zwei Aufzüge und wird dadurch künftig auch von Rollstuhlfahrern benutzt werden können. Der Platz vor dem U-Bahnhof präsentierte sich zum Pokalfinale noch wenig einladend: hinter Absperrgittern türmten sich Steinplatten, ein früheres Fahrkartenhäuschen war mit Holzplatten verbarrikadiert und am Hinweisschild zum Olympiastadion blätterte die weiße Farbe ab. Am Stadion selbst standen neben einem neu gebauten Parkplatz am Südtorweg noch mehrere Baumaschinen. Ebenfalls wenig einladend: ein vom Rost zerfressenes Geländer an der Trakehner Allee. Zuschauer, die an der Informationssäule auf dem Olympischen Platz etwas über die Geschichte der Arena erfahren wollten, wurden enttäuscht. Das System funktionierte nicht.
TOILETTEN: Zur WM wäre es am besten, wenn keine Getränke mehr verkauft würden. Denn es gibt vor und im Stadion viel zu wenig Toiletten. Schon vor dem Anpfiff des Spiels gab es Warteschlangen. Und um sich in der Halbzeitpause erleichtern zu können, musste man noch vor dem Pausenpfiff seinen Sitzplatz verlassen. Riesige Trauben bildeten sich an den Eingängen zu den Toiletten. Hunderte kapitulierten und pinkelten an eine der zahlreiche Mauern auf dem Stadiongelände. Vor dem Stadion ist die Situation nicht besser. Auch dort gibt es fast keine Toiletten. Auf dem Weg von U- und S-Bahn zum Stadion blieb deshalb kein Fleckchen Grün verschont. Seit Jahren ist diese Situation bekannt und Anwohner haben sich beschwert. Passiert ist bisher nichts.
PRESSEZENTRUM: Der Empfang könnte nicht unfreundlicher sein. "Wo der Pressebereich ist?", schnauzte der Ordner. "Woher soll ich das denn wissen?" Auch der Ober-Ordner wusste nicht Bescheid und weigerte sich, sein Funkgerät zu benutzen: "Das dauert zu lange! Ich würde mal am Haupteingang schauen." Dass es in Strömen regnete, interessierte ihn nicht. Wie 2005 war der Pressebereich nahe Marathontor, in der unterirdischen Leichtathletik-Aufwärmhalle. Dort sollen auch nach den WM-Spielen die Pressekonferenzen und die Einzelgespräche mit Fußballern stattfinden. Der Bereich, wenn man ihn überhaupt findet, ist schwer zu erreichen. Von den Tribünenplätzen muss man auf dem Oberring eine Viertel-Stadionrunde zurücklegen. Gegen den Zuschauerstrom, durch die Massen, durch Schlangen vor Verkaufsständen oder aus den öffentlichen Toiletten hindurch. Nach dem Frauenfinale dauerte der Weg fünf Minuten, nach dem Männerfinale zwölf. Für alle, die aktuell arbeiten müssen, verlorene Zeit. Wer die Berliner Art nicht kennt, wer nur englisch spricht, oder portugiesisch, den möchte man kaum in einer solchen Situation erleben.
AN- UND ABREISE: Da es am Sonnabend zwei Fußballspiele gab - am Nachmittag das Frauenfinale, am Abend das der Männer - war die Anreise mit U- und S-Bahn entspannt. Der Zuschauerstrom verteilte sich über den ganzen Nachmittag bis zum Abend. Doch wenn man die Bahnhöfe verlassen hatte, wussten viele Fans nicht mehr weiter. Die Wege zu den beiden Stadiontoren sind immer noch schlecht ausgeschildert. Nach Spielende gab es zwar genug Züge für die Rückfahrt, doch es mangelte an Servicepersonal, das Auskunft geben konnte. Viele eilten ziellos umher und wussten zum Beispiel nicht, in welchen S-Bahn-Zug sie einsteigen sollten. Zum Glück war die Bundespolizei sehr präsent und erledigte den Job der S-Bahner. Als sich Fußballfans in einem Zug nach Ahrensfelde beschwerten, dass es nach 40 Minuten Wartezeit immer noch nicht losging antwortete der Zugführer mit Berliner Freundlichkeit: "Bleibt ma janz ruhig. Keene Panik. Jeht glei los."
-Fazit des Geschäftsführers der Olympiastadion GmbH, Peter von Löbbecke: "Bis zur WM müssen die Baustellen weg sein." Auch soll daran gearbeitet werden, dass die Beschäftigten freundlicher werden und dass auf dem S-Bahnhof genügend Personal bereitsteht. Im Stadion gibt es nach Ansicht von Löbbecke genug Toiletten, davor sollen zur WM weitere aufgestellt werden. Das Problem sei, dass es trotz zusätzlicher Toiletten Menschen gebe, die im Freien pinkeln würden. Es gebe sogar Personen, die von außen gegen Toilettenhäuser urinieren, so der Hausherr des Stadions. Mit zusätzlichem Personal - so genannten Pinkelstreifen - soll das zur WM verhindert werden. Löbbecke ist mit dem Testlauf zum Pokalfinale trotz der Kritik zufrieden: "Das Stadion hat die Generalprobe bestanden."