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Die Toskana Deutschlands

satanischefärse

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Der Artikel in der Zeit sei nicht nur den Nichtpfälzern empfohlen:



Die Pfälzer vergleichen ihre Heimat gern mit Italien. Bei ihnen wachsen Feigen und Auberginen, sie lieben Wein und gutes Essen. Unsere Italienkorrespondentin Birgit Schönau fand auch am Saumagen Gefallen



1800 Sonnenstunden im Jahr zählen die Pfälzer. Gut für die Weintraube. Mehr Bilder aus der Pfalz »





Zum Glück holt Knipser irgendwann den Sonnenschirm. Seine Gäste, beduselt von der Weinprobe und der kräftigen Nachmittagssonne, riskierten sonst, bald still und zufrieden von den Holzbänken im Hof des Weinguts in Laumersheim zu kippen, zwischen Feigenbäumchen und sattgrüne Oleanderbüsche. Unter dem Schattenspender aber geht es bukolisch weiter. Immer drei Flaschen auf einmal holt Knipser aus dem Keller. In vino trinitas. Wie beiläufig stellt er sie auf den Tisch, entkorkt und probiert erst einmal selbst. Dann wartet er schweigend ab. Was soll man auch sagen? Der Wein spricht für sich. Man trinkt und sinnt ihm nach – immer drei Abfüllungen nebeneinander, in sieben Runden macht das einundzwanzig.



Laumersheim liegt am nördlichen Ende der Deutschen Weinstraße. Die deutsche Toskana beginne hier, behaupten die Pfälzer, und bei Knipser auf der Holzbank stimmt das, atmosphärisch. Erst später, die Sonne hat sich diskret verzogen, fängt Volker Knipser an zu reden. Über seinen Urahnen Gaudenz, 1573 Stadtbaumeister von Meran. »Das Wappen mit dem schwarzen Hahn hat er uns vermacht.« Und natürlich den impetus gaudere – die Genussfreude. Nomen est omen. Dabei ist Volker Knipser, der den Johannishof gemeinsam mit seinem älteren Bruder Werner und dessen Sohn Stefan führt, keine dröhnende Frohnatur. Leise ist er und verschmitzt. In seinem blassen Mittvierziger-Gesicht zuckt es ironisch, als eine Künstlerin anruft, die eine Skulptur aus 40 Rebstöcken im Hof montieren will. »Das sähe ja aus, als hätten wir hier nicht aufgeräumt«, frotzelt er. Der Anruf zeigt vor allem: Die Knipsers sind gefragt. Die Fachpresse feiert sie als die »roten Brüder«, ihre Spätburgunder und Merlots, ihre Cabernet Sauvignons und Syrahs gehören zu den deutschen Spitzenrotweinen. Die vornehmlich in Riesling und Müller-Thurgau schwelgende Pfalz haben sie noch ein wenig toskanischer gemacht.



Volker Knipser bringt den Roten zum Schluss, nach sechs Runden Weißwein von »leichtsinnig bis ernsthaft.« Derart erhebt der Winzer den Wein zum Gegenüber. »Warum sonst«, fragt hintersinnig Knipser, »spricht man ihm wohl zu?« Den Heiteren, den Spritzigen, den Altersweisen, den Durchsetzungsfreudigen, sie alle kredenzt Knipser, den Vorfahren Gaudenz im Blut, zur Probe. Nach drei Stunden konzentrierter Weinphilosophie zieht man vom Hof. Und fühlt sich angekommen in der Pfalz.



Deutsche Toskana also. 85 Kilometer von Bockenheim im Norden bis Schweigen an der französischen Grenze. Da sind die Weinberge, die Esskastanienbäume, die 1800 Sonnenstunden im Jahr. Man nimmt es hier genau mit den Statistiken, Bad Dürkheim ist der besonnteste Ort des deutschen Festlandes. Wenn sie in der Pfalz nicht über den Wein sprechen oder über das Essen, dann reden sie über ihr Wetter. Ein gesegnetes Klima! Ein Klima für Feigen, Tomaten und Auberginen, für Mandeln und Melonen!



Unweit der Knipsers, bei den Gebrüdern Meurer in Großkarlbach, gibt es sogar einen Zypressengarten, den man als Hintergrund für das Hochzeitsfoto-Shooting mieten kann. Ein triumphaler Lorbeerbusch steht am Eingang des Restaurants, alles wahnsinnig mediterran, und auf der wunderbaren Terrasse unter den mächtigen Laubkronen uralter Bäume denkt man dann beim Blick auf die Speisekarte doch: Manche übertreiben es vielleicht ein bisschen mit der Toskana. Als wenn die Pfalz nicht besser wäre als jedes Imitat. Wozu die Scampi-Spaghetti und der Pulpo-Carpaccio mit nativem Olivenöl, wozu die Vongole mit Rucola, wo sich doch in zwei Millionen Jahren kein Tintenfisch in den Rhein gewagt hat, die Rauke zum Muschelgericht eher ins Mailand der neunziger Jahre gehört als nach Großkarlbach. In den hiesigen Weinbergen wächst doch der wohlschmeckende Wildsalat Pimpinelle, ganz umsonst und draußen. Die frischen Steinpilze übrigens, in Butter gebraten, nur mit Knoblauch, aber ohne Gedöns, sind wirklich ein Gedicht.



Die Gärtnerin berät beim Kauf von Oliven- und Granatapfelbäumen



»Von wegen Toskana«, sagt mit einem Lachen im Gesicht die Gärtnerin in der Baumschule Oberholz in Freinsheim. »Der Wein kam vor 2000 Jahren mit den Römern zu uns, die Feige vielleicht auch, was hat denn die Toskana damit zu tun?« Sonst sagt sie nicht mehr viel, die Kundschaft steht Schlange und will beraten und bedient werden beim Kauf von Oliven-und Granatapfelbäumchen, Rosmarin und Bougainvilleen. Pinien, Palmen und Bananenstauden gedeihen bei Oberholz, der ersten Gärtnerei, die sich in der Pfalz auf mediterrane Pflanzen spezialisiert hat.



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Am Fuße der mittelalterlichen Stadtmauer von Freinsheim wachsen die Feigen sogar wild. In den kleinen Gärten, die den Mauerring einrahmen und ihm den letzten Rest kriegerischer Verteidigungshaltung nehmen, stehen Astern und Hagebutten neben Weinreben und Riesenkürbissen. Die Gärten gehören zu den sorgsam restaurierten Häusern der kleinen Altstadt. In ihrem hartnäckigen Drang, sich dauernd selbstverkleinernd zu vergleichen, bezeichnen die Pfälzer Freinsheim als »pfälzisches Rothenburg«. Wenn der Ort etwas mit der Toskana gemeinsam hat, dann sind es die tagsüber fest verschlossenen Tore der Barockhöfe um das Rathaus. Die Zugbrückenmentalität der Toskaner gegenüber Fremden ist nämlich sprichwörtlich. In Freinsheim aber sind die Türen nur im vorgegebenen Takt der Ladenschlusszeiten versperrt, und hinter ihnen verbergen sich kulinarische Paradiese wie Luthers Restaurant oder der von Holger Jacobs geführte Freinsheimer Hof. Jacobs’ Küche ist eine gelungene Synthese aus Regionalem und Mediterranem, spiegelbildlich für diese Gegend, die vielen Einflüssen ausgesetzt war und ist und sich doch ihre Eigenständigkeit nicht nur im unverdrossen gepflegten Dialekt erhalten hat. Da gibt es Kürbisrisotto mit Petersilienwurzeln, Perlhuhnbrust mit Maronencannelloni – nicht Deutschland und nicht Italien, sondern Pfalz.



Von Freinsheim nach Bad Dürkheim ist es nur ein Spaziergang. Dort kann Herr Schenk aus dem Haus Catoir eine Menge erzählen. Aber nur, wenn man ihn fragt. Das Haus Catoir beherbergt das Heimatmuseum, und Hans Jörg Schenk ist der Museumswärter. Die oberste Etage mit den Fundstücken aus der Römerzeit liegt ihm besonders am Herzen. »Ich bin ja Hobbyarchäologe«, sagt er, und im Zuge dieser Passion habe er sich sozusagen durch die Pfalz gebuddelt – wenn er auch die Ausstellungsstücke nicht selbst gefunden habe.



Hier geht es weiter, auch mit Bildern. http://www.zeit.de/2006/42/Pfalz-neu-Kopiehttp://www.zeit.de/2006/42/Pfalz-neu-Kopie
 
Wollte euch mal einen neuen Artikel über einen Teil der Pfalz nahe bringen. Er ist vom Andrack, den ich eigentlich nicht mag, aber gut geschrieben. Und dass ihm die Leberknödel nicht schmecken, verstehe ich nicht.



Pfälzer Weinsteig Schoppen im Wald





Sandige Pfade, Kiefernduft und ein Silvaner im Halbliterglas – ein beschwingter Wandertag auf dem neu eröffneten Pfälzer Weinsteig.





Hier geht es weiter!
 
@satanischefärse:



Der Artikel liest sich schön, aber folgender Satz hat mich kurz an eine Invasion aus dem Osten, dem Reich des Bösen, glauben lassen:



Deidesheim liegt irgendwie – man kann es an den Fanaufklebern auf den Laternenpfählen erkennen – auf der Fan-Grenze zwischen Kaiserslautern und Waldhof Mannheim.



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Er ist halt Geißbock Fan und weiß nichts über die wahre Machtverteilung. Wobei man schon sagen muss, dass in der Vorderpfalz diese Aufkleber zu finden sind. In der Südpfalz sind es eher die KSC Aufkleber.
 
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