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[Diskussion] Entwicklungshilfe / Spenden - Fluch oder Segen?

Jonny

Well-Known Member
Hiho dachte mir, ich starte mal eine Diskussion.



Wie seht ihr das?



Klar hilft die Entwicklungshilfe auf den ersten Blick. Wenn ein Brunnen gebohrt wird, dann ist das gut. Wenn wir für Schulen und Krankenhäuser spenden, dann sieht das auch nach sinnvoller Hilfe aus.



Oder etwa nicht?



Bevormunden wir die armen Menschen nicht dermaßen, dass sie sich nicht mehr um ihren eigenen Kram kümmern? Das sie keine Initiative mehr zeigen, um ihre Probleme selbst zu lösen?



James Shikwati sagt das so zum Beispiel:

http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE2...8FAEAB11891185C79F~ATpl~Ecommon~Scontent.htmlhttp://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~EAAA8CB14DE444D8FAEAB11891185C79F~ATpl~Ecommon~Scontent.html





Oder seht ihrs anders? Anderen Ländern hat man ja auch mit Geld geholfen...Südkorea zum Beispiel.
 
Ich sehe das auch so wie Shikwati !



Geld bringt Afrika nichts !



Wenn man helfen will muss man selber hinfliegen und anpacken, dass hilft den Kindern mehr als Geld zu spenden, wo man sowieso nicht weiss ob es da ankommt wo es hinsoll !



Ich sehe das so:



Leute die was spenden, also Geld sind meistens die, die sagen ich spende. sie interessieren sich nicht wo das Geld hinfließt sie spende einfach um zu sagen: "Ich habe gespendet!"
 
Ich sehe das auch so wie Shikwati !


Geld bringt Afrika nichts !



Wenn man helfen will muss man selber hinfliegen und anpacken, dass hilft den Kindern mehr als Geld zu spenden, wo man sowieso nicht weiss ob es da ankommt wo es hinsoll !



Ich sehe das so:



Leute die was spenden, also Geld sind meistens die, die sagen ich spende. sie interessieren sich nicht wo das Geld hinfließt sie spende einfach um zu sagen: "Ich habe gespendet!"


ja, da kann ich dir eigentlich nur zustimmen.

Die einzige Hilfe, die etwas bewirkt ist die sogenannte "Hilfe zur Selbsthilfe". Die afrikanischen Länder müssen lernen selbstständig zu werden.



Das mit dem selbst hinfliegen und selbst etwas tun stimmt auch. Habe ich selbst nach dem Abi vielleicht auch vor, nachdem mir Freunde davon schon positiv berichtet haben.
 
Es kommt immer darauf an , wo EH eingesetzt wird.viel versickert in den taschen der korrupten politiker oder wo auch immer. ich bin eher der meinung man könnte versuchen, firmen oder geschäfte zu implementieren. vor ein paar jahren wurden bassins in der sahara gebaut um shrimps zu züchten. solche sachen halt auch konsequent durchziehen um die entwicklung weiter zu bringen.

ich würde auch mehr geld in schulen und/oder colleges stecken. in der unwissenheit steckt m.m nach die wurzel des übels denn wer es sich leisten kann zu studieren, geht ins ausland und stellt sein können anderen projekten oder gesellschaften zur verfügung.



afrika ist ein wunder punkt für mich, denn ich habe dort gelebt und teilweise auch Entwicklungshilfe gemacht. aber leider ist es auch ein fass ohne boden und man sollte wirklich überlegen, wie man diesen riesigen kontinent auf eigene füße stellen kann. dann aber auch konsequent sagen: fertig, jetzt müsst ihr zeigen was ihr könnt und euren national stolz auch auf die wirtschaft und nicht nur auf kriege übertragen.
 
Ich finde, Geld und Nahrung bringt nichts (außer bei akuter Nothilfe natürlich).

Vielmehr ist ein Transfer von Know-How gefragt.



Ich versuche mich kurz zu fassen.



Ich würde Entwicklungshilfe so gliedern:



1. Infrastruktur

2. Politische Aufklärung

3. Medizinische Betreuung

4. Agrarökonomie

5. Forschung





Das wichtigste ist Infrastruktur. Also sollte man Ingenieure aus Entwiclungsländern ausbilden. Der Idealfall ist, wenn äthiopische Ingenieure und Arbeiter einer äthiopischen Firma in Äthiopien Straßen, Schulen und Krankenhäuser bauen.



Dafür brauchen sie das Wissen, wie so etwas nach heutigem Erkenntnisstand am besten gemacht wird und sie brauchen die Materialien. An Arbeitskraft mangelt es jedenfalls nicht.

Wichtig sind Transportwege und öffentliche Einrichtungen (v.a. Schulen und Krankenhäuser). Dann müssten Lehrer ausgebildet werden, sodass sie wirklich gut sind.

Und sie sollten gut bezahlt werden (ich habe in Nicaragua sowohl einen Englischlehrer kennen gelernt, der kein Englisch konnte (ohne Witz!), als auch einen Schuldirektor, der noch Lehrer an einer anderen Schule war und abends auf Baustellen gearbeitet hat, weil er sonst seine Familie nicht hätte ernähren können).



Viele afrikanische Staaten sind zentralistisch organisiert - das ist gerade in Ländern, die teilweise die Größe Westeuropas haben, nicht gerade ideal.

Um föderalistische Strukturen aufzubauen, bedarf es Kenntnisse in Sachen Kommunalverwaltung.

Hier müssen Verwaltungskkaufleute (oder wie man das bezeichnet) geschult werden.



Auch wissen viele Menschen gar nichts über Rechte, die sie in demokratisch orientierten Staaten haben.



Medizinische Betreuung erklärt sich von alleine. Hier entwickeln sich in westlichen Ländern die Standards stetig weiter - jeder gut ausgebildete westliche Arzt, Krankenpfleger/-schwester und Hebamme, Anästhesist, etc. der Kollegen in Entwicklungsländern so schult, dass diese nach dem Schneeballsystem wieder andere Kollegen schulen können ist mehr Wert, als sämtliche Geldspenden an korrupte Politiker!





Sehr wichtig ist auch der Bereich Agrarökonomie:

Wie kann man welchen Boden am sinnvollsten nutzen? Hierzu braucht es vor allem Wissen, aber auch technische Möglichkeiten und passendes Saatgut.





Wenn die ersten 4 Punkte ausreichend berücksichtigt wurden, kann man dahingehen, eigene Kompetenzzentren zu gründen, um selber Grundlagenforschung in bestimmten Bereichen zu betreiben, dass man später nicht mehr auf externe Hilfe angewiesen ist (also, dass das Spiel in 20 Jahren nicht wieder von vorne losgeht).





Prinzipiell kann fast jeder, der bspw. in Deutschland zu irgendwas ausgebildet wurde, in ein Entwicklungsland reisen, um dort seine Kenntnisse weiterzugeben. Das soll keine Arroganz sein, aber das, was wir hier an Bildung erfahren (dauert ja auch teilweise 25 und mehr Lebensjahre) ist in diesen Ländern weder qualitativ, noch quantitativ gegeben.



Ich behaupte, dass jeder von uns, der für ein, zwei Monate "dahinfährt", mehr leistet, als wenn er sein Leben lang 5 Euro pro Monat spendet!

Abgesehen davon, dass ich glaube, dass wir umgekehrt genauso viel von "denen" lernen können. Das soll nicht als einseitige gutherzige Sache verstanden werden, das ist durchaus zweiseitig angelegt.





Fazit: Das wichtigste ist Selbsthilfe. Aber deutsche Ingenieure sind einfach besser ausgebildet, als arfrikanische Ingenieure - also sollte es auch nicht überheblich klingen, wenn deutsche Ingenieure afrikanischen Kollegen etwas beibringen, oder?



Ein weiterer wichtiger Faktor für mich:

Afrikanische Eliten - es gibt ein paar ganz oben und viele ganz unten. Die tragenden Mittelschichten fehlen.

Wichtig wäre es, wenn Afrikaner auf europäische, amerikanische, asiatische Unis gingen und danach mit ihrem Wissen zurück in ihre Heimatländer kehren würden, um dort zu leben und zu arbeiten, anstatt in England, Frankreich, Kanada oder den USA zu leben.



Außerdem sollte die Anzahl von afrikanischen Studenten durch Stipendienprogramme erhöht werden.
 
Faire Preise für die Waren und Dienstleistungen der Entwicklungsländer. Individuell sollte jeder bei bestimmten Produkten seine "Geiz ist Geil" Mentalität ablegen und ein oder zwei Produkte aus dem "fairen Handel" beziehen.

Eine Möglichkeit die nichts kostet ist, keine Altkleider in die Altkleidersammlung geben.
 
Klinge hat es sehr gut zusammengefasst.



Wichtig bei jeder Entwicklungshilfe ist die Zusammenarbeit mit Partner vor Ort, die nicht von den oft korrupten Regierungen abhängig sind (NGOs).



Wichtig ist, die Infrastruktur vor Ort nachhaltig zu stärken.



Wichtig ist natürlich auch, endlich einen fairen Welthandel zu installieren.



Interessante Infos gibt es auf den Webseiten der kirchlichen Hilfsorganisationen. www.miserior.de und www.brot-für-die-welt.de
 
Ein Problem sind aber teilweise auch die NGOs. Letztens habe ich einen sehr interessanten Artikel davon gelesen. Zum Beispiel Malarie. Eine Organisation verschenkt an Kinder Netze, damit sie nicht gestochen werden können. Problem dabei ist nur, dass die Eltern diese Netze wieder verkaufen, da kein Geld für Essen vorhanden ist.

Weiteres Beispiel: AIDS Hilfe in einem Land, in dem glaub ich 0,04% der Leute AIDS haben, aber eine Kindersterblichkeit von knapp 10%. Man müsste die Hilfe einfach viel besser koordinieren. Teilweise hat man das Gefühl, dass ganze Gruppen nicht miteinander kämpfen sondern gegeneinander.
 
Natürlich muss man die NGOs vorher checken, aber im Schnitt sind sie zuverlässiger als die Regierungen.
 
Natürlich muss man die NGOs vorher checken, aber im Schnitt sind sie zuverlässiger als die Regierungen.


Es geht nicht darum, ob sie zuverlässiger sind, das sind sie auf jeden Fall, aber ich kritisiere, wie wenig sie zusammenarbeiten und das das Geld oftmals zu festgefroren ist. Sprich bei einer Aids-Stiftung darf das Geld nur im Kampf gegen Aids ausgegeben werden. Oftmals gibt es aber mehrere Gründe für eine Krankheit und mit mehr Möglichkeiten wäre die Arbeit oftmals einfacher und würde eine bessere Leistung bringen
 
Ich finde, Geld und Nahrung bringt nichts (außer bei akuter Nothilfe natürlich).
Vielmehr ist ein Transfer von Know-How gefragt.



Ich versuche mich kurz zu fassen.



Ich würde Entwicklungshilfe so gliedern:



1. Infrastruktur

2. Politische Aufklärung

3. Medizinische Betreuung

4. Agrarökonomie

5. Forschung





Das wichtigste ist Infrastruktur. Also sollte man Ingenieure aus Entwiclungsländern ausbilden. Der Idealfall ist, wenn äthiopische Ingenieure und Arbeiter einer äthiopischen Firma in Äthiopien Straßen, Schulen und Krankenhäuser bauen.



Dafür brauchen sie das Wissen, wie so etwas nach heutigem Erkenntnisstand am besten gemacht wird und sie brauchen die Materialien. An Arbeitskraft mangelt es jedenfalls nicht.

Wichtig sind Transportwege und öffentliche Einrichtungen (v.a. Schulen und Krankenhäuser). Dann müssten Lehrer ausgebildet werden, sodass sie wirklich gut sind.

Und sie sollten gut bezahlt werden (ich habe in Nicaragua sowohl einen Englischlehrer kennen gelernt, der kein Englisch konnte (ohne Witz!), als auch einen Schuldirektor, der noch Lehrer an einer anderen Schule war und abends auf Baustellen gearbeitet hat, weil er sonst seine Familie nicht hätte ernähren können).



Viele afrikanische Staaten sind zentralistisch organisiert - das ist gerade in Ländern, die teilweise die Größe Westeuropas haben, nicht gerade ideal.

Um föderalistische Strukturen aufzubauen, bedarf es Kenntnisse in Sachen Kommunalverwaltung.

Hier müssen Verwaltungskkaufleute (oder wie man das bezeichnet) geschult werden.



Auch wissen viele Menschen gar nichts über Rechte, die sie in demokratisch orientierten Staaten haben.



Medizinische Betreuung erklärt sich von alleine. Hier entwickeln sich in westlichen Ländern die Standards stetig weiter - jeder gut ausgebildete westliche Arzt, Krankenpfleger/-schwester und Hebamme, Anästhesist, etc. der Kollegen in Entwicklungsländern so schult, dass diese nach dem Schneeballsystem wieder andere Kollegen schulen können ist mehr Wert, als sämtliche Geldspenden an korrupte Politiker!


Ich finde deine Argumentation sehr gut und auch sehr verständlich, aber eins muss ich hinzufügen und zwar finde ich beim ersten Punkt hats du dic flasch ausgedrückt.



Ich finde man sollte eine Mischung finden ! Es sollten einheimische Arbeiter ausgebildet, dass ist Korrekt ( und dieser natürlich auch in Überzahl), aber ich finde ausländische "Spezialisten" genauso wichtig, weil sich das gut ergänzt!

z.B. Deutscher Ordnungssinn und die einheimischen Kentnisse über das Land .



Das wollte ich nur mal kurz loslassen
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Sehr guter Kommentar!



Meiner bescheidenen Meinung nach wäre den Afrikanern durch Hilfe im Aufbau und Ausbau von Infrastruktur, sowie Know-How-Transfer weitaus mehr geholfen, als durch milde Gaben.



Lebensmittelspenden sind zwar in akuten Notsituationen (nach Umweltkatastrophen bspw.) angebracht, in jeder anderen Lage aber konterkarieren sie das Primzip "Hilfe zur Selbsthilfe".
 
Meiner Meinung nach ist das Beste was wir machen könnten, endlich die Märkte für agrarprodukte gegenüber Afrika öffnen und die Subventionen im hiesigen Agrarsektor auf ein Minimun zu senken.

Dann ginge es zwar hier einigen Leuten nicht mehr ganz so gut, aber das wäre eine faire Chance für Afrika. Naja Bauern haben halt noch eine zu große Lobby in Europa.
 
Meiner Meinung nach ist das Beste was wir machen könnten, endlich die Märkte für agrarprodukte gegenüber Afrika öffnen und die Subventionen im hiesigen Agrarsektor auf ein Minimun zu senken.
Dann ginge es zwar hier einigen Leuten nicht mehr ganz so gut, aber das wäre eine faire Chance für Afrika. Naja Bauern haben halt noch eine zu große Lobby in Europa.


Das problem ist ja auch, dass die westlichen staaten die afrikanischen märkten mit subventionierten produkten regelrecht zuschütten, sodass die dortigen bauern am markt überhaupt nichtmehr konkurrenzfähig sind.
 
Das problem ist ja auch, dass die westlichen staaten die afrikanischen märkten mit subventionierten produkten regelrecht zuschütten, sodass die dortigen bauern am markt überhaupt nichtmehr konkurrenzfähig sind.
Richtig. Ich bin der Meinung (so hart es sich anhört), dass das einzige Mittel die schrittweise Abschaffung der Entwicklungshilfe ist. Nicht als Strafe, sondern als Anreiz bzw. Hilfe zu Selbsthilfe. Ich habe jetzt gerade nicht die Zeit, alle meine Gedanken dazu zur tastatur zu bringen. Deshalb nur kurz: Viele Bauern dort bauen nichts mehr an, weil sie sowieso nichts verdienen können. Subventionierte Nahrungsmittel sind billiger als im eigenen Binnenmarkt produzierte. Wenn aber niemand mehr was anbaut, dann verliert man die Unabhängigkeit. Die Leute müssen teilweise wieder lernen, auf eigenen Beinen zu stehen.



Ich hoffe, meinen in der Eile hingetippten Text kann überhaupt jemand folgen. Meiner Meinung nach ist Entwicklungshilfe Gift für die Entwicklung der Dritten-Welt-Länder.
 
Das problem ist ja auch, dass die westlichen staaten die afrikanischen märkten mit subventionierten produkten regelrecht zuschütten, sodass die dortigen bauern am markt überhaupt nichtmehr konkurrenzfähig sind.


Das ist ja grad der Grund warum die Subventionen hier langsam auf null gesenkt werden müssen.

Kam gestern noch ein Bericht im Tv. Da ging es den Kongo.

Da gab es eine relativ große Geflügel-, sowie Tomaten"Industrie" und diese wird dadurch, dass die westliche Welt das LAnd dazu gedrängt hat ihre Märkte zu öffnen, von europäischen Abfallprodukten von Geflügel und Tomaten aus Italien überschwemmt und die dortige Produktion ist nahezu zusammengebrochen.
 
Wie Entwicklungshelfer den Tod nach Afrika bringen


Ein Kommentar von Thilo Thielke



In Afrika müsste niemand hungern. Der Hunger dort ist ein Machwerk skrupelloser Herrscher - und ihrer Freunde im Westen. Paradoxerweise sind es Entwicklungshilfeminister, die sich dem Fortschritt in den Weg stellen.



http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,551508,00.htmlhttp://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,551508,00.html


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