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Ein Apfel für die Nazis
Von Florian Steglich
Wie tritt man tumben Neonazis gescheit entgegen - totschweigen, Steine werfen oder einfach auslachen? Die bunt kostümierte "Front Deutscher Äpfel" setzt auf Parodie und hatte am 1. Mai in Leipzig ihren Auftritt: "Was gibt der deutschen Jugend Kraft? Apfelsaft!"
Auf dem Handy trudeln Neuigkeiten aus anderen Straßen ein. Der Späher der Apfelfront versucht herauszufinden, wie weit die Rechtsradikalen schon gekommen sind. Als Thum die Nachricht verbreitet, dass der andere Demo-Zug von Steffen Hupka am Hauptbahnhof nicht starten konnte, sondern von der Polizei aufgelöst wurde, bricht Jubel aus. Die Stimmung ist angespannt, aber gut. In einer Seitenstraße fahren Wasserwerfer und ein Räumfahrzeug auf.
Zwischen den öffentlichen Auftritten der Apfelfront treffen sich die Mitglieder alle zwei bis drei Wochen, schauen gemeinsam Filme oder führen eine Schnitzeljagd durch, auch um Nachwuchs zu rekrutieren. "Führer" Thum ist begeistert: "Die Jugendlichen machen da seit eineinhalb Jahren mit, ohne dass wir sie besonders binden würden. Überall bekommen sie erzählt, dass sie sich gegen Rassismus engagieren sollen. Bei uns läuft das einfach so." Gerade diese Ungebundenheit hält er für seinen "Vorteil zum Beispiel gegenüber Lehrern oder Jugendorganisationen von Parteien".
"Christian, ich will ein Kind von Dir!"
Als klar wird, dass die Polizei den Demonstrationszug Worchs umleitet, kommt Bewegung in die Menge. Alle laufen auf die Straße des 18. Oktober, um dort den Rechtsradikalen den Weg abzuschneiden. Auf der breiten, schnurgeraden Straße stehen sich plötzlich beide Lager gegenüber. Dazwischen nur 150 Meter und jede Menge Polizei - "Team Green", wie die Apfelfront dazu sagt. "Hinsetzen! Hinsetzen!" schallt es. Das Nationale Frischobst setzt sich in die erste Reihe und breitet die beiden roten Banner mit dem Apfel-Logo vor sich aus.
Der "Führer" und sein "Propagandaminister" gehen vor bis zur Polizeikette. Das Ziel ist klar: "Ich will Chrissy Worch die Hand schütteln", sagt Thum und sucht den Kontakt per Megaphon: "Christian, ich will ein Kind von dir!" Die Polizeibeamten lassen sich nicht überreden, ihn durchzulassen. Einige können sich ihr Lachen dennoch nicht verkneifen. Die anwesenden Kamerateams versuchen es erst gar nicht. Nach einem Blick durchs Fernglas teilt Thum den Sitzenden mit, dass Worch seit dem letzten Mal wieder etwas zugenommen habe.
Dann kommt ein Mann mit rötlichem Bart von der anderen Seite herübergelaufen. "Ist jemand von der Apfelfront hier?", fragt er. Es ist Volker Külow, der für die Linkspartei im sächsischen Landtag sitzt. "Noch zwei Abschlussreden bei Worch, dann wird sein Zug aufgelöst", teilt er sein Wissen mit und fügt hinzu: "Gut, dass ihr da seid!" Die Botschaft soll sein: Gleich ist es vorbei, weiter kommen die Rechten nicht, also jetzt ruhig bleiben. Thum gibt es an die Menge weiter.
Kurz vor 16 Uhr drehen Worchs Kameraden um. Die Gegendemonstranten versuchen, sich auch auf dem Rückweg den Neonazis noch einmal zu zeigen. Erst drei Stunden später kann die Apfelfront ein Feierabend-Bier trinken gehen.
Und auf das Frischobst wartet am nächsten Morgen wieder die Schule.
www.apfelfront.de
Von Florian Steglich
Wie tritt man tumben Neonazis gescheit entgegen - totschweigen, Steine werfen oder einfach auslachen? Die bunt kostümierte "Front Deutscher Äpfel" setzt auf Parodie und hatte am 1. Mai in Leipzig ihren Auftritt: "Was gibt der deutschen Jugend Kraft? Apfelsaft!"
Auf dem Handy trudeln Neuigkeiten aus anderen Straßen ein. Der Späher der Apfelfront versucht herauszufinden, wie weit die Rechtsradikalen schon gekommen sind. Als Thum die Nachricht verbreitet, dass der andere Demo-Zug von Steffen Hupka am Hauptbahnhof nicht starten konnte, sondern von der Polizei aufgelöst wurde, bricht Jubel aus. Die Stimmung ist angespannt, aber gut. In einer Seitenstraße fahren Wasserwerfer und ein Räumfahrzeug auf.
Zwischen den öffentlichen Auftritten der Apfelfront treffen sich die Mitglieder alle zwei bis drei Wochen, schauen gemeinsam Filme oder führen eine Schnitzeljagd durch, auch um Nachwuchs zu rekrutieren. "Führer" Thum ist begeistert: "Die Jugendlichen machen da seit eineinhalb Jahren mit, ohne dass wir sie besonders binden würden. Überall bekommen sie erzählt, dass sie sich gegen Rassismus engagieren sollen. Bei uns läuft das einfach so." Gerade diese Ungebundenheit hält er für seinen "Vorteil zum Beispiel gegenüber Lehrern oder Jugendorganisationen von Parteien".
"Christian, ich will ein Kind von Dir!"
Als klar wird, dass die Polizei den Demonstrationszug Worchs umleitet, kommt Bewegung in die Menge. Alle laufen auf die Straße des 18. Oktober, um dort den Rechtsradikalen den Weg abzuschneiden. Auf der breiten, schnurgeraden Straße stehen sich plötzlich beide Lager gegenüber. Dazwischen nur 150 Meter und jede Menge Polizei - "Team Green", wie die Apfelfront dazu sagt. "Hinsetzen! Hinsetzen!" schallt es. Das Nationale Frischobst setzt sich in die erste Reihe und breitet die beiden roten Banner mit dem Apfel-Logo vor sich aus.
Der "Führer" und sein "Propagandaminister" gehen vor bis zur Polizeikette. Das Ziel ist klar: "Ich will Chrissy Worch die Hand schütteln", sagt Thum und sucht den Kontakt per Megaphon: "Christian, ich will ein Kind von dir!" Die Polizeibeamten lassen sich nicht überreden, ihn durchzulassen. Einige können sich ihr Lachen dennoch nicht verkneifen. Die anwesenden Kamerateams versuchen es erst gar nicht. Nach einem Blick durchs Fernglas teilt Thum den Sitzenden mit, dass Worch seit dem letzten Mal wieder etwas zugenommen habe.
Dann kommt ein Mann mit rötlichem Bart von der anderen Seite herübergelaufen. "Ist jemand von der Apfelfront hier?", fragt er. Es ist Volker Külow, der für die Linkspartei im sächsischen Landtag sitzt. "Noch zwei Abschlussreden bei Worch, dann wird sein Zug aufgelöst", teilt er sein Wissen mit und fügt hinzu: "Gut, dass ihr da seid!" Die Botschaft soll sein: Gleich ist es vorbei, weiter kommen die Rechten nicht, also jetzt ruhig bleiben. Thum gibt es an die Menge weiter.
Kurz vor 16 Uhr drehen Worchs Kameraden um. Die Gegendemonstranten versuchen, sich auch auf dem Rückweg den Neonazis noch einmal zu zeigen. Erst drei Stunden später kann die Apfelfront ein Feierabend-Bier trinken gehen.
Und auf das Frischobst wartet am nächsten Morgen wieder die Schule.
www.apfelfront.de