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„Brutal auf ihn eingeschlagen"
FUSSBALL: Gewalt nach FCK-Spiel in Augsburg - Polizeiarbeit im Stadion ist eine Gratwanderung
Von unserem Redakteur
Oliver Sperk
Fingerspitzengefühl und Geduld bei gleichzeitiger Wachsamkeit brauchen Polizeibeamte und Mitarbeiter des Ordnungsdienstes, die friedliche Fußballspiele gewährleisten sollen - eine schwierige Gratwanderung. Beim FCK-Spiel in Augsburg eskalierte die Situation.
Sehr unschön ging es rund um die Zweitliga-Partie des 1. FC Kaiserslautern am 29. April in Augsburg zu. Im FCK-Fanblock seien fünf Rauchbomben gezündet worden, berichtet der Augsburger Polizeichef Walter Böhm. Dafür werden üblicherweise saftige Geldstrafen und bundesweite Stadionverbote verhängt.
Nach dem Spiel ist es hinter dem Gästeblock zu einem laut FCK „unverhältnismäßigen und überzogenen Einsatz der Polizei und des Ordnungsdienstes" gegen FCK-Fans gekommen. Einen Schlagstock- und Pfeffersprayeinsatz auch gegen Frauen und Kinder wirft der Klub der Augsburger Polizei nach Sichtung von Videos vor.
FCK-Fan-Betreuer Stefan Roßkopf war in Augsburg vor Ort und beschreibt das Verhalten von Polizei und Ordnern als „provozierend" und den Einsatz nach dem Spiel hinter der Gästetribüne als „unverhältnismäßig".
Polizeichef Böhm weist die Kritik zurück und betont, die FCK-Fans hätten nach dem Abpfiff die Festnahme eines der „Zündelei" Verdächtigten verhindern wollen und dabei einen Ordner zu Boden gerissen, den die Beamten befreien wollten. „Auf den Videos ist nicht festzustellen, dass Kinder betroffen waren", sagt Böhm. Dass bei der Polizeiaktion zur „Rettung des Lebens und der Gesundheit" des in der Menge am Boden liegenden Ordners „einige Unbeteiligte weggedrückt" worden seien oder „Pfefferspray abbekommen" haben könnten, räumt der Polizeichef ein.
Der Ruppertsberger FCK-Fan Harald Orth berichtet der RHEINPFALZ, bei der Verfolgung eines der Zündelei Verdächtigten sei ein Polizist seiner unbeteiligt wartenden 17-jährigen Tochter mit seinen Springerstiefeln brutal auf das Fußgelenk getreten. Starke Prellung. Eine von mehreren Verletzten. „Das Einsatzkommando hat sich den wehrlosen Verdächtigen geschnappt und hat brutal auf ihn eingeschlagen. Das muss nicht sein", betont Augenzeuge Orth. Ausgelöst von der „überzogenen Aktion der Polizei" habe es dann Tumulte gegeben.
Die andere Seite: Provokationen der Fangruppen gegenüber den Ordnungskräften sind bei Bundesligaspielen auch Alltag. „Allgemein müssen wir eine hohe Toleranzgrenze haben", sagt Jürgen Schmitt. Der Leiter der Polizeidirektion Kaiserslautern tut seit zehn Jahren Dienst bei Bundesligaspielen, koordiniert die Einsätze im Fritz-Walter-Stadion. Dass Rauchbomben oder Leuchtraketen zumeist von „Auswärtsfans" gezündet werden, führt Schmitt darauf zurück, dass die Anhänger die Strafe von „ihrem" Klub als Gastgeber fernhalten wollten. Zudem wüssten die „Kandidaten" in Kaiserslautern, dass es dort ein gut funktionierendes Kamerasystem gebe, um mögliche Unruhestifter überführen zu können.
Beim FCK-Heimspiel am Sonntag gegen Köln sind im und um das ausverkaufte Stadion mehr als 300 speziell geschulte Polizisten im Einsatz. „Menschenmassen in Verbindung mit Alkohol und den Emotionen, das macht unser Arbeiten schwierig", sagt Schmitt. Er weiß: „Es ist oft ein schmaler Grat."
KONZOKH
Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße
Ausgabe: Nr.113
Datum: Mittwoch, den 16. Mai 2007
Seite: Nr.13