30.05.2006 - Interview: „Das ‚verdanken‘ wir wohl Franz Beckenbauer“
Interview mit Karsten Fiebiger (Dipl.-Architekt ETH) und Folker Fiebiger (Dipl.-Ing. Architekt), den Geschäftsführern der Fiebiger GmbH Architekten+Ingenieure, die mit dem WM-Umbau des Fritz-Walter-Stadions beauftragt ist.
Stadionwelt: Herr Fiebiger, wie lange begleitet Ihr Büro jetzt schon die Veränderungen des Fritz-Walter-Stadions?
Fiebiger: Seit etwa 1970 – in vielen Bauabschnitten und im System eines Baukas-tens. Die Anforderungen an ein Fußballstadion haben sich mit der Entwicklung der Stadionbauten in Deutschland und in der Welt verändert. Seit Mitte der 90er Jahre haben wir zusammen mit dem Verein Visionen für den Ausbau des Fritz-Walter-Stadions verfolgt.
Stadionwelt: Seitdem hat sich vieles verändert. Inzwischen erscheint das Fritz-Walter-Stadion unabhängig von der Ligazugehörigkeit für den 1. FC Kaiserslautern und die Stadt etwas überdimensioniert. Warum hat Kaiserslautern ein größeres Stadion als Metropolen wie Köln, Nürnberg oder Hannover?
Fiebiger: Die Frage kann ich Ihnen nicht beantworten, aber das Fußballfieber in der Region ist ungebrochen. Nur ein Teil der Fans, die jedes Heimspiel auf dem Betzenberg verfolgen, kommen auch aus Kaiserslautern. Das Einzugsgebiet ist groß und erstreckt sich auch auf die Randgebiete außerhalb der Pfalz, bis nach Baden-Württemberg und bis in das Saarland. Das Stadion ist groß, da haben Sie Recht, und das verdanken wir wohl Franz Beckenbauer, der Kaiserslautern als Bewerbungschef für die Auswahl der Stadien zur WM 2006 besucht hat. Wir durften ihm die Pläne über den beabsichtigten Ausbau mit 44.000 Plätzen erläutern. Um eine Chance bei der Bewerbung zu haben, riet er uns aber, auf eine Kapazität von 48.500 Sitzplätzen hin zu planen.
Stadionwelt: Der FIFA hätten 44.000 Sitze gereicht…
Fiebiger: Das vermag ich nicht zu beurteilen. Für die Vorrundenspiele vielleicht.
Bei der Verteilung der Austragungsorte haben dann sicherlich auch länderspezifische Aspekte eine Rolle gespielt.
Stadionwelt: Vermutlich wurden die neuen Ausbaupläne deutlich teurer.
Fiebiger: Der Umfang der Arbeiten hat sich wesentlich vergrößert. Statt der zunächst gedachten Erweiterung von zwei Tribünen im Osten und Westen waren nun einschließlich der Südtribüne drei Tribünen auszubauen. Dies bedingte durch die Hinzufügung weiterer Sitzreihen in den Oberrängen auch das Anheben des Daches, um die Sehlinien von allen Plätzen zu gewährleisten. Es war ein ingenieurtechnisch hoch spannender Vorgang, das Dach in einem Stück einschließlich der Verglasung um ca. 4,50 m anzuheben.
Stadionwelt: Das Stadion ist mit 48.500 Sitzplätzen eines der größten Deutschlands, obwohl im Norden nur eine kleine Tribüne steht. Umso größer müssen die anderen drei Tribünen sein.
Fiebiger: Das ist richtig. Wir haben uns bemüht, die Gestaltung der Nordtribüne mit den Zwischengliedern zweier Türme für Logeneinrichtungen und die für die WM geforderten Medieneinrichtungen so zu gestalten, dass sich harmonische Übergänge des Gesamtstadions ergeben. Die Lage am Rande eines steil abfallenden Steinbruches forderte besondere Gestaltungs- und auch Baumethoden. Das Stadion erhebt sich aber dadurch auch zum Wahrzeichen der Stadt und thront wie ein Burgberg über unserer Fußballstadt. Die Türme bieten mit ihren übereinander liegenden Logen eine großartige Sicht auf das Spielfeld und sind auch eine attraktive Vermarktungsmöglichkeit für die Betreiber.
Stadionwelt: Wurde jemals über einen Rückbau nachgedacht, also provisorische Zusatztribünen zur WM, um anschließend die Kapazität wieder senken zu können?
Fiebiger: Diesen Gedanken haben wir verfolgt. Wir hatten aber bereits den inneren Kreis des Stadionrundes mit den Sitzplätzen der Fans so nah als möglich an das Spielfeld herangezogen. Die Erweiterung nach außen war die aus technisch und konstruktiver Sicht logische Lösung. Ein Aufbau mit Stahlgerüsten in 35 m Höhe wäre nicht nur optisch sehr schwierig geworden, sondern hätte auch die Anforderungen des „Normalbetriebes“ des Vereins und seiner Fans nicht in gleicher Weise erfüllt. Das Stadion hatte immer ca. 42.500 Besucher auf Sitz- und Stehplätzen. Wir haben uns überlegt, die Sitze, die heute einen Achsenabstand von 50 cm haben, in den entsprechenden Ankerschienen so zu verschieben, dass wir größere Breiten für den Einzelsitz haben und damit rechnerisch bei einer Verschiebung um nur 5 cm je Sitz die Kapazität bereits wieder um knapp 5.000 Sitzplätze senken würden. In Kaiserslautern soll aber insbesondere die „Stehplatzkultur“ für die Fans erhalten werden. Aus diesem Grund will der Verein nach den WM-Spielen gerne wieder einen Teil der Sitze ausbauen und in Teilbereichen Möglichkeiten für die Stehplatzfans wieder herstellen. Zurzeit sitzen wir auf dem Betzenberg einfach – normgerecht – „höllisch“ eng.
Stadionwelt: Etwas völlig anderes: viele Fans wundern sich über die gelben Treppenaufgänge, die in anderen Stadien nicht zu finden sind. Hätte man nicht, um die Vereinsfarben besser zu repräsentieren, darauf verzichten können?
Fiebiger: Die entsprechenden Vorschriften für die Kennzeichnung von Fluchtwegen sind Ländersache und haben sich hier im Stadion ja auch bewährt. Die Fans haben sich an die Sicherheitseinrichtungen mit den gelben Signalfarben im Übrigen gewöhnt und unser Stadion ist – bei allem Respekt und bei aller Freude über die Zuteilung von fünf Spielen der WM 2006 – hauptsächlich ein Stadion für die Fans unserer Stadt und unserer Region. Es gab also keinen Anlass, etwas Bewährtes zu verändern.
Stadionwelt: Die Stiftung Warentest hat sich bestimmt darüber gefreut, kritische Fragen stellen zu können.
Fiebiger: Zur Stiftung Warentest darf ich anmerken, dass wir uns unsererseits darüber gefreut haben, dass trotz der kritischen Anmerkungen auf der Liste der Prüfer für das Stadion in Kaiserslautern nichts stand, was nicht ohnehin bereits geplant und in der Ausführung war. Insofern sind wir dankbar für die Bestätigung der Stiftung Warentest für die Arbeit des großen und vielschichtigen Teams, das das Stadion geplant und mit umsichtiger Organisation ausgebaut hat.
In der Juni-Ausgabe des Stadionwelt-Magazins befindet sich ein umfassendes Porträt des Fritz-Walter-Stadions (11 Seiten + Poster). Das Magazin kann ab sofort hier bestellt werden.
www.stadionwelt.de
EDIT: Wusste jetzt net wo ich es hinstecken soll und ich denke einen neuen Fred ist der Artikel nicht Wert.