Bolivien will die Mörder Che Guevaras ehren
Gesetz würdigt Soldaten, die den Revolutionär töteten, als Retter vor dem Kommunismus
Boliviens Parlament ehrt die Soldaten, die 1967 den Revolutionär Che Guevara ermordeten, für ihre "Verdienste ums Vaterland". Kurz vor der Vereidigung des Linkspolitikers Evo Morales als Präsident soll sein Vorgänger nach dem Willen der Abgeordneten ein entsprechendes Gesetz signieren.
Rio de Janeiro · Die Soldaten hatten einen lebenslangen Ehrensold für ihre Teilnahme an der Festnahme des argentinisch-kubanischen Revolutionärs gefordert. Er war ihnen am 8. Oktober 1967 verwundet, erschöpft und ohne Waffen in die Arme gelaufen und einen Tag später ermordet worden.
Der Ehrensold war politisch nicht durchsetzbar. Stattdessen sagt das neue Gesetz den Veteranen der Spezialtruppe, sofern sie heute im öffentlichen Dienst beschäftigt sind, Kündigungsschutz und Krankenversicherung zu. Begründet wird das damit, dass sie sich um das Vaterland verdient gemacht hätten. Das Gesetz hat bereits beide Kammern des Parlaments passiert. Der amtierende Staatspräsident Eduardo Rodríguez hat bis zum heutigen Donnerstag Zeit, es zu unterzeichnen. Die Frist ist zwar im Gesetzgebungsverfahren festgelegt. Dennoch entsteht der Eindruck, die Begünstigung der Soldaten solle schnell noch unter Dach und Fach gebracht werden, bevor Evo Morales am Sonntag als Präsident vereidigt wird.
Denn Morales und seine Partei "sind Guevara-Anhänger, sie werden das Projekt stoppen wollen", fürchtet der Verteidigungspolitiker Carlos Nacif, einer der Autoren der Gesetzesnovelle, "aber sie müssen doch einsehen, wie wichtig die Bolivianer waren, die 1967 das Vaterland verteidigt und ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um uns vor dem Kommunismus zu retten". Morales dürfte das anders sehen. Er ist bekannt dafür, dass er Guevara und dem kubanischen Modell positiv gegenübersteht: "Der einzige Unterschied" zwischen Che Guevara und ihm bestehe darin, dass er auf die Wahlurne, der Revolutionär dagegen auf den bewaffneten Kampf gesetzt habe. "Ich habe ihm gesagt, ich lasse mich nicht vereidigen, wenn er nicht dabei ist", scherzte Morales, nachdem er Kubas Staatschef Fidel Castro zur Amtseinführung am Sonntag eingeladen hatte.
Solche Rhetorik gehört zwar zur in der Linken modischen Glorifizierung der Revolutions-Ikone Che. Doch Morales' Partei hat auch einflussreiche Mitglieder, deren Verwandte mit Guevara gekämpft haben. Antonio Peredo, Senator für La Paz, und sein Bruder Osvaldo, Stadtrat in Santa Cruz, sind die Brüder von Inti und Coco Peredo, die damals in der Guerrilla-Gruppe mitkämpften und starben, die Che Guevara befehligte.
Der argentinische Arzt Guevara hatte seinen Posten als kubanischer Industrieminister aufgegeben, um Mitte der 60er Jahre die Revolution in andere Länder zu tragen. In Kongo unterstützte er den marxistischen Politiker Patrice Lumumba. Über Tansania, die CSSR und die DDR ging er nach Bolivien, das ihm als besonders fruchtbarer Nährboden für eine Revolution erschien. 1967 unterlagen er und seine Kämpfer den bolivianischen Soldaten, die von US-Militärberatern ausgebildet und unterstützt worden waren.
"Uns haben sie vergessen, niemand hat uns gewürdigt", beschwerte sich 2004 einer der Ex-Soldaten, die Che damals fingen und der heute als Pförtner arbeitet. Man habe ihnen seinerzeit "Wohnungen und Lohn" zugesagt, aber "sie haben ihre Versprechen nicht gehalten". Wolfgang Kunath
http://fr-aktuell.de/ressorts/nachr...t=790042&sid=8c1f8a1055bafb7364451c4404a1fa27http://fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/nachrichten/?cnt=790042&sid=8c1f8a1055bafb7364451c4404a1fa27
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Gesetz würdigt Soldaten, die den Revolutionär töteten, als Retter vor dem Kommunismus
Boliviens Parlament ehrt die Soldaten, die 1967 den Revolutionär Che Guevara ermordeten, für ihre "Verdienste ums Vaterland". Kurz vor der Vereidigung des Linkspolitikers Evo Morales als Präsident soll sein Vorgänger nach dem Willen der Abgeordneten ein entsprechendes Gesetz signieren.
Rio de Janeiro · Die Soldaten hatten einen lebenslangen Ehrensold für ihre Teilnahme an der Festnahme des argentinisch-kubanischen Revolutionärs gefordert. Er war ihnen am 8. Oktober 1967 verwundet, erschöpft und ohne Waffen in die Arme gelaufen und einen Tag später ermordet worden.
Der Ehrensold war politisch nicht durchsetzbar. Stattdessen sagt das neue Gesetz den Veteranen der Spezialtruppe, sofern sie heute im öffentlichen Dienst beschäftigt sind, Kündigungsschutz und Krankenversicherung zu. Begründet wird das damit, dass sie sich um das Vaterland verdient gemacht hätten. Das Gesetz hat bereits beide Kammern des Parlaments passiert. Der amtierende Staatspräsident Eduardo Rodríguez hat bis zum heutigen Donnerstag Zeit, es zu unterzeichnen. Die Frist ist zwar im Gesetzgebungsverfahren festgelegt. Dennoch entsteht der Eindruck, die Begünstigung der Soldaten solle schnell noch unter Dach und Fach gebracht werden, bevor Evo Morales am Sonntag als Präsident vereidigt wird.
Denn Morales und seine Partei "sind Guevara-Anhänger, sie werden das Projekt stoppen wollen", fürchtet der Verteidigungspolitiker Carlos Nacif, einer der Autoren der Gesetzesnovelle, "aber sie müssen doch einsehen, wie wichtig die Bolivianer waren, die 1967 das Vaterland verteidigt und ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um uns vor dem Kommunismus zu retten". Morales dürfte das anders sehen. Er ist bekannt dafür, dass er Guevara und dem kubanischen Modell positiv gegenübersteht: "Der einzige Unterschied" zwischen Che Guevara und ihm bestehe darin, dass er auf die Wahlurne, der Revolutionär dagegen auf den bewaffneten Kampf gesetzt habe. "Ich habe ihm gesagt, ich lasse mich nicht vereidigen, wenn er nicht dabei ist", scherzte Morales, nachdem er Kubas Staatschef Fidel Castro zur Amtseinführung am Sonntag eingeladen hatte.
Solche Rhetorik gehört zwar zur in der Linken modischen Glorifizierung der Revolutions-Ikone Che. Doch Morales' Partei hat auch einflussreiche Mitglieder, deren Verwandte mit Guevara gekämpft haben. Antonio Peredo, Senator für La Paz, und sein Bruder Osvaldo, Stadtrat in Santa Cruz, sind die Brüder von Inti und Coco Peredo, die damals in der Guerrilla-Gruppe mitkämpften und starben, die Che Guevara befehligte.
Der argentinische Arzt Guevara hatte seinen Posten als kubanischer Industrieminister aufgegeben, um Mitte der 60er Jahre die Revolution in andere Länder zu tragen. In Kongo unterstützte er den marxistischen Politiker Patrice Lumumba. Über Tansania, die CSSR und die DDR ging er nach Bolivien, das ihm als besonders fruchtbarer Nährboden für eine Revolution erschien. 1967 unterlagen er und seine Kämpfer den bolivianischen Soldaten, die von US-Militärberatern ausgebildet und unterstützt worden waren.
"Uns haben sie vergessen, niemand hat uns gewürdigt", beschwerte sich 2004 einer der Ex-Soldaten, die Che damals fingen und der heute als Pförtner arbeitet. Man habe ihnen seinerzeit "Wohnungen und Lohn" zugesagt, aber "sie haben ihre Versprechen nicht gehalten". Wolfgang Kunath
http://fr-aktuell.de/ressorts/nachr...t=790042&sid=8c1f8a1055bafb7364451c4404a1fa27http://fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/nachrichten/?cnt=790042&sid=8c1f8a1055bafb7364451c4404a1fa27
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