Fußball-Region Rhein-Neckar bald wieder erstklassig?
SPORTFÖRDERUNG: Mit Hilfe der Wirtschaft und der Zukunftsinitiative soll ein Verein ganz nach oben kommen
Von unserem Redaktionsmitglied Gert Goebel
Die neue Metropolregion Rhein-Neckar sollte auch beim Fußball "ganz oben" mitspielen. Diese Ansicht hat dieser Tage Mannheims Kultur- und Sportbürgermeister Dr. Peter Kurz geäußert. Der SPD-Politiker, der mit an der Spitze der von der Zukunftsinitiative Rhein-Neckar-Dreieck gegründeten "Sportregion Rhein-Neckar" steht, drückte sich allerdings sehr vage aus. Dabei sind die Pläne und Überlegungen, in der Region bald Spitzenfußball zu bieten, bereits recht konkret.
Aktueller Diskussions-Stand: Ein Sponsoren-Modell oder ein Investoren-Modell, möglicherweise auch eine Mischung aus beiden, soll dem Rhein-Neckar-Dreieck helfen, spätestens in vier bis fünf Jahren mit einem Verein möglichst in der 1. Fußball-Bundesliga vertreten zu sein. Geldgeber soll vor allem die Wirtschaft sein. Die Frage, welcher Verein in der Region nach oben gepusht werden soll, bleibt allerdings vorerst bei den Offiziellen unbeantwortet. "Wir agieren derzeit vereinsneutral", sagt Kurz.
Auf alle Fälle wird laut Kurz gegenwärtig an einer Konzeption für "die Rückkehr in den bezahlten Fußball" gearbeitet. Nach der Sommerpause sollen Gespräche mit der Wirtschaft, die als Partner unabdingbar ist, geführt werden. Besonders gefragt ist einmal mehr der Motor der Zukunftsinitiative, nämlich die BASF. Deren Vize Eggert Voscherau erklärte gegenüber unserer Zeitung: "Wir sagen zu einem derartigen Projekt grundsätzlich nicht nein". Voraussetzung für ein Engagement sei ein stimmiges Konzept. Neben der BASF müssten sich aber auch andere Unternehmen beteiligen. Und wenn es darum gehe, welcher Verein in den Spitzenfußball gebracht werden solle, dürfe auch nicht nur an den SV Waldhof und den VfR Mannheim gedacht werden, sondern auch an andere Vereine in der Region.
Hintergrund aller Überlegungen ist die Tatsache, dass unter den zehn westdeutschen Metropolregionen das Rhein-Neckar-Dreieck die einzige ist, die keinen Verein in der Fußball-Bundesliga aufweisen kann. Jüngst sind neben dem Rhein-Neckar-Dreieck auch Nürnberg, Hannover und Bremen in den Club der europäischen Metropolregionen aufgenommen worden, alle drei Städte haben Vereine in der Beletage des Fußballs. Dies gilt auch für die bisherigen fünf westdeutschen Metropolregionen, nämlich Stuttgart, Rhein-Main, Hamburg, Berlin und Rhein-Ruhr.
Dagegen steht die Metropolregion Rhein-Neckar in puncto Fußball geradezu jämmerlich da. "Spitzenreiter" in der Region ist die drittklassige SG Hoffenheim, die in der Regionalliga spielt. Waldhof und VfR Mannheim sind derzeit noch eine Stufe tiefer angesiedelt, nämlich in der Oberliga. "Die Menschen müssen sich mit der Metropolregion identifizieren, und Identität kann mit Fußball geschaffen werden", sagt Kurz. Also braucht man auch im Rhein-Neckar-Dreieck Spitzenfußball, lautet der Denkansatz. Als beispielhaft sieht Kurz den VfB Stuttgart, der wie eine Regionalinitiative wirke und die Menschen zusammen bringe.
Nun wissen aber auch die Matadoren der "Sportregion", dass die Fußball-Szene in der Region in den letzten Jahren alles getan hat, um ihren Ruf zu ruinieren. Eifersüchteleien, Streitereien, gescheiterte Fusionen, Misswirtschaft und Insolvenz haben vor allem den SV Waldhof in Misskredit gebracht. "Die Wirtschaft traut den Fußballakteuren in der Region nichts zu", heißt es bei der "Sportregion". Hier müsse erst eine neue Vertrauensbasis geschaffen werden.
Jedoch sind auch Stimmen zu hören, letztlich biete sich nur der SV Waldhof als zu fördernder "Aufstiegskandidat" an. Unter der neuen Führung habe sich im Übrigen die Situation stabilisiert, seit einem Jahr herrsche weitgehend Ruhe. Ob auch die Wirtschaft dies so sieht, wird sich bei den kommenden Gesprächen herausstellen müssen.
Zwei Modelle werden derzeit diskutiert: Nach dem Sponsoren-Modell erklären sich vor allem Unternehmen bereit, einem Verein gezielt Mittel zur Verfügung zu stellen. Ist die Mannschaft in der Regionalliga, wird der Profiteil ausgegliedert und in eine eigene Gesellschaft eingebracht und erhält weiter Sponsorengelder.
Nach dem Investoren-Modell wird die Lizenzspielerabteilung in eine GmbH (nicht in eine AG wie in Dortmund) eingebracht, an der sich dann Unternehmen oder Privatpersonen mit Gesellschaftereinlagen beteiligen. Wer bezahlt, hat also eine Chance, sein eingezahltes Kapital verzinst zu bekommen. Neben Gesellschaftern sind aber auch beim Investoren-Modell Sponsoren denkbar. In der Planung ist auch ein Jugendzentrum für den Fußball-Nachwuchs, hier sollen Vereine aus dem Raum Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen kooperieren.
Alles ist noch Zukunftsmusik, nur wenn sie der Wirtschaft gefällt, haben die Pläne eine Chance auf Verwirklichung.
© Mannheimer Morgen - 22.06.2005
Endlich
Von Ulrich Verthein
Auf dieses Zeichen haben die Fußball-Freunde der Rhein-Neckar-Region lange und mit großer Sehnsucht gewartet. Diejenigen, die sich zum Ziel gesetzt haben, den siebtgrößten Ballungsraum Deutschlands wirtschaftlich zu fördern und seine Attraktivität in den Bereichen Kultur und Sport zu steigern, legen nun auch ein Bekenntnis zum Profi-Fußball ab. Eine logische Konsequenz beim Blick über den Tellerrand. Der gerade erworbene Glanz einer europäischen Metropolregion ist ohne großen Fußball einfach nicht so strahlend wie er sein könnte, ja wie er sein muss, wenn mit so genannten weichen Standortfaktoren die Anziehungskraft für umworbene Spitzenkräfte aller Berufsgruppen tatsächlich gesteigert werden soll. Da gehört das Klassik-Konzert ebenso hinzu wie der Breitensport mit dem MLP-Marathon und die Unterstützung von Top-Athleten wie Reiter Ludger Beerbaum oder Kanu-Legende Birgit Fischer, die zudem große Vorbildfunktion für den hiesigen Nachwuchs haben. Bei den Kanutinnen sind die positiven Folgen gerade zu sehen.
Konsequent ist es auch, wenn sich nun der Weltkonzern BASF, der sich lange nur im Breitensport engagierte, nun für die Thematik öffnet. Ein Projekt wie die Zukunftsinitiative Rhein-Neckar lässt sich nur ganzheitlich voran treiben. Da darf die medienträchtigste, ständig sogar international für Aufsehen sorgende, beliebteste Sportart in Deutschland nicht außen vor bleiben. Ein kluger Schachzug von Eggert Voscherau ist es, sich nicht von vornherein auf einen Klub fest zu legen. Ob Waldhof, VfR Mannheim, Südwest Ludwigshafen oder gar ein völlig anderer letztlich das Rennen macht, ist völlig egal. Derjenige Verein, der - sagen wir es mal in der Fußballersprache - den Kopf hoch nimmt vom Ball am Fuß, der schaut, sich einen Überblick verschafft und gedanklich öffnet, d e r verdient es, unterstützt zu werden.
Schließlich geht es um die Zukunft und nicht um die Vergangenheit, um die Freude an diesem attraktiven Sport und darum, das momentan triste Carl-Benz-Stadion endlich wieder mit Leben zu erfüllen.
© Mannheimer Morgen - 22.06.2005
SPORTFÖRDERUNG: Mit Hilfe der Wirtschaft und der Zukunftsinitiative soll ein Verein ganz nach oben kommen
Von unserem Redaktionsmitglied Gert Goebel
Die neue Metropolregion Rhein-Neckar sollte auch beim Fußball "ganz oben" mitspielen. Diese Ansicht hat dieser Tage Mannheims Kultur- und Sportbürgermeister Dr. Peter Kurz geäußert. Der SPD-Politiker, der mit an der Spitze der von der Zukunftsinitiative Rhein-Neckar-Dreieck gegründeten "Sportregion Rhein-Neckar" steht, drückte sich allerdings sehr vage aus. Dabei sind die Pläne und Überlegungen, in der Region bald Spitzenfußball zu bieten, bereits recht konkret.
Aktueller Diskussions-Stand: Ein Sponsoren-Modell oder ein Investoren-Modell, möglicherweise auch eine Mischung aus beiden, soll dem Rhein-Neckar-Dreieck helfen, spätestens in vier bis fünf Jahren mit einem Verein möglichst in der 1. Fußball-Bundesliga vertreten zu sein. Geldgeber soll vor allem die Wirtschaft sein. Die Frage, welcher Verein in der Region nach oben gepusht werden soll, bleibt allerdings vorerst bei den Offiziellen unbeantwortet. "Wir agieren derzeit vereinsneutral", sagt Kurz.
Auf alle Fälle wird laut Kurz gegenwärtig an einer Konzeption für "die Rückkehr in den bezahlten Fußball" gearbeitet. Nach der Sommerpause sollen Gespräche mit der Wirtschaft, die als Partner unabdingbar ist, geführt werden. Besonders gefragt ist einmal mehr der Motor der Zukunftsinitiative, nämlich die BASF. Deren Vize Eggert Voscherau erklärte gegenüber unserer Zeitung: "Wir sagen zu einem derartigen Projekt grundsätzlich nicht nein". Voraussetzung für ein Engagement sei ein stimmiges Konzept. Neben der BASF müssten sich aber auch andere Unternehmen beteiligen. Und wenn es darum gehe, welcher Verein in den Spitzenfußball gebracht werden solle, dürfe auch nicht nur an den SV Waldhof und den VfR Mannheim gedacht werden, sondern auch an andere Vereine in der Region.
Hintergrund aller Überlegungen ist die Tatsache, dass unter den zehn westdeutschen Metropolregionen das Rhein-Neckar-Dreieck die einzige ist, die keinen Verein in der Fußball-Bundesliga aufweisen kann. Jüngst sind neben dem Rhein-Neckar-Dreieck auch Nürnberg, Hannover und Bremen in den Club der europäischen Metropolregionen aufgenommen worden, alle drei Städte haben Vereine in der Beletage des Fußballs. Dies gilt auch für die bisherigen fünf westdeutschen Metropolregionen, nämlich Stuttgart, Rhein-Main, Hamburg, Berlin und Rhein-Ruhr.
Dagegen steht die Metropolregion Rhein-Neckar in puncto Fußball geradezu jämmerlich da. "Spitzenreiter" in der Region ist die drittklassige SG Hoffenheim, die in der Regionalliga spielt. Waldhof und VfR Mannheim sind derzeit noch eine Stufe tiefer angesiedelt, nämlich in der Oberliga. "Die Menschen müssen sich mit der Metropolregion identifizieren, und Identität kann mit Fußball geschaffen werden", sagt Kurz. Also braucht man auch im Rhein-Neckar-Dreieck Spitzenfußball, lautet der Denkansatz. Als beispielhaft sieht Kurz den VfB Stuttgart, der wie eine Regionalinitiative wirke und die Menschen zusammen bringe.
Nun wissen aber auch die Matadoren der "Sportregion", dass die Fußball-Szene in der Region in den letzten Jahren alles getan hat, um ihren Ruf zu ruinieren. Eifersüchteleien, Streitereien, gescheiterte Fusionen, Misswirtschaft und Insolvenz haben vor allem den SV Waldhof in Misskredit gebracht. "Die Wirtschaft traut den Fußballakteuren in der Region nichts zu", heißt es bei der "Sportregion". Hier müsse erst eine neue Vertrauensbasis geschaffen werden.
Jedoch sind auch Stimmen zu hören, letztlich biete sich nur der SV Waldhof als zu fördernder "Aufstiegskandidat" an. Unter der neuen Führung habe sich im Übrigen die Situation stabilisiert, seit einem Jahr herrsche weitgehend Ruhe. Ob auch die Wirtschaft dies so sieht, wird sich bei den kommenden Gesprächen herausstellen müssen.
Zwei Modelle werden derzeit diskutiert: Nach dem Sponsoren-Modell erklären sich vor allem Unternehmen bereit, einem Verein gezielt Mittel zur Verfügung zu stellen. Ist die Mannschaft in der Regionalliga, wird der Profiteil ausgegliedert und in eine eigene Gesellschaft eingebracht und erhält weiter Sponsorengelder.
Nach dem Investoren-Modell wird die Lizenzspielerabteilung in eine GmbH (nicht in eine AG wie in Dortmund) eingebracht, an der sich dann Unternehmen oder Privatpersonen mit Gesellschaftereinlagen beteiligen. Wer bezahlt, hat also eine Chance, sein eingezahltes Kapital verzinst zu bekommen. Neben Gesellschaftern sind aber auch beim Investoren-Modell Sponsoren denkbar. In der Planung ist auch ein Jugendzentrum für den Fußball-Nachwuchs, hier sollen Vereine aus dem Raum Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen kooperieren.
Alles ist noch Zukunftsmusik, nur wenn sie der Wirtschaft gefällt, haben die Pläne eine Chance auf Verwirklichung.
© Mannheimer Morgen - 22.06.2005
Endlich
Von Ulrich Verthein
Auf dieses Zeichen haben die Fußball-Freunde der Rhein-Neckar-Region lange und mit großer Sehnsucht gewartet. Diejenigen, die sich zum Ziel gesetzt haben, den siebtgrößten Ballungsraum Deutschlands wirtschaftlich zu fördern und seine Attraktivität in den Bereichen Kultur und Sport zu steigern, legen nun auch ein Bekenntnis zum Profi-Fußball ab. Eine logische Konsequenz beim Blick über den Tellerrand. Der gerade erworbene Glanz einer europäischen Metropolregion ist ohne großen Fußball einfach nicht so strahlend wie er sein könnte, ja wie er sein muss, wenn mit so genannten weichen Standortfaktoren die Anziehungskraft für umworbene Spitzenkräfte aller Berufsgruppen tatsächlich gesteigert werden soll. Da gehört das Klassik-Konzert ebenso hinzu wie der Breitensport mit dem MLP-Marathon und die Unterstützung von Top-Athleten wie Reiter Ludger Beerbaum oder Kanu-Legende Birgit Fischer, die zudem große Vorbildfunktion für den hiesigen Nachwuchs haben. Bei den Kanutinnen sind die positiven Folgen gerade zu sehen.
Konsequent ist es auch, wenn sich nun der Weltkonzern BASF, der sich lange nur im Breitensport engagierte, nun für die Thematik öffnet. Ein Projekt wie die Zukunftsinitiative Rhein-Neckar lässt sich nur ganzheitlich voran treiben. Da darf die medienträchtigste, ständig sogar international für Aufsehen sorgende, beliebteste Sportart in Deutschland nicht außen vor bleiben. Ein kluger Schachzug von Eggert Voscherau ist es, sich nicht von vornherein auf einen Klub fest zu legen. Ob Waldhof, VfR Mannheim, Südwest Ludwigshafen oder gar ein völlig anderer letztlich das Rennen macht, ist völlig egal. Derjenige Verein, der - sagen wir es mal in der Fußballersprache - den Kopf hoch nimmt vom Ball am Fuß, der schaut, sich einen Überblick verschafft und gedanklich öffnet, d e r verdient es, unterstützt zu werden.
Schließlich geht es um die Zukunft und nicht um die Vergangenheit, um die Freude an diesem attraktiven Sport und darum, das momentan triste Carl-Benz-Stadion endlich wieder mit Leben zu erfüllen.
© Mannheimer Morgen - 22.06.2005