Die Katze im Sack
Hoffmann leitet College-Team in Peking
VON MARIA HUBER
Die Koffer sind gepackt, ab 1. November läuft sein Vertrag. Was ihn erwartet, weiß er selbst nicht so genau, aber Guido Hoffmann hat sich auf das Abenteuer eingelassen: Er wird ein Jahr lang die College-Fußball-Mannschaft der Sportuni in Peking trainieren, mit der der VfL Wolfsburg eine Kooperation hat.
„Die Uni ist sowas wie die Deutsche Sporthochschule in Köln, ist die beste Sporthochschule in China“, sagt Hoffmann, der gerade aus Fang Chang zurück ist, einem 280.000-Einwohner-„Dorf“, wo er zwei Wochen mit zwei weiteren Trainern vom VfL Wolfsburg und einem chinesischen Coach einen Testlauf mitgemacht hat. „Wir haben zweimal sechs Tage mit zweimal 50 Kindern trainiert.“ Der 51-Jährige, der vorher nur einmal mit Energie Cottbus für ein paar Tage in China war, nutzte die Zeit, um sich das Land, den Fußball dort und auch die Uni anzusehen. Er war begeistert vom Campus, den Sportanlagen, den professionellen Bedingungen. Was ihn genau erwartet, weiß er trotzdem nicht: „Es ist schon ein bisschen wie die Katze im Sack.“ Der Fußballlehrer weiß, dass sein Kader rund 26 Spieler im Alter von 18 bis 24 Jahren umfasst und dass viel Arbeit bevorsteht, wenn er da was bewirken will. Die College-Mannschaften spielen eine Peking-Runde, in der zehn der 13 Unis aus der Hauptstadt in zwei Gruppen gegeneinander antreten. Die Gruppenersten und -Zweiten spielen Halbfinale und Finale, und nur der Sieger kommt eine Runde weiter, tritt erst regional, dann national an. Bisher hat sich das College-Team seiner Uni „selten aus Peking rausqualifiziert“, was auch daran liegt, dass es zwei starke Konkurrenten gibt: „Einer davon spielt in der zweiten chinesischen Liga.“Er als Leiter des Herrenteams, Peter Meindertsma aus Holland, der sich um die Damenmannschaft kümmert, und der deutsche Fußballtrainer Michael Krüger, der als Technischer Direktor mitarbeitet, kommen jetzt vom VfB Wolfsburg und versuchen, den Fußball an der Uni nach vorn zu bringen. Mit Hilfe eines Dolmetschers und den zwei chinesischen Trainern, die die Teams bisher geleitet haben, versuchen Hoffmann & Co., die Fußballer „an den europäischen Standard ranzubringen“.
Hoffmann weiß, dass da zwei Welten, zwei Kulturen aufeinandertreffen, dass die Aufgabe nicht leicht wird, er hofft auf den Austausch im Trainerteam des VfL. Seine Frau und seine zwei Töchter (16 und 18) bleiben in Mehlingen, drei Kilometer vom Fröhnerhof entfernt. „Meine Familie war nicht gerade happy, sie sehen aber, dass es schwierig ist in meinem Job.“ Der Fußballlehrer, der mit dem 1. FC Kaiserslautern 1991 Meister geworden ist und den DFB-Pokal gewonnen hat, war seit Dezember arbeitslos. Er hat als Trainer und Jugendkoordinator beim FCK gearbeitet, als Director of Coaching das Fußballtraining für Kinder von Armeeangehörigen geleitet und hat als U16-Coach beim FCK aufgehört, weil er fand, dass der Jugendbereich nicht genug wertgeschätzt wird. Er wäre gern beim FCK geblieben, sagt er, aber weil das nicht möglich war, nimmt er jetzt die „Katze im Sack“.
Quelle:
Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 239
Samstag, den 14. Oktober 2017