Zustand weiter lebensbedrohlich
Zwei der fünf verletzten australischen Radsportlerinnen sind immer noch nicht über den Berg
Von OTZ-Redakteur Lutz Prager Jena. Die fünf am Montag bei einem Autounfall bei Zeulenroda schwer verletzten australischen Radsportlerinnen werden seit gestern alle im Klinikum der Universität Jena behandelt. Nach dem Unfall, bei dem eine Radsportlerin getötet wurde, waren sie zur Erstversorgung zunächst in Kliniken nach Zwickau, Greiz und Gera gebracht worden.
Alexis Rhodes und Louise Yaxley hat es am schwersten getroffen. Beide Athletinnen sind nicht bei Bewußtsein und werden künstlich beatmet. Sie haben Verletzungen im Brust-, Kopf- und Wirbelsäulenbereich erlitten. Bei der 20-jährigen Alexis Rhodes wurde gestern eine erste Not-Operation vorgenommen.
"Der Zustand beider Mädchen ist unverändert lebensbedrohlich. Die Patientinnen sind so schwer verletzt, dass wir unmöglich eine Prognose abgeben können", bedauerte gestern Nachmittag Prof. Dr. Gernot Marx, Leitender Oberarzt der Klinik für Intensivmedizin, bei einer Pressekonferenz in Jena. In ihrem Zustand müsse man jederzeit mit einer akuten Verschlechterung rechnen, so Prof. Marx. Den drei anderen Sportlerinnen, Lorian Graham, Katie Brown und Kate Nichols gehe es den Umständen entsprechend gut. Der behandelnde Unfallchirurg Dr. Ralf Schmidt geht davon aus, dass seine australischen Patientinnen in den nächsten beiden Wochen die Heimreise antreten können.
Oberarzt Raik Schäfer von der Jenaer Klinik für Unfallchirurgie war am Montagabend als diensthabender Notarzt des ADAC-Rettungshubschraubers "Christoph 70" als erster am Unfallort auf der Landstraße zwischen Zeulenroda und Auma. Kurz vor 18 Uhr war die Hubschrauberbesatzung im Stützpunkt Jena-Schöngleina von der Rettungsleitstelle alarmiert worden.
"Zehn Minuten später waren wir an der Unglücksstelle und es bot sich mir ein Bild, das ich so bei einem Verkehrsunfall noch nicht gesehen habe. Es sah aus wie auf einem Schlachtfeld", erinnert sich der sehr erfahrene Notarzt Schäfer, der auch bei der Flutkatastrophe in Südasien vor sieben Monaten im Einsatz war.
Die Mädchen hätten weit verstreut auf der Straße und im Feld zwischen ihren Fahrrädern gelegen. Für die 29-jährige Amy Gillett, die zehn Meter vom Auto der 18-jährigen Unfallverursacherin entfernt lag, sei jede Hilfe zu spät gekommen. "Bei ihr gab es keine Chance auf Wiederbelebung. Sie hat die größte Wucht des Aufpralls abbekommen und war wohl sofort tot", sagte Schäfer.
Dr. Ralf Schmidt lobte die Erstversorgung durch die Kollegen in Gera, Greiz und Zwickau. Die Zusammenlegung aller fünf Sportlerinnen in Jena sei vor allem erfolgt, um die Anfragen von Angehörigen und die Betreuung durch die australische Botschaft zu erleichtern, erklärte Prof. Marx. Wie von Klinikums-Pressesprecherin Helena Reinhardt zu erfahren war, sind gestern die ersten Angehörigen der Unfallopfer in Jena eingetroffen.
Für das Schicksal der Sportlerinnen interessierten sich zur Pressekonferenz in Jena nicht weniger als acht Kamerateams und rund 40 Journalisten, die meisten aus Australien.
20.07.2005
Quelle:
Ostthüringer Zeitung