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Ob der Jungholt hier mitliest ?:
In den Abstieg saniert
Vor vier Jahren trat René Charles Jäggi an, den Bundesligaverein 1. FC Kaiserslautern zu retten. Nun hinterläßt er einen Zweitligisten mit ungewisser Zukunft
von Thorsten Jungholt
Kaiserslautern/Berlin - Vor zehn Jahren hatte sich die düstere Prophezeiung Fritz Walters nicht erfüllt. Als der 1. FC Kaiserslautern 1996 zum ersten Mal in seiner Geschichte den Gang in die Zweite Liga antreten mußte, hatte der berühmteste Sohn der Stadt vermutet: "Wenn wir einmal absteigen, kommen wir nie wieder hoch." Nach nur einem Jahr war der Verein aus der Pfälzer Provinz zurück in der Bundesliga.
Doch wie es aussieht, hat sich der mittlerweile verstorbene Nationalspieler nur um zehn Jahre verschätzt. Am vorigen Wochenende wurde Kaiserslauterns zweiter Abstieg besiegelt, und angesichts seines bescheidenen Personaletats von neun Millionen Euro stellte Trainer Wolfgang Wolf, wie Walter als gebürtiger Pfälzer ein Kenner der Region und ihrer Möglichkeiten, nüchtern fest: "Mit der Mannschaft, die ich jetzt zur Verfügung habe, spielen wir in der Zweiten Liga gegen den Abstieg."
Eine Einschätzung, die René Charles Jäggi für übertrieben hält. Der am 31. Juli scheidende Vorstandsvorsitzende übt sich trotz des erneuten Absturzes des Traditionsvereins in Zweckoptimismus. Er werde seinem Nachfolger auch in der Zweiten Liga ein Fundament hinterlassen, "auf das man aufbauen kann. Die Perspektive ist da, die Zustände sind geordnet. Unser Lizenzspieleretat ist nicht der größte, aber damit läßt sich dennoch etwas bewegen."
Der Dissens zwischen Chef Jäggi und seinem Angestellten Wolf ist leicht zu erklären: Beide fürchten um ihren Ruf. Der Trainer möchte sich ersparen, daß angesichts unrealistischer Erwartungen "nach zehn Spieltagen mein Kopf rollt". Der Schweizer Kaufmann, der die Geschicke des Klubs seit vier Jahren lenkt, sieht sein sorgsam gepflegtes Image des erfolgreichen Sanierers in Gefahr. Nicht ganz zu Unrecht.
Denn es ist die berufliche Masche des 57jährigen Baslers, wie Feuerwehrmann Red Adair an Krisenherden einzuschweben und gefährdete Unternehmen vor dem Untergang zu retten. Im Sommer 2002 hatten die Kirch-Pleite und der von der Stadt Kaiserslautern und dem Land Rheinland-Pfalz forcierte Stadionausbau für die Fußball-WM die Liquidität des lokalen Bundesligisten dramatisch schrumpfen lassen. Jäggi ersetzte den amtsmüden Vorstandschef Jürgen Friedrich und dessen Helfer Gerhard Herzog, durchforstete die Bilanzen und Verträge seiner Vorgänger und kam zu einem eindeutigen Schluß. Die Altfunktionäre seien "Scharlatane, die den Goodwill der Menschen mißbraucht haben".
Der Abstieg hat ihm nun den Abgang vermasselt, und angesichts seiner eigenen Bilanz nach vier Jahren beim FCK drängt sich die Frage auf: Ist Rene Charles Jäggi wirklich der große Retter Kaiserslauterns gewesen, wie er gern betont? Oder ist er selbst nur ein Scharlatan?
Bei der Firma, die den Retterruf des Schweizers in Rheinland-Pfalz begründete, ist diese Frage längst entschieden. Lange Jahre hatte sich Jäggi als Sanierer des Trierer Schuhherstellers Romika (Werbeslogan: "Reintreten und sich wohlfühlen) feiern lassen. 1994 hatte er dort angeheuert und zunächst erfolgreich gearbeitet. Doch offensichtlich ist es ihm nicht gelungen, der Firma zu nachhaltiger Stabilität zu verhelfen. Nachdem das Unternehmen im Februar 2005 erneut Insolvenz anmelden mußte, bescheinigte die "Wirtschaftswoche" Jäggi, bei Romika grandios gescheitert zu sein.
quelle: www.welt.de
In den Abstieg saniert
Vor vier Jahren trat René Charles Jäggi an, den Bundesligaverein 1. FC Kaiserslautern zu retten. Nun hinterläßt er einen Zweitligisten mit ungewisser Zukunft
von Thorsten Jungholt
Kaiserslautern/Berlin - Vor zehn Jahren hatte sich die düstere Prophezeiung Fritz Walters nicht erfüllt. Als der 1. FC Kaiserslautern 1996 zum ersten Mal in seiner Geschichte den Gang in die Zweite Liga antreten mußte, hatte der berühmteste Sohn der Stadt vermutet: "Wenn wir einmal absteigen, kommen wir nie wieder hoch." Nach nur einem Jahr war der Verein aus der Pfälzer Provinz zurück in der Bundesliga.
Doch wie es aussieht, hat sich der mittlerweile verstorbene Nationalspieler nur um zehn Jahre verschätzt. Am vorigen Wochenende wurde Kaiserslauterns zweiter Abstieg besiegelt, und angesichts seines bescheidenen Personaletats von neun Millionen Euro stellte Trainer Wolfgang Wolf, wie Walter als gebürtiger Pfälzer ein Kenner der Region und ihrer Möglichkeiten, nüchtern fest: "Mit der Mannschaft, die ich jetzt zur Verfügung habe, spielen wir in der Zweiten Liga gegen den Abstieg."
Eine Einschätzung, die René Charles Jäggi für übertrieben hält. Der am 31. Juli scheidende Vorstandsvorsitzende übt sich trotz des erneuten Absturzes des Traditionsvereins in Zweckoptimismus. Er werde seinem Nachfolger auch in der Zweiten Liga ein Fundament hinterlassen, "auf das man aufbauen kann. Die Perspektive ist da, die Zustände sind geordnet. Unser Lizenzspieleretat ist nicht der größte, aber damit läßt sich dennoch etwas bewegen."
Der Dissens zwischen Chef Jäggi und seinem Angestellten Wolf ist leicht zu erklären: Beide fürchten um ihren Ruf. Der Trainer möchte sich ersparen, daß angesichts unrealistischer Erwartungen "nach zehn Spieltagen mein Kopf rollt". Der Schweizer Kaufmann, der die Geschicke des Klubs seit vier Jahren lenkt, sieht sein sorgsam gepflegtes Image des erfolgreichen Sanierers in Gefahr. Nicht ganz zu Unrecht.
Denn es ist die berufliche Masche des 57jährigen Baslers, wie Feuerwehrmann Red Adair an Krisenherden einzuschweben und gefährdete Unternehmen vor dem Untergang zu retten. Im Sommer 2002 hatten die Kirch-Pleite und der von der Stadt Kaiserslautern und dem Land Rheinland-Pfalz forcierte Stadionausbau für die Fußball-WM die Liquidität des lokalen Bundesligisten dramatisch schrumpfen lassen. Jäggi ersetzte den amtsmüden Vorstandschef Jürgen Friedrich und dessen Helfer Gerhard Herzog, durchforstete die Bilanzen und Verträge seiner Vorgänger und kam zu einem eindeutigen Schluß. Die Altfunktionäre seien "Scharlatane, die den Goodwill der Menschen mißbraucht haben".
Der Abstieg hat ihm nun den Abgang vermasselt, und angesichts seiner eigenen Bilanz nach vier Jahren beim FCK drängt sich die Frage auf: Ist Rene Charles Jäggi wirklich der große Retter Kaiserslauterns gewesen, wie er gern betont? Oder ist er selbst nur ein Scharlatan?
Bei der Firma, die den Retterruf des Schweizers in Rheinland-Pfalz begründete, ist diese Frage längst entschieden. Lange Jahre hatte sich Jäggi als Sanierer des Trierer Schuhherstellers Romika (Werbeslogan: "Reintreten und sich wohlfühlen) feiern lassen. 1994 hatte er dort angeheuert und zunächst erfolgreich gearbeitet. Doch offensichtlich ist es ihm nicht gelungen, der Firma zu nachhaltiger Stabilität zu verhelfen. Nachdem das Unternehmen im Februar 2005 erneut Insolvenz anmelden mußte, bescheinigte die "Wirtschaftswoche" Jäggi, bei Romika grandios gescheitert zu sein.
quelle: www.welt.de