Klingenstädter
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<span>Iraker in Jordanien: Die Situation spitzt sich zu</span>
AMMAN (Jordanien), 22.01.2007 (UNHCR) – In einer belebten Straße im Herzen der jordanischen Hauptstadt Amman treffen sich einige Iraker. Sie bemühen sich, nicht aufzufallen. Man merkt ihnen ihre Nervosität an. Kein Wunder: Immer mehr ihrer illegal in Jordanien lebenden Landsleute werden festgenommen, sagen sie.
„Wir sind von UNHCR als Flüchtlinge registriert", sagt Qais, ein junger irakischer Künstler. "Dennoch leben wir hier jeden Tag als wäre es unser letzter. Wir wissen nicht, ob wir interniert, hinausgeworfen oder geschlagen werden", fügt er hinzu. „Das ist kein Leben. Es geht nur ums Überleben und darum zu beten, nicht in den Irak zurückkehren zu müssen."
Die einheimischen Behörden schätzen, dass 500.000 bis 700.000 Iraker in Jordanien leben. Viele von ihnen verließen bereits vor 2003 ihre Heimat. Doch die Zahl der irakischen Flüchtlinge in Jordanien und den anderen Nachbarländern wächst weiter an. Ein Ende der Fluchtbewegung ist laut UNHCR nicht abzusehen. „Die Situation wird von Tag zu Tag schlechter", warnt Robert Breen, der UNHCR-Vertreter in Amman.
Mit der Ankunft der Flüchtlinge ergibt sich eine Reihe von Problemen. Die jordanische Regierung sagt, sie sei damit überfordert. Jordanien ist besonders besorgt über die Sicherheitssituation, die ökonomischen Auswirkungen und die Belastungen für die Sozialdienste. Nach einer Serie von tödlichen Sprengstoffattentaten in Amman im November 2005 begann die Regierung, ihre Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken.
So wurde fortan die Zahl der Aufenthaltsgenehmigungen für Iraker reduziert und illegal in Jordanien lebende Iraker interniert. Wer an der Grenze ohne Papiere einreisen wollte, wurde abgewiesen. Die irakische Flüchtlingskrise soll auch die Verdoppelung der Mietpreise sowie die gestiegenen Kosten für Nahrungsmittel, Transport und Treibstoff mitverursacht haben.
UN-Flüchtlingskommissar António Guterres hat vor diesem Hintergrund jüngst dazu aufgerufen, in diesem Jahr ein UNHCR-Hilfsprogramm in Höhe von 60 Millionen US-Dollar zu finanzieren, um Hunderttausenden von Irakern (u.a. in Jordanien) helfen zu können.
„Die Nachbarstaaten sind kaum noch aufnahmebereit. Sie haben Sorgen um die innere Sicherheit und anderer politischen Probleme", fügt Breen hinzu.
Rund 21.000 Iraker haben sich beim UNHCR in Amman registrieren lassen. Aus verschiedenen Gründen hat die große Mehrzahl der Iraker bislang jedoch darauf verzichtet.
Die meisten Flüchtlinge haben keine Arbeit und kaum Geld. Viele Iraker leiden auch an gesundheitlichen Problemen. „Der Druck auf unser Gesundheitssystem ist groß, sei es wegen der wachsenden einheimischen Bevölkerung oder wegen der Aufnahme von Ausländern", sagt der Journalist Hanan al Kiswany.
Die öffentlichen Schulen sind ebenfalls überfüllt. „Die Regierung mietet inzwischen Gebäude an und lässt diese als Schulen nutzen", sagt Swasan Aruri, ein leitender Mitarbeiter der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die 34 Schulen hat bauen lassen. „Die Schüler kommen mittlerweile in Schichten – am Vor- und Nachmittag.“
Die Überfüllung der Schulen sorgt für Spannungen zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Flüchtlingen. Auch religiös bedingte Auseinandersetzungen nehmen zu.
Omar Shawkat traf letztes Jahr mit seiner Familie in Amman ein. Weil er keine Aufenthaltsgenehmigung hat, können seine Kinder nicht zur Schule gehen. Sie verbringen ihren Alltag mit stundenlangem Fernsehen.
„Ich glaube, meine Kinder haben keine Zukunft", sagt Shawkat, der ein Bein und eine Hand im iranisch-irakischen Krieg von 1980 verlor. Selbst wenn er eine Arbeitserlaubnis hätte, glaubt er wegen seiner Behinderung keine Arbeit finden zu können. „Ich verlor mein Bein. Ich kann meine Hand nicht gebrauchen. Meine Kinder gehen nicht zur Schule. Ich bin kein registrierter Flüchtling. Ich habe keinen Job. Ich habe Dokumente, die belegen, was ich sage - ist dies nicht eine humanitäre Katastrophe?"
Rana F. Sweis
Amman (Jordanien)
Quelle: unhcr
AMMAN (Jordanien), 22.01.2007 (UNHCR) – In einer belebten Straße im Herzen der jordanischen Hauptstadt Amman treffen sich einige Iraker. Sie bemühen sich, nicht aufzufallen. Man merkt ihnen ihre Nervosität an. Kein Wunder: Immer mehr ihrer illegal in Jordanien lebenden Landsleute werden festgenommen, sagen sie.
„Wir sind von UNHCR als Flüchtlinge registriert", sagt Qais, ein junger irakischer Künstler. "Dennoch leben wir hier jeden Tag als wäre es unser letzter. Wir wissen nicht, ob wir interniert, hinausgeworfen oder geschlagen werden", fügt er hinzu. „Das ist kein Leben. Es geht nur ums Überleben und darum zu beten, nicht in den Irak zurückkehren zu müssen."
Die einheimischen Behörden schätzen, dass 500.000 bis 700.000 Iraker in Jordanien leben. Viele von ihnen verließen bereits vor 2003 ihre Heimat. Doch die Zahl der irakischen Flüchtlinge in Jordanien und den anderen Nachbarländern wächst weiter an. Ein Ende der Fluchtbewegung ist laut UNHCR nicht abzusehen. „Die Situation wird von Tag zu Tag schlechter", warnt Robert Breen, der UNHCR-Vertreter in Amman.
Mit der Ankunft der Flüchtlinge ergibt sich eine Reihe von Problemen. Die jordanische Regierung sagt, sie sei damit überfordert. Jordanien ist besonders besorgt über die Sicherheitssituation, die ökonomischen Auswirkungen und die Belastungen für die Sozialdienste. Nach einer Serie von tödlichen Sprengstoffattentaten in Amman im November 2005 begann die Regierung, ihre Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken.
So wurde fortan die Zahl der Aufenthaltsgenehmigungen für Iraker reduziert und illegal in Jordanien lebende Iraker interniert. Wer an der Grenze ohne Papiere einreisen wollte, wurde abgewiesen. Die irakische Flüchtlingskrise soll auch die Verdoppelung der Mietpreise sowie die gestiegenen Kosten für Nahrungsmittel, Transport und Treibstoff mitverursacht haben.
UN-Flüchtlingskommissar António Guterres hat vor diesem Hintergrund jüngst dazu aufgerufen, in diesem Jahr ein UNHCR-Hilfsprogramm in Höhe von 60 Millionen US-Dollar zu finanzieren, um Hunderttausenden von Irakern (u.a. in Jordanien) helfen zu können.
„Die Nachbarstaaten sind kaum noch aufnahmebereit. Sie haben Sorgen um die innere Sicherheit und anderer politischen Probleme", fügt Breen hinzu.
Rund 21.000 Iraker haben sich beim UNHCR in Amman registrieren lassen. Aus verschiedenen Gründen hat die große Mehrzahl der Iraker bislang jedoch darauf verzichtet.
Die meisten Flüchtlinge haben keine Arbeit und kaum Geld. Viele Iraker leiden auch an gesundheitlichen Problemen. „Der Druck auf unser Gesundheitssystem ist groß, sei es wegen der wachsenden einheimischen Bevölkerung oder wegen der Aufnahme von Ausländern", sagt der Journalist Hanan al Kiswany.
Die öffentlichen Schulen sind ebenfalls überfüllt. „Die Regierung mietet inzwischen Gebäude an und lässt diese als Schulen nutzen", sagt Swasan Aruri, ein leitender Mitarbeiter der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die 34 Schulen hat bauen lassen. „Die Schüler kommen mittlerweile in Schichten – am Vor- und Nachmittag.“
Die Überfüllung der Schulen sorgt für Spannungen zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Flüchtlingen. Auch religiös bedingte Auseinandersetzungen nehmen zu.
Omar Shawkat traf letztes Jahr mit seiner Familie in Amman ein. Weil er keine Aufenthaltsgenehmigung hat, können seine Kinder nicht zur Schule gehen. Sie verbringen ihren Alltag mit stundenlangem Fernsehen.
„Ich glaube, meine Kinder haben keine Zukunft", sagt Shawkat, der ein Bein und eine Hand im iranisch-irakischen Krieg von 1980 verlor. Selbst wenn er eine Arbeitserlaubnis hätte, glaubt er wegen seiner Behinderung keine Arbeit finden zu können. „Ich verlor mein Bein. Ich kann meine Hand nicht gebrauchen. Meine Kinder gehen nicht zur Schule. Ich bin kein registrierter Flüchtling. Ich habe keinen Job. Ich habe Dokumente, die belegen, was ich sage - ist dies nicht eine humanitäre Katastrophe?"
Rana F. Sweis
Amman (Jordanien)
Quelle: unhcr