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Klose: Wie stark ist er wirklich?
Schafft Werder das noch? Am Mittwoch kommt Udinese. Vor allem auf Torjäger
MIROSLAV KLOSE ( 27) ruhen die Hoffnungen.
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ine Zeitschrift hatte eine Story über ihn angekündigt. „ Klose und sein Torgeheimnis!“ Am Erscheinungstag warf Miroslav Klose sogleich einen Blick in die Gazette. Neugierig, erwartungsvoll, um dann enttäuscht das Blatt wieder aus den Händen zu legen. Die Zeitschrift hatte umdisponiert, eine andere Geschichte über Werder Bremen für interessanter und aktueller gehalten. Was ist denn nun Ihr Torgeheimnis, Miroslav Klose? Die Antwort kommt wie ein Torschuss. Klose, ohne lange nachzudenken: „ Ich habe keins.“ Mythos Klose? Der erfolgreichste deutsche Stürmer, den manche – Podolski hin oder her – auch für den besten halten, macht aus seinem Tagesgeschäft kein Mysterium. Toreschießen sei sein Job, sein Auftrag, seine Arbeit, die er im Alltag als Profi zu erledigen habe. „ Ich gebe jeden Tag Gas, weil ich mich jeden Tag verbessern möchte“, sagt der Torjäger. Und gibt einen kleinen Einblick in seine Lebensphilosophie, erläutert Impuls und Antrieb seines Tuns: „ Wer sich ausruht, bei dem geht es bergab.“ Ein steter Reiz, der ihn zu Höchstleistungen stimuliert. Gerade in dieser Saison. Mit einem Doppelpack gegen Wolfsburg half Klose zuletzt entscheidend mit, dass Werder Bremen das Achtel- fi nale des DFB- Pokals erreichte. Noch treffsicherer präsentiert sich der Nationalspieler in der Meisterschaft. Zehn Tore hatte er bereits nach neun Saisoneinsätzen erzielt – eine gigantische Quote. Am Samstag gegen Frankfurt ( 4: 1) schlug er zum elften Mal zu, machte das 3: 1. Als auch noch der Münchner Roy Makaay sich am aktuellen Wettschießen der Liga beteiligte, wurden sogleich Vergleiche zur glorreichen Historie angestellt. Sind Gerd Müllers 40 Saisontreffer in der Serie 1971/ 72 sein Ziel? Befi ndet sich Klose auf den Spuren des legendären Münchners? „ Rekorde interessieren mich nicht“, sagt der Bremer, „ ich konzentriere mich auf meine Leistung.“ Dass diese stimmt, seit er sein Wirkungsfeld aus der Pfalz an die Weser verlegt hat, steht außer Zweifel. Zahlen lügen in diesem Fall nicht. Seine Daten ( siehe Seite 12) sind Beleg für eine kontinuierliche Leistungssteigerung, seit Klose das grüne Werder- Trikot trägt. 2004 – der Wendepunkt seiner Karriere. Der gebürtige Pole, von den Hanseaten für die Rekordablöse von 5,5 Millionen Euro verpfl ichtet, ließ nach minimalen Anfangsproblemen seinen launischen Vorgänger Ailton vergessen. Schon nach wenigen Wochen weinten die Bremer dem oft als Clown auftretenden Brasilianer, über den sie so häufi g gelacht hatten, keine Träne mehr nach. Klose ist mehr als Ersatz. Einer, der die rechte Mischung zwischen Egoismus und Mannschaftsgedanken gefunden hat. „ Wichtig ist nicht, ob ich treffe. Wichtig ist, dass überhaupt Tore fallen.“ Noch wichtiger sei für ihn, sagt Klose, Musterprofi und Sympathieträger bei Werder, „ der Sprung zu einer Spitzenmannschaft“ gewesen. In Lautern habe er das Gefühl gehabt, auf der Stelle zu treten. Er habe keine Steigerung registriert. In Asien bei der WM 2002 habe er, so seine Rückschau, auf hohem Level gespielt, doch das Zurück zum Verein sei ein Rückschritt gewesen. „ Ich habe mich nicht weiterentwickelt. Ich war mit mir nicht zufrieden.“ In Japan und Korea feierten sie ihn, den neuen Stürmer- Star. Fünf Treffer für den WM- Zweiten, allesamt mit dem Kopf erzielt. „ Weltrekord“, sagt Goldköpfchen Miro, dem Bestmarken nichts bedeuten. Darauf folgte die aus seiner Sicht zweijährige Sendepause am Betzenberg, ehe der Erfolgsfi lm sich im Norden fortsetzte. Wenngleich besonders kritische Zeitgenossen noch ein Missverhältnis zwischen Kloses Glanztaten auf nationalem Sektor und seinen Aktionen im internationalen Bereich registrieren. Gerade in dieser Spielzeit, wo diese Diskrepanz für die Werder- Elf allgemein gilt. Klose, im letzten Jahr überragend in der Champions League, kann diesen Effekt bei sich nicht feststellen. Zu seiner schlechteren Trefferfrequenz: „ International ist es enger, wird defensiver agiert, sind die Partien knapper.“ Zu seinem Schicksal als Torjäger: „ Es gibt weniger Freiräume, also weniger Chancen, also weniger Tore.“ Eine Logik, die nachvollziehbar ist. Und dennoch bleibt die Frage: Wie stark ist Klose wirklich? „ Sehr stark“, antwortet Thomas Schaaf. Sein Trainer hält ihn für einen „ kompletten Stürmer“. Listet seine Fähigkeiten auf: „ Schussstark, exzellent im Kopfball, antrittsschnell, beweglich, technisch gut, läuferisch stark, mannschaftsdienlich.“ Schaaf hört gar nicht mehr auf zu loben. „ Seit er bei uns ist, hat er sich kontinuierlich gesteigert.“ Die, die mit ihm spielen, bewundern Spezielles. Ivan Klasnic seine „ enorme Schnelligkeit“. Nelson Valdez hätte gern von Klose „ diese Begeisterungsfähigkeit“, sagt aber auch: „ Den „ perfekten Stürmer gibt es nicht.“ So denkt auch Klose: „ Man kann sich immer verbessern. Auch bei mir ist noch Luft nach oben.“ Nach der Knie- Operation im Frühjahr, weshalb er den Confed- Cup absagen musste, fühlt er sich wiedererstarkt, freut sich auf die WM. Täglich, ganz im Klinsmannschen Sinne, arbeitet er an seinen kleinen Macken, will sich verbessern. Momentane Sorge, man mag es kaum glauben bei einem Spezialisten wie ihn: „ Mein Timing beim Kopfball ist zurzeit nicht optimal.“ HANS- GÜNTER KLEMM
Schafft Werder das noch? Am Mittwoch kommt Udinese. Vor allem auf Torjäger
MIROSLAV KLOSE ( 27) ruhen die Hoffnungen.
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ine Zeitschrift hatte eine Story über ihn angekündigt. „ Klose und sein Torgeheimnis!“ Am Erscheinungstag warf Miroslav Klose sogleich einen Blick in die Gazette. Neugierig, erwartungsvoll, um dann enttäuscht das Blatt wieder aus den Händen zu legen. Die Zeitschrift hatte umdisponiert, eine andere Geschichte über Werder Bremen für interessanter und aktueller gehalten. Was ist denn nun Ihr Torgeheimnis, Miroslav Klose? Die Antwort kommt wie ein Torschuss. Klose, ohne lange nachzudenken: „ Ich habe keins.“ Mythos Klose? Der erfolgreichste deutsche Stürmer, den manche – Podolski hin oder her – auch für den besten halten, macht aus seinem Tagesgeschäft kein Mysterium. Toreschießen sei sein Job, sein Auftrag, seine Arbeit, die er im Alltag als Profi zu erledigen habe. „ Ich gebe jeden Tag Gas, weil ich mich jeden Tag verbessern möchte“, sagt der Torjäger. Und gibt einen kleinen Einblick in seine Lebensphilosophie, erläutert Impuls und Antrieb seines Tuns: „ Wer sich ausruht, bei dem geht es bergab.“ Ein steter Reiz, der ihn zu Höchstleistungen stimuliert. Gerade in dieser Saison. Mit einem Doppelpack gegen Wolfsburg half Klose zuletzt entscheidend mit, dass Werder Bremen das Achtel- fi nale des DFB- Pokals erreichte. Noch treffsicherer präsentiert sich der Nationalspieler in der Meisterschaft. Zehn Tore hatte er bereits nach neun Saisoneinsätzen erzielt – eine gigantische Quote. Am Samstag gegen Frankfurt ( 4: 1) schlug er zum elften Mal zu, machte das 3: 1. Als auch noch der Münchner Roy Makaay sich am aktuellen Wettschießen der Liga beteiligte, wurden sogleich Vergleiche zur glorreichen Historie angestellt. Sind Gerd Müllers 40 Saisontreffer in der Serie 1971/ 72 sein Ziel? Befi ndet sich Klose auf den Spuren des legendären Münchners? „ Rekorde interessieren mich nicht“, sagt der Bremer, „ ich konzentriere mich auf meine Leistung.“ Dass diese stimmt, seit er sein Wirkungsfeld aus der Pfalz an die Weser verlegt hat, steht außer Zweifel. Zahlen lügen in diesem Fall nicht. Seine Daten ( siehe Seite 12) sind Beleg für eine kontinuierliche Leistungssteigerung, seit Klose das grüne Werder- Trikot trägt. 2004 – der Wendepunkt seiner Karriere. Der gebürtige Pole, von den Hanseaten für die Rekordablöse von 5,5 Millionen Euro verpfl ichtet, ließ nach minimalen Anfangsproblemen seinen launischen Vorgänger Ailton vergessen. Schon nach wenigen Wochen weinten die Bremer dem oft als Clown auftretenden Brasilianer, über den sie so häufi g gelacht hatten, keine Träne mehr nach. Klose ist mehr als Ersatz. Einer, der die rechte Mischung zwischen Egoismus und Mannschaftsgedanken gefunden hat. „ Wichtig ist nicht, ob ich treffe. Wichtig ist, dass überhaupt Tore fallen.“ Noch wichtiger sei für ihn, sagt Klose, Musterprofi und Sympathieträger bei Werder, „ der Sprung zu einer Spitzenmannschaft“ gewesen. In Lautern habe er das Gefühl gehabt, auf der Stelle zu treten. Er habe keine Steigerung registriert. In Asien bei der WM 2002 habe er, so seine Rückschau, auf hohem Level gespielt, doch das Zurück zum Verein sei ein Rückschritt gewesen. „ Ich habe mich nicht weiterentwickelt. Ich war mit mir nicht zufrieden.“ In Japan und Korea feierten sie ihn, den neuen Stürmer- Star. Fünf Treffer für den WM- Zweiten, allesamt mit dem Kopf erzielt. „ Weltrekord“, sagt Goldköpfchen Miro, dem Bestmarken nichts bedeuten. Darauf folgte die aus seiner Sicht zweijährige Sendepause am Betzenberg, ehe der Erfolgsfi lm sich im Norden fortsetzte. Wenngleich besonders kritische Zeitgenossen noch ein Missverhältnis zwischen Kloses Glanztaten auf nationalem Sektor und seinen Aktionen im internationalen Bereich registrieren. Gerade in dieser Spielzeit, wo diese Diskrepanz für die Werder- Elf allgemein gilt. Klose, im letzten Jahr überragend in der Champions League, kann diesen Effekt bei sich nicht feststellen. Zu seiner schlechteren Trefferfrequenz: „ International ist es enger, wird defensiver agiert, sind die Partien knapper.“ Zu seinem Schicksal als Torjäger: „ Es gibt weniger Freiräume, also weniger Chancen, also weniger Tore.“ Eine Logik, die nachvollziehbar ist. Und dennoch bleibt die Frage: Wie stark ist Klose wirklich? „ Sehr stark“, antwortet Thomas Schaaf. Sein Trainer hält ihn für einen „ kompletten Stürmer“. Listet seine Fähigkeiten auf: „ Schussstark, exzellent im Kopfball, antrittsschnell, beweglich, technisch gut, läuferisch stark, mannschaftsdienlich.“ Schaaf hört gar nicht mehr auf zu loben. „ Seit er bei uns ist, hat er sich kontinuierlich gesteigert.“ Die, die mit ihm spielen, bewundern Spezielles. Ivan Klasnic seine „ enorme Schnelligkeit“. Nelson Valdez hätte gern von Klose „ diese Begeisterungsfähigkeit“, sagt aber auch: „ Den „ perfekten Stürmer gibt es nicht.“ So denkt auch Klose: „ Man kann sich immer verbessern. Auch bei mir ist noch Luft nach oben.“ Nach der Knie- Operation im Frühjahr, weshalb er den Confed- Cup absagen musste, fühlt er sich wiedererstarkt, freut sich auf die WM. Täglich, ganz im Klinsmannschen Sinne, arbeitet er an seinen kleinen Macken, will sich verbessern. Momentane Sorge, man mag es kaum glauben bei einem Spezialisten wie ihn: „ Mein Timing beim Kopfball ist zurzeit nicht optimal.“ HANS- GÜNTER KLEMM