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Ich hab ein kleines Essay geschrieben, zunächst um meinen Frust über den Abstieg loszuwerden, dann um mich selbst auf die neue Saison einzustimmen.
Ich war mir nicht sicher, ob ich es posten soll, aber da ich gerade nicht schlafen kann, habe ich es fertig geschrieben und dachte mir, mal schauen was die Leute hier dazu sagen und ob sie das genauso sehen.
Falls das in ein anderes Forum sollte, bitte verschieben.
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Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm!
Der Tod kam schleichend. Seit Jahren lag der Patient darnieder. Begleitet von Hiobs-Botschaften und hämischer Presse konnte man den schleichenden Verfall fast wöchentlich beobachten: Stadionverkauf! Steuerschulden! Lizenzverstöße! Fehleinkäufe! Trainerentlassungen! Suspendierungen! Ein nackter Kapitän in der Bildzeitung!
Ach! Wie konnte es nur so weit kommen?
Bereits 10 Jahre zuvor hatten die Anhänger bittere Tränen des Abschieds geweint. Doch was damals bereits wie der Tod erschien, war in Wahrheit nur ein kurze Herzrhytmusstörung. Schon zwei Jahre später hielt man die Meisterschale in den Händen, wähnte sich für immer im Kreis der Auserwählten – vom hässlichen Entlein aus der Provinz zum stolzen Schwan des deutschen Fussballs, wie im Märchen! Um weitere Herzschmerzen vorzubeugen nahm man Medizin und das nicht zu knapp. Die Medizin im Profifussball ist Geld. Doch Geld schießt keine Tore, oder?
Der König der Pfalz zumindest hatte seine eigene Weisheit längst vergessen. Ungeniert genoss er den Jubel seines Volkes, dem er „einen Weltmeister gekauft“ hatte. Nicht minder aktiv waren die Kurfürsten des Königs, Spieler um Spieler kauften sie. Allein das Ziel vor Augen, den Ruhm ihres Reiches zu mehren. Doch wie so oft im Märchen und in der harten Realität, waren die Berater der Fürsten und des Königs nur auf das eigene Wohl bedacht. So wanderte die kostbare Medizin auf die Konten von Schwagern und mehr oder minder untalentierten Spieler. Darüber hinaus bediente man sich aller erdenklichen Tricks und Kniffe, deren Legalität höchstens in der Seria A nicht angezweifelt worden wäre.
Nun ja. Wer fragt im Märchen schon, was nach dem Happy-End passiert? Glücklich ist, wer die Geschichte weiterschreiben kann. Dem FCK war das nicht vergönnt. Der schweizerische JR Ewing-Verschnitt Jäggi eignete sich zwar hervorragend für den Starschnitt der BWL-Bravo, doch ein Fussballmärchenreich wie die Pfalz mochte der Ritter der Rolex nicht zu retten. Denn: Kein Geld schießt auch keine Tore.
Und so wendet sich der Blick wieder zum Zeitpunkt des Todes, zu einem Spiel, dessen Ironie nur der Fussball schreiben kann: Die tapferen Recken der Pfalz treffen auf den verlängerten Arm eines Autokonzerns. Ein Chemiekonzern hatte die Grabschaufel beim ersten Abstieg angesetzt und nun sollte man Opfer niedersächsischer Industriemonokultur werden. Geld schießt doch Tore? Ironischerweise war es kein altgedienter Spitzenverdiener sondern ein junges Talent, das die Pfalz in Tränen stürzte.
Leere Hände, leere Blicke, leere Kassen. Der FCK schien tot. Die Trauergemeinde: Eine ganze Region.
Doch noch ist nicht alles verloren. Der Fussball ist eine Welt der Mythen, der Sagen und der Heldengeschichten. Bis 1932 hieß der FCK „FV Phönix Kaiserslautern“. Der Phoenix ist ein mythischer Vogel, der aus seiner Asche neu entsteht.
Asche? Häufig ist der Spruch zu lesen: „Tradition ist die Bewahrung des Feuers nicht die Anbetung der Asche.“ Das mag für andere gelten. Aber der FC Kaiserslautern definiert sich wie kein zweiter Verein aus seiner Vergangenheit. Die „Alten“ erinnern sich an eine Elf aus Kaiserslautern, die einen Gutteil der Weltmeistermannschaft von 1954 stellte. Die „Jungen“ erinnern sich an das Wunder des Aufsteigermeisters von 1998. Ich erinnere mich an ein Briegel-Poster in der Stammkneipe meines Vaters in den Achtzigern. Wir alle erinnern uns an dramatische Aufholjagden und bittere Niederlagen. Wir sehen Ballack und Klose und wissen bei welchem Verein sie erstes Bundesligaspiel bestritten. Und wir spüren, dass sie nicht die letzten berühmten Söhne unseres Vereins sein werden. So wie der Phönix immer wieder seiner Asche entsteigt, so definiert sich der FCK immer wieder neu.
Welche Reinkarnation wartet also auf uns? Werden wir einer der „Fahrstuhlclubs“? Versauern wir in der zweiten Liga? Gelingt ein neues Wunder?
Wir schauen auf eine neue Fussballwelt in der es der FCK nicht einfach haben wird. Die zweite Liga hält neue Gegner bereit, eine Menge neue Spieler werden das Trikot des FCK überstreifen und noch fällt es schwer sich auch nur die Namen, geschweige denn die Schreibweise, zu merken. Wer – außer Max Merkel – kann schon eine Prognose wagen?
Ist es nicht letztlich egal, was passiert? Ich für meinen Teil verspüre eine größere Vorfreude auf die Saison als in den letzten Jahren zuvor. Die neue Mannschaft ist eine Wundertüte, wir sind einer der Topfavoriten in der Liga, wir werden mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit mehr Siege sehen, die Vorbereitung läuft top und vor allem:
Es finden sich bereits jetzt neue Helden, die nicht nur die Asche anbeten, sondern die Bereitschaft zeigen, das Feuer weiter zu tragen. Wir haben eine Menge junger Talente in der Mannschaft. Halfar, Schönheim, Fromlowitz, Reinert lassen bereits auf großes Hoffen und wer weiß, was noch in der Wundertüte steckt? Wird Ziemer Torschützenkönig? Wird Hajnal der Topvorbereiter der Liga? Wird Simpson der neue Flankengott? Und wie schreibt man Ouattara richtig?
Ich freue mich darauf, endlich wieder FCK-Fans zu erleben, die sich nicht wegen des Club-Präsidenten an den Kragen gehen. Ich freue mich darauf, dass Gegner auf den Betzenberg kommen, die Angst vor uns haben. Ich freue mich darauf, eine Mannschaft mit Blick nach oben statt nach unten zu erleben. Und ich hoffe darauf, nicht mehr von Nicht-FCKlern belächelt zu werden: Statt der Club der tausend Peinlichkeiten zu sein, sind wir jetzt wieder ein Verein, der Sympathien verdient hat.
Auf einmal ist es so, als ob die Perspektive wieder stimmt. Über Jahre waren wir die Underdogs in der ersten Liga und fühlten uns schlecht dabei. Auf einmal sehen wir, das die Fussballdeutschland nicht nur aus 18 Teams besteht.Ich sage euch: Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm!
Ich war mir nicht sicher, ob ich es posten soll, aber da ich gerade nicht schlafen kann, habe ich es fertig geschrieben und dachte mir, mal schauen was die Leute hier dazu sagen und ob sie das genauso sehen.
Falls das in ein anderes Forum sollte, bitte verschieben.
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Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm!
Der Tod kam schleichend. Seit Jahren lag der Patient darnieder. Begleitet von Hiobs-Botschaften und hämischer Presse konnte man den schleichenden Verfall fast wöchentlich beobachten: Stadionverkauf! Steuerschulden! Lizenzverstöße! Fehleinkäufe! Trainerentlassungen! Suspendierungen! Ein nackter Kapitän in der Bildzeitung!
Ach! Wie konnte es nur so weit kommen?
Bereits 10 Jahre zuvor hatten die Anhänger bittere Tränen des Abschieds geweint. Doch was damals bereits wie der Tod erschien, war in Wahrheit nur ein kurze Herzrhytmusstörung. Schon zwei Jahre später hielt man die Meisterschale in den Händen, wähnte sich für immer im Kreis der Auserwählten – vom hässlichen Entlein aus der Provinz zum stolzen Schwan des deutschen Fussballs, wie im Märchen! Um weitere Herzschmerzen vorzubeugen nahm man Medizin und das nicht zu knapp. Die Medizin im Profifussball ist Geld. Doch Geld schießt keine Tore, oder?
Der König der Pfalz zumindest hatte seine eigene Weisheit längst vergessen. Ungeniert genoss er den Jubel seines Volkes, dem er „einen Weltmeister gekauft“ hatte. Nicht minder aktiv waren die Kurfürsten des Königs, Spieler um Spieler kauften sie. Allein das Ziel vor Augen, den Ruhm ihres Reiches zu mehren. Doch wie so oft im Märchen und in der harten Realität, waren die Berater der Fürsten und des Königs nur auf das eigene Wohl bedacht. So wanderte die kostbare Medizin auf die Konten von Schwagern und mehr oder minder untalentierten Spieler. Darüber hinaus bediente man sich aller erdenklichen Tricks und Kniffe, deren Legalität höchstens in der Seria A nicht angezweifelt worden wäre.
Nun ja. Wer fragt im Märchen schon, was nach dem Happy-End passiert? Glücklich ist, wer die Geschichte weiterschreiben kann. Dem FCK war das nicht vergönnt. Der schweizerische JR Ewing-Verschnitt Jäggi eignete sich zwar hervorragend für den Starschnitt der BWL-Bravo, doch ein Fussballmärchenreich wie die Pfalz mochte der Ritter der Rolex nicht zu retten. Denn: Kein Geld schießt auch keine Tore.
Und so wendet sich der Blick wieder zum Zeitpunkt des Todes, zu einem Spiel, dessen Ironie nur der Fussball schreiben kann: Die tapferen Recken der Pfalz treffen auf den verlängerten Arm eines Autokonzerns. Ein Chemiekonzern hatte die Grabschaufel beim ersten Abstieg angesetzt und nun sollte man Opfer niedersächsischer Industriemonokultur werden. Geld schießt doch Tore? Ironischerweise war es kein altgedienter Spitzenverdiener sondern ein junges Talent, das die Pfalz in Tränen stürzte.
Leere Hände, leere Blicke, leere Kassen. Der FCK schien tot. Die Trauergemeinde: Eine ganze Region.
Doch noch ist nicht alles verloren. Der Fussball ist eine Welt der Mythen, der Sagen und der Heldengeschichten. Bis 1932 hieß der FCK „FV Phönix Kaiserslautern“. Der Phoenix ist ein mythischer Vogel, der aus seiner Asche neu entsteht.
Asche? Häufig ist der Spruch zu lesen: „Tradition ist die Bewahrung des Feuers nicht die Anbetung der Asche.“ Das mag für andere gelten. Aber der FC Kaiserslautern definiert sich wie kein zweiter Verein aus seiner Vergangenheit. Die „Alten“ erinnern sich an eine Elf aus Kaiserslautern, die einen Gutteil der Weltmeistermannschaft von 1954 stellte. Die „Jungen“ erinnern sich an das Wunder des Aufsteigermeisters von 1998. Ich erinnere mich an ein Briegel-Poster in der Stammkneipe meines Vaters in den Achtzigern. Wir alle erinnern uns an dramatische Aufholjagden und bittere Niederlagen. Wir sehen Ballack und Klose und wissen bei welchem Verein sie erstes Bundesligaspiel bestritten. Und wir spüren, dass sie nicht die letzten berühmten Söhne unseres Vereins sein werden. So wie der Phönix immer wieder seiner Asche entsteigt, so definiert sich der FCK immer wieder neu.
Welche Reinkarnation wartet also auf uns? Werden wir einer der „Fahrstuhlclubs“? Versauern wir in der zweiten Liga? Gelingt ein neues Wunder?
Wir schauen auf eine neue Fussballwelt in der es der FCK nicht einfach haben wird. Die zweite Liga hält neue Gegner bereit, eine Menge neue Spieler werden das Trikot des FCK überstreifen und noch fällt es schwer sich auch nur die Namen, geschweige denn die Schreibweise, zu merken. Wer – außer Max Merkel – kann schon eine Prognose wagen?
Ist es nicht letztlich egal, was passiert? Ich für meinen Teil verspüre eine größere Vorfreude auf die Saison als in den letzten Jahren zuvor. Die neue Mannschaft ist eine Wundertüte, wir sind einer der Topfavoriten in der Liga, wir werden mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit mehr Siege sehen, die Vorbereitung läuft top und vor allem:
Es finden sich bereits jetzt neue Helden, die nicht nur die Asche anbeten, sondern die Bereitschaft zeigen, das Feuer weiter zu tragen. Wir haben eine Menge junger Talente in der Mannschaft. Halfar, Schönheim, Fromlowitz, Reinert lassen bereits auf großes Hoffen und wer weiß, was noch in der Wundertüte steckt? Wird Ziemer Torschützenkönig? Wird Hajnal der Topvorbereiter der Liga? Wird Simpson der neue Flankengott? Und wie schreibt man Ouattara richtig?
Ich freue mich darauf, endlich wieder FCK-Fans zu erleben, die sich nicht wegen des Club-Präsidenten an den Kragen gehen. Ich freue mich darauf, dass Gegner auf den Betzenberg kommen, die Angst vor uns haben. Ich freue mich darauf, eine Mannschaft mit Blick nach oben statt nach unten zu erleben. Und ich hoffe darauf, nicht mehr von Nicht-FCKlern belächelt zu werden: Statt der Club der tausend Peinlichkeiten zu sein, sind wir jetzt wieder ein Verein, der Sympathien verdient hat.
Auf einmal ist es so, als ob die Perspektive wieder stimmt. Über Jahre waren wir die Underdogs in der ersten Liga und fühlten uns schlecht dabei. Auf einmal sehen wir, das die Fussballdeutschland nicht nur aus 18 Teams besteht.Ich sage euch: Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm!