Dr.BETZE
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Gerechtigkeit nach vier Jahrzehnten
Auf den Tag genau 41 Jahre nach der Ermordung von drei Bürgerrechtlern ist ein ehemaliges Mitglied des rassistischen Ku-Klux-Klans wegen Totschlags schuldig gesprochen worden. Der inzwischen 80-jährigen Edgar Ray Killen hattte bereits in den sechziger Jahren vor Gericht gestanden - damals kam er frei.
Von Carsten Schmiester, NDR-Hörfunkstudio Washington
Für einen Moment ist der Gerichtssaal im kleinen Ort Philadelphia/Mississippi das gute Gewissen Amerikas, aber nur für einen Moment und längst nicht für alle Amerikaner. Nach kurzer Beratung verliest eine der zwölf Geschworenen das Urteil gegen den Angeklagten, einen gebrechlichen Mann von 80 Jahren, der im Rollstuhl sitzt und zusätzlichen Sauerstoff atmet.
"Wir, die Jury, sprechen Edgar Ray Killen schuldig."
Killen nimmt den Spruch ohne jede Regung zur Kenntnis. Seine Frau umarmt ihn kurz, dann wird er von Polizisten aus dem Saal geschoben, ab ins Gefängnis. Auf dem Weg dorthin schlägt er wütend nach Reportern und Kameraleuten - aber er verfehlt sein Ziel.
Diesmal ist er nicht, wie beim ersten Prozess Ende der 60er Jahre, mit einem Freispruch davongekommen. Diesmal haben ihn die zwölf Geschworenen zwar nicht des Mordes, wohl aber des Totschlages in drei Fällen schuldig gesprochen. Ihm droht jetzt eine langjährige Haft. Das genaue Strafmaß wird am Donnerstag verkündet.
Direkte Beteiligung nicht nachweisbar
Killens Schuldspruch kommt auf den Tag genau 41 Jahre, nachdem die Bürgerrechtler James Chaney, Andrew Goodman und Michael Schwerner von Mitgliedern des rassistischen Ku-Klux-Klan entführt, brutal ermordet und dann in einem Erdloch verscharrt worden waren. Die Männer hatten zuvor versucht, die Brandstiftung einer von Farbigen genutzten Kirche aufzuklären und Farbige zur Registrierung als Wähler zu bewegen. Damit hatten sie den Hass der Rassisten im Bundesstaat Mississippi auf sich gezogen, zu deren lokalen Führern Killen damals zählte.
Der ehemalige Besitzer eines Sägewerkes und nebenamtliche Priester hat nach Überzeugung der Jury die Morde maßgeblich organisiert. Eine direkte Beteiligung daran war ihm aber nicht nachzuweisen, deshalb der Schuldspruch "Totschlag". Doch schon jetzt sprechen Beobachter von einem für Amerika bedeutenden Urteil, das zeigt, wie sehr sich insbesondere der in den 60er Jahren von Rassenunruhen gekennzeichnete Süden der USA gewandelt hat.
"Wir leben weiter im Dunkeln"
Das ist die optimistische Sicht der Dinge. Die Hinterbliebenen der ermordeten Bürgerrechtler sehen die Sache weit kritischer. Rita Bender tritt vor die Presse, sie ist die Witwe von Michael Schwerner und erinnert an die vielen anderen bis heute ungesühnten rassistisch motivierten Gewalttaten. "Ich hoffe, dieser Fall ist der Anfang und nicht das Ende", sagt sie. "Es hat so viele andere Morde gegeben, Misshandlungen und Bomben..."
Neben ihr steht Ben Chaney, der Bruder des von Edgar Ray Killen und/oder seinen Klankameraden ermordeten Bürgerrechtlers James. Er dankt dem Gericht, aber in seinen Worten ist wenig Genugtuung. "Dieser Ort stand heute nur kurz im Licht, wir leben weiter im Dunkeln. Ich danke der Jury, die erkannt hat, dass es nicht um das alte 'Weiß gegen Schwarz' geht, sondern um den Kampf derer, die für Gerechtigkeit und Frieden sind, gegen Gewalt und Zerstörung."
Auf den Tag genau 41 Jahre nach der Ermordung von drei Bürgerrechtlern ist ein ehemaliges Mitglied des rassistischen Ku-Klux-Klans wegen Totschlags schuldig gesprochen worden. Der inzwischen 80-jährigen Edgar Ray Killen hattte bereits in den sechziger Jahren vor Gericht gestanden - damals kam er frei.
Von Carsten Schmiester, NDR-Hörfunkstudio Washington
Für einen Moment ist der Gerichtssaal im kleinen Ort Philadelphia/Mississippi das gute Gewissen Amerikas, aber nur für einen Moment und längst nicht für alle Amerikaner. Nach kurzer Beratung verliest eine der zwölf Geschworenen das Urteil gegen den Angeklagten, einen gebrechlichen Mann von 80 Jahren, der im Rollstuhl sitzt und zusätzlichen Sauerstoff atmet.
"Wir, die Jury, sprechen Edgar Ray Killen schuldig."
Killen nimmt den Spruch ohne jede Regung zur Kenntnis. Seine Frau umarmt ihn kurz, dann wird er von Polizisten aus dem Saal geschoben, ab ins Gefängnis. Auf dem Weg dorthin schlägt er wütend nach Reportern und Kameraleuten - aber er verfehlt sein Ziel.
Diesmal ist er nicht, wie beim ersten Prozess Ende der 60er Jahre, mit einem Freispruch davongekommen. Diesmal haben ihn die zwölf Geschworenen zwar nicht des Mordes, wohl aber des Totschlages in drei Fällen schuldig gesprochen. Ihm droht jetzt eine langjährige Haft. Das genaue Strafmaß wird am Donnerstag verkündet.
Direkte Beteiligung nicht nachweisbar
Killens Schuldspruch kommt auf den Tag genau 41 Jahre, nachdem die Bürgerrechtler James Chaney, Andrew Goodman und Michael Schwerner von Mitgliedern des rassistischen Ku-Klux-Klan entführt, brutal ermordet und dann in einem Erdloch verscharrt worden waren. Die Männer hatten zuvor versucht, die Brandstiftung einer von Farbigen genutzten Kirche aufzuklären und Farbige zur Registrierung als Wähler zu bewegen. Damit hatten sie den Hass der Rassisten im Bundesstaat Mississippi auf sich gezogen, zu deren lokalen Führern Killen damals zählte.
Der ehemalige Besitzer eines Sägewerkes und nebenamtliche Priester hat nach Überzeugung der Jury die Morde maßgeblich organisiert. Eine direkte Beteiligung daran war ihm aber nicht nachzuweisen, deshalb der Schuldspruch "Totschlag". Doch schon jetzt sprechen Beobachter von einem für Amerika bedeutenden Urteil, das zeigt, wie sehr sich insbesondere der in den 60er Jahren von Rassenunruhen gekennzeichnete Süden der USA gewandelt hat.
"Wir leben weiter im Dunkeln"
Das ist die optimistische Sicht der Dinge. Die Hinterbliebenen der ermordeten Bürgerrechtler sehen die Sache weit kritischer. Rita Bender tritt vor die Presse, sie ist die Witwe von Michael Schwerner und erinnert an die vielen anderen bis heute ungesühnten rassistisch motivierten Gewalttaten. "Ich hoffe, dieser Fall ist der Anfang und nicht das Ende", sagt sie. "Es hat so viele andere Morde gegeben, Misshandlungen und Bomben..."
Neben ihr steht Ben Chaney, der Bruder des von Edgar Ray Killen und/oder seinen Klankameraden ermordeten Bürgerrechtlers James. Er dankt dem Gericht, aber in seinen Worten ist wenig Genugtuung. "Dieser Ort stand heute nur kurz im Licht, wir leben weiter im Dunkeln. Ich danke der Jury, die erkannt hat, dass es nicht um das alte 'Weiß gegen Schwarz' geht, sondern um den Kampf derer, die für Gerechtigkeit und Frieden sind, gegen Gewalt und Zerstörung."