Ich meine, dass eine Religion, die die Augen vor neuen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen verschließt (also Religion getrennt von Wissenschaft) ins fundamentalistische übergleiteitet. Auf der anderen Seite finde ich, dass es für Wissenschaftler eine "Berufsethik" oder so, nenn's, wie du willst, geben sollte, die den Forschern klarmacht, dass sie nur Menschen sind und auch, wenn sie erkannt haben, wie die Erde entstanden ist, nicht als Selbstzweck, sondern für die Menschheit und deren Wohl arbeiten sollen.
Ich bin nicht sicher, aber so etwas gibts doch, oder etwa nicht?
Das mit dem "Selbstzweck" sehe ich kritisch.
Was ist für dich "Selbstzweck" in der Forschung?
Für mich ist dafür kein Raum, da für mich alles was erforscht werden kann, auch erforscht werden sollte.
Du findest es also traurig, wenn Menschen glauben, dass sie nicht nur ein Zufallsprodukt aus mutierten Genen sind, sondern jemand da ist, der sich um sie kümmert, auch wenn's ihnen noch so dreckig geht.
Ich denke, dass die zwei Schöpfungsberichte im Buch Genesis nicht wortwörtlich zu verstehen ist. DENN: Die Bibel ist kein wissenschaftliches Buch und nicht als solches zu bemessen.
Ich weiß weder, dass es einen Gott gibt, noch, dass es keinen gibt.
Es ist mir auch egal. Meine religiöse Einstellung ist die, dass eine göttliche Existenz nicht durch den menschlichen Geist erfassbar ist.
Ich habe eine grobe Vorstellung von dem, was in bestimmten Fällen richtig und falsch ist und versuche, danach mein Handeln auszurichten. Dafür bin ich alleine verantwortlich und nicht jemand anders.
Deine Meinung zur Bibel teile ich. Für mich kommen viele Geschichten aus der Bibel auf einer Stufe mit Märchen. Sie haben "eine Moral von der Geschichte".
Ich könnte mir vorstellen, dass ich eine recht schlechte Meinung von Gott hätte, wenn ich an "ihn" (oder "sie", oder "es" - die Vorstellung vom alten, bärtigen Mann finde ich etwas arg kitschig
) glaubte. Gott muss schon sehr zynisch sein, bei dem ganzen Mist, der jeden Tag überall auf der Welt geschieht.
Abgesehen davon, dass Islamisten herzlich wenig auf die Genesis geben

... ist jedes religiöse Grundwerk von Menschen geschrieben. Egal ob Koran, Torah oder Bibel. Was ich auch kritisiere, ist die Ignorierung der apokryphen Evangelien.
Darin sind wir uns einig.
Und darin sehe ich das Hauptproblem, nämlich dass man den Schöpfungsberichten der Genesis keinen wissenschaftlichen Rang gebühren sollte, sondern ausschließlich einen religiösen. Man versucht ja auch nich mit einem Roman den Vorgang des Backens von Zwiebelkuchen zu beschreiben, jetzt etwas überspitzt ausgedrückt.
Darum geht es doch gerade hier. In den USA wird verstärkt "christliche Schöpfungslehre" an Schulen als wissenschaftlicher Stoff gelehrt. Entweder wird die Genesis als Theorie neben die Evolutionstheorie gestellt, oder letztere wird komplett gestrichen.
Das ist für mich schlimm
Christlicher Extremismus in den USA ist unerfreulich, aber nicht neu.
Wenn jetzt noch die Briten damit anfangen...
Für mich ist Religion ganz klar einzig und allein Privatsache. In abgeschlossenen Nationalstaaten ist öffentliche Religion nicht so sehr gefährlich, aber gerade in der heutigen Welt ist sie einfach nicht angemessen. Wenn Religion zur Staatssache wird, führt dies zum einen zur Ausgrenzung Andersgläubiger, die es ob der religiösen Vielfalt zwangsläufig in fast jedem Land gibt und zum anderen zu erhöhtem Konfliktpotential unter den Staaten.
Trotz aller Kritik will ich jetzt diesen Thread hier nicht zu einem Bibel-/ Religions-/ etc-Thread machen. Aber bitte sei vorsichtig, vorschnell mit dem Wort "Realität" zu kommen. Denn ob Gott existiert oder nicht, weiß nur der liebe Gott

Deswegen finde ich den Agnostizismus, auch wenn ich bekennender Christ bin, weitaus sympathischer als verkappte Atheisten, die Geld für Buswerbung ausgeben, anstatt sinnvolle Dinge damit zu veranstalten, aber das nur als kleiner Seitenhieb am Rande.
Naja, das Geld für mehr oder weniger unsinnige Sache ausgegeben wird, ist ja nunmal alltäglich. Zur "Realität": Natürlich gibt es keine "Realität", da jeder alles verschieden wahrnimmt. Ich favorisiere dennoch die Wissenschaften, da sie standardisierte und nachweisbare Fakten liefert, die sich jederzeit wiederholen und erneut nachprüfen lassen.
Dieses Thema ist natürlich auf der religiösen und auf der politischen Ebene diskutierbar. Ich beziehe mich stark auf die politischen Aspekte und komme so zu meiner Meinung. Für mich ist die politische Brisanz des Themas schwerwiegender, als die religiösen Gefühle Gläubiger. Dies als kleine Erklärung.