SPORT: Das Ende der Ära Schulz bei RW Oberhausen: 'Mir könnte Hawaii gehören'
11.10.05 10:51
OBERHAUSEN (dpa-AFX) - Dass irgendwann der Absturz kommen würde, war Hermann Schulz klar. "Als kleiner Verein hast du auf Dauer keine Chance. Es ist ein Tod auf Raten", sagte der 65 Jahre alte Präsident von Rot-Weiß Oberhausen, dessen Verein vor 17 Monaten den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga um nur einen Punkt verpasste, im Mai 2005 aber aus der 2. Liga abstieg und nun auf den letzten Tabellenplatz der Regionalliga Nord rutschte. Die Aussichten, die sportliche Talfahrt zu stoppen, sind begrenzt - zumal die "Ära Schulz" an diesem Mittwoch offiziell endet.
Seinen Rücktritt reichte Schulz gemeinsam mit dem Vize- Vorsitzenden Manfred Rummel bereits ein. Auf der Mitgliederversammlung am morgigen Mittwoch soll ein Aufsichtsrat gewählt werden, der tags darauf den neuen Vorstand bestellt.
Kandidaten gibt es aber nicht, lediglich der bisherige Aufsichtsrats-Vorsitzende Klaus-Peter Lang erklärte sich bereit, als "Notvorstand" bis auf
weiteres die Geschäfte zu leiten. Schulz war vor einem Monat nach der 0:4-Niederlage gegen den Hamburger SV II von frustrierten Anhängern beschimpft worden und konnte das Stadion nur unter Polizeischutz verlassen. "Das muss ich mir nicht antun", sagte der Bauunternehmer, der auch Hauptsponsor des Vereins ist.
Illusionen habe er sich nie hingegeben. Die Beschimpfungen des Publikums seien Ausdruck der überhöhten Ansprüche gewesen. "Alle sehen im Fernsehen die Bayern und denken, wir müssten da irgendwann mithalten können. Wird bei uns aber der Mitgliedsbeitrag erhöht, meldet sich schon die Hälfte ab", sagte Schulz, dessen Leben in den zurückliegenden Jahrzehnten stark von RWO geprägt war.
Mehrere Millionen Euro pumpte er über seine Firma und auch aus seinem Privatvermögen in den Club, dessen Vorsitz er 1991 übernahm. "Es war ein Kampf gegen Windmühlen", sagt er.
Mit viel Aufbauarbeit gelang dem früheren Bundesligaclub (1969 bis 1973) der Durchmarsch von der Verbandsliga in die Zweitklassigkeit. "Wir haben uns da sieben Jahre gehalten und immer die Lizenz bekommen", wertet Schulz diese Entwicklung als eigentlichen Erfolg. Vorwürfe, dass er den Club nach Gutsherrenart regierte, andere Meinungen selten gelten ließ und Personal beliebig austauschte, nimmt er zur Kenntnis: "Natürlich habe ich auch Fehler gemacht, aber es war ja kein anderer da, der sich engagieren wollte."
Im Dunstkreis der Traditionsvereine aus Dortmund, Schalke und Duisburg gewann RWO weder Sponsoren noch Zuschauer. Durchschnittlich 5000 Fans besuchten in der 2. Liga die Heimspiele. Öffentlichkeitswirksame Attraktivität konnte sich in der strukturschwachen Stadt nicht entfalten. "Manche Zweitligisten bekamen für drei Meter Werbebande 20 000 Euro, wir waren froh, wenn uns jemand 5000 Euro bot", erzählt Schulz. Auch das Fernsehen kam selten zu Live-Übertragungen vorbei. "Die haben nicht die Wertigkeit gesehen. In diesem Dilemma steckt du ewig drin", meint der Mäzen.
Dem Verein, der mit einem Mini-Etat von 1,3 Millionen Euro in die Regionalliga startete, wird vor allem dessen finanzielle Unterstützung fehlen.
Wie viel Privatvermögen er in RWO gesteckt hat, weiß er nicht mehr. "Begonnen hat es 1977 mit einer Bürgschaft über 250 000 Mark, 1985 gab ich für Steuernachzahlungen eine Million. Mehr habe ich nicht nachgehalten", meint Schulz, der lachend anmerkt: "Von dem ganzen Geld könnte mir Hawaii gehören."
Sein Motiv sei Eitelkeit gewesen: "Ich habe das gemacht, weil ich einer bin, der es anderen beweisen will."/ri/DP/fn
-- Von Roland Leroi, dpa --
11.10.05 10:51
OBERHAUSEN (dpa-AFX) - Dass irgendwann der Absturz kommen würde, war Hermann Schulz klar. "Als kleiner Verein hast du auf Dauer keine Chance. Es ist ein Tod auf Raten", sagte der 65 Jahre alte Präsident von Rot-Weiß Oberhausen, dessen Verein vor 17 Monaten den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga um nur einen Punkt verpasste, im Mai 2005 aber aus der 2. Liga abstieg und nun auf den letzten Tabellenplatz der Regionalliga Nord rutschte. Die Aussichten, die sportliche Talfahrt zu stoppen, sind begrenzt - zumal die "Ära Schulz" an diesem Mittwoch offiziell endet.
Seinen Rücktritt reichte Schulz gemeinsam mit dem Vize- Vorsitzenden Manfred Rummel bereits ein. Auf der Mitgliederversammlung am morgigen Mittwoch soll ein Aufsichtsrat gewählt werden, der tags darauf den neuen Vorstand bestellt.
Kandidaten gibt es aber nicht, lediglich der bisherige Aufsichtsrats-Vorsitzende Klaus-Peter Lang erklärte sich bereit, als "Notvorstand" bis auf
weiteres die Geschäfte zu leiten. Schulz war vor einem Monat nach der 0:4-Niederlage gegen den Hamburger SV II von frustrierten Anhängern beschimpft worden und konnte das Stadion nur unter Polizeischutz verlassen. "Das muss ich mir nicht antun", sagte der Bauunternehmer, der auch Hauptsponsor des Vereins ist.
Illusionen habe er sich nie hingegeben. Die Beschimpfungen des Publikums seien Ausdruck der überhöhten Ansprüche gewesen. "Alle sehen im Fernsehen die Bayern und denken, wir müssten da irgendwann mithalten können. Wird bei uns aber der Mitgliedsbeitrag erhöht, meldet sich schon die Hälfte ab", sagte Schulz, dessen Leben in den zurückliegenden Jahrzehnten stark von RWO geprägt war.
Mehrere Millionen Euro pumpte er über seine Firma und auch aus seinem Privatvermögen in den Club, dessen Vorsitz er 1991 übernahm. "Es war ein Kampf gegen Windmühlen", sagt er.
Mit viel Aufbauarbeit gelang dem früheren Bundesligaclub (1969 bis 1973) der Durchmarsch von der Verbandsliga in die Zweitklassigkeit. "Wir haben uns da sieben Jahre gehalten und immer die Lizenz bekommen", wertet Schulz diese Entwicklung als eigentlichen Erfolg. Vorwürfe, dass er den Club nach Gutsherrenart regierte, andere Meinungen selten gelten ließ und Personal beliebig austauschte, nimmt er zur Kenntnis: "Natürlich habe ich auch Fehler gemacht, aber es war ja kein anderer da, der sich engagieren wollte."
Im Dunstkreis der Traditionsvereine aus Dortmund, Schalke und Duisburg gewann RWO weder Sponsoren noch Zuschauer. Durchschnittlich 5000 Fans besuchten in der 2. Liga die Heimspiele. Öffentlichkeitswirksame Attraktivität konnte sich in der strukturschwachen Stadt nicht entfalten. "Manche Zweitligisten bekamen für drei Meter Werbebande 20 000 Euro, wir waren froh, wenn uns jemand 5000 Euro bot", erzählt Schulz. Auch das Fernsehen kam selten zu Live-Übertragungen vorbei. "Die haben nicht die Wertigkeit gesehen. In diesem Dilemma steckt du ewig drin", meint der Mäzen.
Dem Verein, der mit einem Mini-Etat von 1,3 Millionen Euro in die Regionalliga startete, wird vor allem dessen finanzielle Unterstützung fehlen.
Wie viel Privatvermögen er in RWO gesteckt hat, weiß er nicht mehr. "Begonnen hat es 1977 mit einer Bürgschaft über 250 000 Mark, 1985 gab ich für Steuernachzahlungen eine Million. Mehr habe ich nicht nachgehalten", meint Schulz, der lachend anmerkt: "Von dem ganzen Geld könnte mir Hawaii gehören."
Sein Motiv sei Eitelkeit gewesen: "Ich habe das gemacht, weil ich einer bin, der es anderen beweisen will."/ri/DP/fn
-- Von Roland Leroi, dpa --