Teufelsanbeterin
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Der FC Bayern ist wieder mal Meister - die Republik darüber gespalten
Mir san mir - die anderen nix
Kalt lässt das keinen. In ganz Deutschland geben sich seit gestern die Anhänger des FC Bayern amokartiger Glückseligkeit hin, während der große Rest der Fußballergemeinde grün im Gesicht wird vor Neid, vor Abscheu oder weil sie ein Trostbier zu viel getrunken haben. Es ist also wieder mal so weit - der FC Bayern München, der sich auch gerne Rekordmeister oder FC Allmacht nennen lässt, gewinnt zum 19. Mal die Deutsche Fußballmeisterschaft.
Natürlich nur durch blanken Dusel, sagen die grün Angelaufenen, durch seltsame Tore in allerallerletzter Sekunde, durch die unsympathische Wucht praller Kassen oder die Hilfe des Heiligen Geistes, der ja neuerdings auch in Bayern wohnen soll. Auf jeden Fall nicht durch sportliche Leistung.
Und das ist leider falsch. Der FCB hat sich den Neid seiner Gegner über viele Jahre konsequent erarbeitet und hart verdient. Man mag es mögen oder nicht - aber es trägt offenbar wieder mal Früchte, was Manager Uli Hoeneß, der smarte Vorständler Karl-Heinz Rummenigge und natürlich der strahlende weiß-blaue Kaiser aufgebaut haben. Deren Werk durften jetzt Felix Magath und seine Kicker vollenden.
Natürlich locken auch die Bayern große Spieler mit großen Summen, der Hoeneß gibt aber kein Geld aus, das er nicht hat. Niemals. Über Hasardeure wie in Dortmund, die Schulden in dreistelliger Millionenhöhe aufhäufen, kann der Chefplaner beim Meister nur den Kopf schütteln. Außerdem schaffen es die Bayern seit Jahren, sich eine ganz eigene Identität zu geben. Mir san mir - und die anderen nix. So wie es der Stoiber gerne täte, aber nicht so recht kann. Wie auch immer, natürlich streiten sich die Profis auch bei den Bayern ums Geld, um die Gunst des Trainers oder den besten Parkplatz vor dem Klubhaus, aber wenn es zählt, sind es eben doch die Bayern. Kompakt, kampfstark, bereit, das Glück zu zwingen.
Dazu lässt der Schwabe Hoeneß seit je das Bayerntum offensiv pflegen. Jeder Münchner Kicker kann Haferlschuhe binden, wird in Lederhosen fotografiert und lernt das Trinken aus Einliterhumpen, auch wenn das in seinem Kulturkreis maximal Folklore ist. Keiner entkommt dem Oktoberfest oder anderen rüden bayerischen Zwangsbelustigungen. Es soll eben so aussehen, als kickten elf echte Mannsbilder um Titel und Ehre. Dahinter steht das südliche Sendungsbewusstsein, dass die Bayern eben etwas ganz Besonderes sind in der Republik. Bewohner eines Freistaats, prachtvoll-gesunde Menschen, herrliches Wetter, schöne Bergkulisse, wirtschaftliche Macht und planbare politische Verhältnisse. Mir san mir - stark wie die Stier.
Dabei kann im aktuellen Bayern-Kader außer dem Platzwart und Schweinsteiger wahrscheinlich keiner mehr Oachkatzelschwoaf (Eichhörnchenschweif) sagen. Müssen sie auch nicht, es funktioniert auch so. Stark sein hat schließlich etwas mit dem Glauben an sich zu tun. Und den pflegen sie, bis der Hoeneß irgendwann vor lauter Kraft aus der Wäsche platzt. Jürgen Löhle
Quelle:
Publikation: Sonntag Aktuell
Mir san mir - die anderen nix
Kalt lässt das keinen. In ganz Deutschland geben sich seit gestern die Anhänger des FC Bayern amokartiger Glückseligkeit hin, während der große Rest der Fußballergemeinde grün im Gesicht wird vor Neid, vor Abscheu oder weil sie ein Trostbier zu viel getrunken haben. Es ist also wieder mal so weit - der FC Bayern München, der sich auch gerne Rekordmeister oder FC Allmacht nennen lässt, gewinnt zum 19. Mal die Deutsche Fußballmeisterschaft.
Natürlich nur durch blanken Dusel, sagen die grün Angelaufenen, durch seltsame Tore in allerallerletzter Sekunde, durch die unsympathische Wucht praller Kassen oder die Hilfe des Heiligen Geistes, der ja neuerdings auch in Bayern wohnen soll. Auf jeden Fall nicht durch sportliche Leistung.
Und das ist leider falsch. Der FCB hat sich den Neid seiner Gegner über viele Jahre konsequent erarbeitet und hart verdient. Man mag es mögen oder nicht - aber es trägt offenbar wieder mal Früchte, was Manager Uli Hoeneß, der smarte Vorständler Karl-Heinz Rummenigge und natürlich der strahlende weiß-blaue Kaiser aufgebaut haben. Deren Werk durften jetzt Felix Magath und seine Kicker vollenden.
Natürlich locken auch die Bayern große Spieler mit großen Summen, der Hoeneß gibt aber kein Geld aus, das er nicht hat. Niemals. Über Hasardeure wie in Dortmund, die Schulden in dreistelliger Millionenhöhe aufhäufen, kann der Chefplaner beim Meister nur den Kopf schütteln. Außerdem schaffen es die Bayern seit Jahren, sich eine ganz eigene Identität zu geben. Mir san mir - und die anderen nix. So wie es der Stoiber gerne täte, aber nicht so recht kann. Wie auch immer, natürlich streiten sich die Profis auch bei den Bayern ums Geld, um die Gunst des Trainers oder den besten Parkplatz vor dem Klubhaus, aber wenn es zählt, sind es eben doch die Bayern. Kompakt, kampfstark, bereit, das Glück zu zwingen.
Dazu lässt der Schwabe Hoeneß seit je das Bayerntum offensiv pflegen. Jeder Münchner Kicker kann Haferlschuhe binden, wird in Lederhosen fotografiert und lernt das Trinken aus Einliterhumpen, auch wenn das in seinem Kulturkreis maximal Folklore ist. Keiner entkommt dem Oktoberfest oder anderen rüden bayerischen Zwangsbelustigungen. Es soll eben so aussehen, als kickten elf echte Mannsbilder um Titel und Ehre. Dahinter steht das südliche Sendungsbewusstsein, dass die Bayern eben etwas ganz Besonderes sind in der Republik. Bewohner eines Freistaats, prachtvoll-gesunde Menschen, herrliches Wetter, schöne Bergkulisse, wirtschaftliche Macht und planbare politische Verhältnisse. Mir san mir - stark wie die Stier.
Dabei kann im aktuellen Bayern-Kader außer dem Platzwart und Schweinsteiger wahrscheinlich keiner mehr Oachkatzelschwoaf (Eichhörnchenschweif) sagen. Müssen sie auch nicht, es funktioniert auch so. Stark sein hat schließlich etwas mit dem Glauben an sich zu tun. Und den pflegen sie, bis der Hoeneß irgendwann vor lauter Kraft aus der Wäsche platzt. Jürgen Löhle
Quelle:
Publikation: Sonntag Aktuell