AMERICAN FOOTBALL: Der in Kaiserslautern aufgewachsene Domenik Hixon triumphiert mit New York
Von unserem Redakteur
Wolfgang Pfeiffer
PHOENIX. Die NFL verbucht eine der größten Überraschungen in ihrer Geschichte, die Quarterback-Familie Manning kommt zum zweiten Mal binnen zweier Jahre in den Genuss eines Autos für den wertvollsten Spieler des Finales, und die Pfalz hat quasi ihren ersten Super-Bowl-Sieger: Domenik Hixon, dessen New York Giants am Sonntagabend den haushohen Favoriten New England Patriots mit einem dramatischen 17:14-Erfolg in letzter Minute düpierten.
„Ich bin einfach nur begeistert", jubelte Hixon in breitem Pfälzisch. Der Kick-Returner hatte seine ersten zwölf Lebensjahre in Kaiserslautern verbracht, auf der Vogelweh gewohnt und dort Fußball gespielt („Auch beim FCK war ich häufig"), bevor er zum Football wechselte. Bis zu seinem 18. Geburtstag besaß er auch die deutsche Staatsbürgerschaft; dann musste er sich entscheiden und wählte die der USA.
Im März will der 23-Jährige wieder in die Pfalz kommen, will Verwandte und Freunde besuchen. Und zu erzählen hat er ihnen jede Menge - angefangen davon, dass er der erste Giants-Spieler war, der im Finale in Phoenix nach dem Ankick der Patriots den Ball berührte und ihn 25 Yards weit nach vorne trug, bis hin zum dramatischen Ende 35 Sekunden vor Schluss mit dem entscheidenden Touchdown für New York, an den Hixon auch noch geglaubt hat, als die Patriots zweieinhalb Minuten vor Schluss mit 14:10 in Führung gegangen waren: „Ein Spiel dauert nun mal vier Quarter und 60 Minuten lang."
Den Sieg bringenden Touchdown fing ausgerechnet Plaxico Burress. Jeder Gigant, der die Patrioten vor der Begegnung in Harnisch versetzt hatte, weil er einen 23:17-Erfolg des Außenseiters prognostiziert und dabei der punkteträchtigsten Angriffsabteilung der NFL-Geschichte gerade einmal 17 Punkte zugestanden hatte, obwohl diese während der Saison im Schnitt 36,8 Punkte pro Spiel erzielt hatte. Genugtuung darüber, es den Patriots gezeigt und seine Worte mit Taten untermauert zu haben, verlautete der seit Saisonbeginn von Verletzungen geplagte Burress anschließend aber nicht; eher innerlich bewegte Sachlichkeit: „Unsere Verteidigung hat uns überhaupt erst ins Finale gebracht, und sie hat uns auch hier im Spiel gehalten. Ich bin Gott dankbar, dass er mir trotz meiner Verletzung die Gelegenheit gegeben hat, hier meinen Teil zu diesem tollen Erfolg beizutragen."
Burress" Touchdown besiegelte einen überaus verdienten Erfolg des Außenseiters, den die Buchmacher vor der Begegnung mit zwölf Punkten Differenz als Verlierer gewettet hatten. Nur zweimal in 42 Jahren waren einem Finalisten noch weniger Chancen eingeräumt worden. Doch die Giganten - mit zehn Auswärtssiegen in Folge im Gepäck nach Arizona geflogen - trotzten allen Wahrscheinlichkeiten gegen das Team aus Boston, das alle 18 vorherigen Spiele gewonnen hatte, sich aber am Sonntag erstaunlich pomadig und leidenschaftslos präsentierte. „Wir konnten mit der Intensität, mit der New York das Spiel gestaltet hat, nicht mithalten", räumte Patriots-Passfänger Randy Moss ein.
Vor allem Star-Quarterback Tom Brady war ein Schatten seiner selbst, warf mehrfach unbedrängt meterweit an freistehenden Mitspielern vorbei. Vielleicht hat beim dreimaligen Champion neben dem Favoritendruck auch ein Artikel seiner Heimatzeitung „Boston Herald" am Samstag die Konzentration gestört. Der nämlich behauptet unter Bezug auf eine Quelle aus dem Teamumfeld, die Patriots hätten bei ihrem sensationellen ersten Super-Bowl-Sieg 2002 verbotenerweise das Abschlusstraining der St. Louis Rams per Video aufgezeichnet. Im vergangenen September erst waren die „Pats" und ihr Trainer Bill Belichick ebenfalls wegen verbotener Filmaufnahmen des Gegners hart bestraft worden.
Eitel Sonnenschein nach dem Herzschlagfinale, das von Tom Petty mit seinen Heartbreakers sowie von Alicia Keys musikalisch umrahmt worden war, herrschte hingegen in der Familie Manning. Denn nach Bruder Peyton, der im vergangenen Jahr die Indianapolis Colts zum Titel geführt hatte, kam nun auch sein kleiner Bruder Eli als Quarterback der Giants zu der Ehre, zum wertvollsten Spieler des Finales gewählt zu werden. Ein Manning beerbt den anderen.
KONZOKH
Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Ludwigshafener Rundschau
Ausgabe: Nr.30
Datum: Dienstag, den 05. Februar 2008