Doch in Nord-Korea wie in China gilt:
Die meisten Menschen kennen nichts anderes als staatliche Repression und nehmen sie als normal hin.
Die dazugehörigen staatlichen Terror- und Propagandaapparate tun ihr übriges.
Man kann es auch überhaupt nicht mit der DDR oder Osteuropa (Prager Frühling, Ungarn, Polen) vergleichen. In Europa haben die Menschen 150 Jahre Aufklärung und Industrialisierung und damit Massenbildung mitgemacht, bevor jemand auf die Idee kam, den eisernen Vorhang zu errichten. Demzufolge gab es in Europa immer einen Freiheitsdrang.
Korea war, bevor es Anfang der 50er Jahre zum Spielball der Großmächte wurde, ein armes Agrarland. In der Geschichte war schon vorher oft von fremden Mächten unterjocht worden, und irgendwelche Ideale der europäischen Aufklärung wie Menschenrechte und Freiheit waren dort in der breiten Bevölkerung nicht sehr bekannt.
Nach dem Koreakrieg wurde der Süden mit massiver Unterstützung des Westens wirtschaftlich aufgebaut, Anfangs noch unter einer halbdiktatorischen Staatsform, um den Fortschritt mit allen Mitteln durchdrücken zu können. So ähnlich ist es heute ja noch in Malaysia oder Indonesien... Erst in den letzten 20-30 Jahren entstand im Süden eine richtige Demokratie. Insgesamt war die Entwicklung Südkoreas in den letzten 50 Jahren der helle Wahnsinn.
Der Norden wurde von dieser Entwicklung jetzt komplett abgehängt. Natürlich gab es vereinzelte Idustrialisierungsbemühungen, aber eben staatlich verordnet und mit entsprechendem Erfolg. Über all die Jahre wurde das einfache Volk (siehe oben) weiter mit Propaganda zugemüllt und von Geheimpolizeien bespitzelt und bedroht. Die Führer werden inzwischen gottgleich verehrt. Und es herrscht seit 20 Jahren Mangelwirtschaft. Für die DDR dürfte es auch immer ein Problem gewesen sein, dass ihre Bürger Westfernsehen schauen konnten und so halbwegs up to date blieben. In Nordkorea dürfte der normale Bürger inzwischen Probleme haben, überhaupt an Batterien für ein Radio zu gelangen, was Süd-Radio empfangen könnte.
Von Innen heraus ist also kaum Widerstand zu erwarten. Außen hält China aus historischen Gründen nach wie vor zur Führung in Pjönjang.
Eine Wiedervereinigung dürfte sehr schwer werden, weil sich beide Seiten inzwischen exttrem voneinander entfernt haben. Der Süden mischt mit Hightech-Konzernen wie Samsung, Hyundai oder LG die Weltmärkte in allen möglichen Branchen auf und richtet StarCraft-Esports-Weltmeisterschaften aus, während der Norden die Führung in Pjönjang verehrt, staatliche Repressionen als gottgegeben hinnimmt und nichts mehr zum Leben hat. So eine gewaltige Kluft gab es zwischen der BRD und der DDR nie. Die DDR baute Autos, Schiffe und Computer, die Schüler lasen Goethe und Schiller in der Schule und es gab immer genug zu essen sowie eine Unzahl an heimlichen Witzen über die Regierung in Ostberlin.