Der Hintergrund
Baldaufs Personalpolitik per Handy
Wie die rheinland-pfälzische CDU auf den Hochstapler „Dr." Kai Schürholt kam
Von unserer Redakteurin
Eva Klag-Ritz
Schadensbegrenzung - nichts anderes hat Landaus CDU derzeit wohl im Sinn. Seit vergangene Woche ihr „Lügenbaron" entlarvt worden ist, lecken die Christdemokraten in der Südpfalz Wunden. Mit den Plakaten ihres Kandidaten und Hochstaplers „Doktor" Kai Schürholt sind sie über Nacht von der Bildfläche verschwunden, abgetaucht. Jeden Tag fürchten sie neue Enthüllungen, die sie neuem Spott aussetzen. Derweil zieht der Skandal immer weitere Kreise. Hätte die SPD im Mainzer Landtag nicht die Gunst der Stunde genutzt, die Affäre um die Landauer OB-Kandidatur diese Woche nicht zum Thema einer aktuellen Stunde im Landtag gemacht (wir berichteten), selbst Landeschef Christian Baldauf hätte noch ein paar Tage länger seinen Kopf eingezogen.
Hatte Baldauf noch am Donnerstag vergangener Woche, als seine Partei den Titelmissbrauch des Kandidaten belegt sah, mit Worten der Entrüstung und des Mitleids für die Landauer Freunde nicht gegeizt, überließ er ab Freitag, als auch die vorgetäuschte schwere Erkrankung Schürholts ruchbar geworden war, das Geschäft mit der Blamage für die Partei lieber seinem Generalsekretär.
Nur jetzt kein falsches Wort am falschen Platz. Deshalb versicherte der mittlerweile zurückgetretene Landauer CDU-Chef und Bundestagsabgeordnete Ralf Göbel jedem, der ihn auch immer nach der Rolle Baldaufs fragte, der sei in keiner Weise involviert gewesen, während die Mainzer Pressestelle der CDU-Landtagsfraktion auf erstaunlich penetrante Art zu verstehen gab, Göbel dürfe ja nicht beschädigt werden. Und hätte gestern die „Süddeutsche Zeitung" Göbel nicht mit Details eines Treffens in Mainz konfrontiert, der Landauer CDU-Chef hätte bestimmt noch eine ganze Weile jegliches Mitwirken Baldaufs an der Kandidatenfindung vehement bestritten. Und Baldauf hätte darauf beharrt, Mainz sei die völlig falsche Adresse für Häme.
Seit gestern ist das anders: Wie Göbel und Baldauf übereinstimmend berichteten, hatte sich der Landeschef mit dem Vorsitzenden des rheinland-pfälzischen Steuerzahlerbundes, Wilhelm Wallmann, dem stellvertretenden Landtagspräsidenten Heinz Hermann Schnabel und dem CDU-Fraktionsgeschäftsführer Andreas Göbel im „Favorite", einer Mainzer Top-Adresse im Volkspark, zum Essen getroffen. Und weil man dabei auch schon mal über Dinge redet, die in der Partei nicht ganz rund laufen, erwähnte Baldauf nach eigenem Bekunden auch die Nöte seines Kreischefs Göbel bei der Suche nach einem geeigneten OB-Kandidaten für Landau. Als Wallmann ihm spontan versicherte, er wisse da um einen absolut tollen Mann, griff Baldauf, eben ein Mann der Tat, zum Handy, wählte Göbel an und reichte sein Telefon Wallmann weiter. „Ich habe ihn nicht vermittelt", betonte Baldauf und Göbel ergänzt: „Er hat lediglich sein Handy weitergereicht."
Wie auch immer: Es war der 19. April, wie man jetzt weiß, an dem der Untergang der Landauer CDU seinen Anfang nahm. Und noch lange nicht zu Ende ist, wie man mutmaßen muss.
Ist doch inzwischen auch bekannt, dass Göbel seinen „Krankenbesuch" in Berlin, als er Kai Schürholt noch davon abbringen wollte, wegen seines labilen Gesundheitszustandes die Flinte endgültig ins Korn zu werfen, nicht etwa an dessen Krankenlager in seiner Wohnung abstattete, sondern im „Tucher", einem Lokal am Brandenburger Tor. Es war jenes Treffen, von dem Göbel berichtete, Schürholt habe gebeutelt von der Tumor-Bestrahlung - die er nie bekam - immer wieder nach Worten gerungen und sich kaum konzentrieren können. Eindrücke, die Göbel voller Entsetzen über die Leiden des armen Kai nach Landau zurückkehren ließen.
Übrigens: Die rheinland-pfälzische CDU, so muss man fast annehmen, scheint noch immer an den Gehirntumor zu glauben, mit dem sich der ehemalige Landauer CDU-Kandidat Anfang August aus dem Staub machte, als ihm der südpfälzische Boden wohl doch zu heiß wurde. Im Internet waren bis gestern jedenfalls unter den Pressemitteilungen der Landes-CDU noch immer die Genesungswünsche des Landesvorsitzenden Baldauf für den so geschwächten Kai Schürholt zu finden ...
DEPPERP
Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße
Ausgabe: Nr.202
Datum: Freitag, den 31. August 2007
Seite: Nr.15