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(Österreich) Der Fall Natascha Kampusch

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Verschleppte Natascha entkommt ihrem Peiniger



Sehr blass ist sie, aber offenbar bei guter Gesundheit. Versteckt unter einer Wolldecke wird Natascha Kampusch nach einer ersten Befragung aus der Wiener Polizeiwache geführt. Sie will nun bei ihrer Familie sein, in den nächsten drei Tagen wird sie keine Interviews zum Ende ihrer spektakulären Entführung geben.



Selbst befreit

Acht Jahre lang war die heute 18-Jährige in einem Kellerverlies gefangen, bis sie am Mittwoch in einem unbewachten Moment ihrem Peiniger entkam. Der warf sich am Abend nach ihrer Flucht Selbstmord in Wien vor einen Zug. Die größte Fahndung in der österreichischen Geschichte hatte Natascha nicht ausfindig machen können - bis sie sich selbst befreite.



Jugend in Gefangenschaft

Nur wenige Kilometer von ihrem Elternhaus entfernt wurde Natascha jahrelang im Keller des Hauses von Wolfgang P. in einem Vorort von Strasshof im Bundesland Niederösterreich festgehalten. Als Zehnjährige war sie 1998 auf dem Weg zur Schule verschwunden. Seitdem hielt der Fall die Polizei in Atem. Immer wieder gingen mehr oder wenige seriöse Hinweise aus der Bevölkerung ein, doch keiner brachte die Fahnder weiter. Währenddessen wuchs Natascha in einem kleinen Zimmer unter der Garage ihres Entführers auf, verbrachte ihre gesamte Jugend in Gefangenschaft. Das Verlies habe "alle nötigen Einbauten wie Toilette und Bad" gehabt, berichtete Ermittlungsleiter Nikolaus Koch.



Sexueller Missbrauch noch nicht bekannt

Sie habe Zeitung lesen und Radio hören dürfen, sagte die junge Frau bei ihrer ersten behutsamen Befragung aus. Aber ihr Entführer habe ihr nicht erlaubt, ihre Kammer zu verlassen. Der österreichische Rundfunk ORF berichtete unter Berufung auf die Polizei, der 44-jährige Elektrotechniker P. habe dem jungen Mädchen schulähnlichen Unterricht gegeben. Psychologen vermuten, dass Natascha in der langen Gefangenschaft das Stockholm-Syndrom entwickelt hat - also eine positive emotionale Beziehung zu ihrem Geiselnehmer aufbaute, sich möglicherweise sogar in ihn verliebte. Ob Natascha sexuell missbraucht wurde, ist bisher nicht bekannt. Dass sie noch auf Jahre unter den psychischen Folgen der Geiselhaft leiden wird, halten Experten für sicher.





Hintergrund Das Stockholm-Syndrom



Entführer wurde unvorsichtig

Zuletzt sei P. nicht mehr so vorsichtig gewesen wie am Anfang, berichtete Ermittlungsleiter Koch. Seit dem Frühjahr sei der mutmaßliche Entführer "offensiver und frecher" geworden. In einem günstigen Augenblick entkam Natascha - und irrte danach stundenlang durch Wien. Als sie der Polizei ihren Namen angab, wurden die - mittlerweile getrennt lebenden - Eltern alarmiert. Tief bewegt erkannten Brigitta Sirny und Ludwig Koch ihre Tochter nach acht Jahren wieder, unter anderem an einer Narbe. Ermittler fanden zudem in dem Verlies in Strasshof Nataschas Reisepass. Endgültige Sicherheit soll ein DNA-Test bringen.



Vor den Zug geworfen

Auf der Suche nach seiner flüchtigen Geisel wandte sich P. an einen Freund. Ihm habe er gesagt, dass er vor der Polizei flüchte, weil er mit Alkohol am Steuer erwischt worden sei, sagte Erich Zwettler vom österreichischen Bundeskriminalamt. Am selben Abend informierten die Wiener Verkehrsbetriebe die Polizei über einen Selbstmord. Ein Mann hatte sich vor einen Zug geworfen. Bei der schwer verstümmelten Leiche wurde ein Autoschlüssel gefunden, der an den BMW von P. passte.



Schon einmal im Visier der Fahnder

Tragischerweise war der mutmaßliche Entführer schon zu Beginn der Großfahndung im April 1998 von der Polizei befragt worden. Damals wurden mehr als eintausend Besitzer von weißen Kastenwagen überprüft, weil eine Schulfreundin von Natascha gesehen hatte, wie das Mädchen in einen solchen Wagen gezerrt worden war. Die Polizei habe damals nicht genügend konkrete Hinweise für einen Haftbefehl gehabt, sagte Zwettler. Das Haus des Entführers wurde nie durchsucht.



Von Jean-Michel Stoullig, AFP



www.t-online.de



http://onnachrichten.t-online.de/c/88/76/84/8876840.htmlhttp://onnachrichten.t-online.de/c/88/76/84/8876840.html
 
NATASCHAS SCHICKSAL



<span>Lebendig begraben in Nachbars Haus</span>



Von Ralf Leonhard, Wien



Natascha Kampusch ist frei - nach acht Jahren, die sie in einem Verlies ihres Peinigers dahinvegetieren musste. Die Nachbarn in der kleinen österreichischen Ortschaft Strasshof sagen, sie hätten jahrelang nicht bemerkt, dass ein Mädchen ganz in ihrer Nähe Höllenqualen durchleiden musste.



Wien - Unauffällig ist das Wohnhaus des 44-jährigen Nachrichtentechnikers Wolfgang P. Das Gebäude mit der beigen Fassade in der Heinestraße 60 in Strasshof versteckt sich hinter einer ordentlich getrimmten Gartenhecke, es unterscheidet sich kaum von den anderen Häusern der Siedlung. Es sind keine Reihenhäuser, doch die schlichte Bauart und die kleinen Vorgärten sorgen für eine gewisse Uniformität. Jetzt kann man es nur aus der Entfernung sehen, denn der ganze Häuserblock ist abgesperrt.



Hier hat P. die heute 18-jährige Natascha Kampusch acht Jahre lang hinter einer 50 mal 50 Zentimeter großen Panzertür gefangen gehalten, in einem fensterlosen Gefängnis. Das Verlies hatte er in einer drei mal vier Meter großen Montagegrube unter der Garage eingerichtet, es gab eine Toilette, ein Klappbett, ein Regal für Bücher und Videokassetten. Die Bilder der Gefängnistür gehen jetzt um die Welt.



Von all der Aufregung merkt man vor Ort wenig. Die Schar von Neugierigen, die sich nach der Sensationsnachricht an der rot-weißen Absperrung sammelte, hat sich verlaufen. Kaum jemand ist zu sehen. Eine ältere Frau mit grauer Dauerwelle, die mit dem Fahrrad unterwegs ist, ärgert sich, dass sie den kürzesten Weg zum nahe gelegenen Friedhof nicht nehmen kann.



Strasshof ist eine lang gezogene Ortschaft wenige Kilometer östlich vom Nordrand Wiens, mitten im Marchfeld, Anbaugebiet von Spargeln und Schauplatz historischer Schlachten. 20 Kilometer weiter östlich liegt schon die slowakische Grenze. Die Gemeinde entstand als Eisenbahnersiedlung links und rechts der Bundesstraße, und noch heute sind viele der Einwohner bei der Bahn in Wien beschäftigt, ähnlich wie in der Rennbahnsiedlung in Wien Floridsdorf, wo Natascha bis zu ihrer Entführung lebte.



8000 Menschen wohnen in Strasshof, im Sommer an die 10.000, wenn sich die kleinen Schrebergartenhäuschen füllen. Im Ort ist man wegen der großen Entfernungen mit Auto oder Fahrrad unterwegs. Es gibt zwei Bahnhöfe, zwei Kirchen, einige Supermärkte, ein paar Kneipen. In der tristen zersiedelten Ortschaft gibt es wenig soziales Leben. Kein Wunder, dass der Nachbar, der den Anwohnern als freundlich und "immer korrekt gekleidet" in Erinnerung ist, niemandem auffiel. Höflich aber immer sehr reserviert sei er gewesen, erzählt eine Frau, die um die Ecke wohnt. Nur ein Nachbar grollte dem Eigenbrötler: "Ich habe ihn sogar angezeigt, weil er immer mit dem Gewehr auf die Vogerl schießt."



Die Polizeistation wurde geschlossen




Der Gendarmerieposten, so die Französischlehrerin Brigitte Schmid, sei vor wenigen Jahren eingespart worden. Sehr zum Ärger der Strasshofer und wohl auch zum Nachteil der Ermittlungen im Fall Kampusch. Denn die Gendarmen waren Leute aus dem Ort, die auch den lokalen Tratsch aufschnappten und dem Entführer vielleicht früher auf die Spur hätten kommen können. P., der sich Mittwochnacht auf der Flucht vor der Polizei vor einen fahrenden Zug der Nordbahn warf, war wenige Wochen nach dem Verschwinden von Natascha bereits verhört worden.



Er besaß einen von rund 700 weißen Kastenwagen, auf die sich die Ermittlungen konzentrierten. Eine Schulkameradin der am 2. März 1998 Verschleppten hatte ausgesagt, das Mädchen sei in eine Art Kleinbus gezerrt worden. Nikolaus Koch, der Leiter der Sonderermittlung der Kriminalpolizei, erklärte, der Mann habe damals ein handfestes Alibi gehabt und plausibel erklären können, dass er ein solches Fahrzeug zum Transport von Bauschutt benötige.



Gestern konnte Natascha in einem unbewachten Moment ihrem Entführer entkommen. Sie lief schreiend über die Straße und gab sich einer im Garten sitzenden Frau als Natascha Kampusch zu erkennen. Inzwischen hat die Polizei sie behutsam vernommen. Die österreichische Polizeiinspektorin Sabine Freudenberger erzählte in einem Interview mit der Zeitung "B.Z." über ihre erste Begegnung mit der jungen Frau: "Natascha hat die ganze Zeit stark gezittert. Ich gab ihr meine Jacke. Sie nahm meine Hand, ließ sie den ganzen Nachmittag nicht los. Sie war so froh, dass alles vorbei war und dass sie mit jemandem sprechen konnte." Ihren Peiniger habe sie nur Verbrecher genannt.



Natascha wurde anhand einer Narbe identifiziert und auch von ihren Angehörigen wiedererkannt. Ihr Vater, Ludwig Koch, sagte der Online-Ausgabe der Wiener Tageszeitung "Kurier" zufolge, seine Tochter sei sehr mitgenommen. "Natascha hat eine ganz, ganz weiße Haut und Flecken am ganzen Körper - ich darf gar nicht drüber nachdenken, woher die kommen", fügte er hinzu. Die Mutter, so erzählte eine Halbschwester des Opfers dem Fernsehsender ORF, habe bei der Nachricht von Nataschas Auftauschen einen Nervenzusammenbruch erlitten. Sie habe "nie abgeschlossen damit". Eines Tages, so war sie überzeugt, würde ihre Tochter zurückkehren.





http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,433414,00.htmlhttp://www.spiegel.de/panorama/0,1518,433414,00.html





ACHT JAHRE IM VERLIES



<span>Natascha musste ihren Entführer Gebieter nennen</span>



Bücher, Fernsehen und die Erzählungen des Mannes, der sie entführt hatte - das war lange Jahre Natascha Kampuschs einziger Kontakt zur Außenwelt. Nach ihrer Flucht berichtete die 18-jährige Österreicherin der Polizei nun von ihrer Gefangenschaft.




Wien - Acht Jahre hat Wolfgang P. die heute 18-jährige Natascha in seinem Haus im österreichischen Strasshof gefangen gehalten. Den Ermittlungen zufolge durfte sie im Frühjahr dieses Jahres die zum Verlies umgebaute Montagegrube unter seiner Garage erstmals verlassen. Der Leiter der Ermittlungen, Nikolaus Koch, sagte, ein lockerer Umgang des Entführers mit dem Opfer dürfte die Flucht ermöglicht haben. "Er war nicht mehr so vorsichtig wie am Anfang", sagte Koch. Er sei seit dem Frühjahr "offensiver und frecher geworden".



n einem günstigen Augenblick floh Natascha. Als sie der Polizei ihren Namen angab, wurden die Eltern alarmiert. Tief bewegt erkannten Brigitta Sirny und Ludwig Koch ihre Tochter nach acht Jahren wieder - auch dank einer Narbe. Ermittler fanden zudem in dem Verlies in Strasshof Nataschas Reisepass. Endgültige Sicherheit soll ein DNA-Test bringen. Das Opfer sei in guter Verfassung und werde psychologisch betreut.



Erich Zwettler vom Bundeskriminalamt erklärte, die junge Frau sei sehr behutsam über den Tod ihres Geiselnehmers informiert worden. Dieser hatte sich gestern Abend vor einen Zug geworfen. "Er war jahrelang ihre einzige Bezugsperson", sagte er. Daher sei mit einer engen Bindung an den Entführer zu rechnen, mutmaßlich leide sie unter dem sogenannten Stockholm- Syndrom. Die 18-Jährige habe ziemlich gefasst auf die Nachricht reagiert. "Sie hat offenbar irgendwie damit gerechnet", meinte Zwettler. "Er hatte ihr gesagt: 'Lebend kriegen die mich nie'."



Polizeisprecher Adolf Brenner sagte, der Entführer habe sich in den ersten Jahren von dem Mädchen mit Gebieter ansprechen lassen. Der "Kronen Zeitung" zufolge hatte er ihr gegenüber auch behauptet, das Haus sei mit Sprengfallen vermint. "Wer es betritt, wird bis auf die Knochen gegrillt", lautete die Drohung des Nachrichtentechnikers. Dem ORF zufolge handelte es sich dabei allerdings um Attrappen.



Unterricht vom Entführer



Von früheren Fluchtversuchen habe das Opfer nicht berichtet. Sie habe Zeitung lesen und Radio hören dürfen, sagte die junge Frau bei ihrer ersten Befragung aus. Aber ihr Entführer habe ihr nicht erlaubt, ihre Kammer zu verlassen. Die Polizisten fanden Regale mit Büchern und Videokassetten. Das Verlies habe alle nötigen Einbauten wie Toilette und Bad gehabt, "man konnte dort wohnen", sagte der Polizeisprecher. Offensichtlich hatte der Täter den Umbau sorgfältig vorbereitet. Der österreichische Rundfunk ORF berichtete unter Berufung auf die Polizei, der 44-jährige Elektrotechniker P. habe dem jungen Mädchen Unterricht gegeben.



Ob Natascha sexuell missbraucht wurde, ist derzeit noch unklar. Sie sei dazu noch nicht befragt worden. Dass sie noch auf Jahre unter den psychischen Folgen der Geiselhaft leiden wird, gilt Experten als sicher. Die Familie bat die Medien um Geduld und Verständnis. In den kommenden drei Tagen werde es keine Interviews geben, hieß es in der Erklärung. Fest steht inzwischen, dass der Entführer keinen Kontakt zur Familie des Opfers hatte, die nur einige Kilometer entfernt wohnt.



Das Mädchen war vor acht Jahren auf dem Weg zur Schule verschwunden. Eine gleichaltrige Freundin hatte damals berichtet, Natascha sei in einen weißen Kleinbus gezerrt worden. Die Polizei folgte dem Hinweis und überprüfte Hunderte Besitzer von Fahrzeugen dieses Typs. Unter ihnen war auch der mutmaßliche Entführer. "Das war eine Routinebefragung", sagte ein Ermittler. Der Verdächtige habe aber ein Alibi gehabt. Es habe damals keinen Hinweis gegeben, der eine Durchsuchung des Hauses gerechtfertigt hätte, sagte er.



str/dpa/reuters/AP/AFP

 
Ich finde die Geschichte ziemlich unglaublich.



Ob das Mädel jemals Fuß fassen kann in der Gesellschaft?

Keine Bildung, verkümmertes Sozialverhalten, zerstörte Psyche...

Ich drücke ihr alle Daumen.
 
@ Klinge: Ich finde das Thema echt sehr bewegend. Unglaublich, dass so etwas möglich ist. Aber durch dieses Stockholm-Syndrom vielleicht in Ansätzen verständlich, warum die Entführung einen solchen Zeitraum in Anspruch nahm. Aber so oder so eine wirklich fast unfassbare Story.
 
Mir geht die Geschichte auch ziemlich unter die Haut.

Einerseits bin ich fasziniert von der bizarren Absurdität der Tat, andererseits empfinde ich tiefes Mitleid mit dem Mädchen un ihrer Familie, sowie Abscheu gegenüber dem Täter.



Da wird ein 10 jähriges Mädchen einfach so für 8 Jahre aus dem Leben gerissen und ihrer Jugend beraubt.



Kranke Scheiße...
 
Ich frage mich auch immer wieder wenn ich das thema höre, wie sie leben wird. Wie ihr gesagt habt, keinerlei Ausbildung. Aber das sowas passiert, dass jemand 8 Jahre lang unentdeckt bleibt ist schon krass.

Hoffe sie kann das irgendwie halbwegs vergessen und ein normales Leben starten
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Obwohl kriegt man sowas aus dem Kopf? ich weiß gar nicht wie geistig angeschlagen sie sein muss. Einfach nur krass das Ganze:shock:
 
Von diesem "Stockholm-Syndrom" (wörtl.) hatte ich vorher auch noch nichts gehört, aber es ist ja verständlich, dass - wie in diesem Fall - das Opfer nach einer gewissen Zeitspanne (Monate, Jahre...) als Schutzfunktion quasi sich dem Entführer annähert, sich auf seine Seite stellt und ihn - in manchen Fällen - dann auch nicht mehr als den "bösen Mann" ansieht, ihn am Ende sogar schützt oder verteidigt.



Da tickst Du doch aus und das ist ja schon irgendwie einleuchtend, dass einem nach ein paar Jahren der Rest dann auch ziehmlich egal wird, man Verständnis zeigt und die täglichen Abläufe zur Normalität werden.



Nur der Begriff "Stockholm-Syndrom" für dieses Verhalten war mir noch kein Begriff.
 
"Stockholm-Syndrom" kannte ich jetzt schon länger, weil ich mich schon für ein paar Entführungen interessiert habe - darüber stolpert man auch häufig in Krimis...



Ich hab die neuen Definitionen jetzt nicht gelesen, kenne nur die kurzfristige:

Bei Banküberfall, o.ä. haben Geiseln und Geiselnehmer das gemeinsame Ziel wohlbehalten aus der Situation zu entkommen.

Deshalb nehmen beide der Polizei gegenüber die gleiche Position ein. Polizisten müssen eigentlich auch nach beendigten Geiselnahmen die Geiseln in Schach halten.

Es gab da ein paar Fälle, in denen diese die Polizisten attackiert hatten, weil sie die neue Situation nicht realisiert hatten und immer noch meinten,

glücklicher Geiselnehmer=glückliche Geisel.



Somit kann sich das Syndrom innerhalb von Minuten entwickeln.



Der Begriff auf 8 Jahre angewandt ist mir schon etwas zu schwach.



Wenn ich mir vorstelle, 8 Jahre lang nur einen einzigen Menschen als sozialen Kontakt zu haben...

Für mich haben die Medien den Begriff "Stockholm-Syndrom" hier völlig deplatziert benutzt.
 
Ich finde die Geschichte ziemlich unglaublich.


Ob das Mädel jemals Fuß fassen kann in der Gesellschaft?

Keine Bildung, verkümmertes Sozialverhalten, zerstörte Psyche...

Ich drücke ihr alle Daumen.
Wenn ich da drüber nachdenke, bekomme ich nasse Augen. Diese junge Frau wird vermutlich niemals mehr in ihrem Leben zu einem anderen Menschen Vertrauen aufbauen können. Wie krank muss mann denn sein, um so etwas durch führen zu können?
 
Wenn ich da drüber nachdenke, bekomme ich nasse Augen. Diese junge Frau wird vermutlich niemals mehr in ihrem Leben zu einem anderen Menschen Vertrauen aufbauen können. Wie krank muss mann denn sein, um so etwas durch führen zu können?




...und in 8 Jahren hätte man schonmal drauf kommen können, unrecht gehandelt zu haben.
 
Wenn ich mir vorstelle, 8 Jahre lang nur einen einzigen Menschen als sozialen Kontakt zu haben...

Für mich haben die Medien den Begriff "Stockholm-Syndrom" hier völlig deplatziert benutzt.




Ich finde den Begriff hier völlig richtig, eins vorweg, es ist eine furchtbare Sache für das Mädchen, das jemals richtig zu verarbeiten erscheint mir sehr schwierig.



Dieser Verbrecher war jahrelang die einzige Bezugsperson für das Kind, eine "emotionale" Bindung nur zu ihm möglich.



Dieses Syndrom oder die Beobachtungen des Verhaltens von Geiseln hat seinen Namen von einer mehrtägigen Geiselnahme in den 70ern die in Stockholm stattfand.
 
Der Entführer, der 44-jährige Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil, hatte sich wenige Stunden nach Nataschas Flucht in Wien vor einen Zug geworfen.

Priklopil ist nicht weit weg von pädophil
 
@ Red Wing



Ich finde es aber nach acht Jahren nicht mehr angebracht, nur von Solidarisierung und Fixierung mit/auf den Geiselnehmer zu sprechen.

In dem Zustand war das Abhängigkeitsverhältnis doch noch viel größer...

Aber es macht hier wenig Sinn über Definitionen zu sprechen.



Es gibt übrigens Neuigkeiten:



http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,433515,00.htmlhttp://www.spiegel.de/panorama/0,1518,433515,00.html



NATASCHA-ENTFÜHRUNG



<span>Soko prüft Hinweis auf Komplizen</span>



Ist der Entführungsfall Natascha Kampusch wirklich schon aufgeklärt? Zwei Tage nach der Flucht des jahrelang in einem Verlies festgehaltenen Mädchens tauchen Zweifel auf. So werden Vermutungen über einen zweiten Komplizen und Kritik an der Polizei laut.



Wien - Der 44-jährige Wolfgang P. hatte bei der Entführung von Natascha Kampusch am 2. März 1998 österreichischen Zeitungsberichten zufolge möglicherweise einen Komplizen. Wie etwa der "Kurier" schreibt, bekomme die Aussage einer damals Zwölfjährigen neues Gewicht. Sie gab damals an, beobachtet zu haben, dass zwei Personen Natascha in einen weißen Lieferwagen gezerrt hätten.



Die Zeitung zitiert Nikolaus Koch, den Leiter der Sonderkommission in dem Entführungsfall, der im Gespräch mit der Nachrichtenagentur APA die Möglichkeit eines zweiten Täters nicht ausschließen wollte: "Ich spekuliere nicht, wir ermitteln in alle Richtungen."





Video



"Eine Quelle, die uns etwas bestätigen könnte, ist uns abhanden gekommen, bei der anderen müssen wir sehr behutsam vorgehen", sagte Koch. Ein Mädchen hatte damals ausgesagt, dass sie Natascha am 2. März 1998 gegen 7.15 Uhr am Rennbahnweg kurz vor dem Kreisverkehr Melangasse gesehen habe. Dort sei am rechten Fahrbahnrand ein weißer Kleinbus gestanden. Als das Mädchen an dem Wagen vorbeigegangen sei, habe ein etwa 20 bis 40 Jahre alter Mann das Kind gepackt und in den Bus gezerrt. Daraufhin sei der Wagen - von einer zweiten Person gesteuert, den das Mädchen aber nicht gesehen hat - zum Kreisverkehr und weiter in eine Seitengasse gefahren. Das Mädchen habe ihre Aussage seit damals inhaltlich nicht revidiert.



Der österreichische Polizeipsychologe Thomas Müller schloss im österreichischen Rundfunk ORF die Möglichkeit eines Komplizen oder Mitwissers nicht aus. Müller sieht bei dem Täter eine "hochgradig sadistische Motivation", da er sein extrem junges Opfer über einen so langen Zeitraum gefangen gehalten habe.





Fotostrecke



Inzwischen wächst in Österreich die Kritik an den Fahndungsmethoden der Polizei. Man habe Wolfgang P. bei den Ermittlungen 1998 nicht genau genug unter die Lupe genommen, so der Vorwurf. Wolfgang P. wurde schon 1998 verhört, weil er einen Lieferwagen des Typs fuhr, wie er bei der Entführung beobachtet wurde. Die Polizei schenkte dann aber seiner Aussage Glauben, er brauche den Wagen für den Transport von Bauschutt, und untersuchte die Sache nicht weiter.



Ein Fehler, findet der Wiener Kinderneuropsychiater Ernst Berger. Dem "Standard" sagte er, die Polizei habe hier zu große Zurückhaltung an den Tag gelegt. Schließlich habe die Mutter immer daran gezweifelt, dass ihre Tochter tot sei.



Laut "Kurier" und "Presse" waren die Behörden seit 1999 mehrmals im Haus des Entführers in Strasshof. Die Gemeinde habe mitgeteilt, der Mann habe in diesem Jahr einen Umbau des Dachstuhls beantragt. Im April 1999 und 2004 sei der Wasserzähler ausgetauscht, 2001 seien die elektrischen Neuerungen des Umbaus behördlich abgenommen worden.



"Papa, ich hab' dich lieb"



Natascha Kampusch wird derzeit in einem Hotel von Experten betreut. Therapeuten gehen davon aus, dass sie jahrelang in psychologischer Behandlung bleiben muss, damit die seelischen Wunden ihrer Gefangenschaft heilen. Es sei aber durchaus möglich, dass sie wieder ein normales Leben führen könne.



Die Eltern der mittlerweile 18-Jährigen waren naturgemäß überglücklich, nachdem ihrer Tochter die Flucht vor ihrem Entführer gelungen war. "Es war Wahnsinn", schilderte der Vater gestern die Begegnung mit seiner Tochter. "Papa, ich hab' dich lieb", seien die ersten Worte des Mädchens an ihn gewesen, berichtete der Mann in einem Interview mit dem ORF unter Tränen. Die Mutter sagte in dem Sender, sie habe immer fest an eine mögliche Flucht geglaubt: "Ich bin so stolz auf das Kind, dass sie das geschafft hat."



"Mein Herz hat immer ärger zu schlagen begonnen", zitiert die "Presse" die Mutter bei ihrem ORF-Auftritt. "Es war ein Wahnsinn. Natascha ist mir um den Hals gefallen und hat gesagt 'Mama Mausi'". Zweifel an der Identität ihrer Tochter habe sie nie gehabt: "Ich hätte sie in 20 Jahren auch noch erkannt." Sie habe ihrer Tochter bisher keine Fragen gestellt, sondern sie nur sprechen lassen. Kampusch habe den Wunsch, zu den Medien zu sprechen und ihre Geschichte zu erzählen. "Sie hat so eine starke Persönlichkeit. Sie ist bewundernswert, sie ist so ein starkes Kind."



Kampuschs Eltern lebten bereits seit Jahren getrennt, als Natascha verschleppt wurde. Nach ihrem Verschwinden hatten sich die Eltern gegenseitig vorgeworfen, an der Entführung beteiligt gewesen zu sein. Der Vater hatte ein Alibi, die Mutter musste sich lange gegen Verdächtigungen wehren.



Den bisherigen Ermittlungen zufolge hatte der Entführer keinerlei Verbindungen zur Familie. Er hatte das Mädchen über acht Jahre hinweg in einem Verlies in einer Montagegrube seiner Garage gefangen gehalten. Der winzige Raum war mit einer schweren schalldichten Tresortür verschlossen. Am Mittwoch gelang Natascha die Flucht, als ihr Entführer vergessen hatte, die Tür zu schließen. Ihr Peiniger nahm sich wenige Stunden später das Leben.



dab/dpa
 
@ Red Wing


Ich finde es aber nach acht Jahren nicht mehr angebracht, nur von Solidarisierung und Fixierung mit/auf den Geiselnehmer zu sprechen.

In dem Zustand war das Abhängigkeitsverhältnis doch noch viel größer...

Aber es macht hier wenig Sinn über Definitionen zu sprechen.



Es gibt übrigens Neuigkeiten:



http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,433515,00.htmlhttp://www.spiegel.de/panorama/0,1518,433515,00.html



NATASCHA-ENTFÜHRUNG



<span>Soko prüft Hinweis auf Komplizen</span>



Ist der Entführungsfall Natascha Kampusch wirklich schon aufgeklärt? Zwei Tage nach der Flucht des jahrelang in einem Verlies festgehaltenen Mädchens tauchen Zweifel auf. So werden Vermutungen über einen zweiten Komplizen und Kritik an der Polizei laut.



Wien - Der 44-jährige Wolfgang P. hatte bei der Entführung von Natascha Kampusch am 2. März 1998 österreichischen Zeitungsberichten zufolge möglicherweise einen Komplizen. Wie etwa der "Kurier" schreibt, bekomme die Aussage einer damals Zwölfjährigen neues Gewicht. Sie gab damals an, beobachtet zu haben, dass zwei Personen Natascha in einen weißen Lieferwagen gezerrt hätten.



Die Zeitung zitiert Nikolaus Koch, den Leiter der Sonderkommission in dem Entführungsfall, der im Gespräch mit der Nachrichtenagentur APA die Möglichkeit eines zweiten Täters nicht ausschließen wollte: "Ich spekuliere nicht, wir ermitteln in alle Richtungen."





Video



"Eine Quelle, die uns etwas bestätigen könnte, ist uns abhanden gekommen, bei der anderen müssen wir sehr behutsam vorgehen", sagte Koch. Ein Mädchen hatte damals ausgesagt, dass sie Natascha am 2. März 1998 gegen 7.15 Uhr am Rennbahnweg kurz vor dem Kreisverkehr Melangasse gesehen habe. Dort sei am rechten Fahrbahnrand ein weißer Kleinbus gestanden. Als das Mädchen an dem Wagen vorbeigegangen sei, habe ein etwa 20 bis 40 Jahre alter Mann das Kind gepackt und in den Bus gezerrt. Daraufhin sei der Wagen - von einer zweiten Person gesteuert, den das Mädchen aber nicht gesehen hat - zum Kreisverkehr und weiter in eine Seitengasse gefahren. Das Mädchen habe ihre Aussage seit damals inhaltlich nicht revidiert.



Der österreichische Polizeipsychologe Thomas Müller schloss im österreichischen Rundfunk ORF die Möglichkeit eines Komplizen oder Mitwissers nicht aus. Müller sieht bei dem Täter eine "hochgradig sadistische Motivation", da er sein extrem junges Opfer über einen so langen Zeitraum gefangen gehalten habe.





Fotostrecke



Inzwischen wächst in Österreich die Kritik an den Fahndungsmethoden der Polizei. Man habe Wolfgang P. bei den Ermittlungen 1998 nicht genau genug unter die Lupe genommen, so der Vorwurf. Wolfgang P. wurde schon 1998 verhört, weil er einen Lieferwagen des Typs fuhr, wie er bei der Entführung beobachtet wurde. Die Polizei schenkte dann aber seiner Aussage Glauben, er brauche den Wagen für den Transport von Bauschutt, und untersuchte die Sache nicht weiter.



Ein Fehler, findet der Wiener Kinderneuropsychiater Ernst Berger. Dem "Standard" sagte er, die Polizei habe hier zu große Zurückhaltung an den Tag gelegt. Schließlich habe die Mutter immer daran gezweifelt, dass ihre Tochter tot sei.



Laut "Kurier" und "Presse" waren die Behörden seit 1999 mehrmals im Haus des Entführers in Strasshof. Die Gemeinde habe mitgeteilt, der Mann habe in diesem Jahr einen Umbau des Dachstuhls beantragt. Im April 1999 und 2004 sei der Wasserzähler ausgetauscht, 2001 seien die elektrischen Neuerungen des Umbaus behördlich abgenommen worden.



"Papa, ich hab' dich lieb"



Natascha Kampusch wird derzeit in einem Hotel von Experten betreut. Therapeuten gehen davon aus, dass sie jahrelang in psychologischer Behandlung bleiben muss, damit die seelischen Wunden ihrer Gefangenschaft heilen. Es sei aber durchaus möglich, dass sie wieder ein normales Leben führen könne.



Die Eltern der mittlerweile 18-Jährigen waren naturgemäß überglücklich, nachdem ihrer Tochter die Flucht vor ihrem Entführer gelungen war. "Es war Wahnsinn", schilderte der Vater gestern die Begegnung mit seiner Tochter. "Papa, ich hab' dich lieb", seien die ersten Worte des Mädchens an ihn gewesen, berichtete der Mann in einem Interview mit dem ORF unter Tränen. Die Mutter sagte in dem Sender, sie habe immer fest an eine mögliche Flucht geglaubt: "Ich bin so stolz auf das Kind, dass sie das geschafft hat."



"Mein Herz hat immer ärger zu schlagen begonnen", zitiert die "Presse" die Mutter bei ihrem ORF-Auftritt. "Es war ein Wahnsinn. Natascha ist mir um den Hals gefallen und hat gesagt 'Mama Mausi'". Zweifel an der Identität ihrer Tochter habe sie nie gehabt: "Ich hätte sie in 20 Jahren auch noch erkannt." Sie habe ihrer Tochter bisher keine Fragen gestellt, sondern sie nur sprechen lassen. Kampusch habe den Wunsch, zu den Medien zu sprechen und ihre Geschichte zu erzählen. "Sie hat so eine starke Persönlichkeit. Sie ist bewundernswert, sie ist so ein starkes Kind."



Kampuschs Eltern lebten bereits seit Jahren getrennt, als Natascha verschleppt wurde. Nach ihrem Verschwinden hatten sich die Eltern gegenseitig vorgeworfen, an der Entführung beteiligt gewesen zu sein. Der Vater hatte ein Alibi, die Mutter musste sich lange gegen Verdächtigungen wehren.



Den bisherigen Ermittlungen zufolge hatte der Entführer keinerlei Verbindungen zur Familie. Er hatte das Mädchen über acht Jahre hinweg in einem Verlies in einer Montagegrube seiner Garage gefangen gehalten. Der winzige Raum war mit einer schweren schalldichten Tresortür verschlossen. Am Mittwoch gelang Natascha die Flucht, als ihr Entführer vergessen hatte, die Tür zu schließen. Ihr Peiniger nahm sich wenige Stunden später das Leben.



dab/dpa
So was kann man wirklich niemanden wünschen. Hoffentlich wird der Komplze gefunden.
 
Wenige Tage nach ihrer gelungenen Flucht aus acht Jahre währender Gefangenschaft hat Natascha Kampschus in Wien durch ihren Psychiater eine Erklärung verlesen lassen. FAZ.NET dokumentiert das Schreiben im Wortlaut.



Sehr geehrte Journalisten, Reporter, sehr geehrte Weltöffentlichkeit!



Ich bin mir durchaus bewußt, welch starken Eindruck die Ereignisse der letzten Tage auf Sie alle gemacht haben müssen. Ich kann mir gut vorstellen, wie schockiert und beängstigend der Gedanke ist, daß so etwas überhaupt möglich ist. Ich bin mir ferner bewußt, daß Sie mir eine gewisse Neugier entgegenbringen und natürlich nähere Details über meine Umstände wissen wollen, in denen ich lebte. Ich möchte Ihnen im Voraus jedoch versichern, daß ich keinerlei Fragen über intime oder persönliche Details beantworten will und werde. Ich werde persönliche Grenzüberschreitungen, von wem auch immer voyeuristisch Grenzen überschritten werden, ahnden. Wer das versucht, kann sich auf etwas gefaßt machen. Ich wuchs heran zu einer jungen Dame mit Interesse an Bildung und auch an menschlichen Bedürfnissen.



Der Lebensraum: Mein Raum war hinreichend eingerichtet. Es ist mein Raum gewesen. Und nicht für die Öffentlichkeit zum Herzeigen bestimmt.



Der Lebensalltag: Dieser fand geregelt statt, meist ein gemeinsames Frühstück - er hat ja meist nicht gearbeitet -, Hausarbeit, lesen, fernsehen, reden, kochen. Das war es, jahrelang. Alles mit Angst vor der Einsamkeit verbunden.



Zur Beziehung: Er war nicht mein Gebieter. Ich war gleich stark, aber - symbolisch gesprochen - er hat mich auf Händen getragen und mit den Füßen getreten. Er hat sich aber - und das hat er und ich gewußt - mit der Falschen angelegt. Er hat die Entführung alleine gemacht, alles war schon vorbereitet. Gemeinsam hat er dann mit mir den Raum hergerichtet, der nicht nur 1,60 Meter hoch war. Ich hab übrigens nach der Flucht nicht geweint. Es war kein Grund zur Trauer. In meinen Augen wäre sein Tod nicht nötig gewesen. Es wäre sicherlich eine Strafe nicht der Weltuntergang gewesen. Er war ein Teil meines Lebens. Deswegen trauere ich in einer gewissen Weise um ihn. Es stimmt natürlich, daß meine Jugend anders als die manch anderer ist, aber im Prinzip hab ich nicht das Gefühl, daß mir etwas entgangen ist. Ich hab mir so manches erspart, nicht mit Rauchen und Trinken zu beginnen und keine schlechten Freunde gehabt zu haben.



Botschaft an die Medien: Das einzige, wovor die Presse mich verschonen soll, sind die ewigen Verleumdungen meiner selbst, die Fehlinterpretationen, die Besserwisserei und der mangelnde Respekt mir gegenüber.



Gegenwärtig fühle ich mich an meinem Aufenthaltsort wohl, vielleicht ein bißchen bevormundet. Ich hab es aber so beschlossen, nur telefonische Kontakte zu meiner Familie aufnehmen zu wollen. Ich werde selbst bestimmen, wann ich mit Journalisten Kontakt aufnehmen werde.



Zu meiner Flucht: Als ich das Auto im Garten putzen und aussaugen sollte, hat er sich während des Staubsaugerlärms entfernt. Das war meine Gelegenheit, ich ließ den Staubsauger einfach laufen.



Übrigens nannte ich ihn nie Gebieter, obwohl er das wollte. Ich denke, er wollte das zwar - so genannt -, meinte es aber nicht wirklich ernst.



Ich habe einen Vertrauensanwalt, der Rechtliches mit mir regelt. Die Jugendanwältin (Monika, Anmerkung) Pinterits ist meine Vertraute, mit Dr. Friedrich (Univ. Prof. Dr. Max H. Friedrich, Leiter der Universitätsklinik für Neuropsychiatrie des Kindes und Jugendalters am Wiener AKH) und Dr. Berger (Univ. Prof. Ernst Berger von der Kinder- und Jugendpsychiatrie Rosenhügel) kann ich gut reden. Das Team von Herrn (Chefermittler Johann) Frühstück war sehr gut mit mir. Ich lasse sie auch herzlich grüßen, aber ein wenig neugierig waren sie schon. Das ist allerdings ihr Beruf.



Intimfragen: Alle wollen immer intime Fragen stellen, die gehen niemanden etwas an. Vielleicht erzähle ich das einmal einer Therapeutin oder dann jemanden, wenn ich das Bedürfnis habe oder aber auch vielleicht niemals. Die Intimität gehört mir alleine.



Herr H. (der Freund Priklopils, der ihn kurz vor seinem Selbstmord mit dem Auto mitgenommen hat) - das ist meine Botschaft - soll sich nicht schuldig fühlen. Er kann nichts dafür, es war Wolfgangs (Priklopil) eigene Entscheidung, sich vor den Zug zu werfen. Mit der Mutter von Wolfgang verbindet mich Mitgefühl. Ich kann mich in die jetzige Situation hineinfühlen und hineinversetzen. Ich und wir beide denken an ihn. Bedanken möchte ich mich aber auch bei allen Menschen, die an meinem Schicksal so sehr Anteil nehmen. Bitte laßt mich in der nächsten Zeit noch in Ruhe. Dr. Friedrich wird es mit dieser Erklärung erklären. Viele Leute kümmern sich um mich. Laßt mir Zeit, bis ich selbst berichten kann.



Natascha Kampusch

Text: dpa
 
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Wenn sie das selbst verfasst hat, und nicht Anwalt oder Psychologe, dann hat sie eine sehr beeindruckende Persönlichkeit!



Mein lieber Schwan, die Sache wird immer interessanter.
 
Natascha gibt TV-Interview

ERSTELLT 04.09.06, 14:01h, AKTUALISIERT 04.09.06, 15:50h



Wien/Köln - Natascha Kampusch tritt an die Öffentlichkeit: Zwei Wochen nach ihrer Flucht aus einem engen Verlies wird die 18-jährige Wienerin an diesem Mittwoch erstmals öffentlich über ihre acht Jahre dauernde Gefangenschaft sprechen. Der Privatsender RTL wird ein Interview des österreichischen Rundfunks ORF mit Kampusch am Mittwoch um 21.15 Uhr ausstrahlen, sagte ein Sprecher der dpa. Im ORF wird das Gespräch bereits um 20.15 gesendet. Das Interview in der Sendung "Thema spezial" soll mindestens 20 Minuten dauern, heißt es in einer Mitteilung des öffentlich-rechtlichen Senders in Wien.



Das Gespräch führt demnach der Journalist Christoph Feuerstein, der bereits 1998 über die Entführung der damals zehnjährigen Natascha berichtet und einen guten Kontakt zu ihrer Familie aufgebaut hatte. Kampusch war am 2. März 1998 auf dem Weg zur Schule gekidnappt worden. Am 23. August gelang ihr die Flucht vor ihrem Entführer Wolfgang Priklopil, der sich wenige Stunden später das Leben nahm.



Die junge Frau wird seitdem an einem geheimen Ort medizinisch und sozialpsychologisch betreut. Sie wird auf eigenen Wunsch hin abgeschirmt und hält auch zu ihren Eltern nur telefonisch Kontakt. In einem Appell an die Medien hatte sie vor einer Woche gebeten, ihre Privatsphäre zu wahren. Nach Angaben ihres Medienberaters Dietmar Ecker ist es jedoch ein "ausdrücklicher Wunsch von ihr, persönlich die Öffentlichkeit zu informieren".



Die unmittelbare Reaktion der jungen Frau auf das gewaltige globale Interesse an ihrem Fall sei gewesen, sich vor einem unkontrollierbaren Zugriff der Medien zu schützen. Daher werde es Interviews nur in ausgewählten Medien geben. Für Kampusch war es "selbstverständlich, dass die österreichische Bevölkerung, vor allem jene Menschen, die schon vor acht Jahren um ihr Leben gebangt und sich sehr über ihre Befreiung freuten, den Anspruch auf Erstinformation haben", wie es auf der Internetseite des Medienberaters hieß.



Daher sei ihre Wahl auf den ORF gefallen. Beim österreichischen Sender liegen auch die Rechte für einen Weiterverkauf der Aufzeichnung. Weitere Interviews soll es in der österreichischen "Kronen Zeitung" und in der Info-Illustrierten "News" geben. Ecker hat nach Zeitungsinformationen rund 300 Anfragen internationaler Medien für ein Exklusiv-Interview erhalten. (dpa)



Quelle: http://www.koelnische-rundschau.de/html/artikel/1157348455101.shtmlhttp://www.koelnische-rundschau.de/html/artikel/1157348455101.shtml
 
<span>Fall Kampusch wird neu aufgerollt</span>



Von Uli Hauser



Der Entführungsfall Natascha Kampusch wird noch einmal aufgerollt. Nach Informationen des stern soll eine neue Ermittlungsgruppe der Polizei gebildet werden. Damit reagieren die österreichischen Behörden auf den Abschlussbericht einer Untersuchungskommission zu den bisherigen Ermittlungen. Er stellt der Polizei ein vernichtendes Zeugnis aus. stern.de veröffentlicht Auszüge.




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