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Rechnung für Europa

ktown

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10 Männer – ein Grieche, ein Italiener, ein Franzose, ein Portugiese, ein Spanier, ein Zypriot, ein Finne, ein Österreicher, ein Holländer und ein Deutscher – treffen sich regelmäßig zum Essen. So war es auch wieder in der letzten Woche.



Die Rechnung für alle zusammen betrug genau 500,- €, denn man speiste schon sehr gern auf hohem Niveau.



Die Gäste bezahlten ihre Rechnung, so wie wir unsere Steuern und das sah ungefähr so aus:



Vier Gäste (der Grieche, der Portugiese, der Spanier und der Italiener) zahlten nichts.

Der Zypriot zahlte 1 €.

Der Franzose 5 €.

Der Österreicher 50 €.

Der Finne 80 €.-

Der Holländer 100 €.

Der Zehnte (der Deutsche) zahlte 264 €.



Das ging schon eine ganze Weile so. Immer wieder trafen sie sich zum Essen.



Alle waren zufrieden, bis der Wirt Unruhe in das Arrangement brachte, als er vorschlug, den Preis für das Essen um 50 € zu reduzieren.

“Weil Sie alle so gute Gäste sind!” Wie nett von ihm! Jetzt kostete das Essen für die 10 nur noch 450 €.



Die Gruppe wollte unbedingt weiter so bezahlen, wie das bisher üblich war. Dabei änderte sich für die ersten vier nichts, sie aßen weiterhin kostenlos. Wie sah es aber mit den restlichen sechs aus? Wie konnten sie die 50 € Ersparnis so aufteilen, dass jeder etwas davon hatte?



Die sechs stellten schnell fest, dass 50 € geteilt durch sechs Zahler 8,33 € ergibt. Aber wenn sie das von den einzelnen Teilen abziehen würden, bekämen der fünfte und der sechste Gast noch Geld dafür, dass sie überhaupt zum Essen gehen.



Also schlug der Wirt den Gästen vor, dass jeder ungefähr prozentual so viel weniger zahlen sollte wie er insgesamt beisteuere. Er setzte sich also hin und begann das für seine Gäste auszurechnen.



Heraus kam folgendes:



der Zypriot, ebenso wie die ersten vier, zahlten ab sofort nichts mehr (100% Ersparnis).

Der Franzose zahlte 3 € statt 5 € (40% Ersparnis).

Der Österreicher zahlte 45 € statt 50 € (10% Ersparnis).

Der Finne zahlte 72 € statt 80 € (10% Ersparnis).

Der Holländer zahlte 90 € statt 100 € (10% Ersparnis).

Der Deutsche zahlte 239 € statt 264 € (11% Ersparnis).



Jeder der sechs kam bei dieser Lösung günstiger weg als vorher und die ersten vier aßen immer noch kostenlos.



Aber als sie vor der Wirtschaft noch mal nachrechneten, war das alles doch nicht so ideal wie sie dachten.



“Ich hab’ nur 2 € von den 50 € bekommen!” sagte der Franzose und zeigte auf den Deutschen, “Aber er kriegt 25 €!”.



“Stimmt!”, rief der Zypriot, “Ich hab’ nur 1 Euro gespart und er spart mehr als zwanzigmal so viel wie ich”.



“Wie wahr!”, rief der Österreicher, “Warum kriegt er 25 € zurück und ich nur 5 €? Alles kriegen mal wieder die reichen Deutschen!”.



“Moment mal” riefen da der Grieche, der Portugiese, der Spanier und der Italiener aus einem Munde, “Wir haben überhaupt nichts bekommen. Das System beutet die Ärmsten aus!”



Wie aus heiterem Himmel gingen die neun gemeinsam auf den Deutschen los und verprügelten ihn.



Am nächsten Abend tauchte der Deutsche nicht mehr zum Essen auf. Also setzten sich die übrigen 9 zusammen und aßen ohne ihn.

Aber als es an der Zeit war die Rechnung zu bezahlen, stellten sie etwas Außerordentliches fest:



Alle zusammen hatten nicht genügend Geld, um auch nur die Hälfte der Rechnung bezahlen zu können!



Und wenn sie nicht verhungert sind, wundern sie sich noch heute. Um Weiterleitung wird gebeten!



Niemand soll behaupten können, er habe davon nichts gewusst!
 
Klasse, dass man diese nationalistische ******e schon hier lesen muss, nur weil scheinbar viele Menschen zu blöde sind, sich über Fakten zu informieren und über - zugegeben sehr komplexe - Zusammenhänge nachzudenken, wird der Müll nicht lustig, sondern bleibt Propaganda aus der tiefbraunen Ecke.
 
Klasse, dass man diese nationalistische ******e schon hier lesen muss, nur weil scheinbar viele Menschen zu blöde sind, sich über Fakten zu informieren und über - zugegeben sehr komplexe - Zusammenhänge nachzudenken, wird der Müll nicht lustig, sondern bleibt Propaganda aus der tiefbraunen Ecke.
Mal abgesehen davon das diese "Satire" ziemlich mies ist wird er nur von deinem Beitrag im Niveau unterboten.


Tiefbraun also bitte komm mal klar! Der Text spielt halt ein wenig mit Klischees und hat damit vieleicht implizit ganz latent einen "rechten" Hintergrund, ist aber in jedem Fall noch Bildzeitungsfähig..



Abgesehen davon ist dein Text beleidigend für den User der anscheinend zu "blöd" ist. Also ich habe hier schon für weniger eine Verwarnung erhalten.



Das ist so ein typischer linker Beißreflex, mit ein Grund warum ich viele Linke Leute nicht leiden kann! Obwohl ich die meisten prinzipiellen Ansichten teile. Der Grund liegt darin das die Leute häufig so ein verbohrtes Weltbild haben, das jede Abweichung von der eigenen Vorstellung direkt eine große Sünde ist. Toleranz heißt aber auch das ich andere Ansichten respektiere.
 
1. Ist "bildfähig" kein Argument, was deine These unterstützt. Bild ist ein politisches Kampagneninstrument und bewegt sich dabei im Rahmen von moderat konservativ bis tief nach Rechts (hierzu vielleicht interessant: die Bildstudie der OBS).

2. Sind genau diese ganzen Facebook-Mülltexte genau das, was viele "verbohrte Linke" schon lange befürchten und was logische Konsequenz dieser Krise ist, die zu Lasten großer Teile der Bevölkerungen aller EURO-Länder "bekämpft" wird: Wiedererstarken der Nationalismen in den Mitgliedsstaaten sowohl auf der privaten Ebene (siehe hier), welche durch Gründung und Zulauf entsprechender Parteien gesellschaftlich und politisch verankert wird.

3. Zum "blöd": Das war natürlich gemein, aber es ist in meinen Augen einfach zutreffend. Es gibt genug Infos und Analysen zum Verlauf der Kredit-/Banken-/Staatsschulden- und EURO-Krise und zahlreiche Einzelbetrachtungen, die frei zugänglich sind. Dass die 20-Sekunden-Spots der Nachrichtensender keine umfassende Informationsbasis liefern können und vor allem die privaten Nachrichtensendungen extrem unsauber und tendentiös arbeiten, ist einfach logisch. Wenn man dann auf gezielte Desinformation von Bild und Co. hereinfällt, die ja nun alles andere als solcher Vorgänge unverdächtig sein sollten, dann fällt mir dazu kein anderes Wort ein.

4. Ich akzeptiere sehr wohl sehr viele Ansichten, die mir nicht passen - alleine deshalb, weil es soviele mir bekannte aber widersprüchliche Ansichten zu bestimmten Themen gibt. Aber bei einer so übermächtigen und omnipräsenten Reduktion politischer/wirtschaftlicher Vorgänge, die die Realität ins Absurde verzerren, bin ich eben nicht nachsichtig, sondern "verbohrt". Diese Krise und ihr "Management" wird uns noch viel kosten - sie wird den europäischen Integrationsprozess zurückwerfen und ist potentiell friedensbedrohend für uns. Desweiteren werden im Handstreich etliche Aspekte demokratischer Rechte und sozialer Teilhabe und Emanzipation über den Haufen geworfen, deren Etablierung Jahrzehnte gedauert hat. Nenn mich ruhig "verbohrt" - ich kann damit gut leben, aber für mich ist die Wortbedeutung dann doch eine andere.
 
Auch wenn ich das jetzt unter gar keinen Umständen in die nationalistische

Ecke setzen würde, muss man sich jetzt gleich wieder hier so ankacken und

anmachen ?
 
Ich habe nochmal drüber nachgedacht (auf dem Klo, wie passend) und muss sagen, dass meine Reaktion zu emotional war.



Daher: Nein, hier muss sich niemand "ankacken" oder auch nur als "blöd" bezeichnen lassen. Daher tut mir die individuelle Beleidigung sehr leid und ich bitte ktown hiermit um Entschuldigung!





Mein Problem mit Punkt 3 im letzten Post, kann ich allerdings nur lösen, wenn ich einen Schritt weiter nach links gehe und hierbei die kulturhegemoniale (in der Definition nach Gramsci) Vormachtstellung der Ideologie, die sich aus Neoliberalismus (Theorie) und finanzialisiertem Kapitalismus (Praxis) ergibt, in den Mittelpunkt rücke. Diese Weltsicht wird von den führenden Politikern der derzeit relevanten Parteien (außer der Linkspartei) geteilt, führte in Deutschland zu den rot-grünen Sozialreformen und zur derzeitigen Austeritätspolitik (die die Lebensverhältnisse der Menschen in Griechenland extrem verschlechtert bei Einkommensverlusten von bis zu 1/3 im Bereich der geringen und mittleren Einkommen und negativem Wirtschaftswachstum im zweistelligen Prozentbereich). Diese Sichtweise scheint auch nach wie vor noch über die Medien vertreten zu werden und anscheinend auch immer noch vielen Menschen als natürlich gegeben zu erscheinen.



Allerdings gibt es auch gegenteilige und dieses Phänomen kritisierende Berichte in diversen Nachrichtenjournalen im TV, in großen deutschen Zeitungen (sogar der FAZ), in Hörfunkbeiträgen und sonstigen Publikationen.



Die Art und Weise der Beeinflussung ("Witzchen" und absurde Wortspiele über Griechenland muss man ja sogar immer wieder bei RPR1 ertragen) scheint sich also dahingehend zu bewegen, dass tatsächlich etliche Menschen denken, dass Merkel den "faulen Griechen" lieber Geld schenkt um sich dort beliebt zu machen und gleichzeitig Kosten in Deutschland spart, um sich dort unbeliebt zu machen. Ich kann hier nur an alle Menschen appellieren, entweder nicht stereotypische und im Kern rassistische Ansichten zu übernehmen, ohne dass man seine Weltanschauung mit der Betrachtungsweise möglichst vieler Fakten in Einklang bringt, oder besser einfach kritischer die Berichterstattung zu hinterfragen und bei politischen Beschlüssen vor allem zu fragen "Wem genau könnte das jetzt warum nützen?". Dann sollte man eigentlich täglich über vermeintliche Zusammenhänge stolpern, die zumindest ein tiefes Stirnrunzeln hervorrufen.
 
Ich hab schon am Threadtitel erkannt das das nur Mist sein kann.

Mich wiedert nicht nur dieser dringende Wunsch einer deutschen Opferrolle an, die oben durch die parasitären Schmarotzer aus dem Ausland (!) hervorgerufen wird, sondern auch das unsere "stolzesten" Deutschen sich trotzdem vom Vaterland verraten fühlen wenn es um Dinge wie internationale Solidarität geht. Das ganze Jahr Deutschland, Deutschland rufen aber dann behaupten das Arbeitsamt zahlt dem Hartz IV Empfänger Sekt, Kaviar und 12 Waschmaschinen im Jahr.



Was den Wunsch um Weiterleitung angeht wäre ich den Mods dankbar wenn sie diese Propaganda in den Mülleimer weiterleiten.
 
Ich hab schon am Threadtitel erkannt das das nur Mist sein kann.
Mich wiedert nicht nur dieser dringende Wunsch einer deutschen Opferrolle an, die oben durch die parasitären Schmarotzer aus dem Ausland (!) hervorgerufen wird, sondern auch das unsere "stolzesten" Deutschen sich trotzdem vom Vaterland verraten fühlen wenn es um Dinge wie internationale Solidarität geht. Das ganze Jahr Deutschland, Deutschland rufen aber dann behaupten das Arbeitsamt zahlt dem Hartz IV Empfänger Sekt, Kaviar und 12 Waschmaschinen im Jahr.



Was den Wunsch um Weiterleitung angeht wäre ich den Mods dankbar wenn sie diese Propaganda in den Mülleimer weiterleiten.


Dagegen!

Zensur ist nicht immer die Lösung - oft eher eine Verschlimmerung. Anstatt ktown's Beitrag (ich gehe mal einfach davon aus, daß es sein eigener ist, da er keine Quelle angegeben hat und auch nicht zitiert hat) einfach zu entsorgen, wäre es doch erheblich hilfreicher, die Argumentation und den dahinter liegenden Gedanken zu widerlegen! Dann hätten hier alle was davon. Ich z.B. kenne mich mit den volkswirtschaftlichen und politischen Zusammenhängen nur schlecht aus.




...und hierbei die kulturhegemoniale (in der Definition nach Gramsci) Vormachtstellung der Ideologie, die sich aus Neoliberalismus (Theorie) und finanzialisiertem Kapitalismus (Praxis) ergibt, in den Mittelpunkt rücke.
Nix gegen Dich, Klingenstädter, aber glaubst Du wirklich, daß Du damit etwas bzw mehr als, sagen wir mal, 10% der hier vorhandenen Leser erreichst? Das meine ich nicht mal intellektuell - ich bezweifle schlicht die Bereitschaft des gemeinen, in der Thematik unbewanderten Forenteilnehmers (ich schließe mich ein!), über so einen Satz nicht einfach hinwegzulesen...



Im Übrigen finde ich den Startpost gar nicht mal so schlimm. Wirklich rassistisch ist er jedenfalls nicht. Ok, wehret den Anfängen und so, aber als Satire ist das in Ansätzen schon halbwegs brauchbar (auch wenn das wohl eher nicht in ktown's Interesse gelegen haben dürfte - falls doch bitte ich um Aufklärung
default_wink.png
).



ps: Huch, mir fällt jetzt gerade erst auf, daß sich der Thread ja im "Fun'n more"-Subforum befindet. Das relativiert die Sache ja mMn deutlich.
 
@ Lenfer



Nein, auch als Satire ist der Text eher unbrauchbar. Satire soll Menschen zum Nachdenken und Hinterfragen anregen - hier wird aber ein "Jawoll, so isses doch!" provoziert und das ganz ohne jede faktische Grundlage.



Was meinen Satz betrifft, liefert er ja nur die Erklärung, warum ich auf ein bestimmtes Ergebnis komme und soll dies besser einzuordnen helfen.



Zum Thema Euro-Krise habe ich noch einen interessanten und hoffentlich anregenden Artikel aus der Financial Times Deutschland, der sich extrem kritisch mit dem Krisenmanagement und Deutschlands Rolle befasst. Die Quelle dürfte wohl der linken Propaganda unverdächtig und somit akzeptabel sein. Eingeordnet und auch mit der hier thematisierten öffentlichen Wahrnehmung zusammengebracht wird dieser Artikel auf den nachdenkseiten, die dahingehend wohl eher auf Ablehnung stoßen dürfte (Artikel hier).





Das Thema wird uns noch sehr lange beschäftigen, insofern fände ich es wirklich vorteilhaft, wenn jeder Mensch etwas mehr Bereitschaft entwickeln würde, sich für die Hintergründe zu interessieren. Ich glaube durchaus, dass dieser Krise das Potential zu einem epochalen Bruch innewohnt, aus dem sich neue Ordnungen in einem Spektrum zwischen nationalistischen Regimen mit einer Mischung aus Merkantilismus und Kapitalismus als Wirtschaftsform einerseits und verwirklichten Konzepten einer solidarischen Ökonomie andererseits etablieren könnten. Daher ist für mich die latente Reduktion des Themas auf "faule Südländer müssen halt mehr arbeiten und sparen" und "wir fleißigen Deutschen opfern uns für die Gemeinschaft und haben nichts davon" einfach inakzeptabel - auch wenn mich diese Haltung wohl wieder in einem intoleranten Licht erscheinen lässt.
 
@Klinge



Ich weiß ja nicht, ob Gramsci heute unbedingt noch zeitgemäß ist. Er leitete seine Hegemonie-Ideen vornehmlich von der Entwicklung Italiens nach dem Wiener Kongress (1814/1815) ab. Und formuliert hat er sie vor rund 90 Jahren. Etwas moderner sollte man Europa schon diskutieren.
 
@Klinge


Ich weiß ja nicht, ob Gramsci heute unbedingt noch zeitgemäß ist. Er leitete seine Hegemonie-Ideen vornehmlich von der Entwicklung Italiens nach dem Wiener Kongress (1814/1815) ab. Und formuliert hat er sie vor rund 90 Jahren. Etwas moderner sollte man Europa schon diskutieren.


Ist sogar sehr modern. Bin grad in der Uni und bereite ein Referat vor, daher nur zwei Wikipedia-Suchanfragen: "Neogramscianismus" und "Robert W. Cox".

Bei uns in Frankfurt absolut etabliert.
 
Ganz ehrlich: Ich finde den Startbeitrag wirklich bedenklich und verstehe Klinges Reaktion darauf. Vor nicht ganz 70 Jahren hatte Deutschland es sich hart verdient, zu einem armen Agrarstaat gemacht zu werden. Das ist nicht passiert - Deutschland wurde mit viel Hilfe von außen wieder zu einer Industriemacht. Heute ist unser Lebensniveau unfassbar hoch, viel höher als vor 30, 40 Jahren, wozu die politische Stabilität, die EG/EU bieten, ungeheuer viel beiträgt. Und dann müssen wir uns hier solche Schmarrnrechnungen durchlesen. Man könnte 100 solche Rechnungen aufmachen, à la "Um ganz viel Geld zu verdienen, muss ab und zu mal einer sterben. Dann stirbt 1 Deutscher, 10 Inder, 10 Bangladeshis, 87 Chinesen". Von dem Geld profitiert 1% Bangladesh, 5% Indien, 20% China und 74% Deutschland". Zahlen sind frei erfunden, aber ungefähr so verhält es sich in der Welt. Jeder, der hier im Forum ist, gehört zu den Gewinnern der internationalen Ökonomie - im Vergleich mit Griechenland, mit Spanien, mit Italien, mit ganz Asien, Südamerika, Afrika sowieso. Und dann wühlt man nach irgendwelchen Zahlen, nach denen Deutschland ausgenutzt wird. Das ist wirklich billige, rechte Polemik.
 
Ist sogar sehr modern. Bin grad in der Uni und bereite ein Referat vor, daher nur zwei Wikipedia-Suchanfragen: "Neogramscianismus" und "Robert W. Cox".
Bei uns in Frankfurt absolut etabliert.


Nicht nur in Frankfurt, auch bei allen halbintellektuellen neuen Rechten in Europa.
 
Paradoxer gehts ja nicht mehr angesichts seiner Biographie (politischer Häftling des italienischen Faschismus, Gründer der KPI, starke marxistische Prägung, etc.) und den Hintergründen von beispielsweise Robert Cox oder Steven Gill.



Hast du vielleicht Links, die deine Aussage bestätigen - ich glaube dir grundsätzlich, dass du da irgendwelche Infos kennst, aber mich interessiert das Thema sehr, sodass ich auch gerne mehr über die mögliche Kaperung Gramscis von Rechts erfahren würde.
 
Ich bin jetzt nicht der große Gramsci-Kenner. Aber wenn es darum geht, Kulturkampf zu entfachen und die kulturelle Hegemonie in einer Gesellschaft zu gewinnen, dann ist das - zumindest theoretisch - ein Ansatz, der linke wie rechte Radikale interessiert. Gramsci ist mir in den 1980er (?) Jahren erstmals untergekommen, als ich Alain de Benoists Buch Kulturrevolution von rechts gelesen habe. Dieser Chefintellektuelle der Rechten in Frankreich hat sich ausdrücklich auf Gramsci berufen. Und einige in Italien, aber auch in der NPD, sind auf diesen Zug aufgesprungen.



Aber natürlich spricht das nicht automatisch gegen Gramsci, der sich ja nicht mehr wehren kann. Aber sicher weißt du, dass Gramsci an Machiavelli anknüpft. Und daran anzuknüpfen, fällt Rechtsextremen nicht schwer.
 
Mal ein Vorschlag meinerseits (der sich in Gramsci und Co. auch nicht gerade eingelesen hat, ich kann nur mit Carl Schmitt dienen):



Dieses Thema ist brisant und der Eingangsbeitrag ist es auch, da er Zusammenhänge derart herunterbricht, dass jemand, der sich mit der Thematik nicht wirklich befasst hat, dieses als einfache Erklärung hinnimmt. Angesichts dessen bin ich der Meinung, dass man der Gesamtbedeutung des Themas hier nicht gerecht wird, wenn man jetzt auf höchstem intellektuellem rhetorischen Niveau hier über den Dingen schwebt und Diskussionen führt, an der sich die Mehrheit der Leser hier nicht beteiligen will, weil sie sich fehl am Platz vorkommt.



Man kann komplexe Zusammenhänge auch verständlicher ausdrücken, so dass jeder mitdiskutieren kann. Zudem wäre ich froh, wenn wir zum eigentlichen Thema zurückkehren und kein Faß über "Clash of Zivilizations" und Rassismus aufgemacht wird. Dass das da mit drin steckt, ist schon klar. Wenn man aber das Ganze rein sachlich und verständlich erklärt, dann erledigt sich das nämlich von alleine.
 
OK OK...mir war nicht bewußt, dass die Kopie aus einem anderen (und sicherlich nicht rechtsgesinnten oder europafeindlichen) Forum zu solchen emotionalen Reaktionen führen würde.

Ich ging eigentlich davon aus, da ich es im Unterforum "Fun 'n more" gepostet habe, wie der Inhalt letztlich zu bewerten ist. Wieso hier gleich daraus erstens eine direkte Anfeindung gegen meine Person daraus wird und zweitens grundsätzlich in diesem Bereich daraus eine politische Diskussion gemacht wird,erschließt sich mir nicht.



Jeder der mich kennt weiß, wie meine politische Gesinnung ist und das es mir fern ist in dieser hier beschriebenen Ecke zu stehen.



Ich bitte daher diesen Thread entweder zu schließen, oder ganz zu löschen.
 
Ich ging eigentlich davon aus, da ich es im Unterforum "Fun 'n more" gepostet habe, wie der Inhalt letztlich zu bewerten ist. Wieso hier gleich daraus erstens eine direkte Anfeindung gegen meine Person daraus wird und zweitens grundsätzlich in diesem Bereich daraus eine politische Diskussion gemacht wird,erschließt sich mir nicht.
Dafür sind m. M. nach einzig und allein die letzten beiden Sätze ausschlaggebend, da sollte einem klar werden dass es doch nicht bloß um "Spaß" geht.
 
Ach mensch, sehe das jetzt erst.

Für mich völlig unverständlich warum hier so ein Faß aufgemacht wird?! Muß man den Text denn gleich auf rechts drehen?

Mich nervt es auch das wir Deutschen für jeden ****** zahlen. Weiß nicht ob es an unserer Vergangenheit liegt aber mich regt es auf das wir die Kohlen z.B. Griechenland in den rachen hauen! Bin kein EU oder Finanzexperte und kann somit nicht sagen ob es richtig ist das wir es machen aber solange wir in Deutschland Familien haben die nichts zu essen haben, nicht genug soziale Einrichtungen sage ich " Ich verstehe es nicht, wieso?"

Mein Schlußwort: Bitte hört auf alles auf rechts zu drehen!
 
Bin kein EU oder Finanzexperte und kann somit nicht sagen ob es richtig ist das wir es machen aber solange wir in Deutschland Familien haben die nichts zu essen haben, nicht genug soziale Einrichtungen sage ich " Ich verstehe es nicht, wieso?"
Wieso? Weil der gierige Steuerzahler immer die Partei wählt die ihm am meisten verspricht den "sozialschmarotzenden" Hartz IV Empfängern und Dauerarbeitslosen am meisten die Bezüge zu kürzen, die meisten Strafen aufzuerlegen und ihnen sonst so viel wie möglich an den Karren zu fahren. Deshalb hungern in Deutschland Familien und nicht wegen Griechenland.
 
Ramser: Da machst es dir ein wenig zu einfach. Ich habe nicht gesagt das Griechenland ect. DAS Problem ist. Ich meinte damit, solange man eigene Probleme vor der Tür hat sollte man erst die lösen anstatt anderen zu "helfen" Und glaub mir, es gibt soviele Sozialschwache Familien u.a. Rentner die so eine schwache Rente haben und die mit sicherheit keine Sozialschmarotzer waren/sind. Und mir ging es auch nicht nur um Leistungen sondern auch um Soziale Einrichtungen wie Kitas..... usw. Könnte die ne ewig lange Liste aufschreiben was wir in Deutschland mehr bräuchten und leider heißt es dann immer " Uns fehlt das Geld" Aber im gegnzug dann zig Milliarden in die EU pulvern, das lieber Ramser verstehe ich nicht. Und das alles hat mit sicherheit nichts mit der Rechten Schiene zu tun!
 
solange man eigene Probleme vor der Tür hat sollte man erst die lösen anstatt anderen zu "helfen"


Griechenland IST ein Problem vor der eigenen Haustür, wir sitzen schließlich im viel zitierten selben Boot. Wie stellst du dir das denn vor, sollen wir das einfach ignorieren, weil wir gerade "keine Zeit" dafür haben?? Ich bin ebenfalls alles andere als ein Finanzexperte, aber mir ist zumindest soviel klar, dass ich weiß das Deutschland von der EU bzw. dem Euro profitiert hat und immernoch profitiert. Uns in der ganzen Sache als Verlierer dazustellen ist definitiv zu einfach. Wenn Griechenland und co. vor die Hunde gehen haben wir das Problem.



ja und noch zum Thema: Ich hoffe K-Town ist klar geworden dass das nicht jeder als Spaß versteht und es einen sehr ernsten Hintergrund hat. Und wie Ramser richtig sagt: Die beiden letzten Sätze fasse ich auch weniger als Spaß auf. Aber damit ist dann auch gut, ich will ihm da nichts böswilliges unterstellen.
 
Ach mensch, sehe das jetzt erst.
Für mich völlig unverständlich warum hier so ein Faß aufgemacht wird?! Muß man den Text denn gleich auf rechts drehen?

Mich nervt es auch das wir Deutschen für jeden ****** zahlen. Weiß nicht ob es an unserer Vergangenheit liegt aber mich regt es auf das wir die Kohlen z.B. Griechenland in den rachen hauen! Bin kein EU oder Finanzexperte und kann somit nicht sagen ob es richtig ist das wir es machen aber solange wir in Deutschland Familien haben die nichts zu essen haben, nicht genug soziale Einrichtungen sage ich " Ich verstehe es nicht, wieso?"


Du bist kein Experte, setzt aber voraus, dass es der Fall ist, dass "wir" "denen" "Geld in den Rachen hauen" und dafür arme und notleidende Deutsche zu kurz kommen? Das ist ja das, was ich hier kritisiere. Einerseits bescheinigt man sich selber, mehr oder minder keine Ahnung zu haben (was an sich erstmal keine Schande ist), andererseits stellst du eine ziemlich klare und eindeutige Meinung von dir dar. (Ich hoffe, du verstehst, worauf ich dich hier stoßen möchte. Ist nicht böse gemeint.)




Mein Schlußwort: Bitte hört auf alles auf rechts zu drehen!


Nicht solange deren Propaganda dazu führt, dass Menschen wie du oder ktown den Quatsch offenbar glauben und gar nicht bemerken, was sie da überhaupt denken oder weitertragen. Das hat rein gar nichts mit "auf rechts zu drehen" zu tun. Hier werden Zusammenhänge dargestellt, die nicht stimmen auf Basis von vermeintlichen Fakten, die es gar nicht gibt und heraus kommt das klassische Denken "wir sind benachteiligt - die anderen sind bevorzugt", was in der Geschichte der Menschheit schon so oft der Fall war (nicht nur bei uns) und immer, wenn es sich zu sehr aufgestaut hatte, waren Hass, Gewalt und Elend die Folge davon.



Fühl dich bitte nicht angegriffen, es ist vollkommen natürlich, dass Menschen einfache Erklärungen suchen für Dinge, die sie nicht verstehen. Es gibt da ja zahlreiche Beispiele für Phänomene aus Natur und Gesundheit, die man lange Zeit nur mit "Gottes Wille" erklärt hat. Und die Rechten haben für soziale und wirtschaftliche Phänomene einfach verdammt gute (auf den ersten Blick) und einleuchtende Erklärungen, mit denen sich dann leider die Menschen, die sich nicht weiter mit dem Thema beschäftigen (wollen) häufig zufrieden geben. Früher waren es "die Juden", die Schuld an der katastrophalen wirtschaftlichen Situation (Weltwirtschaftskrise) waren, jetzt sind "die Türken" schuld, dass der Sozialstaat zurückgefahren wird und "die Griechen" sacken unsere Kohle ein, die uns dann fehlt. Ist beides nachweislich falsch, aber einfacher ist es immer, externe Faktoren und Personen für eigene Probleme verantwortlich zu machen.



@ ktown



Das Thema sollte offen bleiben, da es wirklich wichtig ist.



@ palatino und Onkel



Spoiler zu Gramscis Hegemonie:





<div style="margin-bottom:2px;"><b>Spoiler</b> <i>%2$s</i>:

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Gramsci hat mit "Kulturkampf" in dem Sinne der Rechten nichts am Hut und man muss sich schon arg verdrehen, um da einen Bogen hinzubekommen. Kurz zusammengefasst: Die höchste Form von Hegemonie ist für Gramsci die kulturelle Hegemonie - die ist dann gegeben, wenn eine Minderheit ihre spezifischen Partikularinteressen so im Bewusstsein der Bevölkerungsmehrheit verankern kann, dass diese jene Interessen als eigene Interessen adaptiert, selbst wenn sie eigentlich zum Schaden der Mehrheit sind. Für Gramsci waren Intellektuelle der wichtigste Faktor für diese Verankerung von Zielen und Normen. In der heutigen Zeit kommen da natürlich definitiv die Medien mit ins Spiel.
Für mich ist diese Ansicht sehr gut übertragbar auf das Phänomen des Erfolges neoliberaler Ziele, die (für mich) nur zum Wohle einiger weniger Personen und zu Lasten sehr vieler Menschen führen. Inhaltlich mag mir da Onkel Helmut wahrscheinlich widersprechen wollen, aber das ist verkürzt der Theorierahmen, der u.a. vom Neogramscianismus eröffnet wird.


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</div>
 
Zu Griechenland mal in kurzen Stichpunkten die Realität wie ich sie sehe (User mit eher liberalem Standpunkt werden einige Dinge sicher anders bewerten, aber vielleicht kann man sich wenigstens auf die grundsätzlichen Dinge einigen):



Griechenland vor der Krise



- wirtschaftlich kann man GR als Entwicklungsland bezeichnen

- nur sehr schwache sozialstaatliche Institutionen

- es gibt mehr Griechen im Ausland als im Inland

- "Heimüberweisungen" der Auslandsgriechen sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor

- die vielen vorhandenen Großfamilien sind (wie so oft in der Geschichte) ein Zeichen ökonomischer Notwendigkeit und keine "kulturelle" oder ähnliche Vorliebe der Griechen

- die vielen Jobs im Staatsdienst sind ein Effekt der Wirtschaftspolitik die Binnennachfrage zu stimulieren (der Staat kann hier über Lohnpolitik steuernd eingreifen)

- staatliche Einnahmen durch Steuern sind (wie wohl inzwischen bekannt) sehr mau, Steuergerechtigkeit ist kaum vorhanden, Steuerhinterziehung in den Kreisen der Eliten gehören zum guten Ton



Deutschland und die EU



- Deutschland hat sich aktiv für Mitgliedschaft Griechenlands eingesetzt

- Goldman Sachs und Deutsche Bank haben als Berater mitgeholfen, die Zahlen der griechischen Finanzen so zu drehen, dass Aufnahme legal möglich war (dies war nie ein Geheimnis)

- Deutschland hatte als stärkstes Land kein Interesse an den Stabilitätskriterien (siehe die Verstöße)

- wenn man an die DM zurückdenkt fällt auf, dass diese Währung nur funktionieren konnte, indem es einen Länderfinanzausgleich, wirtschaftspolitische Steuerung und am wichtigsten fiskalpolitische Ansatzpunkte gab -> all dies fehlt im Euro-Währungsraum

- höchstes Ziel der EZB (Europäischen Zentralbank) ist eine stabile Inflation von rund 2% - hiervon profitieren eigentlich ausschließlich die Investoren. Da es Zielkonflikte zwischen Inflation/Wirtschaftswachstum/Arbeitslosigkeit gibt, ist diese Konzentration sehr einseitig

- durch die Prekarisierung der Beschäftigungs- und Lebensverhältnisse durch die Sozialreformen von Rot-Grün wurde Deutschland im letzten Jahrzehnt zum Niedriglohnland der Euro-Zone

- dadurch erzielte Deutschland mehr Exportüberschüsse - rund 80% der Exporte blieben im Euro-Raum - das heißt zwangsläufig, dass andere Euro-Länder im Gegenteil diese 80% mehr importieren als exportieren und dadurch negative Leistungsbilanzen hervorbringen. Wirtschaftswissenschaftlich sind ausgeglichene Leistungsbilanzen wünschenswert

- Deutschland profitierte hier vor allem auch von den Wettbwerbsvorteilen gegenüber den südlichen Nachbarn (insbesondere GR, weshalb diese auch so erwünscht waren im Euro-Raum)



Krise



- nachdem weltweit Banken gerettet wurden (d.h. Misswirtschaft privater Unternehmen wurden mit öffentlichen Geldern finanziert), tritt nun das große Sparen in Kraft (d.h., anstatt durch entsprechende Steuerreformen die Nutznießer der Bankenrettungen mehr zu belasten werden nun die Auswirkungen der privaten Misswirtschaft auf die Allgemeinheit abgewälzt)

- Griechenland hatte bis zu diesem Zeitpunkt stabiles Wirtschaftswachstum, vor allem der Mittelstand profitierte vom Euro - konnte aber die enorme Mehrfachbelastung durch die Bankenkrise nicht mehr auffangen, sodass es zur sogenannten Verschuldungskrise kam

- IWF, EU und Deutschland übernahmen faktisch die Budgetpolitik (hiermit werden sich wohl noch künftig Völker- und Verwaltungsrechtler längere Zeit beschäftigen)

- IWF: überstaatliche Institution, die von den Mitgliedsstaaten Gelder einsammelt, um diese gegen Zinsen und (noch wichtiger) Bedingungen (die der Ideologie der Geberländer entsprechen) an Staaten in Finanznot zu verleihen, hatte in den 90ern spektakuläre Misserfolge (vor allem in Südamerika und Süd-Ost-Asien) und war durch diese Erfahrungen eigentlich politisch tot - da das Einhalten der Bedingungen die Krisen in den Krisenländern verschärft hatte

- Gefordert werden massive Einsparungen

- Folge: Griechenlands Wirtschaft geht absolut den Bach herunter, der Mittelstand wird pulverisiert, die Arbeitslosigkeit beträgt inzwischen fast 25% aller Arbeitsfähigen (bei jungen Menschen fast 40%) und die Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen, die sich zuvor gerade so durchschlagen konnten mussten im Durchschnitt Verluste von rund 33% hinnehmen

- Abwärtsspirale: Je mehr gespart werden muss, desto schlimmer wird die Situation, desto mehr Geld benötigt Griechenland, etc.

- das Geld, was Griechenland erhält, landet in der Regel auf Sperrkonten und hängt da fest, um die Zinszahlungen zu gewährleisten - mit jeder neuen "Hilfe" steigt die Zinsbelastung und das "Hilfsgeld" stopft nur kurzfristige Löcher und bietet keine nachhaltige Hilfe







Ich verstehe den Kurs auch nicht, aber so stellt sich die Situation für mich (stark verkürzt) dar. Ich sehe ein dickes Logikproblem: Je mehr Deutschland die übrigen Euro-Länder dazu drängt, wirtschaftspolitisch genauso zu handeln, desto mehr schneidet man sich ins eigene Fleisch. Unsere Binnenwirtschaft ist tot, die Arbeitnehmer haben massive Reallohnverluste hinnehmen müssen und stehen heute arbeitsrechtlich sehr viel schlechter da als in den 90ern und durch die Hartz-Reformen steigt die Bereitschaft, Jobs zu beschissenen Bedingungen anzunehmen. Dazu investieren die (großen) Unternehmen kaum noch, haben aber sehr große Gewinne eingefahren im letzten Jahrzehnt. Es kann rein logisch nicht funktionieren, dass sich alle Länder auf Export konzentrieren - irgendwer muss das Zeugs ja kaufen und mehr importieren als exportieren. Je größer die Unterschiede in den Leistungsbilanzen (einer Währungsunion), desto größer die Krisenanfälligkeit und die Wahrscheinlichkeit für genau diese Situationen wie die derzeitige - und gerade Deutschland könnte hier wirtschaftspolitisch anders handeln, nimmt aber eine absolute Extremposition ein, die im Ausland mit großem Befremden wahrgenommen wird.





Sich vor diesem Hintergrund hinzustellen und zu jammern, dass die Griechen unser Geld bekommen, den Hals nicht voll bekommen und uns dafür auch noch beschimpfen geht Lichtjahre an der Realität vorbei.





Interessante Links:

IWF-Chefökonom sagt, dass Haushaltseinsparungen in der Krise das Haushaltsdefizit weiter erhöhen (also zu einer höheren Verschuldung führen): Tagesanzeiger (Lustigerweise handelt der IWF wie oben angemerkt genau gegenteilig)



Wieder der Beitrag von Heiner Flassbeck mit der Forderung, den Exportüberschuss in Deutschland abzubauen und den Binnenkonsum zu stärken: Financial Times Deutschland



Und aus den Nachdenkseiten:



Deutschland – der Elefant im Euro-Porzellanladen. Frankreich müsste mit den Südländern eine Koalition bilden, um den Elefanten zur Vernunft zu bringen.



Griechenland – Wenn marktkonformer Zynismus ein Land vor die Hunde gehen lässt



Was hilft ein zweiter Schuldenschnitt für Griechenland?
 
Wie Klinge schon schreibt: Deutschland hat jahrelang davon profitiert, dass europäische Nachbarn und Nachbarstaaten "unsere" Produkte kaufen und sich auch verschulden, um Panzer, U-Boote, Autos, Trockner und Kühlschränke Made in Germany zu kaufen. Hat sich ein Mensch darüber beschwert? Nein, weil es deutsche Arbeitsplätze sicherte und sichert.







Und wo wir grad bei Interessen sind: Die ganze "Krise" ist auch von Menschen gemacht - Menschen mit Interessen, siehe folgenden Artikel:





Die Geschichte der griechischen Krise wird sehr einseitig beschrieben. Europa ist gut, Athen ist böse. Europa muss sein Sorgenkind erziehen - oder es aus dem Euro werfen. Es geht um „Lügen“, „Sorgen“ und der teuren „Rettung“. Dahinter verbergen sich knallharte Interessen.



http://www.fr-online.de/schuldenkrise/euro-krise-das-maerchen-von-den-griechen,1471908,17172592.htmlhttp://www.fr-online.de/schuldenkrise/euro-krise-das-maerchen-von-den-griechen,1471908,17172592.html
 
@ Klinge



Sehr schön zusammengefasst. Teilweise sehe ich das im Detail aber tatsächlich anders. Ich versuche das mal in Blöcken zusammenzufassen:



"Prekarisierung" der Lebensverhältnisse



In meinen Augen müssen die westlichen Industriegesellschaften, die seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse leben in absehbarer Zeit ohnehin eine signifikante Abnahme des Wohlstands hinnehmen. Die Zeit, in denen man mit Sozialstaatsversprechen Wahlen gewinnen kann, muss vorbei sein und in der Praxis ist sie das schon lange. Wer den Wählern vorgaukelt, dass sie trotz der demographischen Schieflage in unserem Land langfristig keine Einbußen an Realeinkommen und Renten hinnehmen müssten, lügt sie schlichtweg an.



Insofern ist die von dir mit dem Begriff "Prekarisierung" beschriebene Entwicklung eigentlich nur folgerichtig. Sie würde unter jedweder Regierung stattfinden müssen, um die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt zu sichern. Deswegen muss aber bei uns in Deutschland trotzdem keiner verhungern. Wir leben weiterhin auf einer Wohlstandsinsel, nur werden die Menschen gezwungenermaßen genügsamer, materiell bescheidener werden und sich im Verzicht üben müssen.



Dass dieser Trend nicht dazu führen darf, dass am oberen Ende der Gesellschaft sich ein paar wenige Banken und Unternehmen als "Kriegsgewinnler" der Finanz- und Schuldenkrise eine goldene Nase verdienen dürfen, versteht sich von selbst. Hier sind im Finanzsektor harte Regulierungsmaßnahmen - wie z.B. von Steinbrück vorgeschlagen - gefragt. Trotzdem bin ich - obwohl ich selbst unter dem offiziellen Existenzminimum lebe - eindeutig gegen eine Politik, die in der Gesellschaft eine materielle Umverteilung mit der Tendenz zur Gleichmacherei vorsieht, so wie es z.B. die Linke vorhat. Daraus, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind, kann nicht der Anspruch auf gleichen Besitzstand abgeleitet werden. Ich unterstelle das ausdrücklich nicht DIR, sondern den Parteien, die ihren Wählern dieses zu verkaufen versuchen. Es ist aber für eine freie und demokratische Gesellschaft von elementarer Bedeutung, dass zwar alle möglichst die gleichen Chancen haben, jedoch grundsätzlich jeder ein Stück weit seines Glückes Schmied ist. Dass darf sich dann ruhig auch in den jeweiligen Lebensumständen widerspiegeln. Für Notfälle ist unser Sozialstaat zuständig, der den Allermeisten, die unter der offiziellen Armutsgrenze leben, immernoch ein besseres Leben ermöglicht, als es 75-80% aller Menschen weltweit führen können.



Griechenland



Zunächst mal ein sehr aufschlußreiches Interview mit Hans-Werner Sinn aus der Augsburger Allgemeinen, der die Thematik in einfachen Worten ganz gut erklärt:



http://www.augsburger-allgemeine.de...ben-zehn-Jahre-Party-gefeiert-id22832476.htmlhttp://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/Hans-Werner-Sinn-Die-Griechen-haben-zehn-Jahre-Party-gefeiert-id22832476.html



Mein eigener Standpunkt:



Deutschland hat zurzeit der Währungsunion dafür gekämpft, dass Griechenland - wider besseres Wissen - in die Euro-Zone aufgenommen wurde, was niemals hätte passieren dürfen. Es waren damals rein emotionale bzw. politische Gründe ausschlaggebend ("Die Wiege der europäischen Demokratie darf nicht fehlen" etc.). Wie an den Zahlen gedreht wurde, hast du ja sehr schön beschrieben.

Im Grunde genommen ist es in ganz Südeuropa dasselbe Problem, welches bei der Währungsunion bewusst ignoriert und auch innerhalb der nordeuropäischen Staaten völlig inkonsequent gehandhabt wurde. Die Stabilitätskriterien standen schön auf dem Papier, wurden aber von fast niemandem eingehalten, erst recht nicht vom Musterschüler Deutschland. Dieser Umstand war für alle anderen Staaten die Einladung, was die eigenen Defizite anging, fünf gerade sein zu lassen und sich ebenfalls nicht daran zu halten. Das Problem: Die Staaten Südeuropas verfügen nicht im Ansatz über die Wirtschaftskraft, um wieder auf die Beine zu kommen - Nordeuropa aber schon.

Im Grunde hatte man die Südeuropäer mit Aufnahme in die Euro-Zone von Anfang an im Schwitzkasten und hat ihnen damit keinen Gefallen getan. Zunächst bekamen sie durch den Euro alle billige Kredite und haben damit ihre Volkswirtschaften aufgeblasen. Das beruhte aber nie auf eigener Wirtschaftskraft. VOR dem Euro war das alles kein Problem und lief in Ländern wie Italien und Griechenland zyklisch und mit einer gewissen Berechenbarkeit ab: Gerieten Wirtschaft und Währung in eine Krise, kam die Abwertung und man kam wieder auf die Beine.

Das funktioniert jetzt aber nicht mehr. Durch die Vergemeinschaftung der Währung hängen alle zusammen mit drin und solch eine Krise kann nicht mehr isoliert gelöst werden. Also müssen wir diesen Ländern Geld leihen bzw. schenken, bis wir schwarz werden. Und Deutschland ist selbst dran schuld. Man wollte das so und hat sich auf EU-Ebene nie für konsequente und sanktionsbewehrte Kontrollmechanismen eingesetzt. Jetzt haben wir den Salat und müssen halt bezahlen. Das ist der Preis für den Euro. Und das sollte man den Leuten einfach ehrlich sagen.



Europa

Trotzdem bringen uns der Binnenmarkt und die gemeinsame Währung viel mehr Vor- als Nachteile, da durch die Enge Verzahnung der Wirtschaftskreislauf vereinfacht und viele Prozesse beschleunigt werden. Zudem wäre im Zeitalter zunehmender globaler Vernetzung jede Orientierung zurück zur Kleinstaaterei und Nationalen Währungen ein Rückschritt, der uns endgültig unserer Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt berauben würde. Ein großer Teil unserer Exporte geht außerdem in die EU - von alten Zollschranken und Währungs-HickHack wie früher hätten wir nur eins, nämlich gar nichts.



Außerdem geht es nicht nur ums Geld, es geht um Europa. Europa ist in erster Linie ein Friedensprojekt, dass seit Beginn der europäischen Integration jetzt schon über 60 Jahre für friedliches Zusammenleben von mittlerweile über 500 Mio Menschen steht. Europa, die EG und später die EU besitzen eine derartige Integrationskraft, dass sogar der Eiserne Vorhang gefallen ist und die meisten ehemaligen Blockstaaten des Warschauer Paktes unsere friedlichen Nachbarn wurden - vor 30 Jahren völlig undenkbar.



Die lange Zeit, die wir schon unter dieser Friedens-Käseglocke leben, hat wohl viele Menschen vergessen lassen, was hier vor 70 Jahren noch los war. Und auch die Kriege im zerfallenden Jugoslawien vor der eigenen Haustür haben offenbar kein bleibendes Bewusstsein dafür hinterlassen, was passieren kann, wenn man in eifersüchtige Kleinstaaterei und polemischen Nationalismus verfällt. Den Meisten scheint gar nicht bewusst zu sein, auf welcher Insel der Seligen wir hier in Europa leben. Da sind Facebook, Burger King und die nächste Germany's next Topmodel-Staffel offenbar mittlerweile wichtiger - ist ja alles selbstverständlich.



Nein, ist es nicht. In den meisten Ländern der Erde haben die Leute nämlich nix zu beißen und müssen elend krepieren. Hier nicht. Und das ist ein so wertvoller Erfolg, dass dafür gar nicht genug Geld bezahlt werden kann. Deswegen muss man Griechenland retten. Und den Euro.
 
Als erstes möchte ich euch beiden ( Klinge und Onkel) sagen das ich es wirklich gut finde wie ihr schreibt und recherchiert. Das macht das Forum mal wieder aus.
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Ob man nun den Punkten zustimmen muß denke ich ist jeden selbst überlassen.

Natürlich weiß ich auch, das was ich geschrieben habe bezogen auf Sozialschwache usw. das es jammern auf hohem niveau ist. Und ich möchte mich hier klipp und klar vom rechten denken distanzieren!

Nur wo ihr jetzt an dem Text die rechte Seite seht ist mir noch immer nicht klar?! Ihr redet von Propaganda. Von wem? Was glaubt ihr wer diesen Text verfasst hat?
 
Als erstes möchte ich euch beiden ( Klinge und Onkel) sagen das ich es wirklich gut finde wie ihr schreibt und recherchiert. Das macht das Forum mal wieder aus.
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Ob man nun den Punkten zustimmen muß denke ich ist jeden selbst überlassen.

Natürlich weiß ich auch, das was ich geschrieben habe bezogen auf Sozialschwache usw. das es jammern auf hohem niveau ist. Und ich möchte mich hier klipp und klar vom rechten denken distanzieren!

Nur wo ihr jetzt an dem Text die rechte Seite seht ist mir noch immer nicht klar?! Ihr redet von Propaganda. Von wem? Was glaubt ihr wer diesen Text verfasst hat?


Was weiß ich, wer das geschrieben hat. Ich wär mir auch noch nicht mal so sicher, dass der oder diejenige explizit damit "Propaganda" machen will. Allerdings stellt der Text halt Zusammenhänge völlig verkürzt dar. Dass die Rettung Griechenlands Geld kostet, ist natürlich prinzipiell richtig. Nur werden halt geflissentlich alle Zusammenhänge vorher und nacher, die diesen Umstand begründen und erklären könnten, weggelassen.

Übrig bleibt dann: "Der Deutsche bezahlt für den faulen Griechen". Natürlich hat Griechenland keine funktionierende Steuerverwaltung und eine schwache Wirtschaft, aber das wusste man vor 20 Jahren, als man die EWWU in den Maastrichter Verträgen beschlossen hat, auch. Und man wollte sie ja trotzdem auf Biegen und Brechen dabei haben (siehe oben). Der Text stellt das aber so dar, als seien die ahnungslosen Deutschen von den Griechen beschissen worden und müssten - "wie immer" - die Südeuropäer durchfüttern.



Und das bedient die üblichen Ressentiments, die in solchen Zusammenhängen immer gern aus der Schublade geholt werden. Fehlt eigentlich nur noch irgendwas mit "Zigeuner". Der Text bedient einfach stereotype Ängste. Und wer's nicht genauer wissen und diese einfache "Antwort" glauben will, glaubt sie auch. Dass Deutschland aber wie gesagt zum großen Teil mit schuld ist, das sagt natürlich keiner. Und auch nicht, welche Konsequenzen ein Ausstieg aus dem Euro hätte. Wäre denen auch zuviel Mühe
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Wer sowas schreibt, nimmt zumindest gewisse Dinge in Kauf. Und gut finden kann man das nicht.
 
@ Onkel



Mich juckt es in den Fingern, zu deinem Beitrag etwas zu schreiben und die ideologischen Unterschiede herauszustellen. Würde aber hier wohl dann doch zu weit führen, oder?



Ist aber auf jeden Fall sehr hilfreich, hier zwei fundierte Beiträge aus eher pro-kapitalistischer Sicht (ich mache bei dir ein interessantes Gemisch aus klassisch liberalen und neoliberalen Positionierungen aus) und eher anti-kapitalistischer Sicht (jedenfalls ist mir der Marxismus von den drei IB-Großtheorien am nächsten) hintereinander zu haben, die zum Threadthema eine ähnliche Auffassung haben. Ich denke, dass diese beiden Beiträge nahe an zwei von vier hier relevanten Extrempole herankommen (es fehlen rechtsextremer Anti-Kapitalismus und "reiner" finanzkapitalistischer Neoliberalismus) und somit gut zur Orientierung dienen können.




Als erstes möchte ich euch beiden ( Klinge und Onkel) sagen das ich es wirklich gut finde wie ihr schreibt und recherchiert. Das macht das Forum mal wieder aus.
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Ob man nun den Punkten zustimmen muß denke ich ist jeden selbst überlassen.

Natürlich weiß ich auch, das was ich geschrieben habe bezogen auf Sozialschwache usw. das es jammern auf hohem niveau ist. Und ich möchte mich hier klipp und klar vom rechten denken distanzieren!

Nur wo ihr jetzt an dem Text die rechte Seite seht ist mir noch immer nicht klar?! Ihr redet von Propaganda. Von wem? Was glaubt ihr wer diesen Text verfasst hat?


So wie der Text sich ließt, entstammt er eindeutig aus dem Umfeld der NPD, die häufig Kampagnen auf diese Vorgehensweise aufbaut. Es werden komplexe Sachverhalte ins Absurde reduziert und sehr stark die emotionale Ebene angesprochen mit dem Ziel, Wut/Hass/Zorn gegenüber Griechenland (und hier auch weiteren Euro-Ländern) entweder zu entwickeln oder zu verstärken. Das ist ein klassisches Propagandamuster und wird in dieser Form auch häufig von Kampagnenzeitungen wie der Bild (und ihren Schwesterblättern überall auf der Welt) verwendet.
 
Es steht euch frei, dass es offen bleibt. Aber dann gehört es nicht unter Fun'n more, sondern unter Weltpolitik.
 
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