Das späte Glück des "Marco Magic"
Marco Reich (r.) spielt um den Aufstieg in die Premier League
Derby/München - Deutschlands Fußball-Fans gilt Marco Reich als Inbegriff des "ewigen Talents".
Doch mit 27 Jahren ist der ehemalige Nationalspieler beim englischen Zweitligisten Derby County drauf und dran, seine als gescheitert geltende Karriere doch noch zum Guten zu wenden.
Mit Derby im Aufstiegs-Playoff
"Derby ist ein absoluter Volltreffer", sagt der Außenstürmer. Als Reich im Januar 2004 von Werder Bremen zu den "Rams" wechselte, war der Klub Vorletzter - ab dem 15. Mai geht es für den Stammspieler im Playoff-Halbfinale um den Aufstieg in die Premier League.
Reich und seine Frau Christina fühlen sich "sehr wohl" in der Industriestadt mit 250.000 Einwohnern 15 km westlich von Nottingham. "Die Leute hier sind völlig fußballverrückt. Sie leben für ihren Klub", meint Reich. Die Fans feiern ihn als "Marco Magic" und sogar ein Lied haben sie ihm gewidmet, wie er stolz berichtet.
Schließlich überzeugt er durch Leistung. Nur eine schwere Grippe und zwei Verletzungen verhinderten, dass er mehr als 37 der 46 Ligaspiele bestritt (sechs Tore). Sein "wonder goal" beim 2:0 bei Cardiff City war das schönste der Saison.
"Köln war das große Problem"
An die Zeit in der Bundesliga wird er nur noch ungern erinnert. Zwar feierte Reich mit seinem Heimatverein 1. FC Kaiserlautern ab 1996 zunächst in der Zweiten Liga und später im Oberhaus große Erfolge, allen voran die Meisterschaft 1998.
Am 9. Februar 1999 debütierte er beim 3:3 in Miami gegen Kolumbien sogar in der Nationalmannschaft. Doch es blieb bis heute sein einziger Einsatz für Deutschland.
Es folgten fünf Bänderrisse in zweieinhalb Jahren und das "Missverständnis" 1. FC Köln."Köln war das große Problem", sagt Reich. "Ich wollte mir dort einen neuen Namen machen - aber das ging voll in die Hose." 2001 kam er für sechs Millionen Mark und der Ankündigung in die Domstadt, mit dem FC an die Lauterer Erfolge anknüpfen zu wollen.
Der Erfolg blieb aus und in den Zeitungen gab es Berichte über den "Partygänger" Reich. "Das hat mich meine Reputation gekostet. Von da an hatte ich meinen Ruf als schwieriger, unprofessioneller Spieler weg", sagt Reich.
Ernüchterung nach Wechsel zu Werder
Der Wechsel zu Werder 2002 sollte zum Befreiungsschlag werden. Doch nach einem guten ersten Jahr folgte die Ernüchterung.
"Auf einmal holen die Johan Micoud und mit ihm das Rauten-System. Für mich als Flügelstürmer war da kein Platz mehr", erklärt Reich. Nach 143 Bundesligaspielen mit neun Toren heißt die letzte Ausfahrt Derby.
Zukunft noch unklar
Dort fühlt sich Reich derzeit "wie in einem Traum. Ich bin richtig stolz auf diese Saison. Es macht mir endlich wieder richtig Spaß". Die Option in seinem Vertrag auf eine weitere Saison hat er gleichwohl noch nicht gezogen - "weil ich einen Zweitliga-Vertrag habe. Die Situation hat sich jetzt aber kolossal verändert. Bei einem Aufstieg würde ich aber schon gerne bleiben".
Derby will Reich halten, Teammanager George Burley schwärmt, der Deutsche habe ihn beeindruckt. "Er bereichert unsere Mannschaft durch Qualität und Erfahrung. Aber die Entscheidung, ob er bleiben wird, liegt jetzt bei ihm."
Reich will jedoch erst nach Saisonende mit seinem Berater Klaus Gerster und dann mit dem Klub sprechen. Angebote aus der Bundesliga würde er sich jederzeit anhören, meint er, obwohl schon der aktuelle Kontrakt mit Derby "finanziell sehr interessant" sei. Ob er bleibt oder geht: Reich hat nun jedenfalls endlich wieder eine gute Verhandlungsposition.
Quelle:
www.sport1.de
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