schnokes
Active Member
WM-Tickets für Kommunalpolitiker
Stadt Kaiserslautern erhält Sonderkontingent - Kein Weiterverkauf an Jedermann
KAISERSLAUTERN (ros). Die Stadt Kaiserslautern hat für die fünf Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft im Fritz-Walter-Stadion ein Sonderkontingent an Eintrittskarten erhalten. Das Volumen liegt offenbar bei 2000 bis 2500 Tickets. Die Karten, die von der Stadt erworben wurden, sollen an Leute weiterverkauft werden, die Kaiserslautern auf dem Weg zur WM unterstützt haben.
Ein Sprecher des WM-Organisationskomitees in Frankfurt erklärte auf Anfrage, jeder der zwölf deutschen WM-Städte seien zwischen 1500 bis 3000 Karten zum Kauf angeboten worden. Die genaue Anzahl sei von der Zahl der Spiele und der Kapazität des Stadions abhängig. Die Städte hätten die Tickets zum normalen Kaufpreis erwerben können. Für die Vorrunden-Begegnungen kosten die WM-Karten bis zu 100 Euro, für ein Achtelfinalspiel bis zu 120 Euro.
Die Stadt Kaiserslautern wird die Karten aus ihrem Sonderkontingent gezielt vor allem Vertretern von Firmen und Sponsoren, die sich für die WM-Spiele im Fritz-Walter-Stadion engagiert hätten, sowie „besonderen Gästen" zum Kauf anbieten, sagte der städtische WM-Beauftragte Erwin Saile. Zudem könne jedes Mitglied des Kaiserslauterer Stadtrats zwei Tickets erwerben. Aufgrund der gemachten Bedingungen des WM-Organisationskomitees sei es nicht möglich, die Karten an Jedermann weiterzuveräußern. Die Stadt könne keinen Verkaufsstand aufmachen, bei dem es nach dem Prinzip gehe, wer zuerst kommt, erhält eine Karte, sagte Saile.
Dem widerspricht jedoch indirekt der Sprecher des Organisationskomitees in Frankfurt. Es gebe keine Vorgaben, die Art des Weiterverkaufs sei den Städten überlassen, erklärte Sprecher Stephan Eiermann gegenüber der RHEINPFALZ. Ausgeschlossen seien allerdings Verlosungsaktionen, weil diese den Hauptsponsoren der WM vorbehalten seien.
In anderen WM-Städten wie beispielsweise in Hannover war den Verantwortlichen im Zusammenhang mit den Sonderkontingenten vorgeworfen worden, hier würden Politiker und Prominente bevorzugt behandelt. In Hannover hatte Oberbürgermeister Herbert Schmalenstieg deshalb Anfang Januar vorübergehend die Kartenvergabe gestoppt und ein neues Verfahren angekündigt. Der neue sei der alte Modus, sagte jedoch jetzt ein Sprecher der Stadt, man habe aber die Kriterien inzwischen transparent gemacht. Die Karten würden grundsätzlich bei solchen Leuten platziert, denen Hannover die WM-Spiele zu verdanken habe. Dazu zählten auch die Ratsmitglieder, die für jedes der fünf Spiele in der niedersächsischen Hauptstadt je zwei Karten erwerben können. Mit einem Ticketangebot belohnt werden in Hannover aber auch „engagierte und super fleißige Mitarbeiter" in den Behörden, die mit den WM-Vorbereitungen befasst sind.
Dass die Vergabepraxis für solche Ticket-Sonderkontingente kritisch beobachtet wird, ist angesichts der enormen Kartennachfrage kein Wunder, viele Fans waren bei ihren Ticket-Bestellungen leer ausgegangen. „Wir haben nun einmal nur drei Millionen Karten, bräuchten aber gut und gerne 30 Millionen", bedauert der Vizepräsident des Organisationskomitees Horst R.Schmidt. Für ihn ist der Kartenverkauf der schwierigste Aspekt der gesamten WM-Organisation.
Sonderkontingente an Karten für die fünf Kaiserslauterer WM-Spiele gab es im Übrigen nicht nur für die Stadt, sondern auch für die Stadiongesellschaft und den 1. FC Kaiserslautern. Die Stadiongesellschaft, die 2003 zur Entschuldung des 1. FCK eigens gegründet worden war und die das Stadion übernommen hat, werde ihre Karten schwerpunktmäßig Vertretern der am Stadion-Ausbau beteiligten Firmen anbieten, sagte Saile, der auch Geschäftsführer dieser städtischen Gesellschaft ist. Das Sonderkontingent der Stadiongesellschaft sei aber wesentlich kleiner als das der Stadt.
Landesregierung: Wir
bekommen keine Karten
Und wie sieht es mit Karten für Landespolitiker aus? Das Land bekomme kein Kontingent und könne deshalb auch keine Karten weitergeben, sagte Regierungssprecher Walter Schumacher auf Anfrage. Die Landesregierung habe auch keine Tickets angekauft. Ministerpräsident Kurt Beck wird dennoch wohl nicht vor der Kaiserslauterer Stadiontür bleiben müssen. Es gebe zwar noch keine offizielle Einladung der Fifa, mündlich sei eine solche aber bereits ausgesprochen worden, erklärte Schumacher. Der Vorsitzende des für Sport zuständigen Innenausschusses des Landtags, der SPD-Abgeordnete Harald Schweitzer, sagte, weder das Parlament noch der Ausschuss hätten Karten erhalten. Selbst wenn dem Innenausschuss ein Ticket-Sonderkontingent angeboten worden wäre, hätte er daraus keine gekauft, erklärte Schweitzer: „Da wäre mir das Eis zu dünn gewesen."
Im Nachbarland Baden-Württemberg war vergangene Woche bekannt geworden, dass die dortige Landesregierung die VIP-Loge im Stuttgarter Daimlerstadion für die Vorrundenspiele angemietet hat, 90 Prozent der Kosten - die Rede ist von 400.000 Euro - übernimmt allerdings DaimlerChrysler. Das Land zahlt die restlichen zehn Prozent und darf dafür über die Hälfte der 34 Logenplätze verfügen. Sitzen werden dort nach Angaben des Regierungssprechers in Stuttgart „Staatsgäste und Gäste der Landesregierung".
SCHLICR / SCHLICR
Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Bad Dürkheimer Zeitung
Datum: Nr.19
Datum: Montag, den 23. Januar 2006
Seite: Nr.11
Stadt Kaiserslautern erhält Sonderkontingent - Kein Weiterverkauf an Jedermann
KAISERSLAUTERN (ros). Die Stadt Kaiserslautern hat für die fünf Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft im Fritz-Walter-Stadion ein Sonderkontingent an Eintrittskarten erhalten. Das Volumen liegt offenbar bei 2000 bis 2500 Tickets. Die Karten, die von der Stadt erworben wurden, sollen an Leute weiterverkauft werden, die Kaiserslautern auf dem Weg zur WM unterstützt haben.
Ein Sprecher des WM-Organisationskomitees in Frankfurt erklärte auf Anfrage, jeder der zwölf deutschen WM-Städte seien zwischen 1500 bis 3000 Karten zum Kauf angeboten worden. Die genaue Anzahl sei von der Zahl der Spiele und der Kapazität des Stadions abhängig. Die Städte hätten die Tickets zum normalen Kaufpreis erwerben können. Für die Vorrunden-Begegnungen kosten die WM-Karten bis zu 100 Euro, für ein Achtelfinalspiel bis zu 120 Euro.
Die Stadt Kaiserslautern wird die Karten aus ihrem Sonderkontingent gezielt vor allem Vertretern von Firmen und Sponsoren, die sich für die WM-Spiele im Fritz-Walter-Stadion engagiert hätten, sowie „besonderen Gästen" zum Kauf anbieten, sagte der städtische WM-Beauftragte Erwin Saile. Zudem könne jedes Mitglied des Kaiserslauterer Stadtrats zwei Tickets erwerben. Aufgrund der gemachten Bedingungen des WM-Organisationskomitees sei es nicht möglich, die Karten an Jedermann weiterzuveräußern. Die Stadt könne keinen Verkaufsstand aufmachen, bei dem es nach dem Prinzip gehe, wer zuerst kommt, erhält eine Karte, sagte Saile.
Dem widerspricht jedoch indirekt der Sprecher des Organisationskomitees in Frankfurt. Es gebe keine Vorgaben, die Art des Weiterverkaufs sei den Städten überlassen, erklärte Sprecher Stephan Eiermann gegenüber der RHEINPFALZ. Ausgeschlossen seien allerdings Verlosungsaktionen, weil diese den Hauptsponsoren der WM vorbehalten seien.
In anderen WM-Städten wie beispielsweise in Hannover war den Verantwortlichen im Zusammenhang mit den Sonderkontingenten vorgeworfen worden, hier würden Politiker und Prominente bevorzugt behandelt. In Hannover hatte Oberbürgermeister Herbert Schmalenstieg deshalb Anfang Januar vorübergehend die Kartenvergabe gestoppt und ein neues Verfahren angekündigt. Der neue sei der alte Modus, sagte jedoch jetzt ein Sprecher der Stadt, man habe aber die Kriterien inzwischen transparent gemacht. Die Karten würden grundsätzlich bei solchen Leuten platziert, denen Hannover die WM-Spiele zu verdanken habe. Dazu zählten auch die Ratsmitglieder, die für jedes der fünf Spiele in der niedersächsischen Hauptstadt je zwei Karten erwerben können. Mit einem Ticketangebot belohnt werden in Hannover aber auch „engagierte und super fleißige Mitarbeiter" in den Behörden, die mit den WM-Vorbereitungen befasst sind.
Dass die Vergabepraxis für solche Ticket-Sonderkontingente kritisch beobachtet wird, ist angesichts der enormen Kartennachfrage kein Wunder, viele Fans waren bei ihren Ticket-Bestellungen leer ausgegangen. „Wir haben nun einmal nur drei Millionen Karten, bräuchten aber gut und gerne 30 Millionen", bedauert der Vizepräsident des Organisationskomitees Horst R.Schmidt. Für ihn ist der Kartenverkauf der schwierigste Aspekt der gesamten WM-Organisation.
Sonderkontingente an Karten für die fünf Kaiserslauterer WM-Spiele gab es im Übrigen nicht nur für die Stadt, sondern auch für die Stadiongesellschaft und den 1. FC Kaiserslautern. Die Stadiongesellschaft, die 2003 zur Entschuldung des 1. FCK eigens gegründet worden war und die das Stadion übernommen hat, werde ihre Karten schwerpunktmäßig Vertretern der am Stadion-Ausbau beteiligten Firmen anbieten, sagte Saile, der auch Geschäftsführer dieser städtischen Gesellschaft ist. Das Sonderkontingent der Stadiongesellschaft sei aber wesentlich kleiner als das der Stadt.
Landesregierung: Wir
bekommen keine Karten
Und wie sieht es mit Karten für Landespolitiker aus? Das Land bekomme kein Kontingent und könne deshalb auch keine Karten weitergeben, sagte Regierungssprecher Walter Schumacher auf Anfrage. Die Landesregierung habe auch keine Tickets angekauft. Ministerpräsident Kurt Beck wird dennoch wohl nicht vor der Kaiserslauterer Stadiontür bleiben müssen. Es gebe zwar noch keine offizielle Einladung der Fifa, mündlich sei eine solche aber bereits ausgesprochen worden, erklärte Schumacher. Der Vorsitzende des für Sport zuständigen Innenausschusses des Landtags, der SPD-Abgeordnete Harald Schweitzer, sagte, weder das Parlament noch der Ausschuss hätten Karten erhalten. Selbst wenn dem Innenausschuss ein Ticket-Sonderkontingent angeboten worden wäre, hätte er daraus keine gekauft, erklärte Schweitzer: „Da wäre mir das Eis zu dünn gewesen."
Im Nachbarland Baden-Württemberg war vergangene Woche bekannt geworden, dass die dortige Landesregierung die VIP-Loge im Stuttgarter Daimlerstadion für die Vorrundenspiele angemietet hat, 90 Prozent der Kosten - die Rede ist von 400.000 Euro - übernimmt allerdings DaimlerChrysler. Das Land zahlt die restlichen zehn Prozent und darf dafür über die Hälfte der 34 Logenplätze verfügen. Sitzen werden dort nach Angaben des Regierungssprechers in Stuttgart „Staatsgäste und Gäste der Landesregierung".
SCHLICR / SCHLICR
Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Bad Dürkheimer Zeitung
Datum: Nr.19
Datum: Montag, den 23. Januar 2006
Seite: Nr.11