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"Überrumpelung, Desinformation, Täuschung"
Sanierungskonzept von Borussia Dortmund im Zwielicht: Sammelklage gegen Molsiris - Insolvenz droht
von Oliver Müller
Düsseldorf - Der Fußball-Bundesligaverein Borussia Dortmund kommt auch in der Sommerpause nicht zur Ruhe. Gestern reichte ein Anwaltskonsortium bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf unter dem Aktenzeichen 120 JF 1001/05 eine Sammelklage wegen Prospektbetruges gegen die Geschäftsführung des Westfalenstadion-Fonds ein. Außerdem wurden Strafanzeigen wegen Untreue und Betrug gestellt.
"Es geht uns nicht darum, dem BVB zu schaden. Wir sehen den Schwarzen Peter bei der Geschäftsführung des Fonds", erklärte Rechtsanwalt Jens-Peter Gieschen am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf, "aber das könnte in letzter Konsequenz auch die Insolvenz des BVB zur Folge haben."
Grund für die Klage sei, daß den Anlegern des sogenannten Molsiris-Fonds die hohen Verluste der Borussia, die das Stadion von Molsiris mietet, und ein Haftungsrisiko in Höhe von 43 Millionen Euro verschwiegen worden seien.
Der mit rund 90 Millionen Euro verschuldete Bundesligist hatte am 14. März die drohende Insolvenz nur abwenden können, weil die große Mehrheit der insgesamt 5800 Molsiris-Anleger auf einen Teil ihrer zugesagten Rendite verzichtet und Mietstundungen zugestimmt hatten.
Doch weil bei dieser Vollversammlung am Düsseldorfer Flughafen nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei, drohen Gieschen sowie die Rechtsanwälte Dietmar Kälberer und Jan-Henning Ahrens mit der Rückabwicklung dieses Beschlusses. Das vom Unternehmensberater Jochen Rölfs erarbeitete Sanierungskonzept für den BVB habe den Anlegern zudem nur unvollständig vorgelegen. "Die Gesellschafter sind bewußt getäuscht worden, um die Zustimmung zu dem Sanierungskonzept zu erhalten. Man hat ihnen gesagt, daß sie nicht in der Nachhaftung wären, wenn Kommanditanteile zum Teil zurückgezahlt werden. Das ist nicht richtig: Die Gesellschafter haften nach wie vor mit dem ursprünglich gezahlten Kapital."
Kälberer erklärte, die Zustimmung sei mit Hilfe von "Überrumpelung, Desinformation und absichtlicher Täuschung" herbeigeführt worden. "Auch das Protokoll der Versammlung war ein Witz. Darin ist keine kritische Frage eines Anlegers vermerkt worden, gestellte Anträge sind weggelassen worden", sagte Ahrens, der die Ablösung der Geschäftsführung bei Molsiris und CBF Commerz Fonds, beides Tochterunternehmen der Commerzbank, fordert.
Die BVB-Führung sieht der Klage gelassen entgegen. "Die Vorwürfe sind unhaltbar. Das wird für uns überhaupt keine Konsequenzen haben", erklärte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: "Die Verträge sind aus meiner Sicht beschlossen und gültig. Unser Sanierungskonzept ist schlüssig und trägt. Wir haben es öffentlich gemacht, es war für jedermann einsehbar."
Watzke sieht gerade in der öffentlichen Präsentation der Klage eine "Profilierung auf Kosten von Borussia Dortmund". Bereits am 28. Februar hatte die Münchner Anwaltskanzlei Rotter und Partner auf einer Pressekonferenz in Dortmund mediengerecht eine Strafanzeige gegen die alte BVB-Geschäftsführung unter Präsident Gerd Niebaum und Manager Michael Meier angekündigt.
Watzke würde es sich vielmehr wünschen, daß gewürdigt würde, "was wir in den vergangenen Monaten getan haben, damit alle Anleger ihr Geld behalten und bekommen." Doch Fußball ist kein Wunschkonzert - und das Geschäft mit ihm schon gar nicht. Die Fans wünschen sich nur eines: weiterhin Bundesliga-Fußball in Dortmund, und das mehr denn je. Bis jetzt hat der Klub 21 000 Saisontickets verkauft, 2000 mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.
Quelle: www.welt.de
Sanierungskonzept von Borussia Dortmund im Zwielicht: Sammelklage gegen Molsiris - Insolvenz droht
von Oliver Müller
Düsseldorf - Der Fußball-Bundesligaverein Borussia Dortmund kommt auch in der Sommerpause nicht zur Ruhe. Gestern reichte ein Anwaltskonsortium bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf unter dem Aktenzeichen 120 JF 1001/05 eine Sammelklage wegen Prospektbetruges gegen die Geschäftsführung des Westfalenstadion-Fonds ein. Außerdem wurden Strafanzeigen wegen Untreue und Betrug gestellt.
"Es geht uns nicht darum, dem BVB zu schaden. Wir sehen den Schwarzen Peter bei der Geschäftsführung des Fonds", erklärte Rechtsanwalt Jens-Peter Gieschen am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf, "aber das könnte in letzter Konsequenz auch die Insolvenz des BVB zur Folge haben."
Grund für die Klage sei, daß den Anlegern des sogenannten Molsiris-Fonds die hohen Verluste der Borussia, die das Stadion von Molsiris mietet, und ein Haftungsrisiko in Höhe von 43 Millionen Euro verschwiegen worden seien.
Der mit rund 90 Millionen Euro verschuldete Bundesligist hatte am 14. März die drohende Insolvenz nur abwenden können, weil die große Mehrheit der insgesamt 5800 Molsiris-Anleger auf einen Teil ihrer zugesagten Rendite verzichtet und Mietstundungen zugestimmt hatten.
Doch weil bei dieser Vollversammlung am Düsseldorfer Flughafen nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei, drohen Gieschen sowie die Rechtsanwälte Dietmar Kälberer und Jan-Henning Ahrens mit der Rückabwicklung dieses Beschlusses. Das vom Unternehmensberater Jochen Rölfs erarbeitete Sanierungskonzept für den BVB habe den Anlegern zudem nur unvollständig vorgelegen. "Die Gesellschafter sind bewußt getäuscht worden, um die Zustimmung zu dem Sanierungskonzept zu erhalten. Man hat ihnen gesagt, daß sie nicht in der Nachhaftung wären, wenn Kommanditanteile zum Teil zurückgezahlt werden. Das ist nicht richtig: Die Gesellschafter haften nach wie vor mit dem ursprünglich gezahlten Kapital."
Kälberer erklärte, die Zustimmung sei mit Hilfe von "Überrumpelung, Desinformation und absichtlicher Täuschung" herbeigeführt worden. "Auch das Protokoll der Versammlung war ein Witz. Darin ist keine kritische Frage eines Anlegers vermerkt worden, gestellte Anträge sind weggelassen worden", sagte Ahrens, der die Ablösung der Geschäftsführung bei Molsiris und CBF Commerz Fonds, beides Tochterunternehmen der Commerzbank, fordert.
Die BVB-Führung sieht der Klage gelassen entgegen. "Die Vorwürfe sind unhaltbar. Das wird für uns überhaupt keine Konsequenzen haben", erklärte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: "Die Verträge sind aus meiner Sicht beschlossen und gültig. Unser Sanierungskonzept ist schlüssig und trägt. Wir haben es öffentlich gemacht, es war für jedermann einsehbar."
Watzke sieht gerade in der öffentlichen Präsentation der Klage eine "Profilierung auf Kosten von Borussia Dortmund". Bereits am 28. Februar hatte die Münchner Anwaltskanzlei Rotter und Partner auf einer Pressekonferenz in Dortmund mediengerecht eine Strafanzeige gegen die alte BVB-Geschäftsführung unter Präsident Gerd Niebaum und Manager Michael Meier angekündigt.
Watzke würde es sich vielmehr wünschen, daß gewürdigt würde, "was wir in den vergangenen Monaten getan haben, damit alle Anleger ihr Geld behalten und bekommen." Doch Fußball ist kein Wunschkonzert - und das Geschäft mit ihm schon gar nicht. Die Fans wünschen sich nur eines: weiterhin Bundesliga-Fußball in Dortmund, und das mehr denn je. Bis jetzt hat der Klub 21 000 Saisontickets verkauft, 2000 mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.
Quelle: www.welt.de