"Ich dachte, ich würde beurlaubt"
Gelsenkirchen - Schalke 04 war schon immer für Überraschungen gut, doch mit der Beförderung von Mirko Slomka zum Cheftrainer verblüffte die königsblaue Führung sogar den ehemaligen Assistenten von Ralf Rangnick.
"Ich dachte, ich würde beurlaubt. Stattdessen wurde ich befördert", sagte der ehemalige Co-Trainer der Schalker, der nur kurz vor der entscheidenden Sitzung mit Rudi Assauer, Andreas Müller und Co. in der Nacht zum Mittwoch im Autoradio noch Namen diverser anderer Kandidaten vernommen hatte.
Doch nun übernimmt doch kein Trainer von Weltrang auf Schalke das Ruder, sondern der 38-jährige Slomka, der bislang ein einziges Mal als Cheftrainer einer Seniorenmannschaft gearbeitet hat - bei Tennis Borussia Berlin.
"Er ist die beste Lösung"
"Er ist die beste Lösung, die wir kriegen konnten. Wir schätzen seine fachliche Kompetenz, er ist eine unglaublich Respektsperson. Es war überhaupt kein Problem für uns, ihn mit dieser Aufgabe zu betrauen", erklärte Teammanager Andreas Müller, der die Idee zur Slomka-Beförderung hatte.
Auf der Pressekonferenz am Mittwoch wurde schnell klar, dass Rudi Assauer mit dem Prozess der Trainersuche tatsächlich nur am Rande betraut war.
Assauer verwundert
Auf Slomka als Chefcoach wäre der Manager nach eigenem Bekunden "so nie gekommen". Assauer hob aber hervor, dass die Entscheidung im Vorstand einstimmig gefallen sei: "Wir hätten diesen Schritt nicht getan, wenn wir nicht voll von ihm überzeugt wären." Müller hatte ihn offenbar überzeugt.
Slomka, dessen Name aus dem Ostpreußischen stammt und soviel wie "kleiner Strohhalm" bedeutet, erhält zunächst nur einen Vertrag bis zum Ende der Saison.
Müller sieht diesen Vertrag aber "perspektivisch angelegt" und habe "kein Problem", diesen im Erfolgsfall langfristig zu verlängern. Und der Erfolgsfall bedeutet Qualifikation für die Champions League.
"Entscheidung des Vorstandes sehr mutig"
"Das bleibt eindeutig unser Ziel, und daran werde ich gemessen", sagte Slomka: "Ich empfinde die Entscheidung des Vorstandes als sehr mutig und hoffe, dass ich dem Verein etwas zurückgeben kann."
Einer der ersten Gratulanten war am Morgen sein Freund Rangnick gewesen, mit dem er in den vergangenen fünf Jahren zusammengearbeitet hat. Er habe ihm viel Glück gewünscht, so Slomka, "aber nun wird es Zeit, eigene Entscheidungen zu treffen".
Kuranyi: "Eine schöne Überraschung"
Auch die Schalker Spieler waren von dem Entschluss angetan. "Das ist eine schöne Überraschung. Er kann hier auf jeden Fall erfolgreich sein", meinte Kevin Kuranyi. "Wenn die Mannschaft gut Leistung zeigt, wird aus dem kleinen ein großer Trainer. Er hat es drauf."
Die Spieler dürfen Slomka weiterhin duzen. "Wer damit Probleme hat, soll einfach Trainer sagen", erklärte der neue Chef-Coach.
Bei den Fans stieß die Entscheidung des Managements für den ehemaligen Assistenen des am 12. Dezember entlassenen Ralf Rangnick dagegen auf viel Unverständnis.
Fans enttäuscht
Schon beim ersten Training nach der Winterpause am Mittwochvormittag, das Slomka bereits leitete, wurde die neue Personalie kontrovers diskutiert.
Viele der gut 2500 Zuschauer wussten noch gar nichts von der Beförderung. In den Internet-Foren waren die Kritiker ("Armutszeugnis", "Schwere Niederlage für Schalke") unterdessen klar in der Überzahl.
Die Fans hatten nicht zuletzt wegen Assauers jüngsten Aussagen ("Der nächste Schuss muss sitzen") einen renommierten Fußball-Lehrer erwartet. Namen wie Ottmar Hitzfeld, Christoph Daum, Erik Gerets, Trond Sollied und zuletzt auch wieder Huub Stevens kursierten.
Verhandlungen nur mit einem prominenten Trainer
"Es ist doch klar, dass es für einige eine Enttäuschung ist. Aber ich muss ehrlich sagen, das interessiert mich herzlich wenig. Entscheidend ist, dass wir von ihm überzeugt sind", meinte Müller, der hervorhob, nur mit einem einzigen weiteren Trainer verhandelt zu haben. Den Namen nannte er nicht.
"Er hat uns gesagt, er wolle erst im Sommer wieder arbeiten", sagte Müller.
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edit: Kleiner Strohhalm