Artikel von n-tv:
Positive Zwischenbilanz
Gute Schiri-Leistungen
Joggen um sieben Uhr früh, stundenlange TV-Schichten und immer die "Regel Menschenverstand" im Hinterkopf: Auch für den zweimaligen Welt-Schiedsrichter Markus Merk bedeutet die Heim-WM schweißtreibende Arbeit. Ist der 44-jährige Pfälzer nicht gerade bei einem Match im Einsatz, spielt sich sein tägliches Leben vor den Toren von Frankfurt/Main derzeit zwischen Hotel, Shuttlebus und Sportpark Neu-Isenburg ab.
"Man muss immer am Ball bleiben. Ich laufe jeden Morgen 45 Minuten und mache mittags das körperliche und taktische Training. Danach schauen wir uns mit den Kollegen nahezu alle Spiele im Fernsehen an, um sie später auch gleich zu analysieren", erzählt Merk und hat nur ein WM-Ziel vor Augen: "Wir wollen in punkto Leistung möglichst nah an die 100 Prozent heran." 95 Prozent aber seien "auch schon prima".
Gute Beurteilungen haben die 21 Schiri-Gespanne inklusive Merks Team, das am vergangenen Sonntag souverän die Partie zwischen den Niederlanden und Serbien und Montenegro (1:0) in Leipzig leitete, in der ersten WM-Woche fast ausnahmslos bekommen. Für den promovierten Zahnmediziner kein Zufall. "Wir haben anderthalb Jahre harte Vorbereitung hinter uns. Natürlich bin ich auch deshalb froh, dass wir bislang so im positiven Fokus stehen", meinte Merk am Donnerstag nach seiner zweiten Trainingsschicht in Neu-Isenburg erleichtert.
Allerdings sieht der deutsche FIFA-Referee im weiteren Turnierverlauf noch viel Arbeit auf die WM-Schiris zukommen und mahnt zur Konzentration. Merk: "Es sind erst 25 Prozent des Weges absolviert. Schon in den zweiten Gruppenspielen wird es für uns schwieriger, weil für viele Teams bereits entscheidende Partien anstehen."
Kraft in kritischen Situationen soll den Referees aus 20 Nationen - Mexiko hat zwei Schiedsrichter entsandt - der "enorme Teamgeist untereinander" (Merk) geben. "Immerhin sind wir die einzige Multi-Kulti-Gruppe bei dieser WM. Über das gemeinsame Training versuchen wir, unsere Arbeit zu vereinheitlichen", erklärt der deutsche Vorzeige-Schiri die immer weiter fortschreitende Professionalisierung. Bei der WM kümmern sich unter anderem vier Physiotherapeuten, vier Masseure und ein Arzt um die Referees.
Seine eigene Fürsorgepflicht gegenüber den Spielern in punkto Hitze will Merk auch in den weiteren WM-Einsätzen erfüllen. "Da will ich die Regel Menschenverstand gelten lassen. Dazu bin ich selbst viel zu sehr Sportler, als dass ich den Spielern ihre Trinkpausen nicht gönnen würde", kündigte Merk an, nachdem sich die Engländer nach dem Spiel gegen Paraguay (1:0) am vergangenen Samstag über die strengen Trinkregeln der FIFA beschwert hatten.
Strenge Regeln herrschen auch im Schiedsrichter-Quartier im idyllischen Neu-Isenburg. Damen- bzw. Familien-Besuch ist auch nach guten Leistungen nicht erlaubt. "Man ist schon ziemlich abgeschottet, aber die Freude an dieser tollen WM ist riesengroß", schwärmt Merk, dessen Traum von einem Spiel in seinem "Wohnzimmer" Kaiserslautern weiterlebt. Dann trottet er nach seiner Mittagsschicht bei Temperaturen von 31 Grad nassgeschwitzt zum Shuttlebus: Die nächste TV-Schicht steht an.